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Re: Hotti

Verfasst: 08.03.2023, 23:12
von Hotti
Mitten am Tag – Schlummerstunde?

Kaum ist Luftveränderung eingetreten, ändern sich die Umstände, den Tagesablauf so in den Griff zu bekommen, dass zu abendlicher Stunde ein positives Resümee gezogen werden kann: es hat sich gelohnt. Warum auch nicht? Schließlich ist die Auszeit, die wir uns (Uta und ich) bescheidenermaßen nur für eine Woche zum Ende des Winters genommen haben, vom sonstigen Alltag deutlich unterschieden. Allein ein Ortswechsel trägt dazu bei, sich anderen Gewohnheiten, anderen klimatischen Bedingungen und mit den erforderlichen täglichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen oder besser sich anzupassen. Resilienz, sagt die ständig sich erweiternde Sprache heute und meint im engeren Sinne dazu, bestimmte Faktoren wie Stress, Überforderung oder Krisen besser zu bewältigen oder bestenfalls auszuschließen.

Nun ja, ein Urlaub, und sei er noch so kurz, kann wesentlich dazu beitragen, die alltäglichen Dinge einmal abzustreifen, sie ein paar Tage ruhen zu lassen oder gänzlich, als Bagatelle eingestuft, einfach der Versenkung preiszugeben. Jetzt kommt mit Sicherheit die Frage auf, warum nicht gleich die unliebsamen, lästigen Verpflichtungen, möglicherweise sogar beabsichtigte Korrespondenzen ab in die Tonne auf Nimmerwiedersehen? Dazu muss man schon ein ganz harter Hund sein und frei nach der Devise „ist mir doch eh piep-egal“ aufgelegt sein. Geht bei mir überhaupt nicht, weil Belange, die mich erreichen, niemals mit einer Handbewegung abgetan werden. Allerdings bin ich auch nicht der Meister mit Sozialkompetenz hoch zehn, sagen empathisch hoch drei, also gerade noch ausreichend.

Und so lande ich bei allem Nachdenken und etlichen Abschweifungen stets bei einem von vorn herein bedachten Leitthema, das es wert ist, einmal angestoßen zu werden. Da gibt es beispielsweise gar nicht wenige Zeitgenoss*innen, die brauchen ganz einfach täglich (!) eine Auszeit, sagen wir eine ganze Stunde. Das sind nach Adam Ries(e) ganze 365 Stunden, gleich 15,2 Tage und bedeutet, einen halben Monat jährlich zusätzlich auf der faulen Haut liegen. Eigentlich unvorstellbar, andererseits sollte auch einmal die Umkehrung gesehen werden, wenn die durch Erholung jeweils gewonnenen Energien dazu beitragen, Probleme, Aufgaben und Verpflichtungen sich im Handumdrehen auflösen, was dann? Der Freudenjubel wäre allerorten nachhaltig. Wollte nur einmal ansatzweise darauf hinweisen, wie ganz Banales ins Weltbild passen würde.

Und nun könnt Ihr Euch fast einen Reim darauf machen, von welcher Göttin des Unheils ich mit derartigen Betrachtungen vollkommen abgelehnt wurde. Sie heißt Klimahexe hat einen riesengroßen Anhang, nämlich uns selbst. Und gerade wir unterstützen ihr Unwesen in einem derart großen Maße, weil uns einfach nicht in den Sinn kommt, mit allem Drum und Dran dieser gefährlichen Zuarbeit zu entsagen.

Hatte ich etwas, was dieser Ungereimtheit bestimmt dienlich sein könnte? Nein, bisher nicht. Ganz einfach, bisher lag mir die oben erwähnte Schlummerstunde mit den sich daraus - vielleicht - ergebenden Anstößen völlig fern. Aber jetzt, wo ich mich sozusagen als Selbst(er)löser versuche, bin ich dem Schlummer keinesfalls mehr (wie bisher) abgeneigt. Ich sage Euch warum: Im noch winterlichen Hochgebirge (Mont Blanc-Nähe) > 3.000 m < regnet es heute ab Mittag. Skifahren war bisher Kniefahren und kein Kalt-/Warmduschen vorneweg. Also, zack weg von der Piste und rein ins Körbchen. Bin gerade dabei, meine Attentatspläne auf das Hexentanz-Klimavergnügen zu vervollständigen. Statt Skifahren wie hier im sommerlichen Winter, ist bei uns (im heißesten Sommermonat Juli) Pferde- und Kamel-/Trampeltier-Reiten und Trekking in der Mongolei dran – mit Regenschirm, obwohl die Wüste Gobi bisher zu den niederschlagsärmsten Weltregionen zählt. Verkehrte Welt und wer weiß, was noch alles folgen wird?

Schlummerstunde bei uns von 23:17 Uhr bis 07:32 Uhr oder so ähnlich.

Guts Nächtle

Horst und Uta

P. S. .....und das alles, weil es goss. Skifahren im Regen ist eklig. :daumen: für besseres Wetter

Re: Hotti

Verfasst: 15.03.2023, 19:13
von Hotti
Genug geschlummert

Nehmt es nicht so tragisch, wenn ich außerhalb des uns gemeinsam verbindenden Metiers immer wieder und manchmal zwischendurch Ansichten, ja, auch Einsichten hier in Schriftform präsentiere und von den gemeinhin üblichen Kurzmitteilungen oder gar Emoji-Einschüben abweiche. In der Kürze liegt die Würze, werden dagegen manche sagen und geben damit zu, an längeren Ausführungen, auch Plädoyers, nicht interessiert zu sein. Ich sag`s mal so: Zack, zack, ist nicht meine Art. Und a la Behörden- oder (die Steigerung) im „Bild-, BZ“-Stil zu schreiben, wäre für mich selbst das reinste Brechmittel.

Zugegeben, eines meiner Lieblingssprüche lautet: „Lesen gefährdet die Dummheit“, deshalb befinde ich mich in permanenter Literatur-Prophylaxe. Und weil das so ist, kommen von mir selten Beiträge, die sich nur auf wenige Zeilen beschränken. Für diejenigen, die sich damit nicht abfinden können, bleibt einzig die Möglichkeit, die vielfach beliebte Reset-Taste zu benutzen, um sich von meinem Gedöns zu trennen. Ganz ungalant wäre natürlich, mich an dieser Stelle mit einem pauschalen Schreibverbot zu belegen. Nur das wäre sinngemäß wie bei Loriots “Ein Leben ohne Mops ist denkbar, aber sinnlos.“

Aus dem Schlummern aufgewacht? Ha, schon lange. Der letzte Sonntag brach an, schwups, saßen wir nach 16stündiger Schlafbus-Fahrt (weil Frankreich ziemlich weit weg ist) in der Früh auf der Straße des 17. Juni in TU-Nähe buchstäblich auf der Straße samt Skigepäck. Schluss, aus, das wunderbare Intermezzo des Skifahrens für eine Woche. Keine Angst, es kommt kein sentimentaler Rückblick (aber schön war es doch!), denn das normale Leben holt einen schnell zurück. Und so bin ich seit gestrigem Dienstag wieder einer der Eurigen.

Kurz nach Mitternacht um 7:30 Uhr stand ich ratlos vor dem Sportkleidungsspind. Was ziehst du an? Kalt, warm, nass, windig, immer diese wirklich bewegende Frage, schließlich 9:30 Uhr Mommsen-Stadion. Und wie schön, nicht allein. Da waren sie alle und ich mittendrin, wenngleich einige zu den Vermissten zählen. Trost: Sie kommen (bestimmt) zurück! Und doch gab etwas Seltenes, ja, Außergewöhnliches festzustellen, nämlich, dass zwei lang nicht gesehene Hübianer uns die Ehre gaben und sich einreihten in die jeweilige Laufgruppe. Es waren Klaus B. und Günther B(ei). Ihr kennt sie, doch die, die sie begrüßten, jubelten. Und so bin ich bei Goethe und seinem Wort VORBEI, das er stets abstritt und sagte: Vorbei ist ein dummes Wort! Und irgendwie hat er Recht. So lange man selbst etwas tut oder man das nicht mehr kann und trotzdem im Gespräch ist, ist niemals etwas vorbei. Das merken wir uns und die beiden Genannten besonders. Alle waren erfreut, Euch zu sehen!

Jetzt noch vom Lauf oder von den einzelnen Laufgruppen zu sprechen, fällt mir schwer, denn irgendwie ging das ziemlich zerbröselt vor sich. Von 5-7, 10, 12,5 und sogar um die 20 km wurden verschiedentlich abgehakt. Für meinen Teil bleibt nur anzumerken, dass wir eine reine Männertruppe waren. Das gab es wohl noch nie und ich bitte die Damen dringend darum, diese gänzliche Abwesenheit künftig gefälligst zu unterlassen. So geht das einfach nicht, uns einfach sitzenzulassen. Wir waren wahrlich hilflos, die Gespräche waren karg und eine 1- Person-Verkürzungstrennung kam hinzu. Letztere HANDLUNG war einstimmig gebilligt.

Wenn das jetzt zu langweilig war, macht es nichts, könnt Euch wieder hinlegen. Morgen ist Donnerstag, rauf auf`n Dampfer, ab nach Kladow. Abfahrt Pier Wannsee 9:00 Uhr. Gert bringt die Keksbüchse mit. Meinetwegen Kaffee dazu. Und Geschichten, die das Läufer*innenleben beschreiben, kommen unaufgefordert von

Horst

Re: Hotti

Verfasst: 16.03.2023, 20:02
von Hotti
Der Ball ist rund…………….

meinten wir und wollten das überprüfen, doch weder im Olympia-Stadion noch im Stadion der Alten Försterei. Enttäuscht? Dazu gibt es keinen Grund, denn bei der heutigen Tagesbetrachtung geht es um weniger oder mehr als man denkt. Diesmal ist das Runde ziemlich klein, meist in Weiß gehalten, farbige Ausnahmen, manchmal mit Schriftzug (gibt es), die Maße sind genau vorgeschrieben. Regeln geben einen Mindestdurchmesser von 42,67 mm und ein Maximalgewicht von 45,93 g vor. Dieses kleine Ding wird auf einen „Tee“ (Einsteckstift) gelegt, dann greift ein Mensch zu einer schlanken Metall-Keule, die wohl auch Schläger genannt wird und die am oberen Ende einen Handgriff und am unteren abgeknickten Teil den sogenannten „Driver“ besitzt. Das Ganze nennt man Golfschläger, mit dem Spieler*innen aktiv werden. Hierzu könnte eine ganze Abfolge des Golfsportes folgen, die jedoch nicht Forum-geeignet wäre.

Läufer*innen sind wohl weniger an diesem an und für sich durchaus interessanten und meist für jedefrau und -mann geeigneten Sport, gleich welcher Altersklasse, interessiert. Nun denn, zumindest schnuppern wollten wir. Das zum Einklang.

Um zu diesem Schnupperort zu kommen, bedurfte es wie des Öfteren einer 20-minütigen Seefahrt von Wannsee nach Kladow. Jetzt keine Proteste. Ich weiß, Wannsee hat längst das, was Gatow/Kladow erst nach Abzug der Alliierten bekam: einen Golfplatz. Aber wir heutigen Sechs inklusive unseres ortsmäßigen Kladow-Guides Gert hatten das weitläufige Areal in seinem Beritt im Auge, weil das immer einen besonderen Reiz auf die Stadt-Berliner ausübt. Dementsprechend gut war die Stimmung mit Zugabe des Idealwetters. Auf denn.

Von der Kladower Hafenmole geht es jeweils, egal in welcher Himmelsrichtung gelaufen wird, immer mit leichtem Anstieg, der ohne Weiteres locker verkraftet wird, auf die Strecke. Wer sich den Stadtplan zu eigen macht, kann der Beschreibung folgen. Also Sibeliusweg, dann Querung des Kladower Damms und dann linksseitig ab in die Botanik Richtung Westen schon in Blickrichtung des sich andeutenden Golfplatzes, der ehemals ein Sammelplatz für Versorgungsgüter (Brennstoffe wie Kohle u.ä.) des eingeschlossenen West-Berlins war. Darauf konnte nach dem Deutschen Zusammenschluss verzichtet werden. Umfangreiche Entsorgungen und Erdarbeiten ergaben ein wiederhergestelltes Naturell, das sich sehen lassen kann, mit einem See, hügeligen, kurzgeschorenen Rasenflächen und natürlich behindernden Flächen wie „Bunker“ und Bäume, schließlich das Grün, da wo die Fähnchen zum Einlochen stehen. Da wollten wir hin und hatten Glück.

Der „Platz“ war offen und wir liefen auf das Gelände. Kein Schicki-Micki. Wir, die Unbedarften, sahen der Driving-Range des Berliner Golf Clubs Gatow an, dass hier Sportliches passiert. Und da sahen wir sie liegen, jene Utensilien, ohne die die notwendigen Treib-Schläge nicht durchgeführt werden können. Die kleinen runden Kugeln (genannt Golfbälle) mit den an der Außenseite befindlichen leichten Ausrundungen, die wohl das Flugverhalten (?) stabil halten. Zahlreiche andere Standplätze signalisierten, hier finden Wettkämpfe, besser Turniere statt. Ein bemerkenswerter Eindruck entstand. Und wie war das mit dem Lauf?

Ja, er verlief in gehobener Stimmung, richtige Fröhlichkeit kam auf, weil alles zusammenkam. Frühlingsnah, tolle Strecke, moderates Tempo, etliche Pausen. Nach Golfplatzverlass zogen wir eine große Runde um den weitläufigen, natürlich abgesperrten Militärbereich des ehemaligen Flughafens Gatow, wo heute eine Kaserne und das Luftwaffenmuseum untergebracht sind. Unser Weg führte uns in die Gatower Heide an der sogenannten Fliegerhorst-Siedlung vorbei bis erneut über den Kladower Damm zum Havelstrand. Weiter ging es entlang des Uferweges Breitehorn mit den anliegenden, wirklich schmucken Wochenendlauben. Und hier kam ein kurzer Moment zum Tragen, der den Charme des heutigen Lauftages unterstreicht.

Eine mit Laub-Arbeiten beschäftigte ältere Dame wurde von mir mit der Bemerkung angesprochen, dass wir ihre fleißige Arbeit bewundern und darum bitten, wenn sie mit der Arbeit fertig wäre, „uns doch bitte zum Kaffee einzuladen.“ Da kam ein Schmunzeln zurück und die Antwort: „Ach, das tut mir für heute leid, ich habe nicht genügend Kaffee dabei. Aber wenn Sie das nächste Mal vorbeischauen, dann sehr gerne.“ Das war so rührend wie selten erlebt. Ein freundlicher Gruß und ein winkendes Handzeichen, Gesten wahrer Sympathie.

Dieser Uferweg bot noch etwas. Auf Höhe des Gutsparks Neukladow wurde ein großer Schornstein abgerissen und wir wurden Zeuge, wie ein mächtiger Greifbagger durch einen kundigen Bediener so rangiert wurde, dass zunächst einzelne Bruchstücke und dann gezielt die gänzliche Esse zu Fall kamen. Wir als Zuschauer applaudierten wie bei einem inszeniert gut gelungenen Theaterstück. Den Akteuren dürfte auch das gefallen haben.

Nicht vergessen bleibt, dass wir trotz aller Intermezzi auch richtig gelaufen sind. Eine Extra-Kurve an der Hafen-Promenade, die mit dem abschließenden Park und der Aussicht auf die Kormoran-Insel Imchen dazu beitrug, auf insgesamt 13,8 km zu kommen.

Zum Abschluss eines derartigen Läufertages gebührt unbedingt der Dank an Gert als Guide und wie immer vorzüglich dem Kuchenbäcker und Spender Rainer. Dass Dieter mit exquisiten Schokoladen-Muscheln noch ein Krönchen oben draufsetzte, ist fast des Guten zu viel. Ja, liebe Frauen, Iki und Marion8, um diese tollen Männer um Euch werdet Ihr jetzt beneidet.

Horst

P.S. Ein paar Fotos kommen noch, um das Ganze noch einmal zu unterstreichen. Bitte etwas Geduld.

Re: Hotti

Verfasst: 17.03.2023, 22:53
von Hotti
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Re: Hotti

Verfasst: 22.03.2023, 13:09
von Hotti
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Kleiner Nachtrag:

Rainer - unverkennbar -! Was andere in der Hosentasche oder in einem Set bei sich tragen, um Ausdruck zu geben, welcher Sportart sie nahestehen, hat beim ihm zu einer Verwechselung geführt. Golfbälle, die zum besseren Sehen beitragen sollen, sind ebenso ungeeignet, als wenn in unserem Metier Mini-Laufschuhe hinters Ohr geklemmt werden würden. Aber, zugegeben, charmant ist das schon.

Das war letzten Donnerstag: Ein Freudentag von 52 dieser Sorte im Jahr und nun, stellt euch vor, morgen ist wieder so ein Tag, jedoch stets anders, nämlich: Treffpunkt 09.30 Uhr am Charlottenburger Tor, das ist an der Straße des 17.Juni/Ecke Salzufer, genau auf der Brücke Landwehrkanal. Wer kommt, der kommt.

Horst

Re: Hotti

Verfasst: 24.03.2023, 23:39
von Hotti
Innerstädtisches

Unsere läuferischen Trainings- und Genusslaufaktionen finden, abgesehen von gelegentlichen Bahnlaufübungen, überwiegend im freien Gelände statt. Bevorzugter und bestens geeigneter Landstrich ist und bleibt der Grunewald. Die Vorzüge sind unbestritten, gut erreichbar, fast jeden Tag gibt es Treffen unterschiedlichster Niveau-Gruppen, diverse Strecken vom Mommsen-Stadion aus in die Wald-, Wiesen- und Seenkultur und schließlich der Schlusspunkt mit Sanitär- und Duschmöglichkeiten. Das alles ohne Vereinszugehörigkeit an sieben Tagen der Woche. Und weiter ohne einen einzigen Heller in den Becher werfen zu müssen. Wo gibt es das sonst noch? Wir loben und preisen diesen uns längst lieb gewonnenen Ort samt dem Hüter des Areals, den wir alle als Johann kennen.

Der „Bernd-Hübner-Lauftreff“ ist eine über Jahre gewachsene Institution auf rein privater Basis, mit der sich der Namensgeber selbst ein Denkmal geschaffen hat, denn das gebührt ihm. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Gruppen gefunden und alle haben ihren eigenen Charakter in losen Zusammenkünften entwickelt, denn nichts ist irgendwie festgeklopft, vorgeschrieben schon gar nicht, also alles rein freiwillig und aus eigenen Antrieb. Der gute Spruch: „Wer kommt, der kommt“ – hier zu Gendern, wäre etwas komisch. So ist das.

Unsere kleine Donnerstags-Gemeinschaft (nicht immer vollständig) hat sich seit Längerem dazu bekannt, auch in anderen Bereichen läuferisch zu wildern, denn was wir machen, ist nicht allein reines Lauftraining, sondern vielmehr auch die Neugier, auf anderen Pfaden zu wandeln, etwas Anderes zu sehen, ja, zu erleben und manchmal ein bisschen Berlin-Sightseeing für Einheimische. Ich habe das in der Vergangenheit – denke ich einmal – vielfach beschrieben. Sich stets wiederkehrend im gleichen Umfang, Kreis und in der Spur zu bewegen, ist lobenswert, nur wir, wir weichen davon ab und gerne würden wir Interessierte dazu bewegen, sich uns anzuschließen, sofern das in Vormittagsstunden des jeweiligen Donnerstages möglich ist. Als Ansprechpartner stehe ich gerne zur Verfügung.

Am gestrigen Do-tag schlug ich das Grüne Zentrum Berlins vor, genauer, Treff am Charlottenburger Tor, an dem sich der Landwehrkanal unter der Straße des 17. Juni durchzwängt.100 Schritte davon weg und der brausende Verkehr liegt hinter einem, demnach verströmt unser genial gelegener Tiergarten jene Ruhe und vermeintlich frische Luft, die eine Großstadt zum Lebenserhalt seiner Bewohner unbedingt braucht. Noch haben wir grüne Oasen, die das Wohlbefinden für uns Bewohner noch einigermaßen sicherstellen. Was aber, wenn auch die bald gefährdet sind oder möglicherweise, immer wieder in der Diskussion, das Tempelhofer Feld trotz fest geklopfter Entscheidungen plötzlich im Sinneswandel der neuen Senatsführung nun doch zur Bebauung freigegeben wird? In mir würgt der Brechreiz!

Wo waren wir stehengeblieben? Richtig, Tiergarten. Erst einmal Richtung Schleuse, dann am ZOO-Zaun und -Gehegen vorbei über die Brücke zum Neuen See, bei dem die anliegende Lokalität mit zu mietenden Ruderbooten langsam in die Gänge kommt. Es ist ja Frühling. Und so geht es kreuz und quer im großen Garten bis zur Siegessäule mit der Victoria oben drauf, die wir Berliner bekanntlich Gold-Else nennen. Und wenn man sich die Mühe macht und wie wir durch die 1957 zur Internationalen Bauausstellung erstellten Wohnhäuser läuft, an der Akademie der Künste den Blick auf „Die Liegende“, eine wunderbare Bronze-Arbeit des Briten Henry Moore, wirft, den Englischen Garten streift und schließlich die Spreebrücke am S-Bhf. Bellevue überquert, dann ist schon ein ganz schönes Stück Kultur-Geschichte im nicht vorhandenen Rucksack untergebracht.

Das alles nun im Trab, nämlich weiter entlang der Spree, links die Bundesbauten für Regierungsbeschäftigte, rechts das Haus der Kulturen, die ehemalige Kongresshalle, und der Prachtbau moderner Architektur, das Bundeskanzleramt, das sich nun über die Spree weiter ausdehnen soll. Ein Mammut-Projekt, das den Verdacht hegt, weitere Verwaltung anzusiedeln, weil die ohnehin schon üppige Beschäftigtengruppe durch immer mehr Arbeit nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu verwalten. Demokratie scheint mehr und mehr anstrengender zu werden.

Wir laufen (nicht gehen) durch den Lehrter Stadtbahnhof. Kennt keiner mehr. Da bin ich 1948 mit einem Sack Kartoffeln von der Oma aus Wismar/Ostsee unversehrt nach Berlin zurückgekehrt. Es war ein Kopfbahnhof. Ende der Fahnenstange. Heute, anstelle dessen, auf engstem und trotzdem großzügigsten Raum ein Hingucker in jeder Beziehung und in der Verkehrsgestaltung einzigartig: der Hauptbahnhof in einem Turm! Der allein war nicht das Ziel, sondern ein Stückchen Moabit mit Rückkehr zum Tiergarten entlang der Spree. Ein Lauf entlang unseres Stadtflusses, linke wie rechte Seite, ist etwas Besonderes. Und das sollte es sein an diesem Tage. Nach vielen Stopps und gut 13 km hatten wir großen Appetit auf Muffins und Kaffee, home-made von Marita, einfach köstlich.

Weg vom Wald, rein in die Stadt. Weg von der Stadt, Sehnsucht zum Wald. Immer das, was man gerade nicht hat.

Horst

P.S. Bitte umblättern auf Seite 20

Re: Hotti

Verfasst: 24.03.2023, 23:43
von Hotti
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Re: Hotti

Verfasst: 27.03.2023, 14:26
von Hotti
Mein Leipzig lob`ich mir….

lässt ein weltberühmter Dichter namens Goethe im Faust I sagen, mit dem Zusatz „Es ist ein Klein- Paris und bildet seine Leute.“ Leipzig zur Bildung benötigen wir nicht unbedingt, denn Berlin hatte und hat noch immer viel zu bieten. Die inzwischen wieder aufgeblühte Messestadt mit der ausgebauten Infra-Struktur rundherum, dem Stadtzentrum, allen kulturellen Einrichtungen wie Oper, Gewandhaus, Theater, Kabarett, Kunstszenerie, Büchermesse, Architektur von Renaissance, Barock, Jugendstil bis zur Moderne, Museen, gute Unis, den Zoo nicht vergessen (!) und schließlich Sport und Natur zum Greifen nahe.

Man kann hier gut leben, sagten wir uns vor etwa 12 Jahren, weil wir merkten, diese Stadt ist im Aufbruch. Inzwischen scheinen Jahrzehnte vergangen zu sein, denn so schnell, wie sich die vollzogenen Veränderungen zeigen, können nicht nur einzelne Jahre hergehalten haben. Porsche, BMW, Flughafen, Messen, Wissenschaft, Zukunftsbranchen in Cluster aufgeteilt, signalisieren besonders jungen Leuten Chancen. Allerdings, wie überall, die Preise steigen. Leider. Wir haben unsere kleine Wochenend-Hütte am naturtreuen Ortsrand und genießen es sehr, uns Ortsveränderung in allerkürzester Zeit zu genehmigen. Fahrzeit 1 Std. 40 Minuten von Haus zu Haus.

Was hat nun Leipzig, was Berlin nicht hat? So eine Frage. Dieses Vergleichen, Konkurrieren ist doch unnötig. Es gibt diverse Punkte mit Plus und Minus gegeneinander. Also, jedem das seine. Hatte ich gestern. Ab in die Laufschuhe. Strecken für diese gibt es und Botanik reichlich. 1 km bis zur Weißen Elster und bis zum Auenwald. Jetzt, wo gerade der stramme Hagelregen vorbei ist, gibt es keinerlei Begegnung mit Spaziergängern oder Wandernden. Es grünt hier in besonderer Weise. Nicht an Sträuchern und Bäumen, sondern am Boden. Da gibt es keinen freien Platz mehr. Vor lauter Grün ist der Blättermulch am Boden nicht mehr zu sehen. Ursache sind dicht an dicht stehende breitblättrige Bärlauch-Stauden, die noch nicht den typischen Knoblauchgeruch ausströmen, der ihnen anheftet. Erst mit der Blüte, wenn alles im Weiß steht, lohnt ein tiefer Atemzug, dann ist genug für das Abendessen anstelle Kräuter inhaliert.
Wer aber Bärlauch-Butter, -Pesto und Kräuter-Quark mag, wird dreimal einen Purzelbaum schlagen, so lecker ist ein Gericht damit. Wer dagegen sagt, Bärlauch stinkt, sollte Waschlotion oder Seife wechseln, denn Bärlauch ist kein Knoblauch, nur ein Verwandter wie Schnittlauch und Zwiebel. Nach der Blüte nicht mehr ernten. Er schmeckt dann einfach nicht mehr so frisch.

Meine eigene Frische bezweifele ich schon seit geraumer Zeit. Und auf meine eigene Blüte (fast vergessen) muss ich wohl sehr weit zurückgreifen. Derart zur Gewissheit gelangt, hält mich bis auf Weiteres nichts davon ab, dreimal in der Woche zu laufen. Allein Leipzig bleibt meist der Sonntag vorbehalten. Einen Vorteil gibt es, keine Steigungen. Schlappschritt garantiert. Nach knapp unter 11 km sage ich den Lauffreuden ade, derweil meine bereits vorgeeilte Herzensdame Uta duschfrisch bereits das Frühstück bereithält.

In Berlin ist alles anders, da gibt es kein Vorauslaufen. Gruppe ist Gruppe und gerade deshalb Suppe oder das Gelbe vom Ei, wie der Berliner sagt. Und das mit dem Leibzchger Dialekt, ja, meine Güte, in krassen Fällen kommt schon ein bisschen Elend bei mir auf, aber eh, mit die janzen Dinga inne Sprache bei uns kanns einem ooch uffn Keks jehn. Loben wir Berlin und Leipzig oder umgekehrt, weil, leben kann man überall. Es liegt nur an einem selbst, was, wie und wo. Alles Fragewörter. Auf der nach oben offenen Sympathiebewertungsskala Punkte für beide Städte zu verteilen, verkneife ich mir tunlichst. Es ist so wie beim Essen. Über Geschmack kann gestritten werden, entweder er ist da oder eben auch nicht.

Horst

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Re: Hotti

Verfasst: 27.03.2023, 14:31
von Hotti
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Bärlauch-Jogg

Re: Hotti

Verfasst: 31.03.2023, 10:44
von Hotti
Geburtstage

April und Mai sind kalendermäßig Teufelstage. Was sich da alles abspielt, weiß eigentlich jeder Mensch. Frühling natürlich, die Natur erwacht in schönster Pracht, die Temperaturen steigen, Schluss mit dem täglich sorgenvollen Blick auf den Gas- und Stromverbrauch, den wir ohnehin längst kräftigst reduziert haben. Die Tage werden länger. Ist natürlich Quatsch, die 24 Stunden bleiben konstant, aber die Helligkeit am Abend wird durch die Zeitumstellung (1 Stunde zur alten Zeit draufgeben) einfach ausgedehnt. Viele finden das gut, etliche sind dagegen. Energie-Einsparungen, wie beabsichtigt, sind nicht eingetreten. Jetzt die Feiertage: Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, 1. Mai und die Teufelstage. Häh, was das denn?

Da sieht man mal wieder, kein Mensch macht sich darüber Gedanken, nur der Schreiber hier hat immer so blöde Einfälle. Zur Begründung: Rechnen wir einmal 9 Monate zurück von April/Mai (minus 9), aha, Juli/August. Ganz starke Monate, wenn es um die Arterhaltung geht. Mit Blick auf meinen Kalender stelle ich ganz nüchtern fest: 24 Geburtstage !!! und die allein im relativ kleinen Kreis der Verwandten und Freunde. Feiern ohne Ende? Nicht doch. Dabei komme ich noch zu einer ganz anderen Betrachtung, an die kaum jemand denkt, denn Geburtstage feiern ist eigentlich, mit Ausnahme der < 30, völlig unsinnig. Die Jungspund:innen wollen, nein, die müssen ja älter werden. Aber die Anderen: Ganz klar, jedes Jahr werden auch diese lieben Mitmenschen stets ein Jahr älter. Ja, und? Also bitte, jetzt ein Jahr, in 10 Jahren, in 50 usw., was ist dann? Die Jahre werden einfach draufgelegt. Gewiss, es gibt Ablehnende, die das nicht wollen oder schlimmer, Abberufene, aber das bestimmen höhere Mächte. Der Prozess des Alterns bedarf keiner explizierten Untersuchung, es passiert einfach immer und immer wieder. Und jetzt kommt es: Wer will das schon, plötzlich alt sein? Trotzdem feiern? Gewiss doch! Andererseits forever young, auch hier: Wer will das schon?

Weise sind erst die, die mit dem Alter richtig umgehen können, denn eines hat die Altersgruppe > 65, nämlich Erfahrung. Ein unschätzbarer Vorteil, denn die kann niemand erlernen, eben, erfahren! Toll. Wenn nun aber hämisch von „Altersabbau“ (kann ja sein) gesprochen wird, so meint das bestimmt nicht die Rückgabe der zahlenmäßig erreichten Jahre, auch keine Änderung des Geburtsjahrgangs, sondern langsames Durchgereicht-Werden. Auch nicht schlimm, wenn die Erinnerung wachgerufen wird, was alles vordem an schönen Dingen passiert ist, die ein stolzes Gefühl auf Ewigkeit hinterlassen und damit kompensieren, wie schön das Leben war und ist.

Eines kommt mir noch in den Sinn: In Berlin sind Werke von Lucas Cranach (sowohl der Ältere wie der Jüngere) mit Gemälden zahlreich vertreten. Ein Bild des Älteren ist mir im Kopf geblieben: „Der Jungbrunnen“. Da steigen (nur ältere) Frauen in ein Bad und kommen als springlebendige Hüpferlinge wieder heraus und vergnügen sich bei Musik, Tanz und Essen. Gönnen wir (die Männer) es ihnen. Eine Vision im 15.Jahrhundert, leider unerfüllt.

Unser Mittel, einigermaßen beweglich zu bleiben, ist für beiderlei Geschlechts von gleicher Bedeutung. Jünger werden ist und bleibt allerdings gänzlich ausgeschlossen, weil selbst Laufen oder anderer Sport kein ewiger Jungbrunnen ist. Und was die Endlichkeit unseres Daseins anbelangt, so ist die Gleichberechtigung wenigstens in dieser Beziehung gänzlich vollzogen. Wie heißt es so schön im Läufer*innenkreis? Durch unseren Sport leben wir auch nicht länger, - aber - , wir sterben gesünder. Aus diesem Satz ein paar Wörter wegzulassen, unkenntlich zu machen, damit ein positiveres Nachempfinden entsteht, ist zulässig. Und noch etwas, das eigentliche Älterwerden tut überhaupt nicht weh, denn man merkt es nicht unmittelbar, was an und für sich allein schon gefährlich ist, siehe Bluthochdruck. Nur etwas ist grausam, der morgendliche Blick in den Spiegel. Gnadenlos zeigt er uns, was Sache ist. Die vielen Fältchen – na, und? Dazu: Was haben wir, was die Jugend nicht besitzt? Eben drum, seid stolz darauf, Ihr alten, liebenswerten Zausel*innen. Weitermachen!

Uns allen, alles Gute.

Horst