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Hotti

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 14.09.2021, 22:07

Niemals Jubeln vor dem Ereignis

Wer kennt es nicht, dieses Wamsdrammeln und unbehagliche Gefühl von Vorahnung auf Kommendes. Über Lampenfieber, der simpelsten Form von Aufgeregtheit, habe ich mich bereits an anderer Stelle weitläufig ausgelassen. Nun aber wird es ernst. Nur noch 10 Tage, sprich, nicht einmal zwei Wochen bis zum Big Run, der nach dem Ausfall 2020 kein zweites Mal verschoben wird.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin, so jubeln die Fußballer sich dem Pokalendspielfieber entgegen. Wir dagegen nehmen am besagten Tage (26.09.21) höchstens die öffentl. Verkehrsmittel unentgeltlich in Anspruch (und abends dann nach „getaner Arbeit“ das Wahlergebnis zur Kenntnis), um bis zur Straße des 17. Juni mit vorheriger Kleiderablage an der John-Foster-Dulles-Allee zu kommen. Ist das passiert, wird alles viel ruhiger, obwohl rundherum die Vielzahl Gleichgesinnter, die dem 47.Berlin-Marathon entgegenstreben, fast das Grün im Tiergarten platttreten.

Wie immer ist dann das Vorgeplänkel für dieses sportliche Jahresereignis längst abgehakt. Die Rede ist von der Marathon-Messe in den Hallen des Ex-Flughafens Tempelhof, wo die Auserwählten des Berliner Laufes ihr Leibchen mit der Startnummer zieren können. Bestimmt gibt es wieder zusätzlich ein Armbändchen, das neben der Chipkennung unabdingbare Voraussetzung für den Zutritt in den Startbereich ist. Ha, fast vergessen: Maske, natürlich – bis zum Start, dann aber lockt die Freiheit, wobei die vorherig jedermann/frau auferlegten Vorgaben unbedingt einzuhalten sind.

Warum erzähle ich das an dieser Stelle in voller Breite? Zwei Jahre Wartezeit ist eine lange Zeit für einen vom Läufer*innen-Volk inständig geliebten Laufwettbewerb. An 731 vergangenen Tagen (der zusätzliche Schaltjahrtag 2020 ist dabei) ist unglaublich viel geschehen, so dass erneut Gegenwärtiges oft genug nicht mehr ganz frisch ist. Doch erst einmal sollte die Vorfreude Platz greifen und alles was danach passiert, ja, Herrschafts noch a mal, ist doch eh wurscht. Es kommt wie es kommt. Und trotzdem, wann ist der Berlin-Marathon am Allerschönsten? Genau - wenn er vorbei ist. So soll es mir (hoffentlich) ergehen.

Die 47. Auflage des Berlin-Marathons allein ist nicht denkwürdig, warten wir doch alle auf die 50., die goldene sozusagen, an die etliche Erwartungen geknüpft werden, wenn sicherlich einige leider, leider nicht in Erfüllung gehen werden, das ist schon gewiss. Es wird keinen (von den Damen gar nicht zu sprechen) geben, der tatsächlich an allen fünfzig Ereignissen in 51 JAHREN dabei war und das Ziel erreicht hat. Bis zum 36. Mal gab es den Mister Berlin- Marathon, Bernd Hübner, der es geschafft hatte, vom ersten bis eben zum 36. ununterbrochen zu starten und zu finishen. Das war sensationell. Mit Bitternis haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass es zwei weitere Starts von ihm gab, wo ihm der Körper Grenzen setzte und er bei km 15 (vernünftigerweise) ausstieg. Ausgerechnet er, der 104 Marathon-Wettbewerbe in aller Welt absolvierte, die 2 Std. 30 Min. knackte und trainingsmäßig bestimmt die Erdumrundung geschafft haben dürfte (wenn nicht sogar mehr), ist jetzt „nur“ noch Fun-Läufer, aber weiterhin der Inspirator unendlicher Initiativen im Laufgeschehen rund um „Lauftreff Bernd Hübner“. Diese Einblendung nur in aller Kürze, weil eine Chronologie verdienterweise ein bisschen mehr Aufwand erfordert, um nur angemessen das zu würdigen, was wir alle um ihn herum dem Lauf-Idol Hübi verdanken.

Inzwischen gibt es nur ein paar Wenige, die die 40. Teilnahme am Berlin-Marathon überschritten haben. Wilfried Köhnke heißt der Spitzenmann mit bisher 44 Teilnahmen und Zielquerungen. An zweiter Stelle liegt der Sieger des allerersten Laufes (1974), Günter Hallas, mit 42. Beide Berliner wollen auch 2021 am Start stehen. Da hinke ich quasi mit meiner bisher 36maligen Querung des Zielstriches eindeutig hinterher, aber der nunmehr 37. ist zugleich mein 70. Gesamtmarathon, der muss noch sein. Egal wie, Hauptsache in der Sollzeit ankommen, jedoch kein falscher Ehrgeiz, versprochen.

Insofern kommt die obige Schlagzeile nicht von ungefähr, obwohl doch ein siebziger Durchgang Anlass genug wäre, der Vorfreude zu verfallen. Denkste, nicht mit mir. Ich bin ohnehin nicht der Feieronkel und Lobhudelsammler. Das Understatement liegt mir eher. Nach getaner Arbeit eine Tüte Schlaf, danach einen Kaffee und ein Stück Kuchen, schon ist die Seligkeit wiederhergestellt. Am Folgetag das heilsame „Wundenlecken“ und alles ausschütten, was sich so in letzter Zeit an Kümmernissen angesammelt hat. Bei mir wenig, dafür - und für so manches mehr - bin ich dankbar. Alles Gute denjenigen, die mit bzw. vor mir in der Spur sind.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 01.10.2021, 21:54

Nach dem Marathon und nach der Wahl

Ich weiß nicht, ob einige von euch die Berliner Zeitung lesen. Deshalb hier Folgendes aus einem heute veröffentlichten Cartoon. Kurze Beschreibung: Esskneipe, Paar am Tisch sitzend. Der Kellner (mit Mundschutz) übergibt dem Paar vermeintliche Speisekarten. Er wartet, um die Bestellung entgegen zu nehmen. Da sagt der empörte Gast: "Das sind ja Wahlzettel, Erststimme, Volksentscheid." Antwort des Kellners: "Entschuldigung, wir hatten Berlin-Marathon."

Letzterer muss ein Berliner sein, denn die können bekanntermaßen vom Teufel nicht erschlagen werden, weil sie keine Ausrede wissen.
Gerne hätte ich die Zeichnung hier mit eingeschoben, geht aber aus urheberrechtlichen Gründen nicht. Der Karikaturist nennt sich OL (OL-Cartoons.de). Einfach zum Piepen.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 07.10.2021, 21:58

Donnerstag ist kein Sonntag

Das festzustellen, ist nun wahrlich keine Kunst. Der Kalender und das eigene Empfinden beim Aufstehen sagen ganz deutlich, was heute ansteht, welche Tagewerke zu erbringen sind und wie der gewöhnliche Wochentag ausgestaltet werden soll. Gewiss, es gibt da natürlich gewisse Unterschiede, nicht nur in der Betrachtungsweise, sondern zwangsgedrungen Trennungen durch Formen wie Broterwerb durch aktive Tätigkeit mit Wertschöpfungshintergrund (nur als Beispiel für die zahllos und fleißig arbeitenden Menschen, selbstverständlich auch jene mit Migrationshintergrund). Die nicht minder vorhandene Schar derjenigen, die in Schicht rund um die Uhr ihrem Berufsbild Glanz und gleichzeitig oft der Öffentlichkeit Hilfe und Freude vermitteln dürfen, seien unbedingt dazu gezählt. Und dann gibt es noch die inzwischen zahlreich angewachsene Zahl derjenigen, die morgens nicht mehr das Wecker Klingeln hören und beachten müssen. Bestimmt habe ich hier nicht alle Bevölkerungsgruppen erfasst, was weder meine Aufgabe noch Absicht ist. Kurzum, es ist ein Privileg, den Alltag fast vergessen zu machen und alles das zu tun, wozu der Sinn steht (wenn alles Notwendige bereits getan ist – das wollen wir nicht vergessen!).

Donnerstagvormittag. Exklusiv, nur für den Teil der Wecker-Klingel-Überhörenden, sofern sie denn Läufer*innen mit Vorliebe für die (Wieder-) Entdeckung des unvergleichlichen Berliner Laufterrains in allen Himmelsrichtungen samt des angrenzenden nahen Umfelds sind. So gesehen, Treffpunkt Fährhafen Wannsee gemäß Verabredung. Pünktlich 9:50 Uhr trifft die Wannsee - Kladow – Wannsee – Überfahrt samt noch vermummten Passagieren (ja, ja, artig, wie alle sind) ein. In froher Erwartung des Kommenden steigt unser bereits seit längerer Zeit zu den Privatieren (nicht mehr auf eine Erwerbstätigkeit angewiesene Person) zählenden, Gert, ansässig in Kladow, aus. Wir sind vollzählig, nicht ganz, zwei Absagen: 1 x Reise, 1 x Wunden lecken nach Rennsteig (beides gilt als entschuldigt), nunmehr fünf.

Kein Tiefstart, viel eher ein Schritt, der muntere Unterhaltung zulässt. Nun, die Strecke ist aber auch so etwas von Sahne, dass Renntempo völlig ausscheidet. Überdies ist unser Altersschnitt soweit angehoben, dass wir auf dieses Attribut großzügig verzichten. Es wäre jammerschade, sich die schönen An- und Aussichten längs des Kleinen Wannsees, Pohle-, Stölpchen- und Griebnitzsees entgehen zu lassen. Dass wir vorerst einen km die Bismarckstr., vorbei an der Heinrich-von-Kleist-Gedenkstätte, hochgetrabt sind, ist nicht von Belang. Am Griebnitzsee wird rechtsseitig gelaufen, die linke Seite gehört zu Potsdam, die wohl leider, wahrscheinlich auf Ewigkeiten für das Fußvolk gesperrt bleibt - ein umfangreiches, längeres Brandenburger Thema, bei dem sich die Haare sträuben. Beim Weiterlaufen eine freudige Überraschung: Volker Schlöndorff (82), nicht nur weltbekannter Filmregisseur und -produzent, auch Autor und Oscar-Preisträger, kam uns auf seiner Hausrunde „Rund um den Griebnitzsee“ entgegen. Allen bekannt, na klar, doch ich hatte ihn schon zwei-, dreimal beim Havellauf als Teilnehmer am Flensburger Löwen interviewen dürfen. Insofern eine besondere Freude, diesen ausgesprochen sympathischen Menschen ausgerechnet hier beim Laufen zu treffen.

Die Sonne schien, trotzdem leichte Kühle, im Schatten feuchte Erde. Ein paar Auf- und Abstiege beim Hirsch- und Tannenberg, ehe wir an der Stülerkirche, erbaut 1859 in Stolpe ehem. Ortsteil von Wannsee, vorbeikamen. Von nun an konnten wir uns vor lauter, lauter Gucken (Grundstücke, Parks) gar nicht mehr richtig zum Laufen aufraffen. Schließlich landeten wir auf dem Grundstück der Immanuel-Stiftung, zugehörig zur Evangelischen Kirche. Fantastisch, gleich dem Dr. Fraenkel-Garten in Kladow. In dem Zusammenhang muss auch das Max-Liebermann-Grundstück Am Großen Wannsee genannt werden. Alles Perlen. Zugänglich in heller Tageszeit. Immanuel: Ansonsten ausschließlich für Patienten und Rehabilitanden. Wir waren nur Durchgangsgäste, hatten keinen Bedarf an Behandlungszuwendungen, setzten unsere nur noch kurze Laufstrecke bis zum S-Bhf-Wannsee fort, um beim abgestellten Auto einen Kaffee samt Knabber-Keks (Spender: Marion/Rainer/Kristina) als Belohnung für die abgeleistete „Strapaze“ (immerhin 13 km, mit etlichen Spaziereinlagen) aufzufuttern.

So wurde der Donnerstag fast wie ein Sonntag begangen (gefühlsmäßig sowieso).

Horst

P.S. Ja, und nun ist er endlich weg, der Quacksalber. Für 14 Tage, denn wie immer darf ich meine Frau auf ihren Reisen begleiten, die von mir, oft genug, geplant wurden. Wohin? Na, aber, nach der nunmehr dritten Impfung rennen wir in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen offene Türen ein. Zu unseren eigenen in Leipzig haben wir stets die Schlüssel dabei. Corona kann uns mal.
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 14.10.2021, 22:34

Veränderungen

Läufer wie ich oder eben auch andere, bleiben nicht immer dieselben. Wie das, wird sich mancher fragen, so wie ich das bei mir selbst nachfrage. Ich müsste das selbstverständlich gendergerecht schreiben, doch diese ausschweifende Begrifflichkeit klammere ich einfach damit aus, indem vorausgesetzt ist, dass hinter der maskulinen Bezeichnung stets die feminine Spezie mit einbezogen ist. Diese „: oder *-Schreibweise nervt mit der Zeit. Punkt.

Weiter in meinen Weltzweifeln: Ich stelle seit einiger Zeit beim sporadischen Messen meines Körpergewichts fest, wie Pfunde gepurzelt sind, dabei war und ist bei mir gar nicht so viel dran, dass ich daran interessiert sein müsste, das vermeintliche Hüftgold endlich loszuwerden. Weder Spargel-Tarzan noch Pfannkuchen-Pummelchen, alles schlicht normal. Trotzdem, Kilo und Kraft fehlen, Ausdauer, geht so, Lauf-Lust bestens, Regenerationszeiten dauern länger, Trainingsintensität mittelprächtig (3 x wöchentlich), Langläufe > 20 km, kaum, Wettkämpfe 0 – 2/Jahr, Marathon 2020: 0, 2021: 2, 2022: 2 (?).

Nun werden etliche sagen: „Alles im grünen Bereich – hör` auf zu jammern!“ Was aber, wenn statt der üblichen 68/69 kg nur noch 64/65 kg, also statt Weltergewicht nur noch Halbweltergewicht auf die Waage kommt? Mehr essen, ordentlich Kraftfutter oder was? Geht nicht, sage ich. Es hat andere Ursachen. Die Ärzte, so unterschiedlich sie auch sein mögen, in einem sind sie sich einig: Kein Mensch wird jünger, noch schlimmer, sie sagen es dir geradewegs auf den Kopf zu! Donnerwetter, hätte ich nicht gedacht und bestimmt nicht gewusst. Wo ist meine ganze Bildung hin, verschwunden wie die fehlenden Speckschwarten? Und wie war das mit dem Zahn der Zeit, der ständig an einem nagen soll?

Die fast schon verstaubten, kaum getragenen, noch nicht zum Wegwerfen geeigneten Kleidungsstücke, längst unmodern geworden, passen urplötzlich wieder. Begrenzte Freude. „Wie siehst du denn aus? Du – von gestern?“ Ich höre und sehe bereits, wie Häme, Spott und Lustigmacher über mich herfallen und mir im Selbstmitleid noch einen draufgeben. Dabei war und bin ich seit Urzeiten Sportler, vor allem, bin ich noch immer (glaube ich).

Pause – 65 kg, na bitte, schon etwas besser, aber die dünnen Arme, die Beinmuskulatur und das Kraftpotenzial schwächeln weiterhin. Eine sehr schlüssige Begründung fällt mir ein: Früher, nein, ganz früher, hatte ich Halbgardemaß (180). Heute gehöre ich zu den Jung-Gnomen (177). Na klar, da sehen wir es. Das Alter, der Mann schrumpft, so wie Schorschi (1976 im Diogenes-Verlag). Es ist die Geschichte eines Jungen, der immer kleiner wurde, bis er nicht mehr zu sehen war. Wird mir wohl ebenso ergehen. Dagegen wehre ich mich nicht, es ist so wie es ist. Nur eines bitte nicht: Da oben in der Birne, da soll`s nicht schrumpfen, sonst kann ich nicht mehr, wie bisher, diese Vielzeiler und Unterhaltungsviertelstunden an dieser Stelle zelebrieren. Ich meine, das wäre ziemlich ungut, beiderseitig.

Höre ich auf zu schreiben, dann esse und laufe ich mehr. Mehr Gewicht, mehr Kraft und Leistung, Marathon retrospektiv „sub 3“? Nein, nein, bloß nicht, das zu ertragen, ist niemand zuzumuten. Selbst mir nicht.

Horst
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