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Das Leben ist eine bunte Kiste!
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Re: Hotti

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Fernweh

Viel näher liegt der Umkehrwert Heimweh. Lange Abwesenheit von Zuhause, das Vermissen des regelmäßigen Wochenablaufs und Zusammenkommen der Familienmitglieder, das reicht schon, um sentimental daran zu denken, wieder dem gewohnt vertrauten Umfeld nahe zu sein. Dabei sind Urlaubsfreuden oder andere Abwesenheiten in der Regel vorausgegangen. Was ist nun stärker, dieses Eine oder das Andere? Kommt darauf an. Wenn sich derartiges regt und vermehrt auftritt, dann ist zweifellos eine Mangelerscheinung dafür verantwortlich und folglich setzen Bemühungen ein, diesen „regelwidrigen“ Zustand irgendwie in den Griff zu bekommen. Es ist ja immer so, alles, was man nicht hat und sich trotzdem wünscht, regt Begehrlichkeiten im Kopf. Wenn dann noch von kompetenter Seite guter Rat erfolgt, gehegte Ziele planmäßig vorzubereiten, beginnt die Spur zu wachsen.

Leute, die ständig auf Achse sind, geraten leicht in den Spottbereich Reise-Onkel/-Tante. Dabei sind das meist jene, die nicht mehr im Berufsleben stehen und ihr Schäfchen längst sicher ins Trockene gebracht haben. Gemeint sind alle, die in gesicherter Armut nicht dem Sozialstaat zur Last fallen. In meinem Umfeld gibt es einige davon. Und ich will nicht verschweigen, dass bei mir nach mehr als 50jähriger Berufszeit kein Bettelstab an meiner Haustür klebt. Trotzdem gelüstet es mich nur bedingt, sagen wir vergleichsweise wie vom berufsmäßigen Urlaubsplan abhängig, nur ein bis zweimal pro Jahr von zuhause vorübergehend wegzuziehen. Meistens weiter weg und maximal für 3- 4 Wochen. Wer mich kennt, weiß, es sind stets fremde Kulturen, nicht einfach mal schnell erreicht, sondern eher langfristig vorbereitet und dem geplant folgenden Ablauf stets zugetan.

In den letzten 20 Jahren ist das durchschnittlich alle zwei Jahre passiert und zwar nicht wie oben, dem Fernweh geschuldet, viel eher, weil mein Kenntnis-Manko des betreffenden Landstrichs unbedingt getilgt werden sollte. Da ich ebenso wie andere Altersgenossen nicht mehr das lückenlose Gedächtnis früherer Zeiten besitze, nutze ich den Hang zum Aufschreiben. Das Ergebnis waren bisher 11 Reisebücher zwischen 150 und 420 Seiten inklusive Fotobeilagen. Das waren keine Bestseller, aber beliebte Reise-Einladungen an Zuhause-Gebliebene, die beim Nachlesen die Reise gedanklich mitmachen konnten. Für einen selbst, ist der Erinnerungswert von enormer Bedeutung. Was man sonst alles vergisst im Laufe der Zeit, ist leider beträchtlich. Dem Fernweh ist damit kräftig abgeholfen.

Was aber die Ortsveränderung allgemein betrifft, die wir (jetzt im Plural) in unseren Lebenszyklus eingebaut haben, ist zum beständigen Faktor geworden. Weg von Zuhause und doch wieder nicht? Die Erklärung ist ganz einfach: Vor - inzwischen – 15 Jahren besuchten wir eine Freundin am Leipziger Stadtrand, fast wie auf dem Dorf. Zwar nicht mehr ganz in Schutt und Asche, wie in einigen umliegenden kleinen Ortschaften, aber doch gewöhnungsbedürftig. Kurzum, wir kauften ein verwahrlostes Grundstück in der Nachbarschaft aus dem einzigen Grund, weil es ein Vergleichsort mit unserer Berliner Behausung ist und Leipzig zwar anders, aber quasi ein Vorort von Berlin ist, wenn man unsere Reisezeit von Haus zu Haus mit 1:40 Std./Min. bedenkt. Heute ist Leipzig ebenso unsere Stadt wie Berlin, was wohl daran liegt, dass wir keine reinen Stadt-Indianer sind, sondern immer am Grünzipfel Wald, an Wiesen und Seen schnuppern.

Die Großstadt ist in beiden Städten bequem mit dem Fahrrad in 20-25 Minuten zu erreichen. Mit den Öffentlichen noch schneller, nur haben wir es nicht so mit dem Schwarzfahren. Und was das Wohnen anbelangt, Leipzig hat uns bewiesen, dass es kleiner mit gleichem Komfort geht. Jedes notgebrauchte Inventar haben wir uns zugelegt und wir vermissen nichts. Einzig Heimweh und genauso Fernweh haben sich relativiert. Nur was Berlin vs. Leipzig betrifft – wir haben es in dieser Beziehung, Gottlob, nicht.

Horst
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung

Diese Feststellung trifft mich des Öfteren, besonders dann, wenn es in den Muskeln zuckt und daran erinnert: hej, heute ist dein Lauftag. Naja, ich bezeichne das immer noch nach altgewohnter Manier, obwohl der laufsportliche Teil bei mir aus bekannten Gründen (hoffentlich verständlicherweise) längst abgehakt ist. Darum trotzdem Bewegung in jeder machbaren Form: Kampfwandern (Walken), Radfahren, Skifahren (winters), Reiten (sommers), einmal die Woche Herz-Sportgruppe mit Krafttraining/Gymnastik und zuhause – nicht zu verachten, Gartenarbeit auf gut 2.000 m² in drei Gärten, klappt noch immer und - jawohl - macht Spaß. Und welch Wunder, die Waage zeigt keine Veränderung zum früheren Kampfgewicht, was mich einigermaßen zufriedenstellt. Nichts wäre schlimmer, wenn man geformt als Couch-Potatoe enden würde.

Bayern jodeln, wenn`s ihnen gut geht. Mir dagegen, um im Jargon uns zu meinen, machen es etwas anderes, nämlich stiller. So ein bisschen vor sich hin murmeln (ach, ist das schön…..), wenn die Sonne noch verhalten durch die Zweige scheint und man selbst durch die geeignete Natur streift, ist schon das Minimum, was man zurückhaltend äußern muss. So ging es mir heute früh oberhalb des Schlachtensees, den ich dank der Sonnenspiegelung im Wasser schnurstracks in Verbindung mit dem Königssee in bayrischen Landen sah. „Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt?“ Ah, geh, nicht auf die Schmarrn-Tour.

Jetzt mal echt: Gehst du um sieben Uhr in der Früh Sportschuh behaust aus dem Haus, herrscht noch überall Stille und den Wald hast du für dich ganz allein – ein Königreich. Nicht einmal ein verlaufener Hund, wie öfters mal, kommt einem entgegen. Und jetzt Ende Mai gleicht das Vogelgezwitscher dem pianissimo Symphonie-Orchester und als Krönung schließlich kam der lang vermisste Kuckuck wieder zu Worte. Naja. Im Winter gibt es diesen Zugvogel natürlich weder zu sehen noch zu hören. Sind Zugvögel nun Leitbilder? Sie sind nur in unseren Breitengraden, wenn die Frostsaison beendet ist.

Wie wäre es denn, wenn wir unsere Energie- und Klimaproblematik auf Art und Weise der Zugvögel vermindern? Kein guter Vorschlag? Weil dann neue, andere Probleme auftauchen würden? Ich meine ja nur, von der Natur abgucken hat noch niemals geschadet.

Kurzum, selbst nicht so forderndes Walken bedarf einer gewissen Anstrengung und je länger die Einheit dauert, der man sich unterzieht, umso schneller purzeln die verbrauchten Kalorien. Aber allein das ist es nicht, um die normalübliche, nachtschlafende Zeit einfach kurzfristig abzubrechen, nur um das friedliche Naturleben zu genießen, oder doch? Auf jeden Fall, weil nämlich die tagsüber gewohnte Fülle oder besser die Begegnung mit Spaziergängern samt ihren treuen Begleitern, Hunde, und Radfahrer nicht vorhanden sind. Dieser nahezu Rausch genannte Zustand weckt fast euphorische Phantasien. So zum Beispiel die Lust, einfach, zack, zack, Klamotten aus und blank wie man ist, in das kühle, herrlich (noch) klare Nass zu springen, ein paar erfrischende Schwimmzüge hinzulegen und etwas später dann seinem Ziel wieder entgegen zu marschieren. Aber uiije, 17°C, vermeintliche Fingerspitzentemperatur, ließen vorweg meine ohnehin beeinträchtigte Blutzirkulation förmlich gefrieren und der ausgewiesene Warmduscher erhielt von seiner Denkzentrale den Blitzbefehl „Kaltes Wasser - abgelehnt, weiterlaufen“.

12 km. 1:49:57. Schnitt 9:10 Min. Ein Lacher für den routinierten Läufer. Ja, das war mal. Die darauf- folgende Trübnis hat sich längst gewandelt in die eben beschriebene Freude, ein anderes Erlebnis gehabt zu haben. Die von allen erwünschte, heile Welt, hier scheint sie noch in Ordnung. Wie gesagt, am Tagesbeginn. Wenig später, sagen wir mal drei Stunden später, wandelt sich das Bild, ausnahmslos bei schönem Wetter, so wie jetzt an den Pfingsttagen. Wenn ich es nicht in der ständigen Wiederholung kennen würde, hätte mein Erregungspuls darüber genügend Anlass, sich in Höhen zu schwingen, die dem Körper ungut täten. So aber, keep cool, nimm die Völkerscharen gelassen hin, die wollen schließlich auch nur den Badespaß und abends sind sie wieder weg.

Wenn nicht gerade jetzt ein Müllauto zwei Meter vom See-Rand entfernt stehen würde, um die Berge hingeworfenem oder von der dagewesenen Fun-Gesellschaft einfach ins Gebüsch geschmissenen Unrat zu entfernen. Abfall-Eimer zum Bersten voll. Auf die Idee, seinen Abfall wieder mitzunehmen und der häuslichen BSR-Tonne zu übergeben, kommt offenbar kaum jemand. Einzig die Utensilien, die mit einem „T“ gekennzeichnet sind, sind relativ rar. Entweder werden sie wieder mitgenommen oder fleißige Flaschen- und Büchsensammler klappern zu nächtlichen Zeiten die Uferzonen der Seen ab, um sich ein Almosen zu verschaffen. Was „lernt“ uns das? Alles was achtlos weggeworfen wird, sollte mit einem Pfand versehen sein, dann hielten sich die schönwetterlichen Sau(f)ereien in Grenzen.

Schlussendlich ergibt sich die Frage „Warum ist die Welt so schön?“ Damit sie von der Menschheit kaputtgemacht werden kann. – Als wenn es sonst nichts Besseres zu tun gäbe.

Horst
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Sport und Kunst - kann das gehen?

So eine Frage. Das wäre genauso, als wenn ich fragen würde, Obst oder Banane, jedenfalls für mich. Von wegen alles Banane, um einmal von der Gleichmacherei abzulenken, Obst muss ja sein, denn Sportler*innen ohne geeignete Vitaminzufuhr und einigermaßen gesunder Ernährung, werden die Freuden der körperlichen Anstrengung niemals in der Fülle ausschöpfen können, wie trainierte Enthusiasten aller Bewegungsarten. Und andererseits ist ein Leben ohne Kreativität und Kultur in unseren Gesellschaftsumfeld kaum denkbar. Oder? Ja, ich weiß, gerne begibt sich der oder die Andere in eine Art Abwehrmechanismus, indem locker und vermeintlich witzig die Behauptung „Kulturbanause“ fällt, um auszudrücken, braucht man nicht.

Und da komme ich und sage: „Wer für Kunst sich nicht begeistert, dem sind die Augen zugekleistert.“ Das ist doch gelinde gesagt vergleichbar mit dem ABC, das wir alle einmal als unbedingt nötig kennengelernt haben, um im alltäglichen Leben überhaupt bestehen zu können. Kulturpraktiken, seit Urzeiten immer in der Entwicklung begriffen, sind unerlässlich, wie sonst wäre der stetige Fort- und Weiterentwicklungsprozess zu verstehen?
In der Rückschau gesehen, ist alles heutige Denken von der Geschichte geleitet und stets bemüht, auf neue Denkweisen, Entdeckungen, Erfindungen oder pauschaler auf umfassende wissenschaftliche Erkenntnisse hinzuweisen und möglichst auch zu verwirklichen. Als Fortschritt auf jeder Ebene. Gut so. Was aber, wenn ohne Erfahrung und nur auf die Zukunft ausgerichtet? Kann nicht gehen, ist doch einleuchtend, wird wohl jede(r) zustimmen. Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann keine Zukunft gestalten. Ein alter Spruch mit absoluter Sinnhaftigkeit. Und so komme ich mit der hier mehrstimmigen Beschreibung allgemeiner Zustände in den Trichter, den ich mir zum Thema gesetzt habe.

Vom Beginn des zweiten Lebensjahres an, von nur ganz wenigen etwas später, beginnen alle Artgenoss*innen den zweibeinigen Bewegungsapparat weidlich zu benutzen. Bewegung ist Sport, ohne Frage. Nun kommen die Grund-Kulturtechniken Schreiben, Lesen, Rechnen, ganz simpel ausgedrückt. Den Kopf dazu haben wir ja alle, um das einmal Erlernte zu speichern, zu entwickeln und anzuwenden, wird jedoch je nach Mensch unterschiedlich ausgeprägt sein. Auch das ist von der Natur gut verteilt, denn nicht alle auf Erden können von Geistesblitzlichtern oder Sternschnuppen erleuchtet worden sein. Und so unterschiedlich wir alle sind, eint uns einiges, von Ausnahmen einmal abgesehen. Das Interesse, immer wieder etwas Neues zu erfahren, aufzunehmen und ein Leben zu führen, das den Bedürfnissen gerecht wird, um sich glücklich schätzen zu können, ist unerlässlich.

Zwangläufig bin ich jetzt da angelangt, wo das zweite Subjektiv (siehe Rubrum) greifen soll, obwohl ja Kunst im engeren Sinne eine Sprache ohne Worte ist (von der Schriftstellerei, Schauspiel und dem Journalismus einmal abgesehen). Die Formensprache, die ich meine, ist eine Passion, der ich seit Lebzeiten anhänge und nicht lassen kann von ihr. Und da im Speziellen ist es die Bildendende Kunst.

Schon im Teenager-Stadium war ich fasziniert von alten Meistern dieses Metiers. Im Weiterführenden landete ich schließlich bei der zeitgenössischen Kunst, die gewissermaßen das Tor zur absoluten Offenheit, ja eine Art Türöffner war, um andere Meinungen besser akzeptieren zu können. Das Verstehen ist eine ganz andere Sache. Moderne Kunst muss nicht immer verstanden werden, aber sie muss/sollte empfunden sein. Das ist mein Credo, von dem ich überzeugt bin, denn wer Neues ablehnt ohne sich um Hintergründe zu kümmern oder von vorn herein gegen alles ist, denjenigen ist nicht zu helfen.

Hätte ich die handwerkliche Gabe oder zumindest das Talent, Künstler in irgendeiner Kunstrichtung zu sein, gehabt, säße ich heute nicht am Computer, um diese Zeilen zu schreiben. Mich trieb etwas anderes um. Wenn schon nicht das gewünschte Talent vorhanden war, so doch wenigstens der Kontakt und Umgang mit den fertig geschaffenen Werken von Künstler*innen, denn wiederum auch den vielen Kunstschaffenden bedeutete es etwas, durch eigene „Klientel“ von Galerien oder gar Museen unabhängig zu sein. Kunst kommt von Können, aber nichts kommt vom Stillsitzen im Atelier.

Nun gibt es viele Kulturinteressierte, die sich wenig aus Galerie- oder Museumstempelgeschehen kümmern, weil sich ihrer Meinung nach dort oft ein elitärer Club trifft, um sich gegenseitig von ihrer Wichtigkeit zu überzeugen - überspitzt formuliert. Dass Künstler*innen Geld verdienen wollen/müssen, steht ohne Frage. Und so kam ich vor unendlichen Jahren auf die Idee, ein völlig unentgeltliches Event zu starten, das ich „Kunsttreffen“ nannte, absolut privat und ohne kommerziellen Hintergrund war. In Haus und Garten für vier Tage Bildende Kunst von renommierten Künstlern auszustellen ist kein Pappenstiel. Ich mache das seit 44 Jahren, einmal pro Jahr. Diesmal das 45. Kunsttreffen – zum letzten Mal.

OTMAR ALT – Malerei, Grafik, Bronze- und Glas-Skulpturen. Es wird ganz toll – muss noch viel arbeiten, für 13./14. und 20. und 21. Juni jeweils von 14 – 18 Uhr.

Adresse: Wasserkäfersteig 13, 14163 Berlin-Zehlendorf, Krumme Lanke
- Badesachen mitbringen,
Radfahren hierher macht Spaß, aber Laufdress wäre nicht angemessen.

Wenn etliche Sportbegeisterte sich von meiner stetigen Kunstbegeisterung anstecken ließen und einfach vorbeikommen, würde mich das freuen.
Gerne könnt ihr euch den Flyer zur Einladung abfordern: horst.matznick@t-online.de

Horst
Zuletzt geändert von Hotti am 03.06.2026, 12:44, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Hotti

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Der Ball ist rund

Er rollt, fliegt und soll möglichst schnell im Viereckigen landen, dann jodelt das zuschauende Volk in nahezu hemmungsloser Weise, wird doch ein Treffer als Tor bezeichnet. Und jedes Mehr an Treffern als es der jeweilige Gegner erzielt, bringt den Vorteil, sich im bestehenden Wettbewerb besser zu platzieren, am besten so, dass kein anderer vor einem steht. Hört sich recht einfach an, ist aber komplizierter, als sich manch einer vorstellen kann. Wovon ich spreche, muss ich wohl bei niemand aufklärend agitieren, denn mit dem Spielgerät, von dem ich rede, ist die Menschheit meist von Geburt an beschäftigt. Die Erstausgabe für Frischgeborene wird meist in stofflicher Weise zugereicht und ist bestens zum Abtasten oder geschmacksprobierend geeignet. Erst viel später, wenn das Menschlein bereits auf zwei Beinen stehen kann, wird das runde Ding zum unverzichtbaren Beiwerk, weil, wenn etwas rollt, heißt das gleichzeitig, sich bewegen.

Nun gibt es Artgenossen, denen geht das völlig ab. Das ist die Minderheit. Somit kann ich mit Fug und Recht jetzt gleich ins Volle springen, denn dieses runde Ding, genannt Ball, gilt der Mehrheit als Objekt, das vielfältig genutzt werden kann. Mal per Hand oder Fuß, gelegentlich per Kopf, immer ist jedoch diesem meist in Leder gefertigtem Ball zu eigen, befördert zu werden. Von einem zum anderen und als Quintessenz schließlich als Wurf- oder Fußgeschoß mit Zielrichtung Tor. Gewiss, es gibt ja noch weit mehr Möglichkeiten Bälle zu verteilen, das lassen wir einmal beiseite, denn um endlich auf den Mainstream zu kommen, gibt es Wettbewerbe, die ohne dieses Runde gar existent wären. Ich rede von Korb-, Hand- und Fußball. Diese kleinen Nebendinger wie Tennis-/Tischtennis- Bälle haben ihre eigene Bedeutung.

Nun aber endlich zum Thema: Fußball-Weltmeisterschaft, kurz WM, im Abstand von 4 Jahren ein Ereignis, das sich selbst eingefleischte Sportverächter nicht entgehen lassen können, weil da etwas stattfindet, was verbindet, was Freude und Leid zugleich auslösen kann, Glück und Pech, Genialität und Teamgeist ersichtlich werden, kurzum Menschlichkeit tritt sichtbar zutage. Und all das ist ohne Emotionen, von Eitelkeiten einmal abgesehen, völlig undenkbar. Man muss kein Kenner oder Fan sein, um dem Spiel, das dem Worte nach gar keines ist, sondern in diesem zweifellos enorm spannenden Wettbewerb eher ein Kampf auf Biegen und Brechen, seine Wichtigkeit zu bestätigen.

Was ist nicht alles im Vorfeld dieses wahrhaft monsterhaft großen Ausmaßes mit 48 Teilnehmer-nationen publiziert worden? Zu groß, zu teuer und noch mehr. Das scheint nach dem ersten Spielanstoß völlig vergessen. Die Zuschauerseelen, auch am heimatlichen Bildschirm, sind entrückt, es gilt jetzt nur noch der Erfolg. Ganze 4 Wochen zieht sich das außergewöhnliche Spektakel in die Länge und (fast) nebensächlich erscheinen weltpolitische Regelungsbedürfnisse. Schon allein die Austragungsorte liegen entfernungsmäßig so weit auseinander, dass es eines beträchtlichen Reisetourismus` bedarf, um einigermaßen klar zu kommen. Kanada, USA, Mexiko. Der nicht gerade freundlich unter einander gesinnte Triangel bewirkt einen Bewegungsrhythmus für die teilnehmenden Nationen von bisher nicht bekannter und schon gar nicht geübter Praxis, den Aktionskreis (sprich Stadion) bereits nach einem Spiel wieder zu verlassen, um, tausende Km entfernt, an neuer Stelle anzutreten.

Die Vorrunde. Erste Spiele sind bereits gelaufen, das heißt noch nichts, nur die Erkenntnis, dass den Protagonisten nichts geschenkt wird. Unsere Mannschaft hatte einen leichten Aufgalopp: Curaçao, ein Karibik-Inselstaat mit nur 600.000 Einwohnern entsandte genau 11 von ihnen nach Houston/Texas, um „mit uns“ Fußball zu spielen. Gegen 83 Millionen Deutsche. David gegen Goliath. Wie es ausging, wissen wir inzwischen (7: 1), da lag die Häme gegen das Vergleichsspiel Spanien gegen Kapverdische Inseln - 530 000 Einw. - (0 : 0) buchstäblich auf der Zunge. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, jetzt kommen sie, die dicken Dinger, nicht unbedingt hochkarätig, aber dennoch fußballerisch voll auf der Höhe. Für „uns“ Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) und für España gegen Saudi Arabien.

Mal sehen, wie es weitergeht. Die nächsten Wochen sind noch lang und es kann viel passieren - und Wunder gibt es immer wieder- auch im Fußball.

Horst
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Re: Hotti

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Chronistenpflicht?

Von wegen, um mal gleich eine Antwort parat zu haben. Weder bin ich Fußballexperte noch ausgemachter Trikot-Träger der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, aber, wenn das deutsche Team spielt, bin ich schon am Drehen oder Abtasten der Sendewahl, wenn es dann mit dem fußballerischen Gekicke auf dem amerikanischen Kontinent allnächtlich oder spät zu unseren Uhrzeiten abgeht. Nun ist ja das zweite Spiel gegen Cote d`Ivoire nach dem ersten Spiel zum Warmmachen gegen den kleinen Inselstaat Curacao glücklicherweise trotz 0:1 Rückstand doch noch dank zweier Tore vom eingewechselten Stürmer Deniz Undav siegreich mit 2:1 beendet worden. Somit ist das Weiterkommen in die nächste Runde bereits Tatsache.

Was mich allerdings recht nachdenklich macht, ist, bei Betrachtung der Besuchermassen in den verschiedenen Stadien, die jeweils kräftig vertretene Personenanzahl der jeweiligen Teilnahmestaaten. Fliegen die doch eigens nur zu einem Treffen mit ihrer Heimmannschaft mitunter um die halbe Welt. Und da sind eben mal einige tausend US-$ locker zu machen. Umgerechnet in Peso (für Mexiko) und Kanadische Dollar (für Kanada) nicht viel weniger. Jedenfalls sind die Spielstadien jeweils proppenvoll mit kostümbehangenen Zuschauern, die, wie selbstverständlich, für ihre abgesandten Kicker und für sich selbst die Daumen drücken. Dass dabei natürlich emotionsvolle Wallungen in der jeweiligen zehntausendfachen Besucherkulisse eine Rolle spielen, kann sich jeder vorstellen oder bei den zahlreichen TV-Übertragungen live und in Farbe mit ansehen.

Das Salz der Suppe sind in jedem Spiel auf jeden Fall die Tore. Es geht ja ums Weiterkommen. Werden Tore nicht geschossen, bleibt es beim 0 : 0. Langweilig könnte man sagen. Und da komme ich und sage: „Falsch.“ Warum? England – Ghana gestern, ich war durch Zufall mit dabei – obwohl gar nicht vorgesehen, und dann dieses Wahnsinnsspiel. Taktik, Schnelligkeit, trickreich und nie einseitig, manchmal auch bissig, mit erstklassigen Einzelleistungen, besonders der Torhüter. Es lag buchstäblich auf der Messerspitze, als wäre das erste Tor beiderseits bereits gefallen. An Dramatik war nichts mehr zu überbieten. Am Ende waren beide Mannschaften mit dem torlosen Unentschieden zufrieden, weil von der Spielanlage her davon auszugehen ist, dass mit ziemlicher Sicherheit beide Teams eine Runde weiterkommen.

Nun warten wir geduldig auf unsere Elf, die erst morgen Abend zum letzten Gruppenspiel gegen Ecuador auf den Rasen läuft. Selbstredend sind wir trotz des schon gesicherten Weiterkommens für einen weiteren Sieg unserer Balltreter. Lassen wir uns überraschen und behalten wir die Nerven, denn das große Zittern steht noch bevor, wenn die sogenannte K.O.-Runde beginnt und kein Spiel mehr unentschieden ausgehen kann. Ist auch in der Verlängerung kein Team mit einem Tor mehr auf dem Platz, gibt es ein Elfmeterschießen. So oder so. Tränen oder Freudestrahlen, alles dicht beieinander.

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Tränen vorweg – unsere Balltreter treten die Rückreise vorzeitig an, dabei wollte ich gerade eine Jubelarie über das Spiel gegen Paraguay anstimmen. Vergebens, dazu später, wenn die Schockstarre nachgelassen hat.

Erst einmal die „fertige“ Kolumne der Woche

Nerven schonen

Früher, ach was, ich hab` sie noch, die 42bändige Ausgabe von Meyers Großes Taschenlexikon, die immer eine Fundgrube war, wenn ein Stichwort nicht ganz so verständlich war oder wenn das Geschichtswissen wieder einmal Lücken aufwies, ja, früher war das Lexikon ein unverzichtbarer Almanach, um einen auf die Sprünge zu helfen. Und was sagen die fortschrittlich digital abhängigen Menschen beiderseitigen Geschlechts dazu? Erstmal gar nichts, denn deren Lexika, wenn sie überhaupt jemals damit in Berührung gekommen sind, haben bereits das Zeitliche gesegnet - in der Altpapier-Entsorgung. Die elektronischen Suchmaschinen sind inzwischen in Sekundenschnelle erreichbar und KI (künstliche Intelligenz) bleibt in nahezu atemberaubender Schnelligkeit keine Antwort schuldig. Ob das immer der Weisheit letzter Schluss ist, wissen nur die Götter. Nur welche genau?

Es ist schon eine ziemliche Vertrauenssache, sich allein auf die Zauberhütchen-Tour beraten zu lassen, denn auch die Künstliche Intelligenz kann durchaus unintelligent sein und falsche Daten liefern. Und wenn nun die alten Sprüche wie „Wissen ist Macht“ wieder flott gemacht werden, dann fühle ich mich daran erinnert, wie ich einstmals stundenlang Gedichts- oder Prosawerke versucht habe auswendig zu lernen. Mag ja sein, dass auch ich manchmal der Nostalgie zugetan bin, weil früher alles irgendwie besser war. Nur, früher ist nicht wiederholbar, und die ewig Gestrigen sind morgen schon gar nicht mehr da. Wer sich dieser Erkenntnis anschließt, wird nicht auf dem Level eines Digital-Analphabeten stehenbleiben.

Wer sich jedoch in der Stufe der permanenten Lernbegierde befindet, kann sich glücklich schätzen. Ihm oder ihr ist so leicht nichts vorzumachen. Anderseits ist es mit der allgemein stets gepriesenen Intelligenz auch nicht so dicke, wenn alles nur verstandesgemäß und ohne jegliche Empathie gelöst wird. Dazu wird ein Spruch meiner seligen Mutter ewig und immer in Erinnerung bleiben: „Die Leute mögen noch so klug und gebildet sein, es wird ihnen alles nichts nutzen, wenn sie über eine der wichtigsten Tugenden nicht verfügen: die Herzensbildung!“ Wie recht sie doch hatte. Ich für meinen Teil ziehe das auch zu meinem Faible Kunst hinüber, indem ich sage: „Abstrakte Kunst muss man nicht verstehen, aber sie zu empfinden, ist der Schlüssel zu einem sich öffnenden Horizont.“

Was das alles mit den Nerven zu tun hat? Ganz einfach, Nichtwissen kann manchmal ziemlich nervig sein, wenn auf eine Frage nicht immer gleich die richtige Antwort parat ist. Deshalb lohnt es sich, im kontroversen Gespräch nicht einfach drauflos zu kontern, sondern zu versuchen, sich dem Sinn der Fragestellung zu nähern. Aufgeregtheit beiseite, Licht aus, Spot an und zack liegt die Antwort so schonend wie möglich auf dem Debattiertisch. Die Debattierer vermeinen stets in der richtigen Denkweise zu sein und verkennen doch, wie sehr auch unterschiedliche Meinungen zum gleichen Ziel führen können, wenn nur ein bisschen Wertschätzung für andere übrigbleibt. Mit dem Hammer immer obendrauf kostet Kraft, verbiegt irgendwann das Nervensystem und öffnet den Weg zwangsläufig weiterführend zu einem der gefragtesten Mediziner dieser Zeit, dem Psychiater, Psychotherapeuten oder Neurologen.

Und wer unter Depressionen leidet, inzwischen wie Alzheimer und Demenz eine ständig wachsende Betroffenheit, ist nicht zu beneiden. Genau das Gegenteil, man müsste helfen können, aber wie? Vielleicht nur dadurch, dass man selbst versucht zu verstehen, warum eine Veränderung der Persönlichkeit eingetreten ist. Leicht gesagt für jemanden ohne nur annähernde Kenntnis dieser Krankheiten. Nur eines möchte ich sagen: „Hilfe tut immer gut und sei sie noch so klein. Mutters Sprachsatz-Ende „die Herzensbildung“ nicht vergessen, wenn nötig, aufschreiben!“

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Re: Hotti

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Aus der Traum

So kann es gehen. Da sitzen Millionen Menschen zu später Stunde und schauen gebannt auf den Fernsehschirm, um dabei zu sein, wie die eigene Mannschaft um das Weiterkommen bei der augenblicklich stattfindenden Fußball-Weltmeisterschaft spielt. Ausdrücklich vermeide ich den Ausdruck „kämpft“. Denn nach den bis heute nachklingenden Kommentaren zu urteilen, hat weder der Trainer, noch die Mannschaft die Erwartungen erfüllt, die sich 83 Millionen deutsche Fußballexperten sehnlichst gewünscht hatten, nämlich, ein Weiterkommen ins Achtelfinale. Deutschland ist raus aus dem Favoritenkreis. Dabei hatte es schon zu Beginn des Mammut-Turniers die ersten Einwände hinsichtlich der Qualität des deutschen Teams gegeben. Vom standesgemäßen 7 : 1 gegen den Spaßgegner Curaçao einmal abgesehen, waren die folgenden Spielgegner Elfenbeinküste (Cote d`Ivoire) und Ecuador zwar nicht absolute Weltklasse, so doch zumindest beachtenswerte Kontrahenten. Das 2 : 1 gegen die Afrikaner ging gerade Minuten vor Schluss noch einmal gut. So wägte man sich mit 6 : 0 Punkten in Sicherheit; die K.O. – Runde war erreicht.

Das Drama begann allerdings schon im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador. Ecuador gewann und der vermeintlich stärkere Gegner Deutschland versank nach anfänglich guter Leistung immer deutlicher in den Bereich der Leistungsschwäche, um nicht zu sagen Unfähigkeit. Spätestens nach dieser Erkenntnis hätte konstatiert werden müssen, dass es eines Rucks im Mannschaftsgefüge bedurfte, um nicht aus dem Wettbewerb zu fliegen. Es kam unverhoffter als zu wagen geglaubt. Gleich im ersten K.o.- Spiel gegen den zweiten südamerikanischen Gegner Paraguay brachte ein starkes deutsches Spiel, dem die paraguayischen Spieler nicht nur standhielten, sondern sogar 1 : 0 in Führung gingen. Der Ausgleich erfolgte hoffnungsfroh erst in der zweiten Hälfte. 1 : 1. Das Zittern ließ nicht nach. Ein deutsches Tor in der 102. Minute der Verlängerung (der Siegschrei schon auf den Lippen) wurde nicht anerkannt, angeblich Stürmerfoul.

Elfmeterschießen: Deutschland begann. Gleich mit dem ersten Fehlschuss. Führung darauf durch Paraguay. Ausgleich, Fehlschuss und schließlich noch einer ehe die Brasilien-Nachbarn mit dem letzten Treffer zum siegbringenden 5:4 jubeln konnten und deutsche Köpfe Tränen in den Augen hatten. C`est la vie, wie die Grönländer sagen. Rückfahrkarte lösen.

Da die Kapverdischen Inseln (Kap Verde mit nur 530.000 Einwohnern) die Gruppenphase mit nur 3 Punkten überstanden, weil sie dreimal unentschieden spielten und selbst Spanien ein 0 : 0, Uruguay ein 2 : 2 und Saudi-Arabien ebenso ein 0 : 0 abkauften, stoßen sie jetzt als Gruppenzweiter auf den Favoriten Argentinien. Und dass sich der kleine Max jetzt ein kleines Wunder mit 0,5 : 0 für die Insulaner erhofft, ist doch klar. Das wäre doch einmal ein richtiges Sensatiönchen, statt des vorhergesagten Sieges der hellblau-weißgestreiften südöstlichsten Südamerikaner.

Und noch etwas: Wenn die Spiele für uns zur Unzeit, nämlich mitternächtlich und später stattfinden, dann rollt der Ball auch ohne mich. Das ist so, als wenn in China ein Sack Reis umfällt. Shit happens.

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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Regen, Hitze, Kunst, Fußball und was noch?

Manchmal, ein Wort, das vage ausdrückt, nicht immer, aber doch gelegentlich, wenngleich nicht unbedingt regelmäßig, eben manchmal, von Zeit zu Zeit. Manchmal möchte ich gerne….na, was wohl? Einfach vor alledem, was zur Zeit gerade auf einen einstürmt, die Kurve kratzen, sich verstecken, nicht da sein oder Hans-guck-in-die-Luft sein, ein fröhliches Liedchen pfeifen, ppfff, ist mir doch schnurz-piep-egal im Kopf, wieder eine gewisse Schwerlosigkeit empfinden. Das ist, zugegeben, alles andere als leicht, denn das hieße ja, den Problemen und Schwierigkeiten aus dem Weg gehen und andere machen lassen.

Und nun? Nun ist Sommer und niemand regt sonderlich darüber auf, weil, kennen wir doch seit Jahrzehnten, aber warum immer gleich so extrem wie in jetzigen Tagen? Ich habe nachgeschaut: Der Allzeit-Temperaturrekord für unsere Bundeshauptstadt wurde genau vor wenigen Tagen, nämlich am 27. Juni 2026 mit 39,9°C gemessen. Da haben wir tatsächlich noch einmal Glück gehabt, war doch das Land Brandenburg mit der Überschreitung der 40er Marke „erfolgreicher“. Trotzdem geschwitzt haben wir gleichermaßen. Und bumms, was sagen uns die Werbeanzeigen der Klimaanlagen-Hersteller? Eins, zwei, drei bestellen und alsbald darauf befindest du dich nach Installation eines Gerätes in gemäßigten Klimaregionen. Dass mit der Zunahme dieser Geräte die Erderwärmung unterstützt wird, wen kümmert`s ? Uns, wir bestellen nichts und halten selbst Tropentemperaturen durch vorerlebtes chinesisches Wüstenklima stundenweise aus (Taklamakan-Wüste, echte 45° C - übersetzt: „Geh hinein, aber komm nie wieder heraus“).

Wetter derzeit: zwischendurch wechselhaft Sonne, Regen, anderswo Starkregen. Bei uns durchwachsen und die Kleingärtner und Hobbybotaniker atmen entspannt auf, weil das Grün erhalten bleibt und vorerst keine Waldbrandgefahr im Raume steht. Mir kam das zugute, denn wie bereits berichtet, gab es bei mir an zwei Wochenenden ein offenes Haus samt Garten und -jawohl - anspruchsvolle Kunst zu sehen. Auch das ist nach anstrengendem und tollem Ablauf bereits Geschichte, der übliche Wochenablauf ist wieder in der Normalspur und die Eingeladenen, die nicht kamen, sind selber schuld.

Halt, halt, nicht so ganz, von wegen Normalspur, denn es gibt ja noch diesen Superfreizeit-Verhinderer WM bei den Kickern, sage ich ein bisschen provokant. Dabei gab es schon einige Highlights, ebenso Überraschungen und gleichzeitig Enttäuschungen sowie für die Verlierer in der K.o.-Runde die meist schmachvolle Heimreise. Aus deutscher Sicht rollte (nicht wörtlich nehmen) ein Kopf, nämlich der des Bundestrainers. Nicht die Mannschaft hat verloren, vielmehr der Trainer. So ist das nun einmal, vom vergangenem Ruhm allein kann niemand leben. Die Welt will Erfolge sehen. Empathie ist dabei selten gefragt.

Urlaub, endlich Urlaub…für Leute mit kids. Aber unsereins, wo die Kinderei noch im vorigen Jahrtausend lag, lächeln darüber milde. Nein, ehrlich, wir gehören zu den Begüterten, die sich Urlaub erst im September leisten, wenn alle Strandkörbe wieder frei sind und die Badeseen die Wassertiefe sichtbar erkennen lassen. Dabei sind wir (das sind Uta und ich) nicht allein unterwegs. Wir lassen uns von Vierbeinern tragen, und zwar in Polen. Polnisch ist für uns ein Buch mit sieben Siegeln, die Pferdesprache hingegen ist international und ja, hört, hört, wir gehören zu den Fortgeschrittenen. Also doch auf (Schusters) Rappen, die allerdings kaum schwarz, eher braun oder scheckig sind, geht es 180 Kilometer (alle Achtung!) mitten durch`s Kaschubische (siehe Günter Grass „Die Blechtrommel“) und hernach das wundgeriebene Hinterteil am ehemaligen hinterpommerschen Ostseestrand (polnisch Westpommern: województwo zachnodniopomorskie – merken wir uns!) abkühlen, wenn die Wetterextreme nicht bereits schon den ersten Schnee angezeigt haben. Wer weiß das heute schon?

Jetzt kommt nix mehr.

Horst
Hotti
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Lebenslust - Sommerlust

Man muss nicht unbedingt sportbegeistert sein, um von dem bereits gefühlte 2 Monate (statt tatsächlich 5 Wochen Gesamtdauer) stattfindenden Meisterschaftsweltkämpfen der Fußballer beindruckt zu sein, dennoch, was da momentan im Erdteil Amerika abläuft, jagt selbst dem Unkundigsten die Gänsehaut über den Rücken. Ich gehöre wohl dazu. Allerdings kümmert mich das ganze Hick und Hack oder der ganze Analysenkram, der zwischendurch, nach jedem Spielzug und besonders nach ausgestandenem Spiel in völliger Breite angestimmt wird, nicht die Bohne. Ergebnis ist Ergebnis oder nicht?

Seitdem ein führender Herr mit toupiertem, bespraytem Blondhaar und überlangem Rot-Schlips, der 50-Sterne-Flagge zugehörig, sich zum Oberschiedsrichter, obwohl er keine blasse Ahnung hat, ernannt hat, bekommt die kurze Frage vorweg, eine andere Bedeutung. Ist ein Spiel zu Ende, sollte im Zeitalter gänzlicher Überprüfbarkeit im Nachhinein immer noch die Möglichkeit der Umdrehung von Tatsachen bestehen. Aus richtig wird falsch oder umgekehrt, wie man`s braucht. So hätte es der Herr gerne. Genug davon, war nur eine Zwischenbemerkung von wegen der Roten Karte gegen einen US-Spieler. Wo waren wir stehengeblieben? Ah, ja, WM – möge sie doch bald vorbei sein.

Themawechsel. Als Kolumnist bleibt einem ja nicht unbedingt jeden Tag der einzig richtige, springende Punkt ins Oberstübchen haften. Oft sind es Anreger, die die schreibende Presse ins Haus liefert, wenn du ein Abo hast. Ohne (gute) Zeitung geht oft gar nichts, jedenfalls bei mir. Nun - kurzerhand – zu dem, was mich noch beschäftigt. Stichwort: Longevity, natürlich englisch, das klingt dynamisch, heißt jedoch nichts weiter Langlebigkeit. Dazu las ich einen Artikel, der nicht nur mein Gedankengut im Greisenalter bestätigen, sondern auch weitaus Jüngere beschäftigen sollte. Es geht um die Lebensspanne, und zwar mehr darum, die möglichst gesunden Zeiträume optimal erleben zu können.

Ein Geheimnis? Keineswegs. Nicht das Alter ist entscheidend, ob sich jemand wohl fühlt oder nicht, auch nicht der Messgrad Leistung ist ausschlaggebend, vielmehr ist der ganze Lebensbereich so komplex, dass es lohnt, PLUS und MINUS gegenüberzustellen und das Beste daraus für sich zu machen. Kluge Wissenschaftler, Mediziner und Gesundheitsforscher beschäftigen sich intensiv mit Faktoren, die den Altersprozess beeinflussen, sagt meine Informationsquelle. Und hier geht es insbesondere um Verhaltensformen, Ernährung, Schlaf, Bewegung, Regeneration. Hochinteressant, denn nicht allein die ererbten Gene spielen eine maßgebliche Rolle, dass die Alterung von vorn herein bestimmt ist, vielmehr ist der individuelle Lebensstil zum größten Teil entscheidend darüber, wie alt wir werden.

So einfach ist das nicht, wird sich manch einer sagen. Stimmt. Jede nicht gewünschte Erkrankung an Körper und Seele zwingt ja förmlich, auf ganz andere Hilfen angewiesen zu sein. Trotzdem, über den Vorabsatz nachzudenken lohnt. Im Nachstehenden gehe ich einmal hausieren, indem ich wortgemäß aus einer Krankenkassenzeitschrift zitiere:

„Fünf Bausteine sind entscheidend für ein langes, gesundes Leben:

• Muskelkraft schützt vor gefährlichen Stürzen und hält unseren Stoffwechsel aktiv
• Stabile Blutzuckerwerte sind gut für die Stoffwechselgesundheit: Vollkornprodukte, Vitamine aus Gemüse, Obst, Eiweiß sowie Bewegung nach dem Essen
• Herz-Kreislauf-Fitness mit Ausdauertraining: Laufen, zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen und Wandern
• Erholsamen Schlaf 7- 9 Stunden. Er ist ein effektives „Verjüngungsmittel“ für Körper und Geist und für die nächtliche Zellreparatur
• Stressbalance bieten soziale Kontakte und Entspannung (Meditation, Yoga, autogenes Training)"

Nun bin ich hier nicht der Gesundheitsprediger, sondern spreche nur als Angehöriger einer Altersgruppe, der es vergönnt ist, noch gut durch das Leben zu kommen. Dass dabei die Lebenslust und gerade jetzt auch die Lust auf und mit dem Sommer dazu beitragen, steht außer Frage.

Horst
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