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15.08.15: 1. TRIATHLON OSCHERSLEBEN

Infos und Berichte

Re: 15.08.15: 1. TRIATHLON OSCHERSLEBEN

Beitragvon Felix » 24.08.2015, 21:23

1. Triathlon Oschersleben
...enttäuschend und trotzdem total begeisternd


Ich hatte erst relativ kurzfristig -ungefähr 3Wochen im Voraus- überhaupt von dem Triathlon erfahren und war sofort vom Highlight des Wettkampfs fasziniert: Radeln in der Motorsport Arena Oschersleben.

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Bild: Will Pittenger unter cc-by-sa

Da musste ich einfach dabei sein. Und so war ich, keine Stunde nachdem ich vom Triathlon erfahren habe, angemeldet und hatte Mitfahrgelegenheit und Übernachtung organisiert.

Eine halbe Woche vor Wettkampftermin kam dann die Schreckensnachricht: die Radstrecke wird verkürzt, da wegen Bauarbeiten der Abstecher auf die Rennstrecke ausfallen muss. :icon_cry:
Ich war jedenfalls total enttäuscht. Dass für das Wochenende auch noch Gewitter angesagt waren, steigerte meine Vorfreude auch nicht wirklich.



Hauptdrehpunkt der Veranstaltung war das örtliche Freibad. Dort befand sich neben Start, Ziel und Wechselzone auch ein 50m Becken, in dem das Schwimmen absolviert wurde.

Angesichts der maximal 192 zugelassenen Teilnehmern und weil es der erste Triathlon überhaupt in Oschersleben war, habe ich mit einem sehr familiären Event gerechnet, das durchaus auch Volkssportcharakter haben könnte....also wo auch absolute Anfänger mit dem Stadtrad auftauchen.

Wie sehr ich mich doch geirrt habe. :icon_eek:

Wieviele Tausend Euro da in die Wechselzone geschoben wurde, kann man sich gar nicht vorstellen. Auf der Kleidung der meisten Athleten waren nur wenige Quadratzentimeter überhaupt frei von Werbung der Sponsoren und Vereine, die Namen auf unterem Rücken oder Hintern durften Profimäßig natürlich auch nicht fehlen und die Athleten selbst hatten die Körper von griechischen Göttern.
Und mittendrin steh icke – die dicke Raupe, die eigentlich nur mal eine ruhige Runde über die Rennstrecke rollen wollte.
Ich kam mir vor einem Wettkampf noch nie so deplatziert und deklassiert vor. :icon_redface:

Meine Begleitung hatte es jedoch folgendermaßen beurteilt „Macht nichts, es gibt halt Leute die sehen aus wie Profis und können nichts. Und dann gibt’s Landstreicher [wie du] die alle abziehen.“ :lacher:

Wenn schon das nicht als Aufmunterung gedient hat, dann tat es wenigstens das Wetter: Statt Regen und Gewitter gab es plötzlich strahlend blauen Himmel und knallende Sonne.


1. Schwimmen
Wie bekommt man maximal 192 Teilnehmer in ein kleines Becken?

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Nacheinander!

Es gab 3 Startwellen, sodass nicht mehr als 6 Athleten gleichzeitig in einer Bahn schwimmen mussten.
Das hat meiner Beobachtung und Erfahrung nach ziemlich gut funktioniert – bereits auf der ersten Bahn hatte sich die Reihenfolge eingepegelt, sodass man die restlichen 9 Bahnen vollkommen ungestört schwimmen konnte. Ich hatte jedenfalls noch nie so viel Platz beim Schwimmen. Verzählen konnte ich mich auch nicht, das haben die Wettkampfrichter übernommen.

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Das Schwimmen im Freibad hat mir eigentlich ziemlich gut gefallen und es kam mir auch sehr entgegen, da ich hier nicht orientierungslos im Zickzack schwimme, von den 500m eh nur 450 schwimmen muss und mich die restlichen 10 mal 5m vom Beckenende abstoßen kann.
Es war auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung zu den trüben Seen oder Flüssen von Berlin und Brandenburg...Negativbeispiel wäre die Spree, wo die Sicht nur einen halben Meter betrug. Und auf das was man in diesen halben Meter gesehen hat, hätte man auch gerne verzichten können. :icon_wink:

Wie dem auch sei, ihr könnt ja mal raten wer unter all den Profis zwischenzeitlich immer wieder mal kurz Brustschwimmen musste.

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Da ich selbst in der letzten und schnellsten Startwelle (aber innerhalb dieser unter den Langsamsten) war, bat sich mir beim ersten Besuch in die Wechselzone ein echt trauriger Anblick. Alle anderen waren längst weg.

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Na immerhin habe ich mein Rad auf Anhieb und schon auf 100m Entfernung gefunden. :lacher:

2. Radfahren
Der Wechsel von einer Disziplin auf die andere ist prinzipiell nicht ganz unproblematisch. Man braucht schon die eine oder andere Minute um ordentlich in den Tritt zu kommen.
Umso mehr habe ich mich über die Radstrecke „gefreut“, denn das „Beste“ kam hier nicht etwa zum Schluss, sondern gleich zum Start. :icon_rolleyes:
Es ging auf dem engen Feldweg erstmal bergauf. Die Steigung war mit durchschnittlich 3% eigentlich noch harmlos, dafür zog sie sich für 3km. Ich war jedenfalls platt bevor es überhaupt richtig losging – vor allem mental.

Die erste Abfahrt war leider nicht dazu geeignet wieder ein bisschen Zeit reinzuholen, da die Strecke noch abtrocknete und zusätzlich verwinkelt und schlecht einsehbar war. Mangels Streckenkenntnis fuhr ich hier mit angezogener Handbremse.

Wenn ich die Radstrecke mit nur einem Wort beschreiben müsste, dann wäre das wohl „hügelig“. Ich hatte nicht das Gefühl, dass auch nur 100m in der Ebene gefahren wurde. Irgendwie ging es im Wechsel im nur bergauf und bergab – bei letzterem kratzte der Tacho aber auchmal an der 70km/h Marke. :biggrin:

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Dass die Strecke von 30 auf 20,5km verkürzt war, war mir auf dem Rad eigentlich ganz Recht, da mich die vielen Hügel echt fertig machten. Als ich das erste mal dachte „jetzt müsst ja gleich das Ziel kommen“, hatte ich noch nicht einmal die Hälfte geschafft.

Ansonsten war die Strecke eigentlich wunderschön und auch abwechslungsreich. Von engen Wirtschaftswegen durch Wälder und Felder, über verwinkelte Landstraßen bis hin zu überbreiten Bundesstraßen war eigentlich alles dabei. Zur Perfektion hat jetzt eigentlich nur noch die Rennstrecke gefehlt.

Das eigentliche Highlight waren aber die Ortsdurchfahrten, denn die Stimmung an der Strecke war hier phänomenal. Wenn mitten im Nirgendwo mal 114 Bekloppte mit dem Rad vorbeikommen, dann ist das dort scheinbar ein Großereignis, für das es sich die gesamte Dorfbevölkerung vor den Häusern bequem macht und dann für jeden Einzelnen jubelt, ihn anfeuert und Krach macht als wenn grad die Führungsgruppe der Tour de France vorbeifährt.
So eine Atmosphäre an der Strecke hab ich jedenfalls noch nicht erlebt. :love:
Selbst auf der Zielgerade vom Berlin-Marathon herrscht dagegen Totenstille.

Insgesamt lief es trotz Hügel für mich als Flachland- und Oderdeichspezialisten auf dem Rad ziemlich gut: ein Schnitt von 36,8 km/h macht Platz 13 in der Radwertung. 21Plätze gut gemacht :top:

3.Laufen
Die Strecke über 5,5km selbst war dank teilweise ziemlich losem Untergrund und hügeligen Terrain zwar nicht Bestzeiten geeignet, aber im Großen und Ganzen voll okay. Es ging neben Feldern auch wieder durch bewohnte Gebiete, sodass man nochmal die großartige Atmosphäre an der Strecke genießen konnte.

Ich selbst konnte leider nicht ganz so laufen wie ich denn gerne wollte und es die Beine sogar hergegeben hätten. Mir machte die obere Bauchmuskulatur enorme Probleme, sodass ich zwischendurch sogar mal 20m gehen musste. Erst ab km4 war lief es sich dann wieder wie von selbst – leider zu spät um nochmal was zu reißen.

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Die Probleme mit der Bauchmuskulatur sollten sich eine Woche später beim Kallinchentriathlon wesentlich ausgeprägter und anhaltender wiederholen. An mangelnden Stabitraining kann es eigentlich nicht liegen. Vermutet wird die noch ungewohnte (vielleicht sogar falsche) Haltung auf dem Rad dank erst kürzlich montierten Lenkeraufsatz.

Doch zurück zum Oschersleben Triathlon: die Laufzeit konnte sich trotzdem noch sehen lassen (Pace 4:08 min/km). Wie auch bei der Radwertung hat es hier zu Platz 13 gereicht.

Nennenswert wäre wohl bloß noch der Schlussspurt gewesen. Auf den letzten 100m wollte ich mir noch 2 Plätze schnappen. Einer von den Beiden schien damit aber nicht einverstanden gewesen zu sein, sodass es nochmal zu einem vollen Sprint und erbitterten Zweikampf kam.

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Dank herumfliegenden Ellbogen und doppelter S-Kurve vor der kurzen Zielgerade kam ich zwar leider nicht mehr an ihm vorbei, doch während ich erhobenen Hauptes zum gebunkerten Bier durchlaufen konnte, legte sich mein Konkurrent erstmal zum Sterben hin. :frech: :icon_razz:

Insgesamt kam ich von 114 Startern auf den 18.Platz. In der Altersklasse hat es grade mal zu Platz 8 gereicht. Wäre ich nur 6Monate älter, hätte ich mir wohl locker Bronze in der AK30 geschnappt.

Ich glaube ich muss nächstes Jahr auf jeden Fall nochmal wiederkommen, um
1. aufs Altersklassentreppchen zu steigen
2. über die Rennstrecke zu fahren
3. nochmal die tolle Stimmung zu genießen

Zusammenfassend würde ich sagen, dass es trotz der Enttäuschung wegen der Rennstrecke mein bisher schönster Triathlon war.

:icon_cool:
Foxi hat geschrieben:Wenn ich mich nicht völlig vertan habe, dann spuckt die Ergebnisliste das hier aus:

Gesamtplatz: 18
Startnr.: 61
Name, Wohnort: Felix Funke Berlin
Altersklasse: AK2 (TM25)
Platz AK: 8
Gesamtzeit: 1:10:18
Swim (Platz): 0:11:36 (41 )
Bike (Platz): 0:35:56 (13 )
Swim + Bike (Platz): 0:47:32 (20 )
Run (Platz): 0:22:46 (13 )

Heißt im Klartext:
18. Platz gesamt (von 114) :icon_exclaim:
18. Platz männl. (von 96)
Deutlich schneller als die schnellste Frau
13. Radzeit (von 114)
13. Laufzeit (von 114) - ein satter 4er-Schnitt :icon_exclaim:

Und selbst mit der "nur" 41. Schwimmzeit bist du weit davon entfernt, schwimmen lernen zu müssen.


Vielen Dank für den Ergebnisdienst, das hast du bestens analysiert.

Das mit der Schwimmzeit hatte Alex wohl so gemeint, wie ich es auch schonmal erwähnt hatte: Durchaus gute Schwimmzeit, aber leider wird sie meiner Leistung auf dem Rad und zu Fuß nicht gerecht.

Oder anders ausgedrückt: Da wäre noch ein wenig mehr drin, wenn ich endlich schwimmen "könnte" :icon_wink:
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Re: 15.08.15: 1. TRIATHLON OSCHERSLEBEN

Beitragvon Hübi » 24.08.2015, 21:41

@Felix: Danke für deinen tollen Bericht und die wunderbaren Fotos! :freu: :klasse: :ja: :clap:

:icon_arrow: Starke Leistung!!!!! :huldigen: :banane: :dance: :sport1: :winkie:
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Re: 15.08.15: 1. TRIATHLON OSCHERSLEBEN

Beitragvon Alex T. » 25.08.2015, 09:18

Felix hat geschrieben:
Das mit der Schwimmzeit hatte Alex wohl so gemeint, wie ich es auch schonmal erwähnt hatte: Durchaus gute Schwimmzeit, aber leider wird sie meiner Leistung auf dem Rad und zu Fuß nicht gerecht.

Oder anders ausgedrückt: Da wäre noch ein wenig mehr drin, wenn ich endlich schwimmen "könnte" :icon_wink:


@Felix: sehr schöner Bericht. Ich fühlte mich fast live dabei :clap:

Und zu Deiner Schwimm-Analyse gibts eigentlich nichts hinzuzufügen:
Du hast ja gerade auch in Kallinchen gezeigt, dass Du mit Deiner "Hybrid-Technik" mich und auch einige andere locker im Wasser abhängst. Aber, glaube mir, es ist ein fanstastisches Gefühl, nach einem sehr guten Schwimmen im "Pack" mit den schnellen Radlern mitzufahren. Damit meine ich nicht Drafting, sondern alleine die Motivation, an den Cracks mit ihren Boliden halbwegs dran zu bleiben.

Im Gegensatz dazu ist es halt frustrierend, nach einem mäßigen Schwimmen alleine in der Gegend rumzufahren und nach gefühlt einer Stunde mal eine Dame mit Stadtrad einzuholen, die halt Schwimmen kann.

Un zu Deiner Bauchverspannung: die kommt sicher durch die Zeitfahrposition. Da hilft nur Rumprobieren, bis es passt.

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