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Hotti

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Beitragvon Hübi » 08.08.2023, 12:20

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 10.08.2023, 22:18

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Nur damit ihr es wisst, ich bin jetzt konvertiert. Vom Läufer zum Ringer. Habe am Nadaam-Festival teilgenommen und Patz 1024 belegt (Letzter als Zuschauer). Haha, wer es glaubt.

Inzwischen trösten mich eure ganz lieben Aufmunterungen. Darüber bin ich ganz glücklich. Es ist schon so, wie viele Leute sagen: Alles hat seine Zeit. Geduld, oh ja, das ist schwierig, die zu haben. Mein Leben war bisher, selbst gewollt, immer sehr dynamisch, Das hat nun eine plötzliche Wende erhalten und ich muss damit klarkommen. Momentan darf ich fast nichts machen, dafür schreibe ich meinen Mongolia-Report, der bestimmt im dreistelligen Seitenbereich liegen wird. Es war eine Abenteuer-Reise, wie sie nicht besser hätte sein können. Und welches Glück hatte ich, dass ich das bis zur Haustür ausgestanden habe.
Die kleineren Brötchen, die jetzt gebacken werden, müssen allerdings noch eine Weile warten, dann beginne ich mit einmal um die Krumme Lanke (von Haus zu Haus 3 km) im Wanderschritt, und zwar jeden Tag, außer, wenn Leipzig dran ist. Garten ist auch Arbeit. So geht es auch. Und da keine(r) helfen kann, muss ich, wie andere auch, alles so nehmen, wie es machbar ist. Und: ich verzage nicht, versprochen!

Oooch, und die vielen Herzchen! Bin gerührt!

Euer Hotti
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 30.08.2023, 11:45

Die Geh-Läufer*innen

Zeiten ändern sich, das weiß eigentlich jede/rmann und -frau. Wir, die ja Wert auf körperliche Fitness legen, wollen das manchmal nicht so richtig zur Kenntnis nehmen. Unsere Lauftreff-Aktivitäten sind ohne Zweifel ein wichtiger, ja, unerlässlicher Anlass, etwas für den Körper und - ja, bitte ! – für den Geist zu tun, denn Bewegung regt nicht nur die Organe des Verdauungsapparats an, sondern in viel stärkerem Maße das, was sich in unserem kleinen, aber oft doch sehr regen Köpfchen abspielt. Die gesunde Sucht ist es, von der ich spreche. Wer ihr verfallen ist, ist meist ein hoffnungsloser Fall im positiven Sinne. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe Erfahrungen, die andere, bedeutend jüngere, eben (noch) nicht haben. Ist auch nicht schlimm, kommt noch. Erfahrungen kann niemand lernen, die macht man.

Da ich nun so beladen mit diesen Erfahrungen bin, könnte ich mich vor lauter Übermut auf all den im Leben gemachten Erkenntnissen ausruhen und lässig dem ehrenvollen Abschied entgegensehen, wenn nicht doch gewisse Zweifel vorhanden wären, die einem sagen: „So nun wieder auch nicht! Du hast dein Leben lang erfolgreich gegen die Widerlichkeiten von ernsthaften Erkrankungen (oft mit viel Glück!) angekämpft. Jetzt reiß dich zusammen und schmeiß nicht alles hin, nur weil es dich jetzt im betagten Alter doch noch getroffen hat.“ Dabei ist ein HI heutzutage nichts weiter, als das, was früher der Pförtner eines Krankenhauses gemacht hat, nämlich eine Blinddarm-OP, nur mit dem Unterschied des Nichtentfernens des körperwichtigsten Teils, indem sogenannte Stents gesetzt werden. Mein Operateur schien förmlich begeistert zu sein, als er auf dem Bildschirm die Stellen erkannte, die „rohrfrei“ gemacht werden mussten, aufgrund derer es mir ziemlich mies ging. Nun ist das fast vier Wochen vorbei und Dankbarkeit für die gute Arbeit des Implanteurs ist das Mindeste, was ich für diese Lebensrettung äußern kann. Um beim Pförtner zu bleiben: Der hätte mich früher mit den Worten nach Hause geschickt “Nun sterben Sie mal schön….“

Bin also noch da, auch was unsere Spezie betrifft. Und an allen Lauftreff-Tagen kam mir bisher entgegen: „Ah, du wieder da, wir freuen uns.“ Das ist doch etwas, jedenfalls besser als die Pförtner-Wünsche.“ Und nun gleich wieder in die Laufschuhe, so, als wenn nichts gewesen wäre? Nein, nein, so geht das nicht. Doch halt, das mit dem Gehen, das geht wirklich. Der Versuch: 3 km ums Karree = einmal Krumme Lanke, Spaziergänger-Tempo. Zwei Tage später: 5 km, Wiederholungstempo. Vier Tage später 8 km, das Tempo gefällt mir. Ich bleibe dabei und stelle fest, Gehen funktioniert, Laufen noch nicht.

Jetzt ist es eine Woche her, seit ich den ersten Geh-Lauftreff absolviert habe. 9 km zuerst, dann 9,3 km und gestern 11,1 km. Und? Ich war nicht allein. Vor mir war eine schnelle Truppe. Alles Geh-Läufer*innen. Die machten nämlich Folgendes: Als Erstes Warmgehen, dann behutsames Laufen, wieder Gehen usw. Ich glaube, 8:30 / 9er Schnitt. Einmal Forsthaus und zurück übers Dahlemer Feld, naja, eben die 11,4 km. Und jetzt kommt mein Aha-Erlebnis: Im Geh-Betrieb war ich dabei, gings ins Laufen, sah ich die Gruppe von hinten, blieb aber in Sichtkontakt. Das ist Motivation.

Ich behalte das vorläufig bei, bis ich meine, jetzt kannst du wieder. Höre auf deinen Körper und gehe regelmäßig zum Überprüfen, sage ich mir. Jetzt nehme ich noch Kontakt zu einer Herztrainingsgruppe am ehemaligen Oskar-Helene-Heim auf. Erstmal schnuppern. Vielleicht läuft da noch was?!

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 30.08.2023, 11:46

Die Geh-Läufer*innen

Zeiten ändern sich, das weiß eigentlich jede/rmann und -frau. Wir, die ja Wert auf körperliche Fitness legen, wollen das manchmal nicht so richtig zur Kenntnis nehmen. Unsere Lauftreff-Aktivitäten sind ohne Zweifel ein wichtiger, ja, unerlässlicher Anlass, etwas für den Körper und - ja, bitte ! – für den Geist zu tun, denn Bewegung regt nicht nur die Organe des Verdauungsapparats an, sondern in viel stärkerem Maße das, was sich in unserem kleinen, aber oft doch sehr regen Köpfchen abspielt. Die gesunde Sucht ist es, von der ich spreche. Wer ihr verfallen ist, ist meist ein hoffnungsloser Fall im positiven Sinne. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe Erfahrungen, die andere, bedeutend jüngere, eben (noch) nicht haben. Ist auch nicht schlimm, kommt noch. Erfahrungen kann niemand lernen, die macht man.

Da ich nun so beladen mit diesen Erfahrungen bin, könnte ich mich vor lauter Übermut auf all den im Leben gemachten Erkenntnissen ausruhen und lässig dem ehrenvollen Abschied entgegensehen, wenn nicht doch gewisse Zweifel vorhanden wären, die einem sagen: „So nun wieder auch nicht! Du hast dein Leben lang erfolgreich gegen die Widerlichkeiten von ernsthaften Erkrankungen (oft mit viel Glück!) angekämpft. Jetzt reiß dich zusammen und schmeiß nicht alles hin, nur weil es dich jetzt im betagten Alter doch noch getroffen hat.“ Dabei ist ein HI heutzutage nichts weiter, als das, was früher der Pförtner eines Krankenhauses gemacht hat, nämlich eine Blinddarm-OP, nur mit dem Unterschied des Nichtentfernens des körperwichtigsten Teils, indem sogenannte Stents gesetzt werden. Mein Operateur schien förmlich begeistert zu sein, als er auf dem Bildschirm die Stellen erkannte, die „rohrfrei“ gemacht werden mussten, aufgrund derer es mir ziemlich mies ging. Nun ist das fast vier Wochen vorbei und Dankbarkeit für die gute Arbeit des Implanteurs ist das Mindeste, was ich für diese Lebensrettung äußern kann. Um beim Pförtner zu bleiben: Der hätte mich früher mit den Worten nach Hause geschickt “Nun sterben Sie mal schön….“

Bin also noch da, auch was unsere Spezie betrifft. Und an allen Lauftreff-Tagen kam mir bisher entgegen: „Ah, du wieder da, wir freuen uns.“ Das ist doch etwas, jedenfalls besser als die Pförtner-Wünsche.“ Und nun gleich wieder in die Laufschuhe, so, als wenn nichts gewesen wäre? Nein, nein, so geht das nicht. Doch halt, das mit dem Gehen, das geht wirklich. Der Versuch: 3 km ums Karree = einmal Krumme Lanke, Spaziergänger-Tempo. Zwei Tage später: 5 km, Wiederholungstempo. Vier Tage später 8 km, das Tempo gefällt mir. Ich bleibe dabei und stelle fest, Gehen funktioniert, Laufen noch nicht.

Jetzt ist es eine Woche her, seit ich den ersten Geh-Lauftreff absolviert habe. 9 km zuerst, dann 9,3 km und gestern 11,1 km. Und? Ich war nicht allein. Vor mir war eine schnelle Truppe. Alles Geh-Läufer*innen. Die machten nämlich Folgendes: Als Erstes Warmgehen, dann behutsames Laufen, wieder Gehen usw. Ich glaube, 8:30 / 9er Schnitt. Einmal Forsthaus und zurück übers Dahlemer Feld, naja, eben die 11,4 km. Und jetzt kommt mein Aha-Erlebnis: Im Geh-Betrieb war ich dabei, gings ins Laufen, sah ich die Gruppe von hinten, blieb aber in Sichtkontakt. Das ist Motivation.

Ich behalte das vorläufig bei, bis ich meine, jetzt kannst du wieder. Höre auf deinen Körper und gehe regelmäßig zum Überprüfen, sage ich mir. Jetzt nehme ich noch Kontakt zu einer Herztrainingsgruppe am ehemaligen Oskar-Helene-Heim auf. Erstmal schnuppern. Vielleicht läuft da noch was?!

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 18.09.2023, 16:11

Alles geht vorbei

Ab übergestern werden die Sekunden gezählt. Der Schnupperlauf zum Marathon ist vorbei. Der Horst-Milde-Lauf als „Generalprobe“ getarnt ist ja schon legendäre Geschichte. Doch dieser Event offenbart von Jahr zu Jahr das Bekenntnis zum und für den Berlin-Marathon, der am kommenden Sonntag, 24. September 2023, zum 49. Mal Berlin lahmlegt. Und dabei ist es sowohl bei der Generalprobe wie auch im Original mehr als eine reine Sportangelegenheit. Findet bei der Ersteren nach dem beschwingten Jedermann-/Jedefrau-Lauf so etwas wie ein Bekannten- und Freundeskreistreffen mit meist vorzüglichster Frühstückskulisse statt, das ganz klar die Herzensangelegenheit der Begegnung miteinander unterstreicht, so ist auch die neunundvierzigste Wiederholung eines 42-km-quer-durch-Berlin-Laufes, der sich Berlin-Marathon nennt und Gäste aus aller Welt begrüßt, ein Treffen, ja, eine Begegnung, allerdings in kaum noch überblickbarer Größenordnung.

Wer an Letzterem dabei ist, wird schon beim Einlass in den abgesperrten Tiergartenbereich feststellen, dass jede(r) Einzelne eigentlich nur ein Winzling in riesengroßer Masse ist. Selbst die in der ersten Reihe stehenden Stars sind zumindest noch vor dem Startstrich nur 1/45tausendstel, was zunächst für alle zutrifft und sich nach dem Startschuss schnell ändert. Aber sei es nur ein einziger Augenblick: Sekunden vor dem Start, egal was du denkst, du tust es. Da ist keine Leere und sei es nur der Wink zum Nachbarn „Komm gut an.“ Dieses unglaubliche Kribbeln verleiht ungeahnte Kräfte, ob auf Dauer, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls verheißt ein Start zumindest erst einmal Verpflichtung. Wer schmeißt schon einfach mal so 160 € Startgeld in die SCC-Eventskasse? Da muss einfach etwas her.

Für alle, die darauf hinarbeiten, im nächsten Jahr das 50jährige Jubiläum des Berlin-Marathon im aktiven Dabeisein mitzugestalten, denen sei auch in diesem „Vorbereitungsjahr“ gesagt, tut es, so etwas gibt es nur einmal, auch wenn es wie oben heißt „Alles geht vorbei“. Stimmt, doch die Erinnerung bleibt und solange man darüber spricht, ist nichts einfach vorbei, sondern nur vorüber, das immer wieder zum Thema wird. Also merken: Vorbei ist ein dummes Wort (hat übrigens Goethe schon gesagt). Profite de la vie, genieße das Leben.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 23.09.2023, 14:54

Ist es wirklich der große Tag? Berlin, 24. September 2023

Heute ist Sonnabend – nach unserem Sprachgebrauch, andere sagen ja Samstag, damit es keine Verwechslung mit dem Sonntag gibt. Der morgige Sonntag allerdings ist in der Tat unverwechselbar, denn er heißt Berlin-Marathon-Tag. Zwar nicht im öffentlichen Gebrauch, aber doch in der 49.Wiederholung des Ereignisses in jedem September seit 1974 bei Sportbegeisterten und speziell bei Marathon-Läufer*innen. Das war nicht immer so, als der Marathon in Berlin noch abseits der großen Straßen fast fernab im Windschatten der AVUS vor sich hinkrepelte. Erst als sich Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts die Marathon-Legende um Horst-Milde zu entwickeln begann, bekam der letzte Sonntag im September nicht nur in den Annalen der Publikationen seinen Platz, sondern setzte sich auch in den Köpfen der stetig steigenden Marathon-Interessierten fest. Dieser Entwicklungsprozess hat bis heute angehalten und es gilt inzwischen als undenkbar, wenn es diesen einen Tag im Jahr nicht mehr geben würde. Nein, das geht gar nicht. Geschichte kann niemand löschen, passiert ist passiert, auch wenn es oft Kräh-Hälse gibt, die am liebsten Lösch-Ergebnisse für alles Mögliche einfordern.

Von den ursprünglich 286 angemeldeten Teilnehmern erreichten 1974 244 das Ziel. Hübi war dabei und auch seine Geschichte kann ihm niemand mehr nehmen. Nun aber, bezogen auf das oben angegebene Datum, ist vieles, um nicht zu sagen, alles ist anders. Für 45.000 lautet 42,195 km nach wie vor die klassische Herausforderung. Für Normalsportler*innen immer noch Utopie, für Marathonis ein Grund, ganzjährig in der Vor- und Nachbereitung eines oder mehrerer Rennen aktiv und damit einigermaßen immunisiert gegen etliche Wehwehchen zu sein, will sagen, man steckt so manches einfach weg, was ansonsten Ausfälle für Tage ggf. Wochen geben könnte. Die gesunde Sucht Marathonläufer*in zu sein? Meinetwegen. Mir geht es jedenfalls über die Jahre so, dass der uns alle in dieser Sparte tätigen Akteur*innen der Bewegungsdrang förmlich in die Wiege gelegt worden sein muss. Es ist, wenn es mit dem Laufen einmal nicht, noch schlimmer, öfter nicht klappt, wie ein Entzug. Es fehlt etwas. Ins Lot kommt es erst dann wieder, wenn die Maschinerie wieder rund läuft.

Nun kann sich niemand rühmen, von allem Unheil dieser Welt überhaupt kein bisschen abbekommen zu haben. Ich meine, alle haben/hatten irgendwann ein Zipperlein oder mehr und wenn es richtig schlimm wird, auch ernsthaft Gefährdendes. Leider. That`s life. Man weiß ja, die beste Krankheit taugt überhaupt nichts, klar, doch ist sie da, dann ist die Einstellung dazu ganz wichtig, nicht zu verzagen, die Umstände zu berücksichtigen und sich nicht als Klagebruder oder Trauerkloß (bitte auch die weibliche Form vor sich hersagen) zu verdingen. Wie dem auch sei, selten ist so es, dass gar nichts mehr geht.

So wie ich fragen sich mancherlei jetzt einen Tag vor dem Fragezeichentag: Darf ich es wagen oder muss ich verzagen? Die Antwort: Mitnichten Verzagen! Ganz bescheiden, förmlich versteckt werde ich morgen verkleidet als unsichtbarer Mitgeher (richtiges Laufen geht nur phasenweise) starten und soweit die Füße tragen (auch da gibt es eine Malaise) einfach dabei sein. Wenn alles gut geht, schaffe ich den Halben. Wenn nicht, auch kein Beinbruch, dann eben nicht. An mehr denke ich gar nicht. Dabeisein das ist mein Sinn, diese tolle aufgeregte Stimmung, unvergleichlich.

Und ist es vorbei, ob geschafft oder verkürzt, dann wird der Tag abgehakt. In meinem Verein, dem PSB 24 (Havelläufer kennen den Veranstalter)), gibt es eine schöne Nachfeier zum Berlin-Marathon für die Vereinsangehörigen. Da wird nicht Blut geleckt, sondern schön gefuttert, weil es die Belohnung auf die Frage ist, wann Marathon am schönsten ist? Na, wann wohl? Klaro, wenn er vorbei ist!!!

Und wird es der große Tag sein? Für viele auf jeden Fall, für den Schreiberling in seinem 39. Berliner Durchgang eher wohl nicht, aber wie gesagt, das gerade noch so Dabeisein selbst ohne Aussichten des Ankommens reicht vollkommen.

Allen Teilnehmer*innen alles, alles Gute in der Vorstufe zum Goldenen Jubiläumsjahr 50 in 2024.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 25.09.2023, 17:40

Das Leben danach

Der gestrige Tag ist wieder einmal einer zum Nichtvergessen. Der 49. Berliner Marathon verlief erneut mit einem Ereignis, das für unwahrscheinlich gehalten wurde. Und zwar bei den Frauen. Tigst Assefa aus Äthiopien, so konnte ich in der Zeitung lesen, schrieb Sportgeschichte indem sie den bestehenden Weltrekord von Brigid Kosgei (Kenia) mit 2:14:04 Stunden auf sage und schreibe 2:11:53 drückte, also über zwei Minuten schneller als der bisherige Wert. Eigentlich unvorstellbar, aber wahr. Nun ist Berlin erneut alleiniger Marathon-Streckenrekord-„Inhaber“, sowohl bei den Männern (Eliot/Eliud Kipchoge 2:01:09, 2022, der jetzt zum 5. Mal in Berlin gewann 2:02:42) als auch jetzt bei den Frauen, was 1999 schon einmal der Fall war. Berlin gilt ohnehin als „schnelles Pflaster“, weil es keine wesentlichen Steigungen gibt und vom Wettereinfluss oft Optimales bietet.

Alles traf zu und mit 47.912 angemeldeten Teilnehmer*innen war quasi die Stadt Neunkirchen im Saarland mit ihrer Einwohnerzahl in voller Stärke angetreten. Aber ob diese Stadt tatsächlich 156 verschiedene Staatsangehörigkeiten in ihren Reihen haben kann, die beim Berlin-Marathon vertreten waren, ist doch sehr zu bezweifeln. Jedenfalls ebenfalls ein Rekord in der Geschichte des Laufes. Mit dem Blick auf das Wetter erhellte sich bestimmt die Miene aller, die an dem Rennen teilnahmen. Es war angenehm kühl (13-15°C) und windstill. Zur Mittagszeit steigerte sich die Temperatur bis auf 22-23°C, was durchaus für alle Läuferinnen und Läufer im Bereich des Verträglichen lag.

Eine derartige Massenveranstaltung zu bewältigen, alle Eventualitäten zu berücksichtigen und vor allem die Sicherheit einer extrem großen Zuschauermenge contra Langstreckler*innen zu gewährleisten, ist eine Riesenaufgabe. Und salopp gesagt, es verlief alles im absolut grünen Bereich. Das ist schon toll. Ob aber der grüne Tiergarten den Ansturm der besagten 47, fast 48tausend unbeschadet überstanden hat, entzieht sich meiner Kenntnis, hege jedoch meine Zweifel, denn die Start-Zugangsmöglichkeiten unmittelbar an der Straße des 17.Juni glichen einem Nadelöhr. Es kam zu beträchtlichen Staus und halsbrecherischen Zaunüberquerungen durch diejenigen, die eine Startnummer auf der Brustseite trugen. Ordner, wenn welche vor Ort, waren überfordert. Und eigenartig ist es schon, dass sich innerhalb kürzester Zeit plötzlich ein kaum noch überschaubarer Menschenbandwurm im Startbereich zusammenfand und auf das Startkommando wartete. Diesmal nicht mit der Startpistole abgegeben, sondern per Roten-Knopf-drücken durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Jetzt ging es Schlag auf Schlag. Start um 09:15 Uhr und die Elite war in Sekunden entschwunden. Die danach folgende Masse hat nicht mehr diese Spritzigkeit, kein Wunder, es ist alles viel enger und die Gefahr über andere Beine zu stolpern, ist nicht unbegründet. So dauert es rund eine geschlagene Stunde, bis auch der/die letzte Zweibeiner*in den Startstrich passierte. Das Maulen über die lange Wartezeit wird alsbald von den Zuschauervölkern vergessen gemacht.

Berlin hat ein begeisterungs-fähiges und objektives Publikum, das mit Anfeuerungsrufen und Beifall keineswegs geizt. Und erst die Geräuschkulisse, mir dröhnen noch heute die Ohren vom Wumm, Bumm, Päng, Bäng der Trommler und die Bläser sind ja auch nicht ohne. Wenn dann in Kreuzberg eine mit 130 Dezibel ausgestattete Heavy-Metal-Band mit Blues-Rock auf Dich eindrischt, dann kannst Du dem nur entgehen, wenn der bisherige Schritt noch ein bisschen schneller kommt.

Der letzte Satz ist gut gesagt, soweit es mich selbst betrifft. Da geht nichts mehr schneller, obwohl ich anfangs in wahrer Euphorie tatsächlich einer Gruppe anhing, die ein Tempo meiner früheren Jahre anschlug und ich sehr bald erkennen musste, nein mein Lieber, so geht das nicht mehr, zumal ich meinem Kardiologen versprochen hatte: „Alles in Maßen“. Und siehe da im Kampfwandern fand ich meinen Rhythmus. Als Ziel hatte ich mir zumindest den Halben gesetzt und als ich die Potsdamer Str. erreicht hatte, erreichte mich der Ruf „da geht noch was“. Es war ein Versuch, weil auch ein Fuß/Zeh-Problem noch immer nicht behoben war. Der tatsächliche Hintergrund des Durchhaltens lag allein im verdammten Ehrgeiz, diesen, meinen 39. Berliner Marathon zu finishen, denn dem folgt im nächsten Jahr ein Doppeljubiläum: Für Berlin der 50. Und für mich der 40. Noch schlimmer: Es wird auch der 75. insgesamt für mich sein. Basta, dann ist Schluss mit der langen Strecke und Marathon ist Geschichte. Laufen, wie auch immer, werde ich wohl mein Leben lang, denn nach dem Laufen ist vor dem Laufen (meinetwegen auch als Walker) – aber keine Rennen.

Ob ich dann auch zu den begeisterten Zuschauern gehören werde, kann ich mir gut vorstellen, denn der uns zugeteilte VIRUS ist meist unheilbar (siehe Hübi und etliche andere). Jedenfalls war mein Besuch am Roseneck – Bernd-Hübner-Lauftreff samt Cola-Erfrischung fast Garant, es die 13 km anstehenden Kilometer noch zu schaffen. Danke. Zwischen Laufen und Gehen (nicht Krauchen!) kam ich den letzten Km immer näher. Und die taten dann richtig weh. Nicht da, wo es hätte sein können, genau entgegengesetzt, am Fuß. Der Zeh, die Fußsohle und zum Überfluss ein blaugefärbter Zehnagel für die Dauer von 10 Monaten. Warum tut der Mann sich so etwas an? Dem muss nicht zu helfen sein. Stimmt, weil es auch meine Töchter sagen.

Fazit: Der Lauf ist gelaufen und für alle, die angekommen sind, gilt meine Gratulation. Inzwischen ist auch die ursprünglich von den Amerikanern ausgegangene Freundlichkeit, als Erstes nach einem Wettbewerb nicht mehr nach der Zeit zu fragen, sondern nur finisher? Wenn ja, „You are the greatest“. Für alle, die dabei waren! Denn in der Tat, das Leben geht weiter mit und ohne Lob, mit ist einfach schöner!
Weltrekorde obendrauf.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 26.09.2023, 13:35

Berichtigung:
Die neue Weltrekordlerin heißt mit Vornamen Tigist
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 24.10.2023, 21:16

Pilze suchen

Der Oktober ist gewiss kein Monat zum wettermäßigen Jubeln. Anfangs noch verwöhnt mit verabschiedungsmäßigen Sonnenstrahlen und verhaltenen + 14° C, kam doch recht schnell die Erkenntnis, halt, stopp, der Herbst ist schon einige Wochen alt. Das Blätterrauschen und -fallen in Gelb gibt genügend Hinweise, die Abteilung Handschuhe und festere Kleidung im Sport- und sonstigen Kleiderschrank zu betrachten, um gelegentlich alles handgreifbar zu haben. Die Herbst-/Winter-Zwischen-Saison bringt es mit sich, wieder etwas Zeit für sich und, sofern es ins Gehölz des Waldes geht, auch für den einen oder anderen Blick für den Wandel der Natur zu haben. Naja, werden manche sagen, kennen wir doch, so wie in jedem Jahr, ist ja nichts Neues. Stimmt. Aber Lethargie oder gar Apathie ist noch nie bei Läuferinnen und Läufern zutreffend gewesen. Die Spannung, sich in Bewegung zu setzen, ist immer da und wird auch nicht enden, selbst wenn es genügend Gründe gibt, kürzer zu treten.

Heute war so ein Tag, nicht warm, nicht kalt – der leichte Regen kam erst später – also ab in die Botanik mit der Aussicht auf die später nutzbare warme Dusche (der eigentliche Grund, warum die Laufbegeisterung nicht abebbt). Wer langsam läuft oder sich in der Verklärung des Walkens (notgedrungen) befindet, ist trotzdem glücklich dran. Warum? Ganz einfach, Zeit zum Gucken, Zeit zum Anhalten und für jene, die ein Handy dabeihaben, Zeit zum Knipsen. Es ist nämlich noch immer Pilz-Zeit. Zwar bin ich überhaupt kein Pilz-Esser, doch die schmackhaften und (wenn nicht) die weniger begehrenswerten Exemplare sind in flotter Gruppenansammlung allemal ein Hingucker erster Güte. Sie schlängeln sich zu gern um den Stumpf eines abgesägten Baumes, tanzen in Gruppe unter einem Haselnuss-Strauch oder stehen als einzelner Fliegenpilz kess bepunktet mitten in der Wiese. Bei dieser Beobachtung hätte selbst ein Wildwechsel, der früher im Grunewald öfter vorkam, keine Ablenkung gebracht.

Es war ja keine Suche, vielmehr das zufällige Entdecken im herbstlichen Wachstum des Waldes. Und bei der Fortsetzung des Lauf-/Geh-Kurses gab es genügend Gesprächsstoff über die Genießbarkeit der Waldgartenprodukte, wobei allerdings und bekanntermaßen alle Pilze essbar sind. Nur mit der Einschränkung für die meisten Sorten, sie nur einmal verzehren zu können, weil hernach ärztliche Hilfe notwendig ist. Wer aber bei Pfifferlingen, Maronen, Birken- und Steinpilzen sowie Parasol, Champignons und Butterpilzen stehen bleibt, läuft keine Gefahr. Es gibt ohne Zweifel endlos mehr davon, aber ich kann mit weiteren sachdienlichen Hinweisen nicht dienlich sein.

Wie auch immer, Pilzvergifter*innen haben es heute schwer, tatsächlichen Erfolg zu haben, diese Zeiten sind längst vorbei. Bleiben wir lieber bei der Lebensfreude, die uns die zarten und nur kurzlebigen Pflanzen bei der Ansicht bieten, ohne sie zu ernten.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 29.10.2023, 21:52

Reformationsbrötchen

Berlin ist wirklich arm dran. Was nutzt dann die ehemalige bürgermeisterliche Feststellung, dass die Stadt in diesem Zusammenhang angeblich sexy ist? Ich weiß nicht so recht, wer damit eigentlich etwas anfangen soll. Sind`s die Unmengen von Party-Gänger*innen, die (angeblich) dadurch scharenweise nach Berlin drängen oder sind es nur Beschwichtigungsphrasen für die Einheimischen mit dem Beigemenge anstelle von „Mir san mir“ das lockere Wort der Geilheit zum Schmeicheln benutzen? Das schwirrt irgendwie noch herum, ist aber ansonsten längst vergessen, auch weil es politisch nach „Wowi“ wieder konservativer zuging.

Dieses „Arm-sein“ wies ja auf die finanzielle Lage des Hauptstadtpflasters und nicht auf die Belange der sozial erwünschten Verträglichkeit im Vergleich zu anderen Bundesländern hin, obwohl auch dort ein markiger Spruch gutgetan hätte. Berlin ist nämlich mit nur 10 gesetzlichen Feiertagen im Jahr ziemlich arm dran. Wenigstens mit dem Frauentag am 8. März hat Berlin ein bisschen Flagge gezeigt, aber gegen Bayern, Saarland und Baden-Württemberg mit jeweils 12/13 Feiertagen sind wir Berliner genauso mies dran wie HH, HB, Meck-Pom und Hessen und weitere 4 Bundesländer mit nur 10 Feiertagen. Schließlich haben noch sechs Länder immerhin 11 freie Tage. Was fehlt uns also?

Den Reformationstag am 31. Oktober begehen BRB, Meck-Pom, Sachsen, Sa-Anhalt, Thüringen und seit 2018 auch HB, HH, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Ein Abspann über diesen durchaus berechtigten Feiertag ist ohne Mühe dank Internet/Wikipedia zu erhalten. Wer Aufklärung braucht, nur zu.

Der ganz profane Wechsel zu den leiblichen Genüssen in dieser Betrachtung kommt eigentlich rein zufällig. Ich weile in Sachsen (das Reformationsland überhaupt!!) für eine Woche. Und wer das von Berlin schnell erreichbare Bundesland im Kern besucht (Leipzig rundherum) und in diesen Tagen hier ansässig ist, kommt an einem Blick in Bäcker- und Konditoreien nicht vorbei. Da stehen sanft und saftig gefüllte Teller in den Auslagen, die unverschämt den Speichelsturz verursachen. Und fälschlicherweise werden sie auch noch Brötchen genannt, dabei - beim Anblick - nichts da von einem Weck, Rundstück oder einer Schrippe. Das Gebäck soll schlicht eine Luther-Rose symbolisieren und bewusst machen, dass auch etwas Süßes, Duftendes den Glauben bewusst machen kann. Luther hatte seine Schriften stets mit einer Rose gekennzeichnet, die fünf Blätter hatte. In die Mitte der Blüte setzte er ein rotes Herz und ein schwarzes Kreuz darüber.

Wenn Backkünstler alles richtig machen, so haben die als Reformationsbrötchen ausgewiesenen Teigwaren genau die Nachformung mit fünf Blättern, in der Mitte einen Klacks Marmelade plus Kreuz. Diese - wir würden sagen - Plunderstücke gibt es nur kurze Zeit, eben bis zum 31. Oktober. Natürlich konnte ich nicht widerstehen. Kaffee dazu – natürlich nach der Dusche und dem vorherigen Walk.

Andere Gegend, andere Sitten und Gebräuche, aber nichts muss schlechter sein, als der heimische Gleichklang.

Mit der Reformation, beginnend mit den 95 Thesen, die Martin Luther 1517 in Wittenberg an die Schlosskirche anschlug, war eine Erneuerung in Gang gekommen, die wir in anderer Hinsicht im Weltbild dringend bräuchten.

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