Hotti
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Hotti
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Re: Hotti
Katastrophenfall
Glaubten wir bisher doch in einem sicheren Land zu leben. So jedenfalls galt es unserem anhaltenden Gefühl gegenüber, nämlich der Behaglichkeit, des gut Versorgt seins, der Wirtschaftsstabilität und einer bildungs-/kulturell hoch entwickelten Landschaft anzugehören. Die mittlerweile in die Jahre gehenden grässlichen Kriege Russland ./. Ukraine, im Nahen Osten und die brandaktuelle Entwicklung amerikanischer Prägung, belehren uns in ziemlicher Offenheit, dass wir als Kernland in Europa jederzeit mit einer eher negativen als positiven Gefühlslage rechnen müssen. Vielleicht ein wenig weit hergeholt und pessimistisch, aber denkbar. Anlass dazu ist der jüngst ergangene Sabotage-Angriff auf eine Kabelbrücke über den Teltow-Kanal durch eine linksextreme Gruppe namens „Vulkan“. Betroffen im Umfeld des südwestlichen Stadtbezirks Zehlendorf waren rund 45.000 Haushalte und ca. 2.000 Gewerbebetriebe und somit die gesamte Infrastruktur. Eine bittere Sache.
Und wo stehen wir jetzt? In der Wartestellung bis die aufwendigen Reparatur-Arbeiten eine Wiederherstellung der gewohnten Lebensbedingungen ermöglichen. Das alles lässt die Frage nach einer Verhinderung von Wiederholungen unbeantwortet offen. Einer Schlagzeile der Berliner Zeitung folgend, kann jederzeit „In Sekundenschnelle ins Chaos“ ein Inferno eintreten, dem die Infrastruktur nicht gewachsen ist. Wehret den Anfängen, ein uralter Spruch, der immer wieder ausgegraben werden muss, sagt alles. Ist es nun allein Aufgabe des Staates oder sind nicht etwa auch wir Bürger dazu verpflichtet Vorsorge zu treffen?
Wir, die wenigen Älteren unter uns, haben Kriegszeiten im ausgelaufenen Jahrhundert, verschiedene politische Systeme und einhergehend auch Mangelwirtschaft miterlebt. Deshalb spricht doch alles dafür, eine möglichst verlässliche Schutzhaltung einzunehmen, die von vorn herein blockiert, wenn es auch nur den Verdacht eines Anschlages auf die Lebensbedingungen der Gemeinschaft gibt.
Linksextreme Vulkan-Gruppe mit Bekennerschreiben. So viel weiß man, warum nicht mehr? Ist der Verfassungsschutz, ein Geheimdienst, der mehr geheim ist, als dass er schützt? Auf die Einzelperson gemünzt, sind meine Zweifel sicherlich unangebracht, aber viele Einzelne ergeben auch Hundertschaften und mehr und spätestens hier bedarf es des Eingeständnisses der Obrigkeit, alle Maßnahmen zu ergreifen, die eine prekäre Situation erfordert.
Dies alles betrachtet durch die Brille eines vielleicht Unwissenden, mag gegebenenfalls in Teilaspekten stimmen, jedoch würde ich jeden Einwand der Polemik energisch zurückweisen. Tatsachen sind keine Unterstellungen und schon gar nicht unsachliche Angriffe. Insofern muss sich unsere staatliche Führung in dieser Hinsicht wie in so manchen anderen Dingen durchaus einmal an die Nase fassen und „In medias res“ gehen, wie inzwischen bereits fünftklassige Lateinschüler sagen.
Ein Stoßseufzer zur rechten Zeit, hilft geradezubiegen, dass nichts übrigbleibt.
Wann gehen die Lichter wieder an? Ein Lautsprecherwagen fuhr durch unsere engen Gassen, erwähnte Hoffnungsschimmer für heute Nachmittag, spätestens für morgen, dann soll wieder alles in geregelten Bahnen verlaufen. Hoffen wir das Beste, allesamt, ob mit bzw. vorher fünf Tage ohne Strom.
Horst
Glaubten wir bisher doch in einem sicheren Land zu leben. So jedenfalls galt es unserem anhaltenden Gefühl gegenüber, nämlich der Behaglichkeit, des gut Versorgt seins, der Wirtschaftsstabilität und einer bildungs-/kulturell hoch entwickelten Landschaft anzugehören. Die mittlerweile in die Jahre gehenden grässlichen Kriege Russland ./. Ukraine, im Nahen Osten und die brandaktuelle Entwicklung amerikanischer Prägung, belehren uns in ziemlicher Offenheit, dass wir als Kernland in Europa jederzeit mit einer eher negativen als positiven Gefühlslage rechnen müssen. Vielleicht ein wenig weit hergeholt und pessimistisch, aber denkbar. Anlass dazu ist der jüngst ergangene Sabotage-Angriff auf eine Kabelbrücke über den Teltow-Kanal durch eine linksextreme Gruppe namens „Vulkan“. Betroffen im Umfeld des südwestlichen Stadtbezirks Zehlendorf waren rund 45.000 Haushalte und ca. 2.000 Gewerbebetriebe und somit die gesamte Infrastruktur. Eine bittere Sache.
Und wo stehen wir jetzt? In der Wartestellung bis die aufwendigen Reparatur-Arbeiten eine Wiederherstellung der gewohnten Lebensbedingungen ermöglichen. Das alles lässt die Frage nach einer Verhinderung von Wiederholungen unbeantwortet offen. Einer Schlagzeile der Berliner Zeitung folgend, kann jederzeit „In Sekundenschnelle ins Chaos“ ein Inferno eintreten, dem die Infrastruktur nicht gewachsen ist. Wehret den Anfängen, ein uralter Spruch, der immer wieder ausgegraben werden muss, sagt alles. Ist es nun allein Aufgabe des Staates oder sind nicht etwa auch wir Bürger dazu verpflichtet Vorsorge zu treffen?
Wir, die wenigen Älteren unter uns, haben Kriegszeiten im ausgelaufenen Jahrhundert, verschiedene politische Systeme und einhergehend auch Mangelwirtschaft miterlebt. Deshalb spricht doch alles dafür, eine möglichst verlässliche Schutzhaltung einzunehmen, die von vorn herein blockiert, wenn es auch nur den Verdacht eines Anschlages auf die Lebensbedingungen der Gemeinschaft gibt.
Linksextreme Vulkan-Gruppe mit Bekennerschreiben. So viel weiß man, warum nicht mehr? Ist der Verfassungsschutz, ein Geheimdienst, der mehr geheim ist, als dass er schützt? Auf die Einzelperson gemünzt, sind meine Zweifel sicherlich unangebracht, aber viele Einzelne ergeben auch Hundertschaften und mehr und spätestens hier bedarf es des Eingeständnisses der Obrigkeit, alle Maßnahmen zu ergreifen, die eine prekäre Situation erfordert.
Dies alles betrachtet durch die Brille eines vielleicht Unwissenden, mag gegebenenfalls in Teilaspekten stimmen, jedoch würde ich jeden Einwand der Polemik energisch zurückweisen. Tatsachen sind keine Unterstellungen und schon gar nicht unsachliche Angriffe. Insofern muss sich unsere staatliche Führung in dieser Hinsicht wie in so manchen anderen Dingen durchaus einmal an die Nase fassen und „In medias res“ gehen, wie inzwischen bereits fünftklassige Lateinschüler sagen.
Ein Stoßseufzer zur rechten Zeit, hilft geradezubiegen, dass nichts übrigbleibt.
Wann gehen die Lichter wieder an? Ein Lautsprecherwagen fuhr durch unsere engen Gassen, erwähnte Hoffnungsschimmer für heute Nachmittag, spätestens für morgen, dann soll wieder alles in geregelten Bahnen verlaufen. Hoffen wir das Beste, allesamt, ob mit bzw. vorher fünf Tage ohne Strom.
Horst
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Hotti
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Re: Hotti
Fensterblicke
Die Freude über den Winter währte nur kurz. Als Freund der wirklichen Vierjahreszeiten bin ich natürlich betrübt darüber, wenn ein ums andere Jahr, wenngleich zurückblickend bedeutend länger, nämlich inzwischen jahrzehntelang die typischen Merkmale der jeweiligen Jahreszeit sich einfach nicht mehr so einstellen, wie es in Jahrhunderten der Fall war. Die von Menschenhand gemachte Erderwärmung liefert mit gelegentlichen Unterbrechungen immer neue Rekordzahlen, was der klimatischen Verträglichkeit in keiner Weise entspricht.
Gerade zweimal hatten wir in Berlin kurzzeitig eine Ahnung davon, wie Winter eigentlich aussehen müsste. Klar, im Kopf und in Gedanken ist das natürlich nicht einfach weg und die Älteren unter uns können mit Sicherheit aus dem Nähkästchen plaudern, wie sich zu „ihrer Zeit“ Winterfreuden und manchmal, aber selten, Winterleid, eingestellt haben. Ich gehe einmal ganz weit zurück, bis zu der Zeit, als die Zentralheizung noch längst nicht Allgemeingut war.
Meine Generation wuchs weitestgehend damit auf, dass allmorgendlich der meist zentral gelegene Kachelofen erst einmal von der Asche der Vortagsbefeuerung befreit werden musste, ehe das selbst besorgte und gezündete Brennholz die Vorglut für die nachgelegten Briketts bildete. Nach zwei, drei Stunden strahlte dann der Stubenofen jene behagliche Wärme aus, die zum Wohlbefinden des Familienlebens beitrug - im Wohnzimmer. Das Eltern-Schlafzimmer hatte zwar auch einen Ofen, der jedoch nur in ganz besonderen Situationen (z. B. Krankheit) in Betrieb gesetzt wurde. Im Übrigen wurden die Feder-/Daunen-Betten vor dem Schlafengehen stets durch Anhalten am Kachelofen vorgewärmt. Dann eins, zwei, drei fix, ab in die Heia und mit der Ofen- und der eigenen Körperwärme hielt das Bett warm bis zum Aufstehen.
In der Küche gab es einen Gas-Herd zum Kochen und Backen und - wie nobel - einen Wasserdurchlauferhitzer in vielfältiger Benutzung. Ach ja, und das Badezimmer. Einmal in der Woche wurde gebadet. Ehe der 80 Liter Wasser fassende Kessel mit ebenfalls Holz und Kohle zur Erwärmung gebracht wurde, verging viel Zeit. Die Eisblumen am kleinen Badezimmerfenster bleiben mir unvergesslich. Wenn jedoch die „Badeschlacht“ der dreibrüderlichen Gemeinschaft begann (ja nur, wenn das warme Wasser die Wanne mindestens bis zu Hälfte füllte), stieg nicht nur die Stimmung, sondern, aus war es mit den schönen Eisgebilden am einglasigen Fenster. Das war Komfort in der Nachkriegszeit; wir hausten nicht in Ruinen und Erdlöchern.
Und wenn ich heute durch die tägliche Kriegsberichterstattung aus der Ukraine daran erinnert werde, wie es sein kann, dass in Anbetracht der kritischen Weltlage jederzeit auch bei uns wieder Zustände eintreten können, die unseren heute gewohnten Lebensstandard schlagartig ändern, so bedarf es weder Schönfärberei noch der „geht-mich-nichts-an-Stimmung“. Was nun? Frieden schaffen ohne Waffen, ein Slogan, der wohl nur Makulatur sein dürfte. Was wir (Europäer) aber unbedingt können, ist, Einigkeit zeigen. Im Falle des Größenwahnsinnigen hinsichtlich Grönland (und mehr) ist die beste Antwort schon gegeben. Der Zwerg Europa ist gar nicht so klein, man bedenke: Europa hat (ohne Russland) fast 450 Mio. Einwohner, die USA 347 Mio. Und die Ökonomie, die Werte, Kultur und schließlich die NATO? Sind das alles Fragezeichen, die keine Rolle spielen?
Ja, wenn ich so durch mein sicher gefärbtes Fenster schaue und (noch) behaglich in meinem Sackgassenhäuschen sitze, dann ist mir ziemlich unwohl, allein schon deshalb, weil das Licht und alles was daran hängt, ziemlich schnell erneut ausgehen kann. Ein Patentrezept dagegen und gegen vieles mehr in besonderer Beziehung zum meteorlogischen und politischen Klima sowieso hätte ich gerne.
Horst
Die Freude über den Winter währte nur kurz. Als Freund der wirklichen Vierjahreszeiten bin ich natürlich betrübt darüber, wenn ein ums andere Jahr, wenngleich zurückblickend bedeutend länger, nämlich inzwischen jahrzehntelang die typischen Merkmale der jeweiligen Jahreszeit sich einfach nicht mehr so einstellen, wie es in Jahrhunderten der Fall war. Die von Menschenhand gemachte Erderwärmung liefert mit gelegentlichen Unterbrechungen immer neue Rekordzahlen, was der klimatischen Verträglichkeit in keiner Weise entspricht.
Gerade zweimal hatten wir in Berlin kurzzeitig eine Ahnung davon, wie Winter eigentlich aussehen müsste. Klar, im Kopf und in Gedanken ist das natürlich nicht einfach weg und die Älteren unter uns können mit Sicherheit aus dem Nähkästchen plaudern, wie sich zu „ihrer Zeit“ Winterfreuden und manchmal, aber selten, Winterleid, eingestellt haben. Ich gehe einmal ganz weit zurück, bis zu der Zeit, als die Zentralheizung noch längst nicht Allgemeingut war.
Meine Generation wuchs weitestgehend damit auf, dass allmorgendlich der meist zentral gelegene Kachelofen erst einmal von der Asche der Vortagsbefeuerung befreit werden musste, ehe das selbst besorgte und gezündete Brennholz die Vorglut für die nachgelegten Briketts bildete. Nach zwei, drei Stunden strahlte dann der Stubenofen jene behagliche Wärme aus, die zum Wohlbefinden des Familienlebens beitrug - im Wohnzimmer. Das Eltern-Schlafzimmer hatte zwar auch einen Ofen, der jedoch nur in ganz besonderen Situationen (z. B. Krankheit) in Betrieb gesetzt wurde. Im Übrigen wurden die Feder-/Daunen-Betten vor dem Schlafengehen stets durch Anhalten am Kachelofen vorgewärmt. Dann eins, zwei, drei fix, ab in die Heia und mit der Ofen- und der eigenen Körperwärme hielt das Bett warm bis zum Aufstehen.
In der Küche gab es einen Gas-Herd zum Kochen und Backen und - wie nobel - einen Wasserdurchlauferhitzer in vielfältiger Benutzung. Ach ja, und das Badezimmer. Einmal in der Woche wurde gebadet. Ehe der 80 Liter Wasser fassende Kessel mit ebenfalls Holz und Kohle zur Erwärmung gebracht wurde, verging viel Zeit. Die Eisblumen am kleinen Badezimmerfenster bleiben mir unvergesslich. Wenn jedoch die „Badeschlacht“ der dreibrüderlichen Gemeinschaft begann (ja nur, wenn das warme Wasser die Wanne mindestens bis zu Hälfte füllte), stieg nicht nur die Stimmung, sondern, aus war es mit den schönen Eisgebilden am einglasigen Fenster. Das war Komfort in der Nachkriegszeit; wir hausten nicht in Ruinen und Erdlöchern.
Und wenn ich heute durch die tägliche Kriegsberichterstattung aus der Ukraine daran erinnert werde, wie es sein kann, dass in Anbetracht der kritischen Weltlage jederzeit auch bei uns wieder Zustände eintreten können, die unseren heute gewohnten Lebensstandard schlagartig ändern, so bedarf es weder Schönfärberei noch der „geht-mich-nichts-an-Stimmung“. Was nun? Frieden schaffen ohne Waffen, ein Slogan, der wohl nur Makulatur sein dürfte. Was wir (Europäer) aber unbedingt können, ist, Einigkeit zeigen. Im Falle des Größenwahnsinnigen hinsichtlich Grönland (und mehr) ist die beste Antwort schon gegeben. Der Zwerg Europa ist gar nicht so klein, man bedenke: Europa hat (ohne Russland) fast 450 Mio. Einwohner, die USA 347 Mio. Und die Ökonomie, die Werte, Kultur und schließlich die NATO? Sind das alles Fragezeichen, die keine Rolle spielen?
Ja, wenn ich so durch mein sicher gefärbtes Fenster schaue und (noch) behaglich in meinem Sackgassenhäuschen sitze, dann ist mir ziemlich unwohl, allein schon deshalb, weil das Licht und alles was daran hängt, ziemlich schnell erneut ausgehen kann. Ein Patentrezept dagegen und gegen vieles mehr in besonderer Beziehung zum meteorlogischen und politischen Klima sowieso hätte ich gerne.
Horst
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Lauffreak
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Re: Hotti
Hallo Horst,
wie meinst du folgendes:
Zitat:
Gerade zweimal hatten wir in Berlin kurzzeitig eine Ahnung davon, wie Winter eigentlich aussehen müsste
2x Schnee und Kälte
oder
2x großflächiger Stromausfall (September 2025 in Adlershof / Januar 2026 Steglitz-Zehlendorf)
Wart Ihr im Januar vom Stromausfall betroffen?
Also ich für mich kann sagen, dass der Winter ohne Strom nicht so aussehen sollte.
Meine Wohnstraße war eine der letzten in Steglitz-Zehlendorf, die nach 5 Tagen wieder mit Strom versorgt worden ist.
5 Tage ohne Strom:
Keine Heizung, in den Wohnräumen hatte ich zwischen 4 und 8 Grad gemessen.
Kein Licht, die Akkutaschenlampen waren nach 2 Tagen leer.
Nach 2 Tagen Handy 0 Prozent
...und hier komme ich zum 2. Zitat:
Was wir (Europäer) aber unbedingt können, ist, Einigkeit zeigen.
Du sprichst so "großartig" von wir.
Ich reduziere mal das wir auf den Lauftreff "Bernd Hübner".
In den über 5 Tagen ohne Strom, Heizung usw. habe ich von keinem Lauftreffmitglied eine Nachfrage erhalten, wie es mir geht.
Geschweige denn evtl. ein Angebot zu helfen, z. B. mal das Handy aufzuladen oder mal einen warmen Tee zu bekommen.
Ich gebe zu, dieses Verhalten hat mich sehr getroffen und mich zu einer gewissen Distanz zum Lauftreff gebracht.
Klar, ich habe keinen Anspruch darauf, dass einem geholfen wird. Allerdings stelle ich mir dann die Frage, muss ich weiterhin
Kontakt halten?
Nun zu Europa: wie soll eine Vielvölkergemeinschaft funktionieren, wenn es noch nicht einmal in einem kleinen privaten Kreis
funktioniert.
Europa hat zwar mehr Menschen als die USA. Aber die USA haben einen Militärapparat, den Europa sich nicht leisten kann.
Klaus
wie meinst du folgendes:
Zitat:
Gerade zweimal hatten wir in Berlin kurzzeitig eine Ahnung davon, wie Winter eigentlich aussehen müsste
2x Schnee und Kälte
oder
2x großflächiger Stromausfall (September 2025 in Adlershof / Januar 2026 Steglitz-Zehlendorf)
Wart Ihr im Januar vom Stromausfall betroffen?
Also ich für mich kann sagen, dass der Winter ohne Strom nicht so aussehen sollte.
Meine Wohnstraße war eine der letzten in Steglitz-Zehlendorf, die nach 5 Tagen wieder mit Strom versorgt worden ist.
5 Tage ohne Strom:
Keine Heizung, in den Wohnräumen hatte ich zwischen 4 und 8 Grad gemessen.
Kein Licht, die Akkutaschenlampen waren nach 2 Tagen leer.
Nach 2 Tagen Handy 0 Prozent
...und hier komme ich zum 2. Zitat:
Was wir (Europäer) aber unbedingt können, ist, Einigkeit zeigen.
Du sprichst so "großartig" von wir.
Ich reduziere mal das wir auf den Lauftreff "Bernd Hübner".
In den über 5 Tagen ohne Strom, Heizung usw. habe ich von keinem Lauftreffmitglied eine Nachfrage erhalten, wie es mir geht.
Geschweige denn evtl. ein Angebot zu helfen, z. B. mal das Handy aufzuladen oder mal einen warmen Tee zu bekommen.
Ich gebe zu, dieses Verhalten hat mich sehr getroffen und mich zu einer gewissen Distanz zum Lauftreff gebracht.
Klar, ich habe keinen Anspruch darauf, dass einem geholfen wird. Allerdings stelle ich mir dann die Frage, muss ich weiterhin
Kontakt halten?
Nun zu Europa: wie soll eine Vielvölkergemeinschaft funktionieren, wenn es noch nicht einmal in einem kleinen privaten Kreis
funktioniert.
Europa hat zwar mehr Menschen als die USA. Aber die USA haben einen Militärapparat, den Europa sich nicht leisten kann.
Klaus
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Hotti
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Re: Hotti
Antwort:
1. 2 x Schnee und Kälte (nunmehr schon rückblickend für nur wenige Tage im Gegensatz zu „echten“ Winterzeiten)
2. Stromausfall
Als glücklicher Mitgewinner bei der Stromversorgung (100 m entfernt von der Schnittstelle Strom./.kein Strom) war mein Haushalt Anlaufstelle für begrenzt 4 Personen aus dem betroffenen Bereich Schlachtensee, will sagen: Obdach. Ein Mehr hätte Zeltaufbau erfordert, Kaminfeuer wäre möglich gewesen, Holzvorrat für 2 Wochen.
2a) Der Strom ist wieder da. Warum? Keine deutsche Firma war in der Lage, diese Reparatur schnellstmöglich durchzuführen. Keine kühne Behauptung, sondern Tatsache. Mir liegt ein Artikel des Bezirksblattes von Niederösterreich vor, in dem explizit über die Behebung des immensen Schadens durch eine österreichische Spezialfirma berichtet wird, so u.a. mit dem Hinweis, dass selbst dazu in Urlaub befindliche Kräfte bereit waren, mitzuhelfen. Das stand in keiner Berliner Zeitung und mir ist keine Pressemitteilung des Senats bekannt, welche sich zu diesem Thema geäußert hat.
Soweit zum Thema Stromausfall. Die weiteren Anmerkungen lasse ich einmal unkommentiert so stehen, obwohl ich gänzlich anderer Meinung bin, was das Thema Gemeinschaften anbelangt, nämlich, sie funktionieren – wenn man will!
Und zu Europa und den USA: Wir - unser Staatenverbund (Achtung nicht Staatenbund) und die USA – brauchen uns. Nur einer scheint in dieser Hinsicht geblendet und in seiner Überheblichkeit als Selbstdarsteller seiner Macht allen Mitgliedern der EU sagen zu müssen, was seiner Meinung nach für sein Land wichtig wäre. Dabei geht es ihm nicht um Politik und Ausgleich, sondern nur darum, wie und wo wirtschaftlich am meisten zu holen lohnt.
Money makes the world go round (Geld regiert die Welt), sang schon Liza Minelli in Cabaret.
Horst
1. 2 x Schnee und Kälte (nunmehr schon rückblickend für nur wenige Tage im Gegensatz zu „echten“ Winterzeiten)
2. Stromausfall
Als glücklicher Mitgewinner bei der Stromversorgung (100 m entfernt von der Schnittstelle Strom./.kein Strom) war mein Haushalt Anlaufstelle für begrenzt 4 Personen aus dem betroffenen Bereich Schlachtensee, will sagen: Obdach. Ein Mehr hätte Zeltaufbau erfordert, Kaminfeuer wäre möglich gewesen, Holzvorrat für 2 Wochen.
2a) Der Strom ist wieder da. Warum? Keine deutsche Firma war in der Lage, diese Reparatur schnellstmöglich durchzuführen. Keine kühne Behauptung, sondern Tatsache. Mir liegt ein Artikel des Bezirksblattes von Niederösterreich vor, in dem explizit über die Behebung des immensen Schadens durch eine österreichische Spezialfirma berichtet wird, so u.a. mit dem Hinweis, dass selbst dazu in Urlaub befindliche Kräfte bereit waren, mitzuhelfen. Das stand in keiner Berliner Zeitung und mir ist keine Pressemitteilung des Senats bekannt, welche sich zu diesem Thema geäußert hat.
Soweit zum Thema Stromausfall. Die weiteren Anmerkungen lasse ich einmal unkommentiert so stehen, obwohl ich gänzlich anderer Meinung bin, was das Thema Gemeinschaften anbelangt, nämlich, sie funktionieren – wenn man will!
Und zu Europa und den USA: Wir - unser Staatenverbund (Achtung nicht Staatenbund) und die USA – brauchen uns. Nur einer scheint in dieser Hinsicht geblendet und in seiner Überheblichkeit als Selbstdarsteller seiner Macht allen Mitgliedern der EU sagen zu müssen, was seiner Meinung nach für sein Land wichtig wäre. Dabei geht es ihm nicht um Politik und Ausgleich, sondern nur darum, wie und wo wirtschaftlich am meisten zu holen lohnt.
Money makes the world go round (Geld regiert die Welt), sang schon Liza Minelli in Cabaret.
Horst
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Hotti
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Re: Hotti
Glatteis
Bekenntnis: Meine Tage als echter, begeisterter Läufer sind seit geraumer Zeit gezählt. War doch ein bekanntes Ereignis dafür prägend, das dafür sprach, nicht mehr wie im davor liegenden Zeitraum zwei-, dreitäglich pro Woche die Laufschuhe zu schnüren und mal genüsslich, mal ein bisschen auf Krawall (berghoch) und (abgesehen von unendlich vielen Wettkämpfen bis zur Halbmarathondistanz) ein bis zweimal jährlich an einem Big Run teilzunehmen (fast 45 Jahre). Und so gesehen hat alles einen Anfang und ein Ende.
Angefangen haben muss es wohl schon bei meiner Geburt, denn ich wurde von früh an als Bewegungsmensch deklariert, schon in der Schule war ich als vorlauter „Zappel-Philipp“, der nie stillstehen oder -sitzen konnte, verschrien. Heute gibt es etliche Erklärungen dafür: ADHS, Aufmerksam keitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Darüber wusste in der Nachkriegszeit kein Normalbürger etwas anzufangen, obwohl bereits im 18.Jahrhundert über besondere Auffälligkeiten bei Heranwachsenden mit bemerkwerten Handlungsweisen berichtet wurde. Heute ist die wissenschaftliche Aufklärung allseits viel weiter, man kennt die Symptome, aber die speziellen oder komplexen Ursachen von ADHS bedürfen noch immer intensiverer Forschung. Eines scheint gewiss, es handelt sich um ein genetisches Problem, das die Neurobiologie mit Störungen im Gehirnstoffwechsel und dadurch in beeinträchtigenden Handlungsfunktionen begründet sieht. Mal krass, mal weniger.
Nun ja, da ich in meinem Leben bereits mehrere Generationen durchlaufen habe (durchaus in der Erwartung des Ur…..), ist die Relevanz für mich persönlich nicht mehr allzu wichtig, denn irgendwie, beim Blick in den Spiegel sowieso, ist die ursprüngliche Ungeduldsamkeit längst einer langen Lebenserfahrung gewichen, die einem sagt, erst denken, dann handeln. Und so wird die eigene Lebensgeschichte auch immer der Grad sein, an dem man sich selbst auch messen kann. Weil nun die Spontanität nicht mehr so prickelnd ist, sondern mehr in den Bereich „Eile mit Weile“ fällt, ist das heutige sportliche Geschehen kein bisschen vergleichbar mit dem früherer Jahre. Bewegung immer, aber nicht unbedingt leistungsorientiert. Weil, ja, was? Was nicht mehr geht, geht eben nicht, jedenfalls Laufen, wie wir es verstehen.
In dieser nicht unbedingten Not kann einem kaum jemand nützliche Hinweise geben, außer man hört auf den eigenen Körper, der sagt einem, was geht und was nicht. Insofern ist der innere Motor wahrscheinlich noch immer der richtige Taktgeber. Und eben dieser animierte mich zum wiederholten Male, nach der Schneeschmelze die dem Körper innewohnenden Gelüste der Bewegung zu genügen. Gedacht, getan. Nun war ich unterwegs in der mir seit 100 Jahren bekannten Spur Richtung Grunewaldsee. Die Verbindung Krumme Lanke zum Grunewaldsee ist eine wunderschöne Laufstrecke entlang des Fenngrabens, durch den die Wasserweiterführung von Krumme Lanke über Riemeistersee (fast verlandet und jetzt Fenn) und Langes Luch (das anschließende Moorgebiet) zu weiteren Grunewaldseen geschieht.
Da ich gerade dabei bin, möchte ich gerne vervollständigt anfügen: Nikolassee – Rehwiese – Schlachtensee – Krumme Lanke – Riemeisterfenn – Langes Luch – Grunewaldsee – Hundekehle-Fenn und See – Dianasee – Koenigssee - Halensee – Lietzensee und als „Nebenrinne“ von West nach Ost Herthasee-Hubertussee – Fennsee- ehemaliger Wilmersdorfer See – Volkspark Wilmersdorf-Rudolf-Wilde-Park. Alles laufmäßig sehr empfehlenswert, weil (früher) selbst abgelaufen. In allen Variationen: es ist das nicht nur das andere Laufen, sondern etwas Besonderes, zumal als Aufhänger für den zwischendurch gegebenen Unterhaltungswert in der Gruppe.
Und wie war das eigentlich mit der Eisglätte? Trifft doch alles zu, wenn du in diesen Tagen nur der Hauptlinie folgst (allerdings z. Z. nicht ratsam). Ich Dummkopf weiß das erst heute, nachdem ich gestern der Verlockung des vermeintlichen Sonnenscheins nicht widerstehen konnte. Schon nach einem Kilometer „Kampfwandern“ saß ich auf dem Pinsel. Wo alles ringsum abgetaut war, ist der festgetrampelt beschriebene Weg eine Schlitterbahn reinster Güte. Nicht einmal die Ränder geben einigermaßen Halt. Naja, die Oberprofis unter uns haben natürlich Spikes oder entsprechende Füßlinge (diese Überzieh-Verhüterli), sonst unbedingt hervorkramen, wenn Bedarf. Wenn nicht, die Arschbombe ist dir sicher, falls du mir nicht glauben willst.
Es ist eben Winter, den wir brauchen, damit auch die anderen Jahreszeiten zu ihrem Recht und wir zu unserem „Wechselblutgefühl“ kommen.
Zurück zum Anfang und zum Ende: Die Einblende zu „Anfang“ als Rückblick, die Vorschau auf`s „Ende“ betrachte ich noch immer aus der Sicht des verkehrt herum gehaltenen Fernrohrs.
Unverbesserlich
Horst
Bekenntnis: Meine Tage als echter, begeisterter Läufer sind seit geraumer Zeit gezählt. War doch ein bekanntes Ereignis dafür prägend, das dafür sprach, nicht mehr wie im davor liegenden Zeitraum zwei-, dreitäglich pro Woche die Laufschuhe zu schnüren und mal genüsslich, mal ein bisschen auf Krawall (berghoch) und (abgesehen von unendlich vielen Wettkämpfen bis zur Halbmarathondistanz) ein bis zweimal jährlich an einem Big Run teilzunehmen (fast 45 Jahre). Und so gesehen hat alles einen Anfang und ein Ende.
Angefangen haben muss es wohl schon bei meiner Geburt, denn ich wurde von früh an als Bewegungsmensch deklariert, schon in der Schule war ich als vorlauter „Zappel-Philipp“, der nie stillstehen oder -sitzen konnte, verschrien. Heute gibt es etliche Erklärungen dafür: ADHS, Aufmerksam keitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Darüber wusste in der Nachkriegszeit kein Normalbürger etwas anzufangen, obwohl bereits im 18.Jahrhundert über besondere Auffälligkeiten bei Heranwachsenden mit bemerkwerten Handlungsweisen berichtet wurde. Heute ist die wissenschaftliche Aufklärung allseits viel weiter, man kennt die Symptome, aber die speziellen oder komplexen Ursachen von ADHS bedürfen noch immer intensiverer Forschung. Eines scheint gewiss, es handelt sich um ein genetisches Problem, das die Neurobiologie mit Störungen im Gehirnstoffwechsel und dadurch in beeinträchtigenden Handlungsfunktionen begründet sieht. Mal krass, mal weniger.
Nun ja, da ich in meinem Leben bereits mehrere Generationen durchlaufen habe (durchaus in der Erwartung des Ur…..), ist die Relevanz für mich persönlich nicht mehr allzu wichtig, denn irgendwie, beim Blick in den Spiegel sowieso, ist die ursprüngliche Ungeduldsamkeit längst einer langen Lebenserfahrung gewichen, die einem sagt, erst denken, dann handeln. Und so wird die eigene Lebensgeschichte auch immer der Grad sein, an dem man sich selbst auch messen kann. Weil nun die Spontanität nicht mehr so prickelnd ist, sondern mehr in den Bereich „Eile mit Weile“ fällt, ist das heutige sportliche Geschehen kein bisschen vergleichbar mit dem früherer Jahre. Bewegung immer, aber nicht unbedingt leistungsorientiert. Weil, ja, was? Was nicht mehr geht, geht eben nicht, jedenfalls Laufen, wie wir es verstehen.
In dieser nicht unbedingten Not kann einem kaum jemand nützliche Hinweise geben, außer man hört auf den eigenen Körper, der sagt einem, was geht und was nicht. Insofern ist der innere Motor wahrscheinlich noch immer der richtige Taktgeber. Und eben dieser animierte mich zum wiederholten Male, nach der Schneeschmelze die dem Körper innewohnenden Gelüste der Bewegung zu genügen. Gedacht, getan. Nun war ich unterwegs in der mir seit 100 Jahren bekannten Spur Richtung Grunewaldsee. Die Verbindung Krumme Lanke zum Grunewaldsee ist eine wunderschöne Laufstrecke entlang des Fenngrabens, durch den die Wasserweiterführung von Krumme Lanke über Riemeistersee (fast verlandet und jetzt Fenn) und Langes Luch (das anschließende Moorgebiet) zu weiteren Grunewaldseen geschieht.
Da ich gerade dabei bin, möchte ich gerne vervollständigt anfügen: Nikolassee – Rehwiese – Schlachtensee – Krumme Lanke – Riemeisterfenn – Langes Luch – Grunewaldsee – Hundekehle-Fenn und See – Dianasee – Koenigssee - Halensee – Lietzensee und als „Nebenrinne“ von West nach Ost Herthasee-Hubertussee – Fennsee- ehemaliger Wilmersdorfer See – Volkspark Wilmersdorf-Rudolf-Wilde-Park. Alles laufmäßig sehr empfehlenswert, weil (früher) selbst abgelaufen. In allen Variationen: es ist das nicht nur das andere Laufen, sondern etwas Besonderes, zumal als Aufhänger für den zwischendurch gegebenen Unterhaltungswert in der Gruppe.
Und wie war das eigentlich mit der Eisglätte? Trifft doch alles zu, wenn du in diesen Tagen nur der Hauptlinie folgst (allerdings z. Z. nicht ratsam). Ich Dummkopf weiß das erst heute, nachdem ich gestern der Verlockung des vermeintlichen Sonnenscheins nicht widerstehen konnte. Schon nach einem Kilometer „Kampfwandern“ saß ich auf dem Pinsel. Wo alles ringsum abgetaut war, ist der festgetrampelt beschriebene Weg eine Schlitterbahn reinster Güte. Nicht einmal die Ränder geben einigermaßen Halt. Naja, die Oberprofis unter uns haben natürlich Spikes oder entsprechende Füßlinge (diese Überzieh-Verhüterli), sonst unbedingt hervorkramen, wenn Bedarf. Wenn nicht, die Arschbombe ist dir sicher, falls du mir nicht glauben willst.
Es ist eben Winter, den wir brauchen, damit auch die anderen Jahreszeiten zu ihrem Recht und wir zu unserem „Wechselblutgefühl“ kommen.
Zurück zum Anfang und zum Ende: Die Einblende zu „Anfang“ als Rückblick, die Vorschau auf`s „Ende“ betrachte ich noch immer aus der Sicht des verkehrt herum gehaltenen Fernrohrs.
Unverbesserlich
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Re: Hotti
Zukunftsblick
„Nichts wird irgendwie besser, anderes schon. Verunsichert, das bin ich. So ist das und wird sein mit der erreichten und uns nachfolgenden Zeit“, sagte meine selige Großmutter vor ewigen Zeiten, und ich mache mir darüber Gedanken.
Ältere Menschen, so wie ich inzwischen dazu gehöre, gucken ja gerne rückwärts, weil da angeblich vieles besser war. Echter Unsinn. So gesehen bin ich nun kein Älterer, sondern dem jetzigen Leben heftig zugewandt. Dennoch, wer Zukunft gestalten will, muss die Geschichte kennen. Dazu gibt es unzählige Haltepunkte, die einen selbst geprägt haben und die maßgeblich für das weitere Leben bestimmend waren. Heute sind die gemachten Erfahrungen Werte, die unschätzbar sind. Man kann sie nicht lernen, man macht sie.
Nun bin ich heutzutage nicht mehr der dynamische Jungsporn, der die Welt verändern will, daran basteln längst andere, leider nicht jüngere, sondern alles Rentner (Putin 73, Xi Jinping 72, Trump 79). Und die schreiben (leider auch) Weltgeschichte. Dabei kann man zurückgehen bis in die Steinzeit, in der die ersten Mitteilungen (?) in Felswände geritzt, gemeißelt wurden. Tatsächliche Schreiben wurden aber „erst“ vor 5.000 Jahren, also 3.000 v. Chr. im Gebiet von Euphrat und Tigris, dem ehemaligen Mesopotamien (Zweistromland), heute Irak, mit der Keilschrift auf Tontafeln gefertigt. Mit den Hieroglyphen in etwa im gleichen Zeitraum haben die alten (Pharaonen) Ägypter Spuren hinterlassen, während früheste griechische und lateinische Schriftzeugnisse erst mit dem Alphabet so um 750 – 800 v. Chr. entstanden sind.
Und was wären wir ohne aufgeschriebene Geschichte? Wahrscheinlich im Märchenland, wo jeder seinen eigenen Senf dazu dichten kann. Erst mit der Drucktechnik, die noch vor Gutenberg in China und Korea mit Holz- und Metalltafeln (868, 1040 und 1377 n. Chr.) üblich war, wurden die ersten Bücher verfasst. Mit der von Gutenberg 1450 im Mainz entwickelten Methode mit beweglichen Lettern schuf er ein System mit einzeln gegossenen Buchstaben, die jeweils wiederverwendet werden konnten. Mit einer Druckpresse gleich einer Weinpresse ermöglichte er eine schnelle Herstellung von Büchern und anderen Druckerzeugnissen in großer Auflage. Von dieser Revolution profitieren wir noch heute.
Verzeihung, das geschichtlich durchaus vorhandene Wissen, war mir in der genauen Abfolge nicht so gänzlich klar. Darum diese ausschweifende Darstellung.
Kehren wir zurück zur Weltgeschichte, die wir heute anhand zentnerschwerer Literatur in jeder Form verfolgen können, denn das ist die Abteilung, die alles aufbewahrt und als Generalnachweis-Wissensmittel dienen kann. „Was wäre Geschichte…?“ fragte ich schon einmal. Mündliche Überlieferungen haben ja nur Halbwertzeiten. Und so ist jede Bibliothek ein Reichtum ohne Ende, wenn sie Geschichte und Zukunft nicht trennt, sondern sich in jeder Weise verpflichtet sieht.
Im noch bestehenden „Papierzeitalter“, so möchte ich einmal unsere derzeitige Datenfolge einmal bezeichnen, kann man noch davon ausgehen, dass alle Dokumentationen noch in handfester, materiell nachschlagbarer Weise gesichert werden. Längst ist jedoch die IT-Welt auf dem Weg, dass es nur noch eines KLICKS bedarf, um Aufzeichnungen, Reportagen, Berichte usw. digitalisiert in Dateien abzuspeichern, die dann jederzeit und von jedem Ort aus abgerufen werden können, wenn nicht gerade technische Probleme das verhindern. Kann ja trotz aller Perfektion vorkommen, oder? Ein Buch, eine handfeste, papiergehaltene Schwarz-Weiß-Aufzeichnung in der Aktentasche oder im Archiv müssten nur gegen Feuer, Diebstahl und Vergesslichkeit geschützt werden, ansonsten stets greifbar.
Das Gegenargument IT-Dokument: Ist es etwas, was man getrost berichtigt oder auf den neuesten Stand ergänzt, jederzeit kostenlos austauschbar oder gegen Neu-Ersatz aktuell erhält? Wenn doch bloß nicht immer diese Zweifel gegen Neues vorhanden wären. „Generation 4“ nach uns, wird es – mit Verlaub – leichter haben. Von Sütterlin-Schrift auf die lateinische Ausgangsschrift umzusteigen, brauchte gute 30 Jahre. Schreiben kann sie heute kaum noch jemand. Lesen (aussterbend) gerade noch so – ich gehöre dazu.
Und was wird uns die Zukunft bringen? Keine Ahnung, weil ja alles besser werden soll. Wer die hat und Vorschläge dazu machen kann, jederzeit und ab damit in die Blackbox und nicht ins Regal, wo alles verstaubt.
Horst
„Nichts wird irgendwie besser, anderes schon. Verunsichert, das bin ich. So ist das und wird sein mit der erreichten und uns nachfolgenden Zeit“, sagte meine selige Großmutter vor ewigen Zeiten, und ich mache mir darüber Gedanken.
Ältere Menschen, so wie ich inzwischen dazu gehöre, gucken ja gerne rückwärts, weil da angeblich vieles besser war. Echter Unsinn. So gesehen bin ich nun kein Älterer, sondern dem jetzigen Leben heftig zugewandt. Dennoch, wer Zukunft gestalten will, muss die Geschichte kennen. Dazu gibt es unzählige Haltepunkte, die einen selbst geprägt haben und die maßgeblich für das weitere Leben bestimmend waren. Heute sind die gemachten Erfahrungen Werte, die unschätzbar sind. Man kann sie nicht lernen, man macht sie.
Nun bin ich heutzutage nicht mehr der dynamische Jungsporn, der die Welt verändern will, daran basteln längst andere, leider nicht jüngere, sondern alles Rentner (Putin 73, Xi Jinping 72, Trump 79). Und die schreiben (leider auch) Weltgeschichte. Dabei kann man zurückgehen bis in die Steinzeit, in der die ersten Mitteilungen (?) in Felswände geritzt, gemeißelt wurden. Tatsächliche Schreiben wurden aber „erst“ vor 5.000 Jahren, also 3.000 v. Chr. im Gebiet von Euphrat und Tigris, dem ehemaligen Mesopotamien (Zweistromland), heute Irak, mit der Keilschrift auf Tontafeln gefertigt. Mit den Hieroglyphen in etwa im gleichen Zeitraum haben die alten (Pharaonen) Ägypter Spuren hinterlassen, während früheste griechische und lateinische Schriftzeugnisse erst mit dem Alphabet so um 750 – 800 v. Chr. entstanden sind.
Und was wären wir ohne aufgeschriebene Geschichte? Wahrscheinlich im Märchenland, wo jeder seinen eigenen Senf dazu dichten kann. Erst mit der Drucktechnik, die noch vor Gutenberg in China und Korea mit Holz- und Metalltafeln (868, 1040 und 1377 n. Chr.) üblich war, wurden die ersten Bücher verfasst. Mit der von Gutenberg 1450 im Mainz entwickelten Methode mit beweglichen Lettern schuf er ein System mit einzeln gegossenen Buchstaben, die jeweils wiederverwendet werden konnten. Mit einer Druckpresse gleich einer Weinpresse ermöglichte er eine schnelle Herstellung von Büchern und anderen Druckerzeugnissen in großer Auflage. Von dieser Revolution profitieren wir noch heute.
Verzeihung, das geschichtlich durchaus vorhandene Wissen, war mir in der genauen Abfolge nicht so gänzlich klar. Darum diese ausschweifende Darstellung.
Kehren wir zurück zur Weltgeschichte, die wir heute anhand zentnerschwerer Literatur in jeder Form verfolgen können, denn das ist die Abteilung, die alles aufbewahrt und als Generalnachweis-Wissensmittel dienen kann. „Was wäre Geschichte…?“ fragte ich schon einmal. Mündliche Überlieferungen haben ja nur Halbwertzeiten. Und so ist jede Bibliothek ein Reichtum ohne Ende, wenn sie Geschichte und Zukunft nicht trennt, sondern sich in jeder Weise verpflichtet sieht.
Im noch bestehenden „Papierzeitalter“, so möchte ich einmal unsere derzeitige Datenfolge einmal bezeichnen, kann man noch davon ausgehen, dass alle Dokumentationen noch in handfester, materiell nachschlagbarer Weise gesichert werden. Längst ist jedoch die IT-Welt auf dem Weg, dass es nur noch eines KLICKS bedarf, um Aufzeichnungen, Reportagen, Berichte usw. digitalisiert in Dateien abzuspeichern, die dann jederzeit und von jedem Ort aus abgerufen werden können, wenn nicht gerade technische Probleme das verhindern. Kann ja trotz aller Perfektion vorkommen, oder? Ein Buch, eine handfeste, papiergehaltene Schwarz-Weiß-Aufzeichnung in der Aktentasche oder im Archiv müssten nur gegen Feuer, Diebstahl und Vergesslichkeit geschützt werden, ansonsten stets greifbar.
Das Gegenargument IT-Dokument: Ist es etwas, was man getrost berichtigt oder auf den neuesten Stand ergänzt, jederzeit kostenlos austauschbar oder gegen Neu-Ersatz aktuell erhält? Wenn doch bloß nicht immer diese Zweifel gegen Neues vorhanden wären. „Generation 4“ nach uns, wird es – mit Verlaub – leichter haben. Von Sütterlin-Schrift auf die lateinische Ausgangsschrift umzusteigen, brauchte gute 30 Jahre. Schreiben kann sie heute kaum noch jemand. Lesen (aussterbend) gerade noch so – ich gehöre dazu.
Und was wird uns die Zukunft bringen? Keine Ahnung, weil ja alles besser werden soll. Wer die hat und Vorschläge dazu machen kann, jederzeit und ab damit in die Blackbox und nicht ins Regal, wo alles verstaubt.
Horst
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Hotti
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Re: Hotti
Schlagzeilen
Dem aufmerksamen Zeitungsleser, wohlgemerkt dem papieraffinen, keinesfalls der digitalen Ausgabe folgend, sind die Überschriften mit gelegentlichen Unterzeilen erst einmal das Allerwichtigste beim selektiven Lesen. Für den Überblick werden dazu lediglich ein paar Minuten benötigt. Nur manchmal ist eine Schlagzeile tatsächlich eine Art Aufreißer, dem sich kaum jemand entziehen kann. Die gelernten Zeitungsmacher wissen das natürlich und gelten gemeinhin als Verführer. Ich rede nicht von der Boulevard-Presse, die oft genug in 8 cm hohen Titel-Schreibzeilen versucht, für sich den Aufmacher des Tages zu beanspruchen. Manch einer fällt darauf rein und merkt erst später, dass der Spot von heute bereits morgen im Eimer des Vergessens gelandet sein dürfte.
Die entdeckte Schlagzeile stand nicht auf der Titelseite. Erst Seite 4 war gut genug, um die immerhin zwei Zentimeter-Überschrift zu platzieren: BERLIN LÄUFT VORNEWEG. Und zwar geht es geht um Kosten, die zu stemmen sind. Die vorauseilenden Gedanken liegen natürlich bei der Lösung des Berliner Stadt-Schulden-Debakels in Höhe von 75 Milliarden (Achtung: das sind 75.000 Millionen, kaum zu glauben, aber wahr). Ach was, ganz woanders geht es hin.
Über die Kosten zur Teilnahme am Berlin-Marathon wurde geschrieben. Wenn jetzt das Folgende kommt, ist das wahrlich im Vergleich lächerlich. Aber, es geht hier ja nicht um den Stadt-/Staats-haushalt sondern ums eigene Salär, das zur Verfügung steht. Zurückblickend: 12 Deutsche Mark waren als Startgebühr für den 1. Berlin-Marathon 1974 auf den Tisch zu legen. 50 Jahre später waren es 200 €, das war 2024 (der noch immer amtl. Umtauschkurs: 1 € = 1,95583 DM) = 391,17 DM. Wie das Leben so spielt, alles ist inflationär.
Nun aber, zwei Jahre später, bleibt es weiterhin hoch; es werden 205 € fällig, um überhaupt in die Start-Trasse zu gelangen. Ein schleichender Aufschlag, peu à peu, von Jahr zu Jahr. Bleiben wir vorerst beim Beschönigen, nicht gleich klotzen, erstmal ein bisschen kleckern zum Km-Preis von 4,86 €. Mit 60.000 Teilnehmer*innen 2026 prompt ausverkauft – von wegen Armut, weswegen die Veranstalter aller Wahrscheinlichkeit nach in naher Zukunft mit dem 250 €-Schein liebäugeln, natürlich à Konto-überweisung. Die zu-Fuß-km-Pauschale beträgt dann 5,93 €, mehr als doppelt so teuer wie ein Taxi in Berlin (2,80 €/km). Immerhin: weit unter dem Mindestlohn, wenn wir pro Stunde mit 14,84 € und voraussichtl. ab 01.10.2027 dann mit 15,58 € rechnen. Aber: Nehmen wir die durchschnittliche Laufzeit beim Berlin-Marathon, die etwa zwischen 4:15 und 4:30 Std./Min. (=/Männer 4:16, =/ Frauen bei 4:38) bei 50.000 Finishern liegt, dann dürfte nach Adam Riese, hochgerechnet Zeit x Mindeststundenlohn 4,15 x 14,84 = 61,59 € bzw. 4,38 x 14,84= 65,00 €, die Startgebühr nur in dieser Höhe anfallen, wenn`s denn ein Hobby-Lauferlebnis sein sollte. Ist es aber nicht. Hinter der Veranstalter-Hierarchie steckt ein richtig großer Betrieb mit vielen Angestellten und Managern, die eine riesige Maschinerie, sprich Organisation, in Bewegung setzen müssen, die bei der kleineren Konkurrenz eben anders und kostengünstiger ausfällt.
Das mal zu Berlin, Spitzenreiter bezüglich des Handaufhaltens bei Startgebühren in Deutschland. Vier große Städte, nämlich Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und München liegen in der Preis-Kategorie zwischen 130 – 150 €. Hingegen ist der Schnitt bundesweit erheblich günstiger, nämlich bei 63 €. Also wer sagt es denn, dass man unbedingt da laufen muss, wo alle laufen und - bei 50.000, man spricht bereits, wie oben erwähnt, von 60.000 - manchmal auch nicht laufen kann, weil ausgebucht. Geldbeutel, Prestige und die rechtzeitige Anmeldung ist die Antwort. Wenn alle über die Preise meckern, so steht das für die Marschrichtung Inflation - unverkennbar. Und man muss kein Geizkragen sein, wenn künftig in jeder Beziehung die Brötchen kleiner ausfallen. Warum nicht schon beim Marathon anfangen?
Optionen von der Ostsee-Gegend: Usedom, Darß, Rügenbrücken-Marathon Stralsund, Lübeck-Travemünde und zurück, Timmendorfer Strand, Flensburg und schließlich der Ostsee-Staffel-Marathon in Dierhagen (f. k. P.) fürs kleine Portemonnaie, trotzdem Spaß und Genugtuung. Komisch bleibt allerdings immer nur eines: Marathon in Posemuckel wird kaum mit Respekt zur Kenntnis genommen. Dabei sind das dort genau die 42,195 km, wie in Berlin, London, New York, Boston, Chicago, Tokio und neuerdings auch Sydney (The Big Seven, früher Big Five ohne Tokio und Sydney). Erwähne nur einen Namen dieser Städte, schon ist dir die Anerkennung wegen der Weltläufigkeit sicher. Dabei sind die Medaillen der vorgenannten Städte auch nichts anderes als Blech am Bändchen, die irgendwann im Schrotthaufen enden. Sich im Moma N.Y. (Museum of Modern Art), rund um Eiffelturm, am Buckingham-Palace oder sich läuferisch von Hopkinton nach Boston zu bewegen, ist eben anders als durch die Lüneburger Heide oder über den Rennsteig zu wandern. Obwohl, machen und dann selbst urteilen.
Wenn aber Sport und Kultur, Sprache und Geschichte sich dazu vereinigen, jeweils Wertschätzung dem Anderen zu erweisen, dann ist es genau dies, was für die Ewigkeit haften bleibt. Nichts für Ungut. Meine Pöbelei und das Sticheln ist mehr Satire als ernst gemeint. Denkanstöße, Verwirrspiel, wenn auch etwas verquer, müssen erlaubt sein. Nachdenken ist immer erlaubt.
Horst
Dem aufmerksamen Zeitungsleser, wohlgemerkt dem papieraffinen, keinesfalls der digitalen Ausgabe folgend, sind die Überschriften mit gelegentlichen Unterzeilen erst einmal das Allerwichtigste beim selektiven Lesen. Für den Überblick werden dazu lediglich ein paar Minuten benötigt. Nur manchmal ist eine Schlagzeile tatsächlich eine Art Aufreißer, dem sich kaum jemand entziehen kann. Die gelernten Zeitungsmacher wissen das natürlich und gelten gemeinhin als Verführer. Ich rede nicht von der Boulevard-Presse, die oft genug in 8 cm hohen Titel-Schreibzeilen versucht, für sich den Aufmacher des Tages zu beanspruchen. Manch einer fällt darauf rein und merkt erst später, dass der Spot von heute bereits morgen im Eimer des Vergessens gelandet sein dürfte.
Die entdeckte Schlagzeile stand nicht auf der Titelseite. Erst Seite 4 war gut genug, um die immerhin zwei Zentimeter-Überschrift zu platzieren: BERLIN LÄUFT VORNEWEG. Und zwar geht es geht um Kosten, die zu stemmen sind. Die vorauseilenden Gedanken liegen natürlich bei der Lösung des Berliner Stadt-Schulden-Debakels in Höhe von 75 Milliarden (Achtung: das sind 75.000 Millionen, kaum zu glauben, aber wahr). Ach was, ganz woanders geht es hin.
Über die Kosten zur Teilnahme am Berlin-Marathon wurde geschrieben. Wenn jetzt das Folgende kommt, ist das wahrlich im Vergleich lächerlich. Aber, es geht hier ja nicht um den Stadt-/Staats-haushalt sondern ums eigene Salär, das zur Verfügung steht. Zurückblickend: 12 Deutsche Mark waren als Startgebühr für den 1. Berlin-Marathon 1974 auf den Tisch zu legen. 50 Jahre später waren es 200 €, das war 2024 (der noch immer amtl. Umtauschkurs: 1 € = 1,95583 DM) = 391,17 DM. Wie das Leben so spielt, alles ist inflationär.
Nun aber, zwei Jahre später, bleibt es weiterhin hoch; es werden 205 € fällig, um überhaupt in die Start-Trasse zu gelangen. Ein schleichender Aufschlag, peu à peu, von Jahr zu Jahr. Bleiben wir vorerst beim Beschönigen, nicht gleich klotzen, erstmal ein bisschen kleckern zum Km-Preis von 4,86 €. Mit 60.000 Teilnehmer*innen 2026 prompt ausverkauft – von wegen Armut, weswegen die Veranstalter aller Wahrscheinlichkeit nach in naher Zukunft mit dem 250 €-Schein liebäugeln, natürlich à Konto-überweisung. Die zu-Fuß-km-Pauschale beträgt dann 5,93 €, mehr als doppelt so teuer wie ein Taxi in Berlin (2,80 €/km). Immerhin: weit unter dem Mindestlohn, wenn wir pro Stunde mit 14,84 € und voraussichtl. ab 01.10.2027 dann mit 15,58 € rechnen. Aber: Nehmen wir die durchschnittliche Laufzeit beim Berlin-Marathon, die etwa zwischen 4:15 und 4:30 Std./Min. (=/Männer 4:16, =/ Frauen bei 4:38) bei 50.000 Finishern liegt, dann dürfte nach Adam Riese, hochgerechnet Zeit x Mindeststundenlohn 4,15 x 14,84 = 61,59 € bzw. 4,38 x 14,84= 65,00 €, die Startgebühr nur in dieser Höhe anfallen, wenn`s denn ein Hobby-Lauferlebnis sein sollte. Ist es aber nicht. Hinter der Veranstalter-Hierarchie steckt ein richtig großer Betrieb mit vielen Angestellten und Managern, die eine riesige Maschinerie, sprich Organisation, in Bewegung setzen müssen, die bei der kleineren Konkurrenz eben anders und kostengünstiger ausfällt.
Das mal zu Berlin, Spitzenreiter bezüglich des Handaufhaltens bei Startgebühren in Deutschland. Vier große Städte, nämlich Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und München liegen in der Preis-Kategorie zwischen 130 – 150 €. Hingegen ist der Schnitt bundesweit erheblich günstiger, nämlich bei 63 €. Also wer sagt es denn, dass man unbedingt da laufen muss, wo alle laufen und - bei 50.000, man spricht bereits, wie oben erwähnt, von 60.000 - manchmal auch nicht laufen kann, weil ausgebucht. Geldbeutel, Prestige und die rechtzeitige Anmeldung ist die Antwort. Wenn alle über die Preise meckern, so steht das für die Marschrichtung Inflation - unverkennbar. Und man muss kein Geizkragen sein, wenn künftig in jeder Beziehung die Brötchen kleiner ausfallen. Warum nicht schon beim Marathon anfangen?
Optionen von der Ostsee-Gegend: Usedom, Darß, Rügenbrücken-Marathon Stralsund, Lübeck-Travemünde und zurück, Timmendorfer Strand, Flensburg und schließlich der Ostsee-Staffel-Marathon in Dierhagen (f. k. P.) fürs kleine Portemonnaie, trotzdem Spaß und Genugtuung. Komisch bleibt allerdings immer nur eines: Marathon in Posemuckel wird kaum mit Respekt zur Kenntnis genommen. Dabei sind das dort genau die 42,195 km, wie in Berlin, London, New York, Boston, Chicago, Tokio und neuerdings auch Sydney (The Big Seven, früher Big Five ohne Tokio und Sydney). Erwähne nur einen Namen dieser Städte, schon ist dir die Anerkennung wegen der Weltläufigkeit sicher. Dabei sind die Medaillen der vorgenannten Städte auch nichts anderes als Blech am Bändchen, die irgendwann im Schrotthaufen enden. Sich im Moma N.Y. (Museum of Modern Art), rund um Eiffelturm, am Buckingham-Palace oder sich läuferisch von Hopkinton nach Boston zu bewegen, ist eben anders als durch die Lüneburger Heide oder über den Rennsteig zu wandern. Obwohl, machen und dann selbst urteilen.
Wenn aber Sport und Kultur, Sprache und Geschichte sich dazu vereinigen, jeweils Wertschätzung dem Anderen zu erweisen, dann ist es genau dies, was für die Ewigkeit haften bleibt. Nichts für Ungut. Meine Pöbelei und das Sticheln ist mehr Satire als ernst gemeint. Denkanstöße, Verwirrspiel, wenn auch etwas verquer, müssen erlaubt sein. Nachdenken ist immer erlaubt.
Horst
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Hotti
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Re: Hotti
Was mich beschäftigt
Ich weiß, keine Nachricht übers Wetter geht gar nicht. Zu sehr sind wir damit beschäftigt, uns um die Wetterlage zu kümmern, und zwar jeden Tag. Der erste Blick aus dem Fenster ist schon immer der, mit dem um Bestätigung nachgesucht wird, was während kommender 24 Stunden in stündlichen Abständen pro Tag von den Nachrichtensendern verbreitet wird. Die nüchterne Radio-Ansage und im TV-ARD-Programm als Abspann zu den vorangegangenen Mitteilungen werden stets erwartet und meist sehr gefasst aufgenommen. Die illustrierten Ausgaben in der konkurrierenden TV-Welt hingegen sind mit einer wahren Show vergleichbar, zumindest was den jeweiligen Auftritt der meist Damen und weniger Herren auf dem Bildschirm ausmacht. Vor den zunächst buntgetupften Landkarten mit europäischer Ausprägung folgen dann die deutschen Lande in gleichem Maße. Dieses Bild erhält dann die Krönung durch etliche Animationen oder sogar Satelliten- und Wetterfilme. Ganze Zugbahnen von Regen, Schnee oder Sturm und die Thermometerstände in der Auf- und Abwärtsbewegung werden verdeutlicht. Stets ist es der rechte Arm, der den ballettartig bewegten Hand- und Armzeiger der Wetterprophet*innen entlang der gezeigten Studie verdeutlicht.
Das ist zweifellos sehr ästhetisch aufgemacht und im Zusammenspiel mit der Moderationsverkörperung in Form der modisch aktuellsten Fassung ein Hingucker durch und durch. Stets bin ich von der Allerneusten, noch niemals vorher getragenen Garderobe der Wetterverkünder*innen beeindruckt. Für einen zweieinhalbminütigen Auftritt ist da offensichtlich nichts zu teuer. Warum allerdings die Damen in meist 10 cm-High Heels mit nagelspitzer Fersenauftrittsfläche und sich wohlberaten in zweiteiligen Anzugsvariationen engster Ausführung bewegen müssen, wird mir schleierhaft bleiben. Beneidenswert für viele sind allerdings die Herren in ihren maßgeschneiderten Dressman-Kollektionen und, man staune, der Schlips oder die Krawatte sind nicht totzukriegen.
So gestimmt, kommen die Nachrichten über Hoch- und Tiefdruck, Glatt-Eis oder Schneeschmelze mit Rutschgefahr beim Empfänger einer oder speziell dieser wie vorgenannten Mitteilung überhaupt noch an? Mir geht es eigentlich nur darum zu wissen, wie ich mich morgen bzw. in den nächsten Tagen wettergerecht verhalte. Wasser/-schneedichte und wärmende Bekleidung, Ganzkörper-kondom oder dem Wetter trotzend, den Eisbadern gleich, frisch, frei, fröhlich (nicht unbedingt fromm) mit der Hacke und der Eissäge unterwegs? Ääh? Ich doch nicht, bewege ich mich noch immer in der Normalzone der Körpertemperatur von 36 – 37 °C, wie jeder menschliche Bewohner unseres Planeten, egal in welcher Region. Und um diesen Zustand nicht zu gefährden, hülle ich mich der vorhergesagten Wetterlage entsprechend ein. Meist klappt das vorzüglich, aber man kann sich irren.
Ich erinnere mich an einen Winter-Tiefstwert von fast -20° C (es könnte 2005/2006 gewesen sein), als ich meinem damals noch gestählten Trainingskörper, gut verpackt, ohne Weiteres zumutete, die damals übliche 1 ½ Stunden-Runde von 15 km zu laufen, „denn im Winter werden ja bekanntlich Weltmeister gemacht“. In diese Nähe bin ich nicht einmal im Entferntesten gelangt, aber bei den alten Knackern der zutreffenden Altersgruppe reichte es zumindest bei etlichen Marathon-Starts 5 x fürs Treppchen. Lange vorbei, rückblickend mit Genugtuung.
Also sagte ich mir, wenn nicht minus 20 ° C, so doch ersatzweise Schnee- und Eisglätte (Einschub: nichts ging derweil in Berlin, weil alles vereist war), dann sieh einmal zu, dass wenigstens die Trägheit nicht Oberhand behält. Laufen, Walken höchstens mit Spikes, habe ich aber nicht. Da kam der mahnende Zeigefinger direkt auf mich zu, und schlagartig hielt ich einen Eispickel, eine Schaufel und einen Besen in der Hand. Das allein wegen des Anblicks eines gefährlich vereisten Gehweges genau vor meiner Haustür. Ran ans Werk. Zwei geschlagene Stunden Eiskratzen, Pökel entsorgen, die Unfallgefahr vermindert. Was beweist das? Der alte Spruch („Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…..“) ist wie ein Wetterbericht oder besser, man macht das, was einem dazu in den Sinn kommt und für gut befunden wird. Hinterm Ofen sitzen, auf bessere Zeiten hoffen, wird nichts bringen, es sei denn, ….. „ändert sich`s Wetter oder es bleibt wie es ist“.
Horst
Ich weiß, keine Nachricht übers Wetter geht gar nicht. Zu sehr sind wir damit beschäftigt, uns um die Wetterlage zu kümmern, und zwar jeden Tag. Der erste Blick aus dem Fenster ist schon immer der, mit dem um Bestätigung nachgesucht wird, was während kommender 24 Stunden in stündlichen Abständen pro Tag von den Nachrichtensendern verbreitet wird. Die nüchterne Radio-Ansage und im TV-ARD-Programm als Abspann zu den vorangegangenen Mitteilungen werden stets erwartet und meist sehr gefasst aufgenommen. Die illustrierten Ausgaben in der konkurrierenden TV-Welt hingegen sind mit einer wahren Show vergleichbar, zumindest was den jeweiligen Auftritt der meist Damen und weniger Herren auf dem Bildschirm ausmacht. Vor den zunächst buntgetupften Landkarten mit europäischer Ausprägung folgen dann die deutschen Lande in gleichem Maße. Dieses Bild erhält dann die Krönung durch etliche Animationen oder sogar Satelliten- und Wetterfilme. Ganze Zugbahnen von Regen, Schnee oder Sturm und die Thermometerstände in der Auf- und Abwärtsbewegung werden verdeutlicht. Stets ist es der rechte Arm, der den ballettartig bewegten Hand- und Armzeiger der Wetterprophet*innen entlang der gezeigten Studie verdeutlicht.
Das ist zweifellos sehr ästhetisch aufgemacht und im Zusammenspiel mit der Moderationsverkörperung in Form der modisch aktuellsten Fassung ein Hingucker durch und durch. Stets bin ich von der Allerneusten, noch niemals vorher getragenen Garderobe der Wetterverkünder*innen beeindruckt. Für einen zweieinhalbminütigen Auftritt ist da offensichtlich nichts zu teuer. Warum allerdings die Damen in meist 10 cm-High Heels mit nagelspitzer Fersenauftrittsfläche und sich wohlberaten in zweiteiligen Anzugsvariationen engster Ausführung bewegen müssen, wird mir schleierhaft bleiben. Beneidenswert für viele sind allerdings die Herren in ihren maßgeschneiderten Dressman-Kollektionen und, man staune, der Schlips oder die Krawatte sind nicht totzukriegen.
So gestimmt, kommen die Nachrichten über Hoch- und Tiefdruck, Glatt-Eis oder Schneeschmelze mit Rutschgefahr beim Empfänger einer oder speziell dieser wie vorgenannten Mitteilung überhaupt noch an? Mir geht es eigentlich nur darum zu wissen, wie ich mich morgen bzw. in den nächsten Tagen wettergerecht verhalte. Wasser/-schneedichte und wärmende Bekleidung, Ganzkörper-kondom oder dem Wetter trotzend, den Eisbadern gleich, frisch, frei, fröhlich (nicht unbedingt fromm) mit der Hacke und der Eissäge unterwegs? Ääh? Ich doch nicht, bewege ich mich noch immer in der Normalzone der Körpertemperatur von 36 – 37 °C, wie jeder menschliche Bewohner unseres Planeten, egal in welcher Region. Und um diesen Zustand nicht zu gefährden, hülle ich mich der vorhergesagten Wetterlage entsprechend ein. Meist klappt das vorzüglich, aber man kann sich irren.
Ich erinnere mich an einen Winter-Tiefstwert von fast -20° C (es könnte 2005/2006 gewesen sein), als ich meinem damals noch gestählten Trainingskörper, gut verpackt, ohne Weiteres zumutete, die damals übliche 1 ½ Stunden-Runde von 15 km zu laufen, „denn im Winter werden ja bekanntlich Weltmeister gemacht“. In diese Nähe bin ich nicht einmal im Entferntesten gelangt, aber bei den alten Knackern der zutreffenden Altersgruppe reichte es zumindest bei etlichen Marathon-Starts 5 x fürs Treppchen. Lange vorbei, rückblickend mit Genugtuung.
Also sagte ich mir, wenn nicht minus 20 ° C, so doch ersatzweise Schnee- und Eisglätte (Einschub: nichts ging derweil in Berlin, weil alles vereist war), dann sieh einmal zu, dass wenigstens die Trägheit nicht Oberhand behält. Laufen, Walken höchstens mit Spikes, habe ich aber nicht. Da kam der mahnende Zeigefinger direkt auf mich zu, und schlagartig hielt ich einen Eispickel, eine Schaufel und einen Besen in der Hand. Das allein wegen des Anblicks eines gefährlich vereisten Gehweges genau vor meiner Haustür. Ran ans Werk. Zwei geschlagene Stunden Eiskratzen, Pökel entsorgen, die Unfallgefahr vermindert. Was beweist das? Der alte Spruch („Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…..“) ist wie ein Wetterbericht oder besser, man macht das, was einem dazu in den Sinn kommt und für gut befunden wird. Hinterm Ofen sitzen, auf bessere Zeiten hoffen, wird nichts bringen, es sei denn, ….. „ändert sich`s Wetter oder es bleibt wie es ist“.
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Hotti
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Re: Hotti
Olympia in Italia
Da sitze ich nun mit meiner Sportbesessenheit und versuche vergebens, mich diesem Zwang des Zusehens an der Fernsehplatte zu entziehen. Der erste morgendliche Blick in dieser Zeit gilt folglich dem Programmverzeichnis der Fernsehsender. Wer ist heute dran mit der olympischen Berichterstattung aus Norditalien: ARD oder das Zweite Programm (ZDF)? Die beiden von uns allen subventionierten Berichterstattungsorgane wechseln sich während der 14 Tage andauernden Wettkämpfe stetig ab. Und – das machen beide richtig gut, denn die Moderatoren sind meist im Duett mit wirklichen Fachleuten oder sogar von Aktiven umgeben. Es gibt ja in diesem Falle ausgesprochene Not, denn welcher Sportkenner hat schon in allen Wintersportbereichen so dezidierte Kenntnisse, dass sie dem Laien auch verständlich gemacht werden können? Auch scheint mir der Blick hinter die Kulissen der jeweiligen Wettkampf-Art unabdingbar, weil Voraussetzungen, Chancen und Hintergründe natürlich interessieren.
Sicher geht es allen so, dass die Lieblingssportart unbedingt bevorzugt verfolgt wird und die vielleicht weniger naheliegenden Wettbewerbe einfach vernachlässigt werden. Schon mal aus der Sicht eines unruhigen Bewegungsmenschen ist es gar nicht vorstellbar, etwa 12 Stunden, so die in dickster Breite präsentierte Berichterstattung der erwähnten Sender, vielleicht noch biertrunken oder mit Kaffee- und Kuchenaufgebot den Sportnachrichten in sprachlich begleitender Filmgestalt zu folgen. Schon grenzen wir den Themenkreis beträchtlich ein, was für die sonstigen Lebensbedürfnisse unbedingt wichtig ist. Essen, Trinken, Schlafen, Arbeiten, na klar, die Grundnotwendigkeiten haben Vorrang. Ist das alles im Lot und anderes steht nicht im Wege, ha, dann nichts wie ran an die bewegten und bewegenden Bilder, die uns über TV-Apparat ins Haus getragen werden.
Und der eigentliche Anlass, warum ich dies in voller Breite hier darstelle, sind zwei Begebenheiten, die mich einfach nicht mehr loslassen, weil sie einerseits sensationell und anderseits unverhofft in Begeisterung versetzt haben. Gestern Abend war es, kein Feierabendprogramm, sondern nach der Tagesschau, Kür der Eiskunstläufer. Ein ästhetischer Genuss mit sportlichen Ansprüchen höchster Güte. Axel, Lutz, Flip, Salchow, Rittberger und Toeloop sind keine Fantasienamen, vielmehr feste Begriffe in der Eislauf-Terminologie als Bezeichnung für auszuführende Sprungmöglichkeiten, ja, Notwendigkeiten. Das Wagnis zu den Sprüngen ist die Basis für die Bewertung nach der Ausführung. Bloßes Herumlaufen auf dem Eis ist nur etwas für Spaziergänger. Auch die echten Eisflitzer in ihrem Rondell, bei denen es um Schnelligkeit geht, sind hier bei der „Kunst“ nicht gefragt.
Die einzelnen Läufer (besser eigentlich Tänzer oder Akrobaten) müssen in einem 4-Minuten-Programm außergewöhnliche Höchstleistungen erbringen, sowohl läuferisch, sprungtechnisch, ausdrucksvoll und mit möglichst hohem Schwierigkeitsgrad. Das Ganze verlangt dann auch noch Grazie, Harmonie und Einklang mit der gewählten Begleitmusik. Vierfach Drehsprünge sind heute das Maß der Dinge. Der auf Platz 5 aus der Qualifikationskür gesetzte Läufer, ein bisher wenig bekannter Läufer aus Kasachstan, der zwar ein Vier-Kontinente-Meister 2025 war und als erster einen Vierfachsprung hinlegte und trotz als WM-Zweiter 2025 nicht unmittelbar zur weltweiten Konkurrenz zählte, stand im Fokus. Im olympischen Wettbewerb 2026 legte er eine fehlerfreie Darbietung hin, die ihm erst einmal die noch folgenden und im Punktesystem noch vor ihm liegenden Kontrahenten nachmachen mussten.
Was soll ich – sprachlos - sagen? Als Fünfter im Endkampf. Jetzt der Vierte, der Dritte, Zweite und Erste. Einer nach dem anderen lief und …. stürzte. Der absolute Favorit gleich dreimal, er wurde durchgereicht auf Platz 8. Kurzum, Michail Schaidorow, den niemand auf der Rechnung hatte, sprang von Platz 5 auf Platz 1 unverhofft zu Gold, das einzige bisher jemals erreichte Ziel bei Olympia für sein Land Kasachstan. Ich fand das grandios.
Und nun: Zum Riesenslalom. Ein „norwegischer Brasilianer“, Lucas Pinheiro Braathen, gewann die erste Goldmedaille für das Land ohne jeglichen Schnee. Wie gut, dass ein brasilianischer Papa und eine norwegische Mutter ihrem Sohn zu zwei Staatsbürgerschaften verhalfen, und so konnte der top-trainierte Skifahrer sich eine aussuchen, weil er wahrscheinlich für Norwegen nicht nominiert wurde. So kann es gehen. Ein zweites sportliches Wunder. Ganz nebenbei: er hatte keinerlei Unterstützung, denn es gibt keinen brasilianischen Skiverband und kein Sponsoring. Nochmals Chapeau!!
Ansonsten: Nicht belanglos. Ob bei den Skifahrern, bei den Rodel-, Bob- Skeleton-Wettbewerben müssen bei der Zeitnahme inzwischen Hundertstel- und sogar Tausendstel-Sekunden herhalten, damit eine Differenzierung bei der Platzierung und schließlich die Entscheidung, ob Gold, Silber oder Bronze verliehen werden kann. So brutal geht`s heutzutage im winterlichen Leistungssport zu. Wimpernschlagentscheidungen.
Meine eigenen wintersportlichen Ambitionen liegen jenseits jeglicher preiswürdigen Abfahrten, obschon inzwischen 65jähriger Praxis. Vom 3000er runter ins Tal klappt`s noch allemal. Die Trois Vallees in den Savoyer Alpen geben das her. Auf geht`s im März.
Horst
Da sitze ich nun mit meiner Sportbesessenheit und versuche vergebens, mich diesem Zwang des Zusehens an der Fernsehplatte zu entziehen. Der erste morgendliche Blick in dieser Zeit gilt folglich dem Programmverzeichnis der Fernsehsender. Wer ist heute dran mit der olympischen Berichterstattung aus Norditalien: ARD oder das Zweite Programm (ZDF)? Die beiden von uns allen subventionierten Berichterstattungsorgane wechseln sich während der 14 Tage andauernden Wettkämpfe stetig ab. Und – das machen beide richtig gut, denn die Moderatoren sind meist im Duett mit wirklichen Fachleuten oder sogar von Aktiven umgeben. Es gibt ja in diesem Falle ausgesprochene Not, denn welcher Sportkenner hat schon in allen Wintersportbereichen so dezidierte Kenntnisse, dass sie dem Laien auch verständlich gemacht werden können? Auch scheint mir der Blick hinter die Kulissen der jeweiligen Wettkampf-Art unabdingbar, weil Voraussetzungen, Chancen und Hintergründe natürlich interessieren.
Sicher geht es allen so, dass die Lieblingssportart unbedingt bevorzugt verfolgt wird und die vielleicht weniger naheliegenden Wettbewerbe einfach vernachlässigt werden. Schon mal aus der Sicht eines unruhigen Bewegungsmenschen ist es gar nicht vorstellbar, etwa 12 Stunden, so die in dickster Breite präsentierte Berichterstattung der erwähnten Sender, vielleicht noch biertrunken oder mit Kaffee- und Kuchenaufgebot den Sportnachrichten in sprachlich begleitender Filmgestalt zu folgen. Schon grenzen wir den Themenkreis beträchtlich ein, was für die sonstigen Lebensbedürfnisse unbedingt wichtig ist. Essen, Trinken, Schlafen, Arbeiten, na klar, die Grundnotwendigkeiten haben Vorrang. Ist das alles im Lot und anderes steht nicht im Wege, ha, dann nichts wie ran an die bewegten und bewegenden Bilder, die uns über TV-Apparat ins Haus getragen werden.
Und der eigentliche Anlass, warum ich dies in voller Breite hier darstelle, sind zwei Begebenheiten, die mich einfach nicht mehr loslassen, weil sie einerseits sensationell und anderseits unverhofft in Begeisterung versetzt haben. Gestern Abend war es, kein Feierabendprogramm, sondern nach der Tagesschau, Kür der Eiskunstläufer. Ein ästhetischer Genuss mit sportlichen Ansprüchen höchster Güte. Axel, Lutz, Flip, Salchow, Rittberger und Toeloop sind keine Fantasienamen, vielmehr feste Begriffe in der Eislauf-Terminologie als Bezeichnung für auszuführende Sprungmöglichkeiten, ja, Notwendigkeiten. Das Wagnis zu den Sprüngen ist die Basis für die Bewertung nach der Ausführung. Bloßes Herumlaufen auf dem Eis ist nur etwas für Spaziergänger. Auch die echten Eisflitzer in ihrem Rondell, bei denen es um Schnelligkeit geht, sind hier bei der „Kunst“ nicht gefragt.
Die einzelnen Läufer (besser eigentlich Tänzer oder Akrobaten) müssen in einem 4-Minuten-Programm außergewöhnliche Höchstleistungen erbringen, sowohl läuferisch, sprungtechnisch, ausdrucksvoll und mit möglichst hohem Schwierigkeitsgrad. Das Ganze verlangt dann auch noch Grazie, Harmonie und Einklang mit der gewählten Begleitmusik. Vierfach Drehsprünge sind heute das Maß der Dinge. Der auf Platz 5 aus der Qualifikationskür gesetzte Läufer, ein bisher wenig bekannter Läufer aus Kasachstan, der zwar ein Vier-Kontinente-Meister 2025 war und als erster einen Vierfachsprung hinlegte und trotz als WM-Zweiter 2025 nicht unmittelbar zur weltweiten Konkurrenz zählte, stand im Fokus. Im olympischen Wettbewerb 2026 legte er eine fehlerfreie Darbietung hin, die ihm erst einmal die noch folgenden und im Punktesystem noch vor ihm liegenden Kontrahenten nachmachen mussten.
Was soll ich – sprachlos - sagen? Als Fünfter im Endkampf. Jetzt der Vierte, der Dritte, Zweite und Erste. Einer nach dem anderen lief und …. stürzte. Der absolute Favorit gleich dreimal, er wurde durchgereicht auf Platz 8. Kurzum, Michail Schaidorow, den niemand auf der Rechnung hatte, sprang von Platz 5 auf Platz 1 unverhofft zu Gold, das einzige bisher jemals erreichte Ziel bei Olympia für sein Land Kasachstan. Ich fand das grandios.
Und nun: Zum Riesenslalom. Ein „norwegischer Brasilianer“, Lucas Pinheiro Braathen, gewann die erste Goldmedaille für das Land ohne jeglichen Schnee. Wie gut, dass ein brasilianischer Papa und eine norwegische Mutter ihrem Sohn zu zwei Staatsbürgerschaften verhalfen, und so konnte der top-trainierte Skifahrer sich eine aussuchen, weil er wahrscheinlich für Norwegen nicht nominiert wurde. So kann es gehen. Ein zweites sportliches Wunder. Ganz nebenbei: er hatte keinerlei Unterstützung, denn es gibt keinen brasilianischen Skiverband und kein Sponsoring. Nochmals Chapeau!!
Ansonsten: Nicht belanglos. Ob bei den Skifahrern, bei den Rodel-, Bob- Skeleton-Wettbewerben müssen bei der Zeitnahme inzwischen Hundertstel- und sogar Tausendstel-Sekunden herhalten, damit eine Differenzierung bei der Platzierung und schließlich die Entscheidung, ob Gold, Silber oder Bronze verliehen werden kann. So brutal geht`s heutzutage im winterlichen Leistungssport zu. Wimpernschlagentscheidungen.
Meine eigenen wintersportlichen Ambitionen liegen jenseits jeglicher preiswürdigen Abfahrten, obschon inzwischen 65jähriger Praxis. Vom 3000er runter ins Tal klappt`s noch allemal. Die Trois Vallees in den Savoyer Alpen geben das her. Auf geht`s im März.
Horst
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Hotti
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Re: Hotti
Olympisches Glück und Pech
In diesen Tagen – wer ist das nicht, fasziniert von den absolut positiven Ereignissen, die sich in mehreren norditalienischen Orten abspielen? Man mag ja stehen wo man will, ob als aktive(r) Sportler*in oder auch als jemand mit Null Interesse an diesen mental und körperlich meist anstrengenden Aktivitäten, aber Olympische Spiele reißen selbst Nonkonformisten ins Lager der Begeisterten. Mich und mein persönliches Umfeld muss niemand reißen, ein Blick in die Reportagenankündigungen genügt und der Plan für den Tag wird gemacht. Natürlich nicht nonstop, sondern ausgewählt, somit exquisit. Unumwunden bleibt der Mangel an Coolness. Das Gegenteil tritt ein. Das Mitfiebern bei jeder x-beliebigen Sportart, so jedenfalls müssen meine Gen-bedingten Empfindungen geeicht sein. Und zugegebener Weise entsteht dann auch ein gewisser Erwartungs- oder besser Hoffnungsdruck, wenn unsere Vertreter*innen in den Farben Schwarz/Rot/Gold im jeweiligen Wettbewerb starten.
In diesem Augenblick können wir bereits rückblickend für eine Woche auf den Medaillenspiegel gucken und stellen erstaunt und nicht wenig überrascht fest, dass ein Land mit nur 5,7 Mio. Einwohnern tatsächlich 15 goldene, 8 silberne und 10 bronzene Medaillen erzielt hat. Das ist einfach phänomenal. Glück? Mitnichten. Diese Sport-Top-Nation scheint sich in einem goldenen Zeitalter zu befinden, denn nicht nur wirtschaftlich, kulturell und landschaftlich ist es förmlich ein gelobtes, wenngleich teures Land. Für Besucher ist es ratsam, die doppelten Hausratskosten vom heimatlichen Herd einzuplanen. Das nur nebenbei. Wir waren beim Erfolg. Norwegen ist eine ausgesprochene Sportnation, das heißt, der Stellenwert ist enorm hoch. Dementsprechend ist der Zuspruch für Wintersportarten naturgemäß gegeben. Der Schnee liegt fußbreit vor der Tür und wer meint, die winterliche Dunkelheit wäre hinderlich, irrt. Beleuchtete Tag- und Nachtbeleuchtung kann sich dieser wegen der Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten, weil ja Selbstförderer, locker leisten. Und dass die meisten Norweger bereits, einer Mär folgend, mit Skiern an den Füßen geboren werden, dürfte eine weitere Erklärung für die erfolgreiche Ausbeute olympischen Edelmetalls sein.
Es ist keine neidvolle Lobhudelei. Erfolg hat immer einen Hintergrund und ist nicht einfach in den Schoß gefallen, von Genies einmal abgesehen. So gesehen ist das Maß der Dinge das eigene Handeln. Was will man erreichen, habe ich Talent und überhaupt, habe ich Freude daran? Wer Erfolg hat oder bereits mit der eigenen Leistung zufrieden ist, entwickelt Adrenalin, das bekanntlich als Energiereserve dient und vor allem der Durchblutung förderlich ist. Leistungssportler aller Klassen wissen das. Auch die Deutschen.
Nun einmal den Blick ins momentane Geschehen. Ja, da kommen die beiden oben genannten Substantive wirklich zum Tragen. Glück ist tatsächlich etwas, was man nicht beeinflussen kann, es tritt ein oder auch nicht. Und Voraussagen etwa, igitt. Und beim Pech wagt auch niemand, das vorauszusagen. Beides passiert. Bei Olympia stehen stets die drei Erstplatzierten im Fokus. Sie sind die Glücksbringer für sich und ihr jeweiliges Entsendungsland. Die Anderen, meist die, die auf Platz 4 landen, haben mit Sicherheit unser Mitgefühl. Ein bisschen mehr Glück und oder ein bisschen weniger Pech hätte das Hochgefühl der Erfolgreichen bereichert. Was wäre wenn, andererseits was soll das Wenn und Aber? Passiert ist passiert.
Ein paar Beispiele: Franziska Preuss, World-Cup-Siegerin Biathlon des Vorjahres, bisher drei Starts, und in allen drei Rennen versagten ihr die Nerven beim jeweils letzten Schießen. Die Konsequenz: jeweils eine Strafrunde. Das war bitter, besonders in der Frauenstaffel mit Platz 4. Wenigstens im Mixed-Team verblieb mit Platz 3 durch die besseren Leistungen der drei weiteren Staffelmitglieder ein belohnter Platz auf dem Treppchen. Die von früheren Erfolgen der Biathleten verwöhnte Nation wurde auf Schmalkost reduziert. C`est la vie, wie unsere französischen Nachbarn sagen. Die haben gut lachen, denn sie räumen sowohl beiden Männern wie bei den Frauen kräftig ab, da kommen nicht einmal die Norweger heran.
Nordische Kombination, Sprung- und Langlauf, ein deutsches Aushängeschild bei Olympia. Undankbar auf Platz vier, weil die Sprungergebnisse einfach nicht passten. Frauen Mono-Bob, Laura Nolte, nach Führung bei drei Durchgängen. Beim vierten gab es im Eiskanal einen Patzer und schwupp, waren der Goldplatz und sogar noch die zwei weiteren Medaillenränge der Wirklichkeit entsprungen. Platz 4. Was für eine starke Leistung und dann ein schlimmes Pech! Zig Jahre geschuftet und dann das.
Ebenso Lena Dürr, eine Klasse-Slalom-Fahrerin, führte nach dem ersten Lauf mit komfortablem Vorsprung. Und was passiert der Goldanwärterin beim entscheidenden zweiten Lauf? Nur gefühlte Nano-Sekunden nach dem Start-Klick fädelt sie gleich bei der ersten Kippstange ein - und ist raus. Aus ist der Traum.
Zwei, mit denen niemand gerechnet hatte: Philipp Raimund, Skispringer auf der Normalschanze. Ein guter Sportler, sonst wäre er nicht bei Olympia. Bei der Vierschanzentournee (Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck, Bischofshofen) belegte er Platz 8, trotz Erkrankung. In Predazzo, jener aus dem Boden gestampften Skisprung-Arena von 1991 und nun umfassend olympiareif renovierten Anlage, ließ er sogar den erfolgreichsten Springer Domen Prevc (Slowenien) hinter sich. Toll.
Emma Aicher, Slalom-Spezialistin, glückliche Zweite mit pechmäßig hauchdünnen 4/10 Sekunden Rückstand, Gold wäre möglich gewesen. Und wo etwas ist, kommt noch etwas dazu: Slalom und Abfahrt kombiniert mit der Partnerin Kira Weidle-Winkelmann: Silber. Ein erlebter Traum.
Und nun, fast eine Krönung: Eiskunstlauf der Paare. Was für ein Ereignis! Das ist Magie wie nie zuvor. Sowohl im Vorprogramm als auch in der der abschließenden Kür müssen die Teilnehmer*innen Höchstleistungen in der Kombination erbringen. Akrobatik ohne Ende, so der Laie. Mann und Frau synchron auf dem Eis, in der höchsten sportlich und künstlerisch/tänzerisch schwierigsten Disziplin. Es hielt einen nicht im Sessel als das in der Wertung aus dem Vorprogramm führende deutsche Paar Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin die Eisfläche betraten, denn die vor ihnen gestarteten Paare aus Japan und Georgien legten jeweils eine fulminante Kür hin, die ihnen zweifelsohne eine Medaille bringen sollte. Aber welche? Die Favoriten standen auf dem auf dem Eis. Die ersten schwierigen Sprünge, alles ging gut, nun weiter Daumen drücken. Es half nichts, die Punktrichter*innen waren gnadenlos, selbst klitze-kleinste Fehler entgingen nicht ihren Augen. Eine großartige Darbietung – „nur“ Platz 3, Bronze. Platz 2 für Georgien (die Europameister) und tatsächlich atemberaubend und unübertrefflich fehlerlos mit allerhöchstem Anspruch das Paar aus Japan: Gold! Beide wollten das nicht glauben; so emotional überfrachtet waren sie.
Glück und Pech und manchmal Unglück liegen unberechenbar zusammen, wobei mit vielem vorher damit keineswegs zu rechnen war. Erwartungen, Hoffnungen Überraschungen stehen bei fast jedem Wettbewerb an. Einzige Ausnahme: dreifacher Medaillen-Gewinn Gold, Silber und Bronze beim Zweier-Bob-Wettbewerb ging an drei Crews aus Deutschland. Und wer auf die Ergebnistafel schaut, weiß, worum es manchmal geht: Um Nadelstreifenlänge, nämlich um hundertstel Sekunden. Nicht mal eine Nasenlänge.
Die XXV. Giochi olimpici invernali gehen am 22. Februar 2026 zu Ende. Die verlorengegangenen Nerven können dann wieder eingesammelt werden.
Horst
In diesen Tagen – wer ist das nicht, fasziniert von den absolut positiven Ereignissen, die sich in mehreren norditalienischen Orten abspielen? Man mag ja stehen wo man will, ob als aktive(r) Sportler*in oder auch als jemand mit Null Interesse an diesen mental und körperlich meist anstrengenden Aktivitäten, aber Olympische Spiele reißen selbst Nonkonformisten ins Lager der Begeisterten. Mich und mein persönliches Umfeld muss niemand reißen, ein Blick in die Reportagenankündigungen genügt und der Plan für den Tag wird gemacht. Natürlich nicht nonstop, sondern ausgewählt, somit exquisit. Unumwunden bleibt der Mangel an Coolness. Das Gegenteil tritt ein. Das Mitfiebern bei jeder x-beliebigen Sportart, so jedenfalls müssen meine Gen-bedingten Empfindungen geeicht sein. Und zugegebener Weise entsteht dann auch ein gewisser Erwartungs- oder besser Hoffnungsdruck, wenn unsere Vertreter*innen in den Farben Schwarz/Rot/Gold im jeweiligen Wettbewerb starten.
In diesem Augenblick können wir bereits rückblickend für eine Woche auf den Medaillenspiegel gucken und stellen erstaunt und nicht wenig überrascht fest, dass ein Land mit nur 5,7 Mio. Einwohnern tatsächlich 15 goldene, 8 silberne und 10 bronzene Medaillen erzielt hat. Das ist einfach phänomenal. Glück? Mitnichten. Diese Sport-Top-Nation scheint sich in einem goldenen Zeitalter zu befinden, denn nicht nur wirtschaftlich, kulturell und landschaftlich ist es förmlich ein gelobtes, wenngleich teures Land. Für Besucher ist es ratsam, die doppelten Hausratskosten vom heimatlichen Herd einzuplanen. Das nur nebenbei. Wir waren beim Erfolg. Norwegen ist eine ausgesprochene Sportnation, das heißt, der Stellenwert ist enorm hoch. Dementsprechend ist der Zuspruch für Wintersportarten naturgemäß gegeben. Der Schnee liegt fußbreit vor der Tür und wer meint, die winterliche Dunkelheit wäre hinderlich, irrt. Beleuchtete Tag- und Nachtbeleuchtung kann sich dieser wegen der Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten, weil ja Selbstförderer, locker leisten. Und dass die meisten Norweger bereits, einer Mär folgend, mit Skiern an den Füßen geboren werden, dürfte eine weitere Erklärung für die erfolgreiche Ausbeute olympischen Edelmetalls sein.
Es ist keine neidvolle Lobhudelei. Erfolg hat immer einen Hintergrund und ist nicht einfach in den Schoß gefallen, von Genies einmal abgesehen. So gesehen ist das Maß der Dinge das eigene Handeln. Was will man erreichen, habe ich Talent und überhaupt, habe ich Freude daran? Wer Erfolg hat oder bereits mit der eigenen Leistung zufrieden ist, entwickelt Adrenalin, das bekanntlich als Energiereserve dient und vor allem der Durchblutung förderlich ist. Leistungssportler aller Klassen wissen das. Auch die Deutschen.
Nun einmal den Blick ins momentane Geschehen. Ja, da kommen die beiden oben genannten Substantive wirklich zum Tragen. Glück ist tatsächlich etwas, was man nicht beeinflussen kann, es tritt ein oder auch nicht. Und Voraussagen etwa, igitt. Und beim Pech wagt auch niemand, das vorauszusagen. Beides passiert. Bei Olympia stehen stets die drei Erstplatzierten im Fokus. Sie sind die Glücksbringer für sich und ihr jeweiliges Entsendungsland. Die Anderen, meist die, die auf Platz 4 landen, haben mit Sicherheit unser Mitgefühl. Ein bisschen mehr Glück und oder ein bisschen weniger Pech hätte das Hochgefühl der Erfolgreichen bereichert. Was wäre wenn, andererseits was soll das Wenn und Aber? Passiert ist passiert.
Ein paar Beispiele: Franziska Preuss, World-Cup-Siegerin Biathlon des Vorjahres, bisher drei Starts, und in allen drei Rennen versagten ihr die Nerven beim jeweils letzten Schießen. Die Konsequenz: jeweils eine Strafrunde. Das war bitter, besonders in der Frauenstaffel mit Platz 4. Wenigstens im Mixed-Team verblieb mit Platz 3 durch die besseren Leistungen der drei weiteren Staffelmitglieder ein belohnter Platz auf dem Treppchen. Die von früheren Erfolgen der Biathleten verwöhnte Nation wurde auf Schmalkost reduziert. C`est la vie, wie unsere französischen Nachbarn sagen. Die haben gut lachen, denn sie räumen sowohl beiden Männern wie bei den Frauen kräftig ab, da kommen nicht einmal die Norweger heran.
Nordische Kombination, Sprung- und Langlauf, ein deutsches Aushängeschild bei Olympia. Undankbar auf Platz vier, weil die Sprungergebnisse einfach nicht passten. Frauen Mono-Bob, Laura Nolte, nach Führung bei drei Durchgängen. Beim vierten gab es im Eiskanal einen Patzer und schwupp, waren der Goldplatz und sogar noch die zwei weiteren Medaillenränge der Wirklichkeit entsprungen. Platz 4. Was für eine starke Leistung und dann ein schlimmes Pech! Zig Jahre geschuftet und dann das.
Ebenso Lena Dürr, eine Klasse-Slalom-Fahrerin, führte nach dem ersten Lauf mit komfortablem Vorsprung. Und was passiert der Goldanwärterin beim entscheidenden zweiten Lauf? Nur gefühlte Nano-Sekunden nach dem Start-Klick fädelt sie gleich bei der ersten Kippstange ein - und ist raus. Aus ist der Traum.
Zwei, mit denen niemand gerechnet hatte: Philipp Raimund, Skispringer auf der Normalschanze. Ein guter Sportler, sonst wäre er nicht bei Olympia. Bei der Vierschanzentournee (Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck, Bischofshofen) belegte er Platz 8, trotz Erkrankung. In Predazzo, jener aus dem Boden gestampften Skisprung-Arena von 1991 und nun umfassend olympiareif renovierten Anlage, ließ er sogar den erfolgreichsten Springer Domen Prevc (Slowenien) hinter sich. Toll.
Emma Aicher, Slalom-Spezialistin, glückliche Zweite mit pechmäßig hauchdünnen 4/10 Sekunden Rückstand, Gold wäre möglich gewesen. Und wo etwas ist, kommt noch etwas dazu: Slalom und Abfahrt kombiniert mit der Partnerin Kira Weidle-Winkelmann: Silber. Ein erlebter Traum.
Und nun, fast eine Krönung: Eiskunstlauf der Paare. Was für ein Ereignis! Das ist Magie wie nie zuvor. Sowohl im Vorprogramm als auch in der der abschließenden Kür müssen die Teilnehmer*innen Höchstleistungen in der Kombination erbringen. Akrobatik ohne Ende, so der Laie. Mann und Frau synchron auf dem Eis, in der höchsten sportlich und künstlerisch/tänzerisch schwierigsten Disziplin. Es hielt einen nicht im Sessel als das in der Wertung aus dem Vorprogramm führende deutsche Paar Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin die Eisfläche betraten, denn die vor ihnen gestarteten Paare aus Japan und Georgien legten jeweils eine fulminante Kür hin, die ihnen zweifelsohne eine Medaille bringen sollte. Aber welche? Die Favoriten standen auf dem auf dem Eis. Die ersten schwierigen Sprünge, alles ging gut, nun weiter Daumen drücken. Es half nichts, die Punktrichter*innen waren gnadenlos, selbst klitze-kleinste Fehler entgingen nicht ihren Augen. Eine großartige Darbietung – „nur“ Platz 3, Bronze. Platz 2 für Georgien (die Europameister) und tatsächlich atemberaubend und unübertrefflich fehlerlos mit allerhöchstem Anspruch das Paar aus Japan: Gold! Beide wollten das nicht glauben; so emotional überfrachtet waren sie.
Glück und Pech und manchmal Unglück liegen unberechenbar zusammen, wobei mit vielem vorher damit keineswegs zu rechnen war. Erwartungen, Hoffnungen Überraschungen stehen bei fast jedem Wettbewerb an. Einzige Ausnahme: dreifacher Medaillen-Gewinn Gold, Silber und Bronze beim Zweier-Bob-Wettbewerb ging an drei Crews aus Deutschland. Und wer auf die Ergebnistafel schaut, weiß, worum es manchmal geht: Um Nadelstreifenlänge, nämlich um hundertstel Sekunden. Nicht mal eine Nasenlänge.
Die XXV. Giochi olimpici invernali gehen am 22. Februar 2026 zu Ende. Die verlorengegangenen Nerven können dann wieder eingesammelt werden.
Horst