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Hotti

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 09.09.2022, 22:00

Versprochenes, also wird weiter berichtet

Wer die Abwechslung liebt, muss etwas dafür tun. Von selbst tut sich da meist gar nichts. So kam es zu der inzwischen schon vor längerer Zeit eingetretenen Wechselbeziehung Wannsee – Kladow. Beide Berliner Ortsteile liegen vom Havelwasser getrennt, gut 4 km voneinander entfernt. Und auf jedem Terrain gibt es für unsere Belange Ecken und Wege, die läuferisch genutzt werden können. Mit Spaß und Freude haben wir das regelmäßig durchgezogen. Dann gab es leider von mehreren zum „Stamm“ gehörenden Hübianern zahlreiche Ausfälle. Die donnerstägliche Dampferfahrt zum Überqueren des trennenden Wassers fiel quasi in Dasselbe und mithin der eigentlich stets stattfindende Lauf ebenfalls. Nun soll niemand sagen, „das macht nichts.“ O, doch. Das entstandene Loch war so groß, dass andere Reserven herangezogen werden mussten. Mal gut, mal normal, manchmal ohne Kommentar.

Aber nun, die Wende. Auferstanden (nicht aus Ruinen, das gehört nicht hier her), 2 + G sowieso und auch sonstige Abwesenheiten waren plötzlich Streichergebnisse. Sofort waren alle einverstanden, nach Kladow zu Schiffern, wenn Gert, der Pfadfinder und Scout von Kladow zur Stelle wäre. Ha, und er war es. Nach pünktlich zwanzig Minuten Passage Wannsee-Kladow für die Übergesetzten nahm er uns am Steg in Empfang mit den Worten: „Ich habe mir gleich etwas ausgedacht, nämlich, dass wir den ersten Anstieg erst einmal ganz ruhig angehen, sprich gehen“. Goldrichtig, sage ich, denn der ursprünglich vorgesehene Bade-Einlage-Lauf zum Glienicker See war gleich von Anfang an gestrichen. Kein Widerspruch wegen angekündigtem Starkregen. Laufen im Regen? Aber ja doch, wenn nicht ausgerechnet Eistemperaturen. Hatten wir nicht, 15,5 °C, sehr angenehm.

Gert führte uns durch Kladow und merkten das gar nicht. Die Pfade, die er wählte, waren baumbestanden, heckenbesetzt oder ackerreif, von Häusern kaum eine Spur. In diesem Ortsteil gibt es ohnehin keine mehrgeschossigen Bauten, sozusagen das westliche Flair von Dahlem, vielleicht nicht ganz so elegant und diplomatisch durchwachsen, aber, hier lässt es sich leben. Dass wir nach 5 km am Mauerweg stehen, haben wir ebenfalls nicht bemerkt und so setzte sich der Lauf unvermittelt fort, bis wir Brandenburg unsere Füße anboten. Kein Einspruch. Immer weiter durch den Königswald bis wir den Jungfernsee erreichten. Nicht Verlaufen, sondern zu weit gelaufen. Doch die edle Straße nach Sacrow mit der anspruchsvollen Steigung am Schwarzen Berg machte alles wett. Jetzt durch diesen noch immer ruhigen und schön gelegenen Ort mit dem Schlösschen und der Heilandskirche, die wir dieses Mal nicht besucht haben, biegen wir am Hämphorn ab und laufen den für mich titulierten „Horstweg“ (von denen es inzwischen etliche gibt) entlang der Havel. Die reinste Freude. Nach zweieinhalb km erreichen wir die Kladower Straße, die uns erst einmal mit einem Regenguss empfängt.

Noch sind es gute zwei km bis zur Uferpromende, die packen wir auch noch. Klitschenass, doch nicht am Frieren, treffen wir an der Anlegestelle unseres Steamers ein, der schon auf uns wartet. Eigentlich, ja, eigentlich, wollten wir nach 15,3 km noch ein kleines Frühstück fassen. Der Regen nahm uns die Freude, der Dampfer war ablegebereit. Eins, zwei, husch, auf Wiedersehen. Kurz und schmerzvoll für unseren Scout.

Trotzdem Danke³.

Nächstens Wannsee oder nach anderem Gusto.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 15.09.2022, 18:22

Irrungen und Wirrungen

Ganz und gar nicht im Sinne des großen Schriftstellers, Journalisten und, und…, Th. Fontane, sondern profan um tatsächlich entstandenen Wirrwar wegen des heute angedachten Laufvergnügens. Dass allerdings so etwas Alltägliches ebenso zu Komplikationen, Missverständnissen und -deutungen führen kann, will ich hier nicht länger ausführen. Dabei wird der Donnerstag von unserer kleinen Laufgruppe meist mit einem Hochgefühl der Freude angegangen, weil es (fast) nie zu irgendwelchen Wiederholungen in bereits hinreichend bekannten und vor der Haustür des Mommsen-Stadions liegenden Lauf-Arealen kommt. Wir sind dann verabredungs-gemäß meist „auswärts“. So auch an diesem Tag.

Die Vorgeschichte zur Verabredung allerdings gibt dem Titel der Kolumne durchaus eine gewisse Berechtigung, wie ebenso die noch folgende Laufbeschreibung zum Nachvollziehen unserer so überaus wichtigen Abweichungen vom sonstigen Laufgeschehen. Zuerst die Qual der Wahl. Überwiegend bin ich derjenige, der Vorschläge macht, von unserem westhavelländischen Bewohner Kladows (whlB), Gert, einmal abgesehen, der nur in seinem Kiez für Spannung sorgt. Deshalb war ich heute dran.

Vorschlag Nr. 1 war Treffpunkt S-Bhf. Priesterweg, nahe Insulaner. Und zwar für eine Strecke, die, wie auf dem Reißbrett gezogen, als einzige nur geradeaus verläuft. Ein Abdriften ist so gut wie unmöglich. Selbst in 100 m Entfernung können Zurückgebliebene immer noch zur „Spitze“ Kontakt halten. Ein interessanter, überhaupt nicht langweiliger Lauf, der nur selten, wenn überhaupt angegangen wird. Ziel variabel Potsdamer Platz, Brandenburger Tor oder Berlin Hauptbahnhof. Zurück mit der S-Bahn. Fand nicht unbedingt eine Mehrheit, wobei zu erwähnen ist, dass es Ausfälle, Absagen, Entschuldigungen und andere Dinge gab, die maßgebend für die Nicht-Teilnahme waren, was dann offensichtlich auch für den angenommenen Vorschlag Nr. 2 zutraf.

Nr. 2, wohlbekannt, Schießplatz der Polizei, des BGS, des Zolls und wer weiß, für wen sonst noch am Stahnsdorfer Damm, noch zu Wannsee gehörig. Ein guter Treffpunkt, gut erreichbar und vor allem ein relativ selten belaufenes Terrain. Die Strecke? Keine feststehende, nur dem Kopfe nach, die Himmelsrichtung einkalkulierend und der Ausgangspunkt musste wieder erreicht werden. Claro, der Kaffee und die Leckerlis warteten. Darauf hatten sich nur vier (!!) eingelassen. Eine Schmach, nicht in voller Stärke, aber eben doch.

Um wenigstens hier an dieser Stelle Neidgefühle zu wecken, trage ich die 12,7 km lange Zufalls-Route vor. Zunächst in der Hoffnung, unseren whlB auf dem Wege von der Fähre Wannsee zum hiesigen Treffpunkt noch anzutreffen, sind wir ihm entgegengelaufen. Das war vergebliche Liebesmüh. Per niente. Also machten wir, Marita, Kristina, Dieter und meine Wenigkeit, uns auf den nicht vorgegebenen Weg, der zuerst noch bekannt und später dann zu den oben erwähnten Attributen führte. Die Waldstrecke parallel zur S- und Fern-Bahnstrecke Richtung Potsdam bis zum Teltowkanal und auch der folgende Abzweig am Kremnitzufer entlang des Kanals, vorbei am „Landgut Eule“ nach Albrechts Teerofen (der Zipfel, der noch zu Berlin gehört), dürfte noch bekannt sein. Danach allerdings, über die Uraltführung der ehemaligen Autobahnbrücke, wo sich, lang ist es her, der DDR-Kontrollpunkt anschloss (heute alles totes Gelände, aber für Fußgänger und Radfahrer zugänglich), ging es weiter Richtung Dreilindenpark. Soweit war die Orientierung noch in Ordnung.

Der Abzweig nach Kleinmachnow war im Prinzip mit der Unterquerung der Autobahn durchaus richtig, aber, die Schlingel der Brandenburgischen Straßenplaner verwirrten mit neu hinzugefügten Trassen, die bisher nicht bekannt waren. Demnach himmelsrichtungsorientiert weiterlaufen. So nahmen wir Kenntnis von neu angelegten Fuß- und Radwegen (kaum benutzt, weil nicht bekannt), die durchaus annehmbar zu laufen waren. Zugegeben, die eine oder andere Verschnauf- oder Diskussionspause gönnten wir uns. Das ist ja auch der Reiz, den Schnellläufer*innen eben nicht haben. So fanden wir nach einigen Irrungen und leichten Verwirrungen die Kleinmachnower Straße „An der Stammbahn“, die in diesem Teil genau die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg bildet. Von dort nur noch bis zum Königsweg und der dazugehörigen Überquerungsbrücke der A 115 plus 1,5 km Auslauf, und das leichte Schluss-Suchspiel fand sein Ende.

Wir Vier fanden es gut, der Kaffee und (Achtung) Maritas „Les Galettes de Belle Isle“ vom Maitre Biscuetier de Bretagne in Fronkreisch waren pur excellent. So kann Lebensglück auch aussehen, man muss es nur wissen oder schmecken.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 19.09.2022, 18:17

Das Fest

Lange war uns nicht nach Feiern zumute und in Anbetracht des derzeitigen Weltgeschehens, könnte es weiterhin glatt dazu beitragen, grundsätzlich allen Freuden des Lebens zu entsagen. Ja, wer so denkt muss ein wahrer Miesepeter sein. Mitnichten, sagen wir lieber Skeptiker. Das muss erlaubt sein. Ebenso das genaue Gegenteil. Freude da, wo es angebracht ist, denn nichts ist schlimmer, als alles (Gut und Böse) in einen Topf zu werfen, um daraus einen Einheitsbrei zu machen, den gewiss niemand verträgt. Also trennen wir das, was bislang das Eine oder das Andere tatsächlich ausmacht.

Und beim Anderen kommen wir ganz schnell dazu, den Rotstift zu nehmen, das dicke Wegstreich-Kreuz zu machen und zack, weg ist das Üble. Was bleibt bei dieser Radikalmethode dabei übrig? Richtig, wenn die Antwort „das Eine“ lautet. Ist doch ganz einfach: Nehmen wir von allen Möglichkeiten immer das Beste daraus. Und so war es geschehen, gestern am Sonntag, zu früher Morgenstunde. Einmal im Jahr „die Generalprobe“. So hieß es in früheren Jahren und inzwischen längst zur Tradition gewordenen Laufveranstaltung im Eichkamp.

Wer sich erinnert oder wer die Geschichte kennt, wird wissen, dass der Berlin-Marathon hier geboren wurde. Genau genommen wurde der „1. Berliner Volksmarathon“ 1974, gewissermaßen nur Insider*innen bekannt, in der Waldschulallee und abseits des Großstadtgefüges mit 286 angemeldeten Teilnehmer*innen gestartet. Und was für ein Erfolg: 244 erreichten das Ziel am Mommsenstadion. Mit 2:44:53 siegten Günter Hallas und Jutta von Haase in 3:22:01. Die Strecke verlief entlang der Eichkampstraße in Verlängerung dann des Kronprinzessinenwegs bis zum Strandbad Wannsee und zurück, das Ganze dann zweimal. Bernd Hübner lief seinen Erstling und war fortan der Unentwegte bis zu seinem 36. Berlin-Marathon. Dieser für uns alle aus der Laufbewegung als Highlight geltende Event, ist besonders seit der deutschen Vereinigung Geschichte. Und weltweit mit nunmehr erneut 45.000 Teilnehmer*innen einer der größten Marathonveranstaltungen überhaupt. Darüber mehr, wenn der inzwischen 48. Berlin-Marathon vorbei ist.

Zurück zur Generalprobe. Der Not gehorchend, kein Start in der Waldschulallee (alles vollgeparkt wg. Messe und Fußball), dennoch idealerweise auf einem Parkplatz genau am Teufelsbergsaufstieg. Streckenlänge max. 17 km, wer wollte, länger oder kürzer. Mittig der Waldschulallee ein Minutenstopp an der Stelle, wo der 1. Lauf gestartet wurde. Hier erwartete uns der Urheber des Berlin-Marathons, Horst Milde. Mit ein paar Worten und guten Wünschen schickte er uns auf die von jedem selbst gewählte Distanz. Es war eine Geste, die bei allen das Gefühl hinterließ, er ist noch immer mit dem Herzen dabei, was ebenso für Hübi zutrifft.

Die gelaufene Strecke und die Zeit spielten keinerlei Rolle. Das „Hinterher“ allerdings war dann so etwas wie das Wiedererwachen fast eingeschlafener Gastlichkeit. Es wurden Tische aufgebaut, Kuchen in Fülle, Quiche, Pizza-Teile, vegane Nuss-Brote mit Rosinen, Leckerlis, Obst, lecker verpackt Vollkorn mit Käse, Tomatensticks, Leckerlis kistenweise, Kaffee, Tee, ach, ich weiß nicht, was sonst noch. Jedenfalls sensationell. Doch halt, das Herausragende: Es gab ein Riesentortenblech, dick belegt mit Erdbeeren, Blaubeeren in Fruchtgelee, eine Tonne Sahne dazu, wie im Schlaraffenland. Dies von Jochen und Frau, die ebenso für die anderen Spender*innen standen. Dank ihnen allen.

Es war einfach toll und trug so maßgeblich zur ausgesprochen schönen Atmosphäre bei. Dass der erste Berliner Sieger Günter Hallas (42malige Teilnahme) ebenso erschienen war wie etliche Läufer, die bis an die 40 Mal Finisher waren, sprach für Geschichtsverbundenheit. Nur einer stach besonders hervor (auch mit Bescheidenheit): Wilfried Köhnke. Er ist der Einzige, der am 25. September 2022 seinen 46. Berlin-Marathon (!) angehen wird. Das wird ihm so schnell keiner nachmachen.

Was wir allerdings nachmachen sollten: Uns an dieser hervorragend geeigneten Stelle an der Teufelsseechaussee im nächsten Jahr zum gleichen Anlass erneut treffen. Zu anderen Laufmomenten jederzeit und überall, wo es Spaß macht, sich zu bewegen.

Horst
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