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Hotti

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 21.05.2024, 16:12

Nun baden sie wieder

Nach der erlebten und überstandenen 14tägigen Urlaubszeit in einem der schönsten Teile unseres Landes, ich wage es zu sagen: Die westlichen Voralpen in Bayern zwischen Lindau und Berchtesgaden, trat doch etwas ein, was so noch nie eingetreten war, ein bisschen Heimweh. Das mag zwar kitschig klingen, traf aber den Kern, denn im Frühling, fast anbrechenden Sommer ist Berlin, im Vergleich zu anderen Großstädten dicke im Plus, weil wir mittendrin Parks, Wälder, Freizeitzonen und eine gehörige Anzahl Seen in bevorzugter Lage zu bieten haben, die eben in anderen Metropolen nicht zu finden sind. Den hier Ansässigen muss ich weder den Südosten Berlins mit dem größten See überhaupt, Müggelsee und Dahme, noch den Norden mit Tegeler See und Havel und schon gar nicht den Südwesten mit dem Wannsee und Havel, fortschreitend bis Potsdam erklären. Das waren die großen Bademöglichkeiten.

Die großen Knaller aber heißen Orankesee, Weißensee, Plötzensee, Grünau/Spree,
Flakensee in Woltersdorf, Jungfernheide, Lübars und schließlich die meisten Grunewaldseen in Vielzahl. Über jede Menge sonstiger Bademöglichkeiten möchte ich mich hier nicht weiter auslassen. Bleibt allein die Feststellung. dass Berlin in der Fläche von 892 km² rund 60 km² (6,5% des Stadtgebietes) Wasserfläche besitzt. Und wenn man die Flussläufe von Spree, Havel, Dahme, Panke, Wuhle, Tegeler Fließ einmal addiert, kommen doch glatt 360 km Uferlinie zusammen, ohne die kilometerträchtigen Kanäle und Häfen zu berücksichtigen. Man möchte meinen, Berlin hätte auf Wasser gebaut, das nun gerade nicht, aber immerhin am Wasser. Das ist nun wahrlich nicht knapp und doch ist es ratsam, damit sparsam umzugehen, drohen doch in Vorschau erneut Hitzeperioden mit hohem Wasserverlust ohne Aussicht auf Ausgleich. Das soll nun kein Horrorszenario sein, den Voraussagen folgend ist dies eine durchaus realistische Einschätzung.

Was soll`s? Ist doch erst Mai, wo grad mal der Schnee weggetaut ist (haha, wenn wir überhaupt einen gehabt hätten). Und weil das so ist, tut sich etwas auf den Gewässern, was mir und sicher auch anderen bisher noch gar nicht so stark aufgefallen ist. Da bewegen sich vornehmlich sehr junge Menschen über die eigentlich zum Schwimmen bestens geeigneten Gewässer mittels eines Bretts auf dem sie stehen. Um sich fortzubewegen, halten die sogenannten „Stand Up Paddlings“ (SUP) ein langes, einteiliges Paddel in der Hand und tauchen das abwechselnd auf beiden Seiten des Brettes ins Wasser. Bisher war es die altbekannte, hautkrebsfördernde Luftmatratze, auf der sich Faulenzer auf Seemitte gemütlich treibend sonnen konnten. Diese Variante scheint geächtet, veraltet, ja, unzeitgemäß zu sein, denn immer mehr greifen zu dem mannskörpergroßen Brett, stellen sich drauf und erleben eine neue sportliche Form des Sonnens. Hoffentlich Sonnenschutzfaktor 50 nicht vergessen.

Genehmigung, wie so oft? Nicht doch, alles frei, sofern nicht ausdrücklich verboten (z. B. Tier- und Wasserschutz). Jede(r) darf es machen. Einzig der Brett-Transport bereitet hin und wieder einige Mühe, wenn kein geeignetes Auto zur Verfügung steht. Derartige Fans scheuen keinen Aufwand, sie nehmen das unförmige Gerät unter den Arm und bugsieren es – meinetwegen - von U-, S- oder Straßenbahn zum nächstgelegenen und geeigneten Wasser. Bus scheint wohl auszuscheiden, denn wer mag sich schon mit einem Schranktür-großen Gerät in gedrückt zusammenstehender Menschenmenge aufhalten und sich womöglich giftige Kommentare anhören müssen?

Spaß, natürlich, aber nicht auf Kosten anderer. Wie einfach dagegen haben wir es, wir, die ganz bescheiden, meist völlig unauffällig und auf leisen Sohlen förmlich entlang des Unterholzes im Wald dahintraben?

Wollte ich nicht etwas über die Wasserfetischisten schreiben, die kaum dem Eiswasser entsprungen, sich sofort in das merklich kaum wärmere Nass stürzen? Eigentlich. Thema verfehlt: Fünf, setzen!

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 28.05.2024, 23:05

Am Tag als der Regen kam

Lang ersehnt, heiß erfleht…..auf die durstigen Wälder. Das war 1982 und ein durchaus hörenswertes Chanson der Französin Dalida, das sich besonders in Deutschland zum Erfolg der Sängerin entwickelte. Nun, heute musste sie nicht singen (ginge ja auch gar nicht, denn bereits 1987 starb die gebürtige Italienerin mit nur 54 Jahren), weil es eigentlich andere dafür gab. Aber wie das so ist im Leben, besteht die Chance zu irgendeinem Anlass, zu etwas Besonderem beizutragen, dann fehlt meist die Initialzündung und schon stellt sich der mögliche Beitrag als Niete heraus. Kein Lied, aber Regen. Damit mussten wir Dienstagsläufer*innen heute vorliebnehmen.

Einige benötigten eine gewisse Portion Vorliebe nicht, ganz einfach, sie erschienen nicht. Dementsprechend übersichtlich fiel die Teilnehmerzahl aus. Im äußerst unteren zweistelligen Bereich, so meine Wertung. Aber immerhin, kein Ausfall oder gar ersatzlose Streichung des Lauftages. Und ich sage es gleich, wer an so einem „wunderbaren“ Tag den richtigen Drive draufhat, hat hernach das Gefühl, tatsächlich etwas geleistet zu haben. Wir hinterfragen hier nicht die geleistete Km-Zahl oder etwa gar die gestoppte Zeit. An so einem Tag ist das eh wurscht. Wie war er dann wohl, dieser Tag?

Ja, also diese Kleinstgrüppchen verflüchtigten sich getrennt, wohl auch, um schneller dem tatsächlich beständig herabfallenden Nass zu entgehen, dabei ist gerade ein Regenlauf bei nicht allzu kühlem Wetter das Nonplusultra. Kein Schwitzen, keine Mücken, dafür nasse Füße und das Körper-Leibchen darf hinterher ordentlich ausgewrungen werden. Ehe ich es vergesse zu erwähnen, das Atmen. Das ist wahrlich die Krönung an so einem Tag. Die Luft verlangt geradezu tief und genusssüchtig eingesogen zu werden und kommt der Duft von frisch geschlagenem Holz sowie jedwede Blütenmischung dazu, ja, meine Güte, das ist beinahe wie in einem Kurort. Na, meinetwegen Kurort Grunewald. Das wissen wohl alle zu schätzen, immerhin die, die beständig unser „Suchtverhalten“ mit geschmacklich auf hohem Niveau stehender Sauerstoffaufnahme befürworten.

Allerdings gelte ich nicht unbedingt als Gesundheits-Guru schlechthin, denn als Vorbild tauge ich nun wahrlich nicht, haben sich doch in letzter Zeit einige Blessuren ungefragt bei mir eingestellt, zu denen bei der Frage „Wie geht es Dir?“ nur eine zögernde Antwort erwartet werden kann. Dennoch, weitermachen ist schon von jeher meine Devise gewesen. Wenn alle erschwerenden Lebensumstände sofort in die Negativ-Abteilung gepackt werden, Gott bewahre. Überdies ist nun der angesprochene Regen überhaupt kein Grund, irgendwelche Ausflüchte geltend zu machen, um geplante oder auch routinemäßige Aktivitäten nicht stattfinden zu lassen. Jedenfalls war es mir und sicherlich anderen (ungefragten) Läufer*innen heute schnurzpiepegal, ob nun Regen oder nicht, selbst das englische Sprichwort „Gegen Regen hilft keine Wettervorhersage, sondern nur ein Regenschirm“ gab uns nicht die nötige Abkehr von unserem Sport. Ausnahmsweise hatte niemand einen Regenschirm dabei oder doch?

Wie sagt der Berliner? „Watt willste? Bin doch nicht aus Watte, lass doch Plattern“

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 03.06.2024, 13:36

Wohnen in beschaulicher Gegend

Für die Art der Lebensbestimmung sind so unendlich viele Planungen wie auch Zufälle bestimmend.
Weder in jungen noch in späteren Jahren kann das stets vorhersehbar und noch seltener plötzlich und spontan passieren, wenn die Zeit gekommen ist, eine eigene Bleibe zu finden. Ganz Zielstrebige wissen natürlich ganz genau was sie wollen und – wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist – auch das bekommen, was ihnen als Ideal-Lebensraum vorschwebt. Groß-, Mittel- oder Kleinstadt oder raus aufs Land ins Dorf oder sogar einsam und abgeschieden irgendwo. Wenn das so einfach wäre.

Wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, gibt es unzählige Einflüsse, die bei der Entscheidung zu einer Wohnmöglichkeit maßgebend sind. Und manchmal kann man sich die auch gar nicht aussuchen, weil die Notwendigkeit so zwingend ist, dass allein schon der erfolgreiche Abschluss eines Miet- oder Kaufvertrages zur Glückseligkeit beiträgt. Kennen doch alle. Die Allerwenigsten werden während ihres Lebens von der Wiege bis zur Bahre in ein und derselben Behausung verbleiben. Wo kämen wir wohl dahin, wenn es in dieser Hinsicht nicht zu einer Veränderung oder gar Evolution führen würde?

Weiter in dieser Hinsicht ausholen muss ich bestimmt nicht. Nun überlege ich, wie ich die Kurve zu zwei Ereignissen komme, die sich gestern zugetragen haben und die in keinerlei Beziehung zu unserem gemeinsamen Lauf-Metier stehen. Gestern - ganz privat - ein Event wie in 42 vorangegangenen Jahren bei mir zuhause, an zwei Wochenenden. Das zweite Tag lief gestern ab mit unverhofftem Zwischenfall. Zuerst: Unser alljährliches „Kunsttreffen“ hat längst den Charme eines gewissen Kult-Charakters entwickelt. 1.000 Einladungen gehen raus und „wer kommt, der kommt“ (frei nach Hübi) und wer nicht kommt (frei nach mir), hat das Nachsehen, denn die Nonprofit- und auch sonst kostenlose Veranstaltung, zu der jedermann kommen kann, bietet mit Sicherheit Hochkarätiges, was sonst nur in ausgewählten Etablissements, meist mit pekuniärem Entrees sehenswert möglich ist.

Samstag, oh, weh. Es gab Regen, ein Problem, weil Kunst im Garten dann keine Option ist. Vorsorge tat gut und die Räumlichkeiten des Hauses ließen es zu, alle Exponate ausstellungsreif zu präsentieren. Tags darauf, Sonntag, ein Strahletag, wie er nicht im Wetterbericht erkennbar war. Der Besuch war richtig gut und plötzlich stand ein unbekannter junger Mann, etwa 17 Jahre alt, gutaussehend, ganz in schwarz gekleidet mit gleichfarbigem Rucksack, vor mir. “ Ist dies eine öffentliche Veranstaltung oder kann ich hier reinschauen?“ So die Frage. Meine Antwort: „Tragen Sie sich ins Gästebuch ein und beachten Sie den dramaturgischen Ablauf des Geschehens“, als wenn ich das vorausgesehen hätte. Insofern hielt ich den Eingangsbereich im Auge, als unmittelbar aus Eiltempo gebremst, ein Polizei-Auto hielt, zwei Polizisten aus dem Wagen sprangen, sich kurzumguckten und mich sofort ansprachen. “Ist hier jemand, schwarz angezogen, hier bei Ihnen?“ „Ja, vor Sekunden gerade.“ Zack, da rannten die Uniformierten auf das Grundstück und - so wurde mir berichtet – sei der besagte Mensch behände über die Einzäunung auf das Nachbargrundstück gesprungen und mit weiten Sätzen geflohen, ohne dass ihm jemand folgen konnte. Und die baum- und waldreiche Gegend bot genügend Tarnung.

Was war geschehen? Es stellte sich heraus, dass der besagte junge Mann polizeilich gesucht wurde. Grund: U-Bahn-Sprayer, ursprünglich zwei, die sich fluchtartig getrennt hatten. Die Endhaltestelle mit Abstellgleis und Bahnschuppen „Krumme Lanke“ scheint offenbar ein Hotspot für derartige Klientel zu sein. Die Aufregung war allen Anwesenden anzusehen, denn sie hatten ja den Fluchtvorgang und die vergebliche Verfolgung durch die Ordnungsmacht miterlebt. Ganz nebenbei: Es gab einen namentlichen Eintrag ins Gästebuch, den die Polizei-Ermittler kennen. Ob der Name faktisch ist, bleibt den Ermittlern wohl vorbehalten.

Die Emotionen wandten sich nach Abflauen des unrühmlichen Intermezzos wieder der Kunst zu. Und einträglich mit dem schönen Wetter verlief unser Treffen wunderbar, ja, richtig toll. Und nächstes WE gibt es noch einen Durchgang Sonnabend und Sonntag jeweils 14 - 18 Uhr im Wasserkäfersteig, sichtbar mit großem Banner. Also: Kommen! Laufen ist schön, aber es gibt immer noch etwas anderes.

Abschließend noch einmal zum Thema Sprayer. Gegen richtige Graffiti-Kunst ist bei Einwilligung des Gegenstandeigentümers nichts einzuwenden. Das ist legal. Illegal dagegen sind alle Schmierereien, die oft nur aus Kürzeln, Worthülsen oder gekleckerten Farben bestehen und als echte Beschädigung zu werten sind. Sie vermitteln gar nichts, sind oft widerlich eklig, abstoßend und sind vergleichbar mit Hundemarke am Laternenpfahl.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 03.06.2024, 13:47

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 05.06.2024, 13:40

Digitalis

Was der gerade Noch-Frühling so mit sich bringt, können nur die erfassen, die sich nicht in ihren vier Wänden verkrauchen, sondern gleich uns, den immer Frischluftbedürftigen, dort tummeln, wo es Parks, Wiesen, Felder und möglichst viele schattenspendende Bäume, am besten Wald gibt. Das allein dürfte wohl nicht das i-Tüpfelchen sein, um während und/oder nach beendetem Lauf munter darüber zu sprechen, was die Natur uns alles bietet. Bestimmt nicht, denn über das mannigfaltige Repertoire beim Unterwegs-Gesprächsstoff hatte ich an verschiedener Stelle bereits mehrfach berichtet. Heute jedoch hat mich etwas ganz anderes, wenn auch jedes Jahr zur gleichen Jahreszeit sich wiederholend, erfreut, und zwar wie so oft, in ermunternder Laufgemeinschaft.

Meist ist es der Dienstag, genauer, Dienstag am frühen Vormittag, keine Zeit für Berufstätige, aber für Freelancer, die „Um-alles-Kümmerer,“ selbst für die Freizeit und natürlich die jetzt inzwischen Berufslosen, auch als Rentner, Privatiere, Pensionäre, Ruheständler*innen und schließlich Emeriten bezeichnet. Gibt es, jedenfalls in meinem Umfeld und Altersgruppe. Einige davon und natürlich ich selbst, sind am besagten Tag läuferisch, wenn auch nicht mehr mit vollem Elan, aber eben doch unterwegs. Und das ist immer (noch) der Casus knacksus, weil, wat mutt, dat mutt, weil es von Jugend an bislang nicht zu unterdrücken war: Der Drang nach Bewegung.

So auch heute, zu fünft. Ab in den Wald in nicht vorgegebener Runde, sondern freiweg der Nase nach, wobei es meist nur die Orientierung nach der Himmelsrichtung gibt und eben keine gleichbleibende Strecke. Denn das ist meist der Clou, weil es oft genug Wegpassagen gibt, die gar nicht vorgesehen waren und sich deshalb so manche Überraschungen ergeben. Stichwort: Blumenschau. Im Wald? Abwarten. Auf ging`s. Vom Mommsen-Stadion (übrigens ein Hingucker, wenn man die Aufstiegstreppen zum Sport-Stadion erklommen hat (kein Wunder, die Österreich-Kicker bei der EM trainieren hier) wählten wir eine von fünf Möglichkeiten, das Stadion hinter sich zu lassen. Ganz vertraut: Wir wandelten artig durch das Gelände des Studentenwohnheims und nahmen zielstrebig den absolut reinen Fußgänger- und Radfahrweg Frauenburger Pfad beim ersten Kilometer „in Angriff“. Ja, auch Kampfwanderer können aggressiv sein.

An und für sich sind wir allerdings absolut friedliche und unbedingt fröhliche Leute. Und die bei der anstehenden Zufallsstrecke entstehende Spannung (nach dem Motto „Wo wird er uns heute wohl hinführen?“) verhieß alsbald wahre Freude.

Hier, seht einmal selbst:
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Da standen sie in Reih und Glied, die Fingerhüte, wie wir sie mit Namen kennen. Nicht nur verschieden farbenprächtig und glockentrichterartig anzusehen, aber Achtung, extrem giftig, dennoch nützlich. Schon seit dem Mittelalter ist bekannt, dass (lateinisch) Digitalis als Heilmittel nutzbar ist. Wie so oft: die Dosis macht es, wenn zu gering, wirkungslos, zu hoch tödlich, weil`s Herzl stehen bleibt. Wer will das schon?

Für Gärtner wichtig, Handschuhe anziehen, für Läufer*innen, Foto als Ersatz für die Blumenvase machen.
Wir blieben am Leben, setzen unsere Tour über den “Schweinepfad“ fort und landeten wohlbehalten nach Punktum 11 km Walken (9:06/km) am Ausgangsort.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 15.06.2024, 00:01

Immer wieder: Das Runde muss ins Eckige

Nun ist es endlich soweit, werden diejenigen sagen, die im Augenblick, wo ich das notiere, gebannt vor der Röhre sitzen, um am Eröffnungsspiel Deutschland gegen Schottland anlässlich der Europameisterschaft im Fußball teilzuhaben. Ich bin zwar kein Kenner der Szene, aber reinschauen tue ich wohl doch.

Schreibpause.

Und was sahen ich und geschätzt weitere Millionen Landsleute? Ein Spiel, das rasant, spieltechnisch hervorragend und zudem torreich ablief. Dominiert von „unseren“ Schwarz-Rot-Goldenen Kickern, wirkten die ansonsten durchaus ernstzunehmenden Schotten eher zweitklassig, weil bei den Deutschen, bis auf Kleinigkeiten, einfach alles wie am Schnürchen klappte. Das 5:1 Endresultat (die Eins steht für das Eigentor) lässt ahnen, dass wir in den nächsten vier Wochen tatsächlich Spannendes zu sehen bekommen. Die Fußballherzen sind entzückt und nun darf es (hoffentlich) weitergehen mit dem Torreigen. Ob das gegen Ungarn und Angstgegner Schweiz in der Vorrunde auch der Fall sein wird, wissen nicht einmal die ganz Fußballschlauen.

Wenn die großen Knaller England, Italien, Spanien, Frankreich erstmal gesichtet werden, sieht vieles anders aus. Freuen wir uns auf faire Matches und sagen wir so: Gewinner ist immer die Mannschaft, die oft meisten Tore geschossen hat oder in der Punktwertung ganz oben steht. Der kurz bevorstehende Sommer ist gefüllt mit sportlichen Attraktionen. Gerade ist die EM in der Leichtathletik in Rom zu Ende gegangen, nun rollt der Fußball bis Mitte Juli, dann Tour de France vom 29.06. bis 21.07. und schließlich das Nonplusultra des Sports: die Olympiade in Paris vom 26. Juli bis zum 11. August 2024
.
Was macht der Sport bei uns, wenn wir nur vor der Glotze hängen? So eine überflüssige Frage! Wir hängen ja nicht, sondern wir laufen. Und Fernsehen gucken als fach- und sachverständig versierte, sportlich orientierte und geübte Zuschauer dürfen wir ja wohl noch. Und bezahlen dafür tun wir jeden Monat.

Viel Spaß und das Laufen nicht vergessen.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 18.06.2024, 23:10

Fußballer sind auch Läufer, oder?

Da hat es uns doch erwischt, das gemeinhin als Fußballfieber bezeichnete Aufgeregtsein und das Gehippel auf dem Sessel oder Sofa vor der Fernsehglotze, wenn zweiundzwanzig erwachsene Männer mit Stiefeln, die heute eher als stollenbesetzte Laufschuhe zu bezeichnen sind, auf einem Platz im Stadion um die Wette rennen, nur um dieses kleines Ding, Ball genannt, in einen großen, bewachten Kasten zu bringen. Natürlich nicht mit irgendwelchen Körperteilen, sondern überwiegend mit Fuß, Kopf, Brust, Knie, auf keinen Fall mit der Hand. Fußballspiel. Spielen sollen sie also, diese Zweiundzwanzig. In 90 Minuten ist davon meist nur wenig zu sehen. Viel eher gleicht dieses Mannschaftsspiel mehr einem Kampf, in dem es nicht mit Wattebäuschchen zugeht. Da wird gefightet bis zum Abwinken, mit Haken und Ösen gedribbelt, blitzschnell gesprintet, dem Gegner in die Beine gegrätscht und noch andere zahlreiche unflätige Zusammenpralle verübt, nur damit dieses Leder-/Luft-Geschoss in dem dafür ausersehenen Kasten landet und die unendlich vielen fachlich versierten Zuschauer diesen so begehrten Schrei ausstoßen können: Tooooooooooooooooooor!

Da bleibt einem fast die Luft weg. Aber, zugegeben, was wir beim Duell Deutschland gegen Schottland erlebt haben, das war schon erste Sahne. Nicht die sonst in Minutenschnelle erfolgenden Ruppigkeiten, sondern gekonntes Passspiel, Ballstafetten, ein Spiel wie lange nicht mehr gesehen. Morgen geht es in das zweite Match, sozusagen um die Vorentscheidung, ob das Achtelfinale bereits erreicht ist, wenn unser Team den Platz siegreich verlässt. Ungarn ist der Gegner.

Das Jungfeld unter uns (bis 70) wird sich wohl kaum an das Weltmeisterschaftsendspiel 1954 in Bern/Schweiz erinnern. Ich war damals 14 Jahre alt, hatte wie andere auch, freien Eintritt in das Schützenhaus, eine große Lokalität in Berlin-Reinickendorf, in dem u.a. auch Amateur-Boxkämpfe stattfanden. Im dortigen großen Saal stand auf der Bühne ein Hocker, auf dem - sensationell zu damaliger Zeit - ein Fernseher mit winzigem Bildschirm stand. Heute unvorstellbar: ca. 200 Leute drängten sich, um nur ja einen kleinen Blick vom Spiel Deutschland – Ungarn mitzubekommen.

Deutschland war klarer Außenseiter, hatte doch die Mannschaft um Fritz und Otmar Walter, Helmut Rahn und Torhüter Toni Turek, um nur einige zu nennen, gegen die Ungarn im Vorrundenspiel eine derartige Klatsche mit 8 : 3 bekommen. Niemand konnte damit rechnen, dass nur der Hauch einer Chance gegen den übermächtigen Gegner besteht. Und in der Tat: Als Ungarn im Endspiel bereits 2 Tore vorgelegt hatte, wurde es im Saal ganz mucksmäuschenstill. Von der Übertragung habe ich so gut wie nichts mitbekommen, denn der Fernseher war 10 m entfernt und zahlreiche Köpfe verdeckten die Sicht. Als das Anschlusstor fiel, brüllte alles, auch ich, obwohl ich nichts gesehen hatte. Es kam schlimmer. Beim Ausgleich zum 2 : 2 tobte der Saal. Als schlussendlich das 3 : 2 durch Helmut Rahn fiel, dachte ich, das Haus stürzt ein, so verkroch ich mich unter einem Schanktisch. Deutschland war Weltmeister und „wir“ waren wieder wer.

Nun wieder D – Ungarn, unter anderen Vorzeichen. Nun ist Deutschland Favorit und ich werde mich nicht mehr unter einem Tisch verstecken müssen, immerhin sind 70 Jahre vergangen und Reinickendorf war vorvorgestern oder ist noch länger her.

Die heutigen Kicker haben eigentlich alles, was die Technik zu bieten hat. Das ganze Equipment, so sagt der fortschrittlich orientierte Sportler (ha, von wegen Ausrüstung), wandelt sich wie unser ganzes Leben immer neuen Techniken zu. Um den von mir gesuchten Bezug zur Titelzeile herzustellen, brauchen wir als Läufer*innen gar nicht soweit gucken. Unsere Lauf-Treter haben sich im Laufe der Jahre ebenso verändert, wie bei den Fußbekleidungen anderer Sportler. Beim genauen Hinsehen entdeckte ich wie Fußball-Schuhe heute aussehen. Keine Schnürsenkel, kein Klettverschluss, kurzum Bandagen-Einschlupf, ganz leichte, kappenverstärkte Modelle und Stollen, die kaum noch verletzungsgefährlich sind. Wenigstens das. Was die Spielweise der Mannschaften angeht, ist das keine Konkurrenz zu unserem Metier des Laufens. Was bei uns körperlos ist, gleicht beim Fußballmehr mehr einer Schlacht Mann gegen Mann. Unser Franzl, der Elegante, dreht sich im Grabe um.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 21.06.2024, 19:21

Entertainment

Gibt es dafür kein deutsches Wort? Natürlich, es lautet Unterhaltung. Aber, so weit sind wir heute bereits, bewusst wird vom Umgangston und vor allem von der Werbung auf Teufel komm raus anglisiert oder stärker, wir kopieren immer mehr aus dem Englischen und durchsetzen dadurch unsere Sprache, die ohnehin über gut 75.000 Wörter verfügt. Rechnet man den gesamten Wortschatz mit ein, so ergeben sich magische Größen von geschätzt 350 – 500.00 Wörtern. Und? Kenne ich die etwa alle? Mitnichten lautet die Antwort. Selbst unser Duden, weithin unsere Wortbibel, enthält „nur“ 148tausend Stichwörter, die in der Grundform genannt sind. Wenn jetzt die Fülle der englischen Wörter hinzu kommt und sich dadurch eine Mischform auftut, dann - ich sag`s mal so - graust es mir. „Weltmännisch“ sprechen schon heute viele ein vielsagendes, nicht immer verständliches DEnglish, insbesondere in der IT-Welt und in etlichen Geschäftsbereichen, das sich dem Anschein nach unmerklich weiter etabliert.

Wenn das so weiter galoppiert, dann gibt es weitere Verschiebungen im Bildungsgemenge, ganz abgesehen davon, dass in unserem Land allgemein bereits heftiger Bedarf zum Erlernen in der deutschen Grundsprache besteht. Und ich rede nicht nur von Anderssprachigen. Wer also sprachliche Bildung immer noch klein redet, darf sich nicht wundern, wenn die Lücke im weiten Berufsfeld immer größer wird. Die Menschen sind da, die wir dringend benötigen. Um sie vor allem sprachlich einzubinden, bedarf es keiner wiederholten Solidarerklärungen, vielmehr ist es eine Grundverpflichtung und Hilfe für uns alle.

Was ist der Anstoß für diese Kolumne? Na, was wohl? Da treffen sich 24 sprachlich unterschiedliche, aber berufsmäßig auf gleichen Stand stehende Mannschaften in unserem Land (von Österreichern, einigen Schweizern und natürlich von anderen Spielern, die deutsch sprechen mal abgesehen) um auf 105 x 68 Meter großen Feldern gegeneinander zu kicken. Kurz EM. Noch sieht alles gut aus. Die Vorrunde ist noch am Laufen. Bei den Spielen geht es mitunter hart zur Sache und oft über verbale Auseinandersetzungen hinaus (Gelbe und rote Karten). Nur, wie verständigen sich die Kontrahenten? Irgendwie muss das wohl einschließlich des Schiedsrichters (Referee!) zustande kommen. Gibt es da eine fußballerische Geheimsprache oder besser meine Vermutung, dass Englisch immer mehr zum allgemeinen Sprachgebrauch gehört?

Zweifel bleiben allenfalls, wenn alle vieles kennen und können, sich aber dennoch nicht richtig verstehen oder sich sogar missverstehen. Was lernen wir daraus? Selbst wenn ein Leben lange andauert, kann sich niemand nur mit dem einmal Erlernten zufriedengeben. Die Bereitschaft, Neues aufzunehmen und den Fortschritt nicht als bloße Erschwernis zu bewerten, ist zukunftsweisend für die noch anwesende, vor allem aber für die junge Generation.

Im Übrigen: Ich bin und will auch kein Moralapostel sein. Jede(r) nach eigenem Gusto. Doch ein schöner Leitgedanke zum Abschluss: Miteinander reden ist besser als gegeneinander zu schweigen.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 30.06.2024, 20:44

Sommermüdigkeit?

Längst wissen wir, was mit der Welt passiert, wenn wir Bewohner dieses Planeten nicht endlich zur Besinnung kommen und nicht allen klimaschädlichen Aktionen den Garaus machen. Die Protestgruppe der „Letzten Generation“ hat ganz klar Kante gezeigt, allerdings mit solcher Radikalität, dass der vermeintliche Aufrüttlungseffekt genau das Gegenteil bewirkte, nämlich keine Bekehrung zum notwendigen Klima-Glauben, vielmehr Verstimmung, ja tatsächliche Verärgerung und - jetzt kommt`s – mit der Hinwendung in Richtung Sachbeschädigung und Behinderung des öffentlichen Lebens. Der eigentliche Protestzweck ging mit der gewählten Methode des Sich- Anklebens auf Fahrbahnen, den Farbschmierereien und der damit einhergehenden Sachbeschädigung an Kultur- und Kunstgütern gänzlich verloren. Der winzige Anteil von Zustimmung für die Handlungen der „Letzten Generation“ ging gewissermaßen wirkungslos flöten, obwohl der ursprüngliche Tenor dieser Gruppe durchaus Berechtigung hatte.

Nun habe ich allerdings hier keinen alternativen Plan zur Hand, der mit großer Weisheit in goldenen Lettern geschrieben weiterhelfen könnte. Was nach alter Sitte oder besser aus eigener Erfahrung tatsächlich etwas bringen dürfte, ist die Besinnung zur Mäßigung. Seien wir mal ehrlich, das fällt schwer, weil doch die Verlockungen, zumal durch geballte Werbung, omnipräsent sind. Ergeben wir uns dem unausweichlichen Schicksal ganz ohne Gegenwehr, wenn die Klima-Attacken immer häufiger und oft in dramatischer Weise über uns hereinbrechen? Kann doch nicht sein. Wir hatten eben noch die katastrophale Regen- und Überschwemmungsflut im Süden und Südwesten des Landes und die Ahrtal-Sintflut 2023 dürfte sicherlich allen bekannt sein.

Und es wirkte wie ein Fingerzeig erst gestern Abend beim so wichtigen Fußball- EM-Achtelfinalspiel D -DK, als kurz vor der Halbzeitpause ein Hagelunwetter kaum gekannten Ausmaßes auf das prall gefüllte Westfalenstadion (jetzt überflüssigerweise Signal Iduna Park) niederging. Den 81.365 Zuschauern in der größten deutschen Fußballarena musste wohl Angst und Bange geworden sein, als Tauben-Ei große Eiskugeln niedergingen. Den 22 Akteuren samt Schieds- und Linienrichtern gelang rechtzeitig die Flucht vom Spielfeld. Spielunterbrechung. Derweil boten die dienstbeflissenen Fernseh-Akteure eine regelrechte Unwetter-Show. Wie gut, dass es wenigstens nicht von unendlicher Dauer war. Nach 25 Minuten Spielunterbrechung ging es für die noch anstehenden sieben Minuten der ersten Halbzeit weiter. Und als wenn die Einlage des Wetterspektakels nicht schon genug gewesen wäre, entwickelte sich das Spiel zu einem wahren Krimi mit förmlich dramatischen Zügen. Wer`s gesehen hat, hat auch 24 Stunden später noch leichtes Muffensausen. Aber Ende gut, alles gut.

Fußball und Klimaschutz passen eigentlich nicht zusammen in eine Tüte. Ein Gutes indes hatte der Hagelniedergang wohl schon. Es gab kein pyrotechnisches Abfackeln dieser ekelhaft bengalischen Stäbe, die häufig von auf- oder übermüpfigen Fans eingeschleust werden. Immerhin gab es welche, die sich, dem Eisregen zum Trotz, in Form einer Eskapade unter einen wahrscheinlich schadhaften Dachabfluss stellten und sich grölend und winkend ihr Gemüt kühlten. Schön blöd, sei es ihnen gegönnt.

In diesem Sinne nun von Sommermüdigkeit zu sprechen, dürfte eindeutig fehl am Platze sein. Immerhin wurde das Wort, unter dem man eine Dysbalance der Hormone versteht, mit einem Fragezeichen versehen, um damit Betroffenen sozusagen den Türöffner zu geben, dass alles vergänglich ist und etliches von ganz allein wieder ins Lot kommt. Wenn wir schließlich das Endergebnis dieses in der Tat denkwürdigen Fußballabends in Erinnerung behalten, bleibt das gewohnt ausgeglichene Lebensgefühl auf jeden Fall mit Freude erhalten.
Was weiter? Na, aber hallo, falls doch Mündigkeit vorhanden sein sollte, dann sich der bisher mehrfach in letzter Sekunde geschossenen Ausgleich- oder Siegtore bei der fantastischen EM erinnern, dann wird einigen wieder warm ums Herz.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 02.07.2024, 23:11

Fußballfieber

Auf das komme ich noch zu sprechen. Erst einmal muss ich den immer noch leicht erhöht vorhandenen, inzwischen aber bei fast Normalmaß angelangten Blutdruckpegel und den Adrenalinspiegel weiter senken. Geholfen hatte, wie so oft, heute Vormittag das an diesem Tage anstehende, ja, unverzichtbare Laufen, obwohl das bei mir seit einiger Zeit in der moderatesten Form mit Walken stattfindet. Und siehe da, es hilft mit weiterer Aussicht, um zur gewohnt leicht schnelleren Gangart „Traben“ zurückzufinden. Vielleicht, denn wie sagte mein Kardiologe nach der OP? „Sie können jetzt fast alles wieder machen“, aber er vollendete den Satz nicht verbal, sondern machte das mit Daumen und Zeigefinger deutlich. Durch die beiden zugeneigten Finger entstand ein Zwischenraum von etwa 10 mm, als wollte er sagen: „mein lieber Freund, so viel, so wenig, alles langsamer, nehmen Sie sich die Zeit.“

Mache ich seit einiger Zeit, dennoch gibt es Momente, die unverhofft dazu führen, dass das Gemüt in Aufregung versetzt wird. Diesen Nachteil haben alle Typen, die nicht als „voll cool“ bezeichnet werden, sondern emotional geeicht sind. So einer wie ich. Und nun das: Portugal – Slowenien. Was geht mich das an, könnte ich fragen. Gelassen und entspannt zugucken, lass doch die zweiundzwanzig auf dem Feld da machen was sie wollen. Haben sie. Nur, dass sich ein Spiel in eine Schicksalsschlacht wandeln kann, daran denkt kein Mensch. Unparteiisch denkt zunächst jeder. Aber unwillkürlich werden Gefühle angesprochen, die nicht unterdrückt werden können. Foulspiel - buh, Traumpass – super, Zusammenprall – oh, nein, die Torwartparade – einfach genial. Schiedsrichterentscheidungen durch VAR (Video-Assistant Referee) – umstritten, aber unbestechlich.

Wie das unglaublich dramatische Spiel P – SLO ausgegangen ist, wissen inzwischen selbst Uninteressierte. Aber das Geschehen davor gibt Anlass für Literarisches. Aberkennung von Toren und halbstündige Verlängerung. Brachte auch nichts. Dann Dramahöhepunkt Elfmeterschießen. Erster, zweiter und dritter Schuss von Slowenischen Spielern, allesamt hält der portugiesische Torhüter und andererseits landen alle Schüsse der Portugiesen im Kasten. 3:0, Portugal steht im Viertelfinale nun gegen die vermeintlich stärkeren Franzosen. Einfach irre.

Der hochklassige Fußball hat sich rasant entwickelt, ist sportlich in einen Leistungsbereich gerückt, der kaum vorstellbar noch weiter steigen kann. Was diesen Bereich allerdings immer mehr anhaftet, ist das kaum noch überblickbare Finanzgebaren aller am Fußballgeschäft beteiligten Personen. Hier geht es um Geld in ungeahnten Höhen und jeder nur einigermaßen nachdenkliche Mensch wird mir zustimmen, dass hier jede Verhältnismäßigkeit bereits längst überschritten ist. Da stehen Spieler auf dem Platz, Trainer am Rande und eine Entourage im Hintergrund, die mit satten Zuwendungen rechnen können, wenn sie nur halbwegs erfolgreich sind und die Massen begeistern.

Nun läuft gerade das Duell Österreich gegen die Türkei im letzten Spiel zum Einzug in das Viertelfinale. Auch hier, der Gewinner kommt weiter, der Verlierer darf die Heimreise antreten. Von acht Teams gehen vier ins Halbfinale und zwei davon ins Berliner Finale dieser Europameisterschaft. In dieser Minute, das Spiel ist aus und Österreich raus, 2 : 1 für die Türkei, eine Überraschung. Uff, genug für heute. Am Freitag geht es weiter.

Vorsichtshalber habe ich das Fieberthermometer angelegt. Und, was sagt uns das? Nix, alles im normalen Pegel. Keinerlei Symptome, nach dem Motto „Möge der Beste oder Glücklichere gewinnen.“ Bin wohl doch kein richtiger Fußball-Fan.

Horst
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