Hotti

Das Leben ist eine bunte Kiste!
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Einen Garten müsste man haben…….

Als Städter in einem beliebten Kiez zu wohnen, mit allen möglichen Verkehrsverbindungen, Einkaufsmöglichkeiten zuhauf, ist Urbanität im besten Sinne. Eng beieinander wohnen bietet Kontakte und kulturelle Anlässe sind oft greifbar nahe. Es ist eben das Städtische, was gegenüber dem weiter Entfernten oder Ländlichen etliche Vorteile aufzuweisen hat. Doch wie so oft bei Vergleichen gilt es bei Bedarf darüber nachzudenken, welche Entscheidung für das Wohnen ggf. für das Arbeiten, möglicherweise für beides zusammen, getroffen werden kann. Gehen wir nicht weiter weg und schauen auch nicht über den Zaun, sondern betrachten wir Berlin aus der Sicht von Neu-Ankömmlingen, Umzüglern, insbesondere Zuwanderern. Die „Multi-Kulti-Gesellschaft“ ist ja keine Berliner Erfindung. Seit der inzwischen weltweit anhaltenden instabilen politischen Verhältnisse gibt es kaum noch einen Staat auf unserem Globus, wo das einstige Paradies noch zu finden ist. Genau das schlimme Gegenteil ist soweit gestreut, dass Völkerwanderungen zu Veränderungen geführt haben.

Vorbei sind die Zeiten, als jede Nation jeweils im eigenen Saft schmoren konnte, ohne die Belange anderer Staaten zu den eigenen machen zu müssen. Das politische Klima hat sich im Zusammenspiel mit dem Weltwirtschaftsgefüge in den letzten 50 Jahren so radikal gewandelt, dass wir, Stand heute, Ängste haben müssen, dass die eingetretene Schieflage nicht mehr ins Gleichgewicht zurückfindet. Wenn wir zurückschauen, wissen zumindest alle, denen die Worte Biologische Vielfalt nicht fremd sind, dass sich die gigantische wirtschaftliche Entwicklung dahin bewegt hat, wo es ausschließlich nur noch um das Geld geht. Man kann reden wie man will, das verpönte Wort Kapitalismus wird nicht mehr unter vorgehaltener Hand erwähnt, nein, er ist real existent, und zwar in fast allen Staaten der Welt, egal welcher Charge oder Coleur sich die jeweiligen Staatsführungen bedienen. Die Wirtschaftssysteme, egal ob in Demokratien, in autoritär geführten Staaten oder in Diktaturen, selbst Länder, die früher zu den Entwicklungsländern zählten, sind nur noch darauf ausgerichtet, soviel Geld und Werte wie möglich zu scheffeln. Zusammenleben, Verständnis, Toleranz, ja, Sympathie, alles Synonyme für Frieden und Gleichheit. Sind sie verlorengegangen?

Geld regiert die Welt und Liza Minelli sang in „Cabaret“ „Money makes the world go round“….Money, Money, Money…. Deutlicher kann man es nicht sagen. Wer an den Knöpfen der Welt dreht, und das sind in diesen Zeiten etliche, halten sich alle zugute, wieder Zustände herbeizuführen, wo sich die Pfründe am besten abschöpfen lassen. Und womit wird am meisten verdient? Erst einmal mit dem Kaputtmachen (Waffen- und Technik-Industrie) und irgendwann kommen dann die Geldheilsbringer beim Wiederaufbau mit gleich danebenstehenden Geldaufnahme-Säcken, die einige Jahre später doppelt gefüllt wieder abgeholt werden. Klingt ein bisschen simpel, ist aber klare Strategie.

Schauen wir uns die längst geschwundene Führungsnation USA an. Der heutige Führer der Nation lässt eigentlich kein Fettnäpfchen aus, in das er nicht tritt. Aus alledem spricht nicht der Demokrat und Politiker, sondern ein wirtschaftlich denkender Machtmensch, den es um Herrschaft, und zwar um die des Geldes, geht. Mag ja sein, dass diese Argumentation ziemlich kurzgefasst und einseitig ist, aber, bitteschön, wo und wie beginnen diese verfluchten Kriege? Vor allem, wer bricht sie vom Zaun? Kriegstreiber! Völkerrechtsbrecher! Menschenverachter! Hört das niemals auf?

Was wäre derzeit der sehnlichste Wunsch? Ja, gewiss, ein Dasein wie im Garten Eden? Er symbolisiert das Leben, die Erkenntnis des Guten wie des Bösen im Ausgleich, wenngleich mit dem Sündenfall von Adam und Eva ein Beispiel folgt, wie man aus dem Paradies vertrieben werden kann. Geschichte, die man glauben kann oder auch nicht, zumindest wäre es der Versuch, darüber nachzudenken, warum es in der Menschheitsgeschichte so unendlich viel Leid gegeben hat und dass gerade in unserer Zeit der Gipfel der Zerstörung einen neuen Zenit erreicht hat.

Den Garten, den ich mir wünsche, habe ich. Meinen Mitmenschen wünsche ich das ebenso. Von haben müssen, kann jedoch keine Rede sein, ein grüner Balkon tut es auch. Wichtig scheint mir, mit einem bisschen Grün oder bunt kommt Entspannung, die wir sehnlichst bräuchten.

Horst
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Schicksalsmoment

Ein ganz normaler Wochentag steht an, um den sich im Einzelnen keiner kümmert. Ob nun Montag, Dienstag und so weiter am Kalender steht, ist ja nur dann von Bedeutung, wenn der Kalendereintrag zwingend vorschreibt, was unbedingt ansteht, von der täglichen Arbeit einmal abgesehen. Denn da gibt es kein Wenn und Aber, Termine können in froher Erwartung herbeigesehnt und umgekehrt bei missliebiger Vorgabe als unakzeptabel empfunden werden. Und dann sind da noch die von außen kommenden, keinesfalls erwünschten Verpflichtungen, die es heißt, zu erfüllen. Und so ergibt sich automatisch die Frage zur Notwendigkeit, muss das unbedingt sein?

Ist etwas planbar, na, schön, bekommen wir irgendwie hin. Aber wehe dem, es kommt ein Brief ins Haus (gibt es noch!) mit oft unguter Nachricht. Ich rede nicht von Rechnungen jedweder Art, sondern von einer Traueranzeige. Dabei ist das Jahr noch jung. Es hätte doch noch ein bisschen Zeit gehabt, und ausgerechnet jetzt verstirbt ein Mensch aus meinem Umfeld ganz einfach so, ohne sich abgemeldet zu haben. Eine kleine Unverschämtheit. Ich darf das sagen, gehöre ich doch seit einiger Zeit zur Zielgruppe derjenigen, denen nicht unbedingt noch eine rosige Zukunft beschert sein dürften. Ganz hart ausgedrückt, müsste sich eigentlich jede(r), die/der das fünfzigste Lebensjahr vollendet hat - was immerhin meist mehr als die Hälfte der gesamten Lebenszeit entspricht - als Fluktuaktions-Anwärter*in fühlen. Das soll nun beileibe keinerlei Panik auslösen, sind es doch nur reine Spekulationen, die den Restwert der Lebenszeit relativieren. Natürlich wünsche ich allen Zeitgenoss*innen mindestens ein 40jähriges Salär, nachdem im Berufsumfeld die Lichter gelöscht werden. Rente oder Versorgung nennt man das. Bezüglich der eigenen „Bedarfsrechnung“ käme ich dann auf schlappe 107 Jahre. Sicherlich Utopie, doch, warum nicht?

Was treibt mich zu einer derartig (merkwürdigen) Überlegungsphase? Ein aktueller Anlass, nämlich der eines gerade stattgefundenen letzten Abschiedes eines guten Freundes von dieser Welt. Was geht einem da nicht alles durch den Kopf? Erinnerungen, ohne Zweifel, die vielen Gemeinsamkeiten und die meist schönen Momente. Wenn das so ist, dann wird einem nicht bange, wenn man sich selbst vor Augen hält, wie es denn bei der eigenen Person sein könnte. Und dass bei dieser Überlegung Lebensjüngere ausgenommen sind, versteht sich von selbst. Leben gestalten, Gutes wie weniger Gutes verkraften, verarbeiten, beiseitelegen und die nötigen Schlüsse daraus ziehen. Dieser Ablauf ist mit gutem Recht unvermeidbar, nur wahre Schlumpf-Batzis kümmert das einen feuchten Kehricht.

Nun könnte ein jeder meinen, ich wäre ein Moralprediger oder Weltverbesserer, mitnichten. Jeder lebt nach seiner Façon und muss damit zurechtkommen, wer nicht, hat etwas falsch gemacht, nicht richtig bedacht und am Schlimmsten, keine Bereitschaft aus Fehlern gelernt zu haben, denn wer mehrmals alles falsch macht, dem ist nicht zu helfen oder es ist Trotz, um andere zu ärgern.

Der Mensch, das Wunder und zugleich das merkwürdige Wesen. Der Kreislauf der Erde und Gestirne wird auf Ewigkeit andauern, der Lebenslauf von den Bewohnern ist begrenzt. Wahrscheinlich aus sehr gutem Grund.

Horst
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Kalendarium wie noch nie

Schon der Name gefällt mir. Er hat so etwas Antikes und tatsächlich entstammt er wie so vieles aus dem Lateinischen, um alle möglichen Termine, Verpflichtungen, Festtage, Jahreszeiten und meinetwegen auch Ereignisse festzuhalten, ob wiederholend aus der Vergangenheit oder planend für Vorauskommendes. Ein Kalender benutzt wohl jeder, denn einfach ohne jegliche Zeit zu leben, ging noch niemals. Zu abhängig sind wir von Abläufen, die individuell verschieden, aber wiederkehrend jahreszeitbedingt unabänderlich zu beachten sind. Man stelle sich vor, Frühling, Sommer, Herbst und Winter würden plötzlich verschwinden und Tage wie Nächte uhrzeitunabhängig dahinfließen. Einfach unvorstellbar. Eines Regulariums bedurfte es deshalb schon solange, seit der Mensch in der Lage war, Schriftzeichen zur Verständigung einzusetzen. Sind wir deshalb intelligenter als andere Lebewesen?

Nehmen wir zum Beispiel erst einmal das Kriterium, was eigentlich zu den typischen Merkmalen der Evolution gehört, denn was tot ist, kann sich nicht weiterentwickeln. Und so ließ ich mir sagen, dass Leben erst dann möglich ist, wenn eine Vielfalt von Faktoren zusammenkommen, die sich zu- und nacheinander ergänzen, wachsen und sich im Laufe dieses Lebens entwickeln. Also ist die Fortpflanzung schon einmal Grundbedingung des Weiterlebens unserer aller Spezies. Wenn es nur einmal so einfach wäre - weiß doch jeder von uns.

Als vernunftbegabe Wesen sind wir inzwischen in einem Stadium angelangt, wo berechtigt gefragt werden muss, ob wir die Weiterentwicklung nicht schon soweit vorangetrieben haben, dass wir uns selbst nicht mehr richtig einordnen können. Zumindest gibt es derzeit erhebliche Zweifel an der Richtigkeit im Fortbestehen auf unsere Planeten, wenn wir uns nur die krisengeschüttelte Welt anschauen und bei näherer Betrachtung auch die Verursacher der etlichen Miseren erkennen. Oft sind die Führungspersonen mehrheitsmäßig frei gewählt, andere in Erbfolge und wieder andere als selbst ernannte Bestimmer an die Macht Gekommene. Und was machen etliche? Sie vergessen die Grundsätze des friedlichen Zusammenlebens aller Ethnien.

Was ich soeben beschrieben habe, steht in keinem Kalender. Aber rückschauend betrachtet, haben Historiker jeden Tag ein Füllhorn zu bearbeiten, das sie vor Arbeitslosigkeit bewahrt. Und dabei wäre mir eher das Gegensätzliche sympathischer: Heute - in den Kalender eintragen - Friedensschluss in Osteuropa und, weil die Ausrufezeichen im Kalenderkästchen nicht ausreichen, zusätzlich anmerken: desgleichen im Orient in voller Breite. Allein Stichworte dazu wären ausreichend. Wir könnten freudigen Herzens aufatmen.

Wie bisher: Geburtstage, Verabredungen usw. usw. in den Jahreskalender eintragen. Die Gräueltaten überlassen wir den Tageszeitungen und anderen Formaten journalistischer Prägung - schlimm genug, es gäbe weit mehr als sich mit dem Ungemach der Welt zu beschäftigen.
Stoßseufzer: Wann endlich kehrt Ruhe und Normalität ein? Wir hatten sie schon, kann sich jemand daran erinnern? Ich gehe jetzt vor lauter Frust einfach raus in meinen Sandkasten und baue darin weiter – soll mal eine Terrasse werden, aber wehe, es kommt zwischendurch und nach Fertigstellung nicht auch noch zum unerwünschten Vogelschiss. Kein Anlass, ein Kalendarium anzulegen.

Horst
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Einzug in den Läuferhimmel

Gewiss gehöre ich nicht zu den Pessimisten, die alles schwarzsehen, Unglücke als selbstverständlich und unvermeidbar ansehen und überhaupt mit einer eher abgeneigten Lebenseinstellung ihr Dasein befristen. Menschen dieses Schlages können einem eher leidtun, weil sie die Einmaligkeit ihrer eigenen Ausgabe nach und zum anderen die Vielfältigkeit der uns allen gegebenen Welt offenbar nicht zu schätzen wissen. Eigentlich vergeht kein Tag, an dem Zweifel und Missstimmung die Oberhand behalten, aber bitte nur minutenweise. Denn, wer kann schon voller Griesgram und ewiger Abgeneigtheit durchs Leben gehen?

In die Jahre kommen heißt auch, es vom Schicksal her gut getroffen zu haben. Und wer bezweifelt eine gut erlebte Kindheit, ein erfolgreiches Ausbildungs- und Entwicklungspotenzial und ein weiterhin glücklich verlaufenes Leben etwa als geringschätzig ein? Doch wohl niemand der mit beiden Beinen fest auf der Erde steht. Wenden wir uns also genau diesem hoffentlich reichlich vorhandenen Menschentyp zu, dem Gute-Laune-Mitbürger und nicht unbedingt dem Überflieger in der hiesigen Gesellschaft, sozusagen einem Mann aus der Mitte. Aus gegebenem, äußerst traurigem Anlass, von dem ich erst heute hörte und der mich mitfühlsam erfahren ließ, wie begrenzt unser Leben ist und in diesem Fall speziell das von Günter Hallas war, denn er ist am 19. April 2026, an einem Sonntag im Alter von 84 Jahren gestorben.

Erst von 14 Tagen hatte ich an dieser Stelle über Schicksalsmomente gesprochen und war dabei auch auf den Trauerfall eines guten Freundes eingegangen. Und nun wiederholt sich ein Todesereignis in kurzer Zeit. Wieder in Trauer, denn Günter Hallas war kein Unbekannter. Er, der bescheidene und sympathische Lauffreund, war schließlich der Gewinner des 1. Berlin-Marathons 1974, auf einer Strecke, die gerade einmal 250 Starter und Starterinnen fassen musste, die sich fernab der innerstädtischen Straßenführungen und ohne jeglichen Vergleich mit heutigen Ausmaßen befand. Die Strecke vom Mommsenstadion bis zum Strandbad Wannsee entlang des Kronprinzessinenweges war läuferisch kein Bonbon-Pflaster, aber korrekt wie ein Marathon sein muss, 42 Kilometer und 195 Meter lang. Hallas schaffte das in beachtlichen 2 Stunden und 44 Minuten, obwohl, dem Bericht zufolge, er sich zwischendrin an einem Zaun festhielt, um wieder zu Kräften zu kommen.

Heutige Profi schmunzeln darüber, damalige lupenreine Amateure mit keinem hightec Laufmaterial und nur mit einem Schluck aus der Wasserflasche, waren richtige Helden. Und der Sieger Günter Hallas wird es auf ewig bleiben. Er blieb dem Marathon treu bis in sein neuntes Lebensjahrzehnt. Mit 82 Jahren absolvierte er seinen letzten Lauf, obwohl er bereits eine künstliche Hüfte sein Eigen nennen konnte. Dabei war er zeitlebens ohnehin ein Mann der Bewegung - allein von Berufs wegen. Nicht ohne Stolz verkündete er, Briefträger gewesen zu sein. Das unterschied ihn vom ersten Marathonläufer der Geschichte deutlich. Pheidippides, hieß er, obwohl ihm auch andere Namen gegeben wurden, er war Krieger und meldete beim Einlauf in Athen den Sieg bei einer Schlacht in Marathon 490 v. Chr. mit der Nachricht „Freut euch, wir haben gesiegt!“ Der Legende zufolge fiel er nach diesem Ausruf tot um.

Wenn jetzt Günter Hallas auf ewig vom Marathon abberufen wurde, dann verliert die Berliner Laufgemeinde einen würdigen Vertreter des Langstreckenlaufes. Ihn in Erinnerung zu halten, bedarf keiner Aufforderung, er hat Geschichte geschrieben und so sind wir dem jetzt verstorbenen Nordberliner unverbrüchlich zugetan. Und wer weiß, vielleicht finden sich im Jenseits genügend andere vor ihm gegangene Läufer und Läuferinnen, die sich stets im dortigen Lauftreff wiedersehen.

Nichts spricht dagegen. Glauben wir die Vision und wünschen es Günter Hallas als letzten Gruß.

Horst
Hotti
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Der Gordische Knoten

Wer auch nur ein bisschen in der Geschichte aufgepasst hat, weiß, dass mit dieser Metapher ein nahezu unlösbares Problem verbunden ist. Weiß ich nicht, kenne ich nicht und kann ich ganz und gar nicht lösen. So die Uninteressierten, wenn sie knifflige Aufgaben zugeteilt bekommen. Ganz anders sind die Eroberer, die Wissbegierigen und diejenigen, die beständig einer Sache nach auf den Grund gehen, um endlich zu erfahren, was es mit dem eigentlichen Problem sowohl vom Ursprung als auch von der Tiefe her zu tun hat. Dass dabei mit Fehlergebnissen, falschen Deutungen und oft genug das eigene Scheitern eingestanden werden muss, ist genau die Art, mit der große Herausforderungen eine gewisse Einzigartigkeit darstellen. Und immer wieder gibt es Leute, die nicht eher ruhen, bis eben dieser bekannte Knoten gelöst ist.

Und so stand auch nach Jahrhunderten von Jahren noch immer eine Bedeutung im Raum, wie denn nun die gefesselten Kräfte eines menschlichen Körpers so beschaffen sein müssen, um eine Zeit-Marke für eine bestimmte Laufstrecke zu setzen, ohne gleich danach tot umzusinken. Die Rede ist vom Marathon. Gerade hatte ich die Anekdote vom geschichtsträchtigen Läufer in einem Nachruf erwähnt, der nach beendetem Lauf körperlich so geschwächt war, dass er verstarb. Marathonläufer der Neuzeit, sagen wir seit 1896, der ersten Olympiade in Athen, sterben kaum noch. Rein statistisch liegt die Gefährdungsquote zwischen 100.000 und 500.000 Teilnehmern, dass ein Läufer bei einem derartigen Rennen verstirbt. Ich rede von Läufern, denn Männer sind es fast ausschließlich, die eine solches Schicksal erleiden, Frauen hingegen sind bei Millionen von Läufern weltweit hingegen nicht erfasst.

Todesfälle bei Sportveranstaltungen, igitt, bitte nicht. Was aber immer wieder, ja, herausfordernd und kaum zu unterdrücken vorhanden ist, ist der Ehrgeiz, sich persönlich in den Bereich des maximal Leistbaren zu bringen, will sagen, sich zufrieden geben und meist stolz darauf zu sein. So gesehen, ist die Messlatte bei einem Top-Athleten ganz anders als bei einem Amateur zu sehen. Bleiben wir beim Marathon. Allein der Kurs von 42.195 Metern nötigt Respekt ab. Was einst als Spinnerei und nur für Individualisten geeignete Körperleistung gesehen wurde. Der Volkslaufgedanke kam ja erst in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts auf und ehe es in dieser Bewegung zum ersten Marathon kam, vergingen noch einmal etliche Jahre. 1974 Premiere in Berlin und dann ging es Schlag auf Schlag.

Heute wetteifern unzählige Orte der Welt mit der Königsdisziplin und ziehen wahre Massen von Sportbegeisterten an. Seit Kathrine Switzer, geborene Oberpfälzerin, sich mit 20 Jahren 1967 in Boston in die Startliste mogelte und mit Beistand gegen alle Widerstände das Rennen beendete, ist die Rennbegeisterung der Frauen ungebremst. Festzustellen bleibt: Frau können alles was Männer können. Umgekehrt eher weniger. Einzige Ausnahme: Na, was wohl? Und das gilt für beide Seiten.

Was Männer allerdings wirklich gut können - und jetzt rede ich nur von der Elite - ist tatsächlich außerirdisch schnell laufen. Und jetzt komme ich endlich zu dem von mir gewählten Thema. Dieses Schnelllaufen strahlt eine gewisse Magie aus, weil es für den Normalbürger kaum vorstellbar ist. Die Schallmauer knacken, war der Wunschtraum der Marathon-Zweibeiner: 2 Stunden. Jahrelang dümpelte die erreichte Zeit im Sekundentakt in Richtung Sensation.

Als 2019 der Kenianer Eliud Kipchoge in Wien einen „galaktisch“ gelaufenen Solo-Marathon von 1:59 hinlegte, glaubte die Welt, die Zeit ist reif für Unglaublichkeiten. Aber nein, der Lauf wurde nicht anerkannt, weil er unter Voraussetzungen zustande kam, die keinem echten Rennen entsprachen. Selbst gelaufen schon, aber durch Unterstützung durch ein vorherfahrendes Zeitmessfahrzeug und zahlreiche, sich alle 5 km wechselnde Pacemaker. Die 2:01:09 vom Besagten im regulären Wettkampf 2022 in Berlin zeigten dann aber doch die wahren Grenzen. Erst als der 23jährige Kenianer Kelvin Kiptum 2023 in Chicago mit 2:00:35 haarscharf die 2er Marke schrammte, glaubte man in ihm den neuen Anwärter auf die Hürde der zwei Stunden, die noch immer vergleichbar mit dem kaum zu lösenden Gordischen Knoten waren, gefunden zu haben. Tragischerweise verunglückte der Held ein Jahr darauf tödlich bei einem Autounfall.

Nun aber, völlig unverhofft, ein neuer Name, natürlich wieder ein Kenianer, nämlich Sabastian Sawe, schaffte es, auf der nicht gerade einfach zu laufenden Londoner Strecke mit 1:59:30 Std. eine wahre Fabelzeit hinzulegen. Wie schnell das Rennen gewesen sein muss, zeigen die Zeiten der Zweit- und Drittplatzierten: 2. Yomif Kejelcha (Äthiopien) 1:59:41 und 3. Jacob Kiplimo (Uganda) 2:00:28, ebenfalls noch unter der bis dato geltenden Weltrekordzeit.

Einfach grandios. Und das mit dem Knoten gehört jetzt der Geschichte an, mit einem Schlag in Sekundenschnelle ausgeführt, zersprang die eisern zusammengehaltene Zeitgrenze und nichts scheint mehr unmöglich.

Horst
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Manfred
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Re: Hotti

Beitrag von Manfred »

Hallo Hotti, als Anhang sende ich dir die Todesanzeige von Günter Hallas.
Im Forum habe ich 2 Bilder eingestellt vom Lauf.
Gruß Manfred
günters totesanzeige.jpg
Hotti
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Hallo, lieber Manfred Templin,

wie schön, dass wir uns beim Tegeler Cup-Lauf getroffen hatten. Danke auch für das Foto von Günter Hallas, durch das einige aus Hübis Lauftreff bildlich an den ersten Sieger des Berlin-Marathons erinnert wurden. Leider ist der textliche Teil nicht lesbar. Mich würden die möglicherweise dort angegebenen Daten interessieren. Meine Mail-Adresse lautet: Horst.Matznick@t-online.de oder du erreichst mich auch über WhatsApp.
Ansonsten nachfolgend eine Kolumne zum Tegeler Cup-Lauf.

Beste Grüße
Horst
Hotti
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Laufen lassen

Wie ist mir zu Mute, wenn ich sportlich geübte, an mir vorüberziehende Läufer und Läuferinnen erblicke, die gerade einen dieser offensichtlich sehr beliebten Läufer-Cups gewählt haben und gewissermaßen auf Punktejagd sind? Ich sage es unverhohlen und frohen Herzens: Schön waren die Zeiten, als ich selbst noch mit dabei war! Zwar haben sich die Wettbewerbe, die Bedingungen und das ganze Drumherum beträchtlich geändert, aber an der Sache selbst, das Laufen, das sich Messen mit vermeintlichen Konkurrenten und die Freude an einer der beliebtesten Bewegungssportarten überhaupt, ist immer noch der Hauptgrund läuferisch aktiv zu sein. Von der stets gewonnenen Fitness als „Nebenprodukt“ einmal abgesehen.

Da stehe ich nun da mit meinen Läufer-Latein und weiß mir selber nicht in der Weise zu helfen, an das anzuknüpfen, was einmal war. Na, und wie auch? Diese Frage ist doch mehr als nur müßig, wenn man bedenkt, dass alles seine Zeit hat, man muss nur selbst in den Spiegel gucken und sich sagen, gestern oder früher war eher, aber heute ist heute und glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist. Eigentlich eine alte Klamotte, trotzdem verschaffen Wiederholungen, Neuauflagen oder meinetwegen auch nur bloße passive Teilnahme an den altbackenen Volksläufen durchaus ein Gefühl von unabänderlicher Zugehörigkeit zum Sport im Allgemeinen.

Wer einmal am Zuckerbrot des körperlich möglich Leistbaren genascht hat, kann dies als Maßstab für Weiteres im ferneren Leben betrachten. Wie gesagt, muss nicht, kann aber. Der Autor lässt sich an dieser Stelle allerdings gerne zu der Bemerkung hinreißen, dass Sport ein überaus wichtiger Bestandteil seines Lebens war und immer sein wird, so lange es nur irgendwie geht. Allerdings, das sage ich klar und deutlich, Sport ist eben nicht alles, weil die Lebensnotwendigkeit aus vielerlei einzelnen Komponenten besteht und nicht nur von der vermeintlichen Lieblingstätigkeit bestimmt wird - von bestimmten beruflichen Ausnahmen einmal abgesehen.

Nun habe ich das Glück, an meiner Seite eine ebenso lebensbejahende Frau zu haben, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Was bei mir heute sportlich nicht mehr möglich ist, leistet sie gewissermaßen für mich mit. Klar, eine Anmaßung, denn sie läuft ja für sich ganz allein. Aber meine Teilhabe daran ist unverkennbar, schon von der Tatsache her, dass ihre Termine in diesem Falle auch meine Termine sind, d.h. ich darf sie zum Ort des Geschehens begleiten und als stiller Fan wenigstens die Sporttasche tragen. Sozusagen eine Art Semi-Beteiligung.

Zum Ereignis: Es war letzten Sonntag. Punkt 10°°Uhr Startschuss im Norden von Berlin-Tegel/Hermsdorf, eine wunderbare Waldgegend und als geborener Reinickendorfer und früherer Frohnau-Bewohner nun hier als Besucher mit Heimatempfindungen. Nach überschläglichen Schätzungen waren es (überschaubar) vielleicht 235 ½ Teilnehmer, die sich zehn, 5 und 1,2 km irgendwie teilten. Alles sehr freundlich, ja, liebevoll organisiert und der Spaß an der Freude war eben auch, keine Bissigkeit und kein Kampf auf Biegen und Brechen, so dass es, wenn man von einem Mittelfeld sprechen kann, dort zu einem einvernehmlichen Laufvergnügen kam. Über Ergebnisse kann ich an dieser Stelle nichts sagen. Was aber bei der Siegerehrung deutlich wurde, war die einzelne Beachtung der jeweiligen Altersklassen oberhalb der Hauptklasse.

Mit einer Urkunde in der Hand auf dem 1-2-3-Treppchen zu stehen, seinen Namen vom Sprecher der Veranstaltung zu hören und den herzlichen Beifall der Zuschauer, meist Angehörige, entgegen-zunehmen, war nicht nur Anerkennung, sondern auch Genugtuung für die eigene Leistung. Da ich habe laufen lassen und zu Platz 2 in der weibl. AKl. 65 gratulieren durfte, hatte ich allen Grund, den späteren Nachmittagskaffee in Gemeinschaft mit der Erfolgreichen zu genießen, obwohl sie selbst das als unwichtig abtat. Teilnahme war alles und die erreichte Punktzahl bei der Läufer-Cup-Wertung kam letztlich dem Verein zugute, für den diejenigen Starter*innen gemeldet waren.

Welch Glück, auch an der Nichtteilnahme bei einem Wettbewerb Freude zu haben, durfte ich doch den Aktiven auf den zwei Runden jeweils entgegen wandern, obwohl ich nur eine Runde benötigte.

Horst
Hotti
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Der Trauergang

Vor wenigen Tagen schrieb ich einen Nachruf auf den ersten Sieger des Berlin-Marathons 1974, Günter Hallas. Heute, am 7. Mai 2026, fand um 09:30 Uhr die würdevolle Trauerfeier und anschließend auch die Beisetzung auf dem Kirchhof der Luisengemeinde, der auch Luisenfriedhof III genannt wird, am Fürstenbrunner Weg in Berlin-Charlottenburg statt.

Allein diesen Ort zu betreten hat etwas Respektables an sich, steht doch das große Gelände berechtigterweise unter Denkmalschutz, nicht nur, weil bedeutende Menschen hier ihre letzte Ruhestätte fanden und mit schönen Grabeinfassungen geehrt wurden, sondern insbesondere die gartenplanerische Anlage und Gestaltung mit dem inzwischen zum Park mutierten Baumbestand geben einiges her.

Der Anlass, hier zu sein, wäre ohne Trauer sicherlich anders. Die Trauergemeinde traf sich vor der Kapelle, in der hernach die Abschiedsfeier stattfand und, vorweggesagt, es war eine angemessene Adresse für den Verstorbenen. Die zahlreich erschienenen Trauergäste waren neben der hinterbliebenen Familie insbesondere viele Freunde aus der Vereins- und Laufgemeinschaft. Günter Hallas gehörte der 1970 gegründeten Leichtathletikgemeinschaft (LG) Nord an, die sich aus den Vereinen SC Tegeler Forst (TF), VfB Hermsdorf und BSC Rehberge bildete.

Diese Gemeinschaft hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass der Amateursportler Günter Hallas die Bodenständigkeit behielt, die für ihn als Charakterbild lebensführend war. Bescheiden und ehrlich, sportlich kein Überflieger, aber weit über dem Durchschnitt. Und gerade dieser Mix zeichnete diesen sympathischen Mitmenschen aus, der jederzeit ansprechbar war und vor allem den Kontakt mit ebenso dem Laufsport verbundenen Sportlern suchte und fand. Allüren waren ihm fremd. Und so entstand nach seinem ersten großen Erfolg der stetige Drang zur Teilnahme an immerhin 43 Berliner Marathonläufen und zig weiteren, sogar in Übersee. Laufen als Lebensidee, durchaus, wenn andere Lebensinhalte (Familie, Beruf, soziales Umfeld) nicht darunter leiden. Wenn man Günter traf, dann gab es immer ein gutes, optimistisches Gefühl, selbst die erfolgte Ersatzteilchirurgie in Form der neuen Hüfte, der er sich unterziehen musste, hielt ihn nicht davon ab, in der Königsdisziplin an den Start zu gehen. Eine gesunde Selbsteinschätzung beruht auf Lebenserfahrung, die er wahrlich ausstrahlte.

Wenn nun sein Leben zu Ende gegangen ist, so gilt seiner Familie unsere aufrichtige Anteilnahme und wir sind traurig, dass eine wirkliche Leitfigur, zu der er durch diesen wegbeschreitenden Siegeslauf von 1974 geworden war, nicht mehr da ist. Keiner kann ihn ersetzen. Die Geschichte aber, die er schrieb, macht ihn unvergesslich. Horst Milde, der inzwischen legendäre Gründer und Organisator des Berlin-Marathons brachte am Grab noch einmal die bedeutende Wirkung der ersten Veranstaltung dieser Art mit dem Sieger Günter Hallas zum Ausdruck. Zitat sinngemäß: „….ohne ihn wäre die Marathon-(Erfolgs-) Geschichte fehlerhaft…“ Alle wissen es, der Berlin-Marathon ist einer der wichtigsten weltweit.

Horst
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Re: Hotti

Beitrag von Hotti »

Sandkastenspiele

Die letzten Ereignisse haben mich eigentlich nicht zur Ruhe kommen lassen. Nicht, dass sie aufregend, nervenkitzelnd oder an die Substanz gehend waren, vielmehr betrafen sie die eigene Seele über das Sein oder Nichtsein, weil zwei Todesfälle fast zusammenhängend eingetreten waren, die mir nahe gingen und die mich zu der Überlegung brachten, nachzudenken, wieviel Zeit einem selbst noch bleibt. Wer sich bereits in einem Alter befindet, der das durchschnittliche Lebensalter der Männer (78,08 Jahre in Berlin) bereits um Meilen überschritten hat, dürfte das legitim sein. Nichtsdestotrotz, gedenke ich vorläufig noch nicht daran, mich intensiver damit zu beschäftigen. Ich sage mir, wenn die Zeit gekommen ist, dann ist das halt so, Sterben gehört zum Leben. Das ist keine Weisheit – alle wissen es. Wichtig ist, man ist mit sich im Reinen, hat keine Schandflecke hinterlassen und die Erkenntnis, nein, das Bewusstsein erlangt, ein schönes Leben gehabt zu haben, wenngleich das nicht allen Menschen zuteilwird.

Diese Gedanken kommen zwangsläufig auf, wenn man nach einer Trauerfeier wieder am heimischen Esstisch sitzt. Und immer nur darüber grübeln, was wäre, wenn, bringt auch nicht weiter. Allerdings hat die Welt in diesem erst 26 Jahre währenden dritten Jahrtausend der neueren Zeitrechnung (n. Chr.) allen Grund, besorgt in die Zukunft zu schauen. Konflikte, Kriege, Umweltschäden, Regierungs- und Energiekrisen und ein Wirtschaftsdebakel nach dem anderen. Was wünscht sich der einfache Mensch, den Himmel auf Erden? Unsinn. Wer kennt sie nicht, Glückszeiten, Sorgen und Nöte, Erfolge und Niederlagen? Das Lebens-Auf und -Ab gleicht einer Amplitude. Maximum und Minimum als Größen, eigenartig, als wenn es nicht reichen würde, mit dem Mittelmaß zufrieden zu sein. Aber nein, Neugier, Herausforderungen, Entdeckungen und (vermeintlich) ein sich stets verbesserndes Leben sind von je her maßgeblich für Vorausschau, Visionen und natürlich auch die Hoffnung auf ein Eintreten eines dauerhaft geheilten Weltfriedens.

Wunschdenken des Kleinbürgers? Mag ja sein, warum auch nicht, denn nichts ist schlimmer als nur auf der Stelle zu stehen. Wo sich nichts bewegt, passiert eben nichts und wer aus der Vergangenheit nichts gelernt hat, wird auch die Zukunft nicht gestalten können. Die „Ohnemichel“ in die Ecke stellen – am besten zum Abfaulen. Wer nichts tut, darf sich nicht wundern, wenn nichts kommt. Und so ist die Suche nach Tätigkeiten durchaus eine vorherein beabsichtigte Aktion, die immer ein Schlüssel der Zufriedenheit ist, wenn etwas unternommen, ausgeführt und letztlich abgeschlossen wird. Jedenfalls geht es mir so.

Also macht man Pläne. Da mangelt es nicht an Ideen und Versuchen, Streichungen bleiben nicht aus. Bleiben wir einmal bei den Versuchen. Bei dilettantischen Alleskönnern ist das die einzige Form der Selbstbestätigung. Ran ans Werk, ob mit oder ohne Erfolg. Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas erfolgreich zu Ende geführt werden kann, erscheint immerhin verlockend. Nicht zu vergessen ist stets der Gedanke, dass Selbermachen meist den Geldbeutel entlastet. Klappt etwas nicht, hat man an der falschen Stelle gespart. Ist auch schon vorgekommen. Aber diesmal lief alles anders.
Plan A oder B war noch nicht geboren. Den berühmten Sandkastenplan mit anschließendem Spiel, den in früheren Jahrhunderten gewiefte Militärs für ihre Feldzüge benutzt haben, gilt auch heute noch als nicht von gestern, sondern erfüllt weiterhin als strategischer Schulungszweck seine Bedeutung. Geht eine Schlacht verloren, so ein Pech, aber, kein Wunder, hatten sie doch auf Sand gebaut.

Diese Vorkenntnis verhalf mir weiter. Plan C war dann auf Papier, maßstabsgerecht, im rechten Winkel und im Lot festgenagelt. Auf geht`s mit dem Bau einer Terrasse. Und eins, zwei, drei ist sie fertiggestellt – äh, ich meine nach zwei Wochen, etlichen Farblasurspritzern auf der Handwerkerkleidung, leicht kreuzlahm, aber termingerecht und nicht erst in einem halben Jahr laut teurer Angebote herkömmlicher Firmen.

Mein Rat: Plane rechtzeitig ohne Sand und überprüfe dein Werkzeug. Das wahre Elend beginnt immer erst dann, wenn die nötigen Hilfsmittel fehlen, keine Spargroschen mehr vorhanden sind und es immer wieder Besserwisser gibt, wie etwas zu bauen ist. Das Resultat? Bitte sehr! Siehe Foto. Von Lobeshymnen bitte ich abzusehen. Lieber selbst ausprobieren, was man auch als Nichtfachfrau/-mann zustande bringen kann.

Horst
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