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Hotti

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 14.09.2021, 21:07

Niemals Jubeln vor dem Ereignis

Wer kennt es nicht, dieses Wamsdrammeln und unbehagliche Gefühl von Vorahnung auf Kommendes. Über Lampenfieber, der simpelsten Form von Aufgeregtheit, habe ich mich bereits an anderer Stelle weitläufig ausgelassen. Nun aber wird es ernst. Nur noch 10 Tage, sprich, nicht einmal zwei Wochen bis zum Big Run, der nach dem Ausfall 2020 kein zweites Mal verschoben wird.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin, so jubeln die Fußballer sich dem Pokalendspielfieber entgegen. Wir dagegen nehmen am besagten Tage (26.09.21) höchstens die öffentl. Verkehrsmittel unentgeltlich in Anspruch (und abends dann nach „getaner Arbeit“ das Wahlergebnis zur Kenntnis), um bis zur Straße des 17. Juni mit vorheriger Kleiderablage an der John-Foster-Dulles-Allee zu kommen. Ist das passiert, wird alles viel ruhiger, obwohl rundherum die Vielzahl Gleichgesinnter, die dem 47.Berlin-Marathon entgegenstreben, fast das Grün im Tiergarten platttreten.

Wie immer ist dann das Vorgeplänkel für dieses sportliche Jahresereignis längst abgehakt. Die Rede ist von der Marathon-Messe in den Hallen des Ex-Flughafens Tempelhof, wo die Auserwählten des Berliner Laufes ihr Leibchen mit der Startnummer zieren können. Bestimmt gibt es wieder zusätzlich ein Armbändchen, das neben der Chipkennung unabdingbare Voraussetzung für den Zutritt in den Startbereich ist. Ha, fast vergessen: Maske, natürlich – bis zum Start, dann aber lockt die Freiheit, wobei die vorherig jedermann/frau auferlegten Vorgaben unbedingt einzuhalten sind.

Warum erzähle ich das an dieser Stelle in voller Breite? Zwei Jahre Wartezeit ist eine lange Zeit für einen vom Läufer*innen-Volk inständig geliebten Laufwettbewerb. An 731 vergangenen Tagen (der zusätzliche Schaltjahrtag 2020 ist dabei) ist unglaublich viel geschehen, so dass erneut Gegenwärtiges oft genug nicht mehr ganz frisch ist. Doch erst einmal sollte die Vorfreude Platz greifen und alles was danach passiert, ja, Herrschafts noch a mal, ist doch eh wurscht. Es kommt wie es kommt. Und trotzdem, wann ist der Berlin-Marathon am Allerschönsten? Genau - wenn er vorbei ist. So soll es mir (hoffentlich) ergehen.

Die 47. Auflage des Berlin-Marathons allein ist nicht denkwürdig, warten wir doch alle auf die 50., die goldene sozusagen, an die etliche Erwartungen geknüpft werden, wenn sicherlich einige leider, leider nicht in Erfüllung gehen werden, das ist schon gewiss. Es wird keinen (von den Damen gar nicht zu sprechen) geben, der tatsächlich an allen fünfzig Ereignissen in 51 JAHREN dabei war und das Ziel erreicht hat. Bis zum 36. Mal gab es den Mister Berlin- Marathon, Bernd Hübner, der es geschafft hatte, vom ersten bis eben zum 36. ununterbrochen zu starten und zu finishen. Das war sensationell. Mit Bitternis haben wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass es zwei weitere Starts von ihm gab, wo ihm der Körper Grenzen setzte und er bei km 15 (vernünftigerweise) ausstieg. Ausgerechnet er, der 104 Marathon-Wettbewerbe in aller Welt absolvierte, die 2 Std. 30 Min. knackte und trainingsmäßig bestimmt die Erdumrundung geschafft haben dürfte (wenn nicht sogar mehr), ist jetzt „nur“ noch Fun-Läufer, aber weiterhin der Inspirator unendlicher Initiativen im Laufgeschehen rund um „Lauftreff Bernd Hübner“. Diese Einblendung nur in aller Kürze, weil eine Chronologie verdienterweise ein bisschen mehr Aufwand erfordert, um nur angemessen das zu würdigen, was wir alle um ihn herum dem Lauf-Idol Hübi verdanken.

Inzwischen gibt es nur ein paar Wenige, die die 40. Teilnahme am Berlin-Marathon überschritten haben. Wilfried Köhnke heißt der Spitzenmann mit bisher 44 Teilnahmen und Zielquerungen. An zweiter Stelle liegt der Sieger des allerersten Laufes (1974), Günter Hallas, mit 42. Beide Berliner wollen auch 2021 am Start stehen. Da hinke ich quasi mit meiner bisher 36maligen Querung des Zielstriches eindeutig hinterher, aber der nunmehr 37. ist zugleich mein 70. Gesamtmarathon, der muss noch sein. Egal wie, Hauptsache in der Sollzeit ankommen, jedoch kein falscher Ehrgeiz, versprochen.

Insofern kommt die obige Schlagzeile nicht von ungefähr, obwohl doch ein siebziger Durchgang Anlass genug wäre, der Vorfreude zu verfallen. Denkste, nicht mit mir. Ich bin ohnehin nicht der Feieronkel und Lobhudelsammler. Das Understatement liegt mir eher. Nach getaner Arbeit eine Tüte Schlaf, danach einen Kaffee und ein Stück Kuchen, schon ist die Seligkeit wiederhergestellt. Am Folgetag das heilsame „Wundenlecken“ und alles ausschütten, was sich so in letzter Zeit an Kümmernissen angesammelt hat. Bei mir wenig, dafür - und für so manches mehr - bin ich dankbar. Alles Gute denjenigen, die mit bzw. vor mir in der Spur sind.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 01.10.2021, 20:54

Nach dem Marathon und nach der Wahl

Ich weiß nicht, ob einige von euch die Berliner Zeitung lesen. Deshalb hier Folgendes aus einem heute veröffentlichten Cartoon. Kurze Beschreibung: Esskneipe, Paar am Tisch sitzend. Der Kellner (mit Mundschutz) übergibt dem Paar vermeintliche Speisekarten. Er wartet, um die Bestellung entgegen zu nehmen. Da sagt der empörte Gast: "Das sind ja Wahlzettel, Erststimme, Volksentscheid." Antwort des Kellners: "Entschuldigung, wir hatten Berlin-Marathon."

Letzterer muss ein Berliner sein, denn die können bekanntermaßen vom Teufel nicht erschlagen werden, weil sie keine Ausrede wissen.
Gerne hätte ich die Zeichnung hier mit eingeschoben, geht aber aus urheberrechtlichen Gründen nicht. Der Karikaturist nennt sich OL (OL-Cartoons.de). Einfach zum Piepen.

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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 07.10.2021, 20:58

Donnerstag ist kein Sonntag

Das festzustellen, ist nun wahrlich keine Kunst. Der Kalender und das eigene Empfinden beim Aufstehen sagen ganz deutlich, was heute ansteht, welche Tagewerke zu erbringen sind und wie der gewöhnliche Wochentag ausgestaltet werden soll. Gewiss, es gibt da natürlich gewisse Unterschiede, nicht nur in der Betrachtungsweise, sondern zwangsgedrungen Trennungen durch Formen wie Broterwerb durch aktive Tätigkeit mit Wertschöpfungshintergrund (nur als Beispiel für die zahllos und fleißig arbeitenden Menschen, selbstverständlich auch jene mit Migrationshintergrund). Die nicht minder vorhandene Schar derjenigen, die in Schicht rund um die Uhr ihrem Berufsbild Glanz und gleichzeitig oft der Öffentlichkeit Hilfe und Freude vermitteln dürfen, seien unbedingt dazu gezählt. Und dann gibt es noch die inzwischen zahlreich angewachsene Zahl derjenigen, die morgens nicht mehr das Wecker Klingeln hören und beachten müssen. Bestimmt habe ich hier nicht alle Bevölkerungsgruppen erfasst, was weder meine Aufgabe noch Absicht ist. Kurzum, es ist ein Privileg, den Alltag fast vergessen zu machen und alles das zu tun, wozu der Sinn steht (wenn alles Notwendige bereits getan ist – das wollen wir nicht vergessen!).

Donnerstagvormittag. Exklusiv, nur für den Teil der Wecker-Klingel-Überhörenden, sofern sie denn Läufer*innen mit Vorliebe für die (Wieder-) Entdeckung des unvergleichlichen Berliner Laufterrains in allen Himmelsrichtungen samt des angrenzenden nahen Umfelds sind. So gesehen, Treffpunkt Fährhafen Wannsee gemäß Verabredung. Pünktlich 9:50 Uhr trifft die Wannsee - Kladow – Wannsee – Überfahrt samt noch vermummten Passagieren (ja, ja, artig, wie alle sind) ein. In froher Erwartung des Kommenden steigt unser bereits seit längerer Zeit zu den Privatieren (nicht mehr auf eine Erwerbstätigkeit angewiesene Person) zählenden, Gert, ansässig in Kladow, aus. Wir sind vollzählig, nicht ganz, zwei Absagen: 1 x Reise, 1 x Wunden lecken nach Rennsteig (beides gilt als entschuldigt), nunmehr fünf.

Kein Tiefstart, viel eher ein Schritt, der muntere Unterhaltung zulässt. Nun, die Strecke ist aber auch so etwas von Sahne, dass Renntempo völlig ausscheidet. Überdies ist unser Altersschnitt soweit angehoben, dass wir auf dieses Attribut großzügig verzichten. Es wäre jammerschade, sich die schönen An- und Aussichten längs des Kleinen Wannsees, Pohle-, Stölpchen- und Griebnitzsees entgehen zu lassen. Dass wir vorerst einen km die Bismarckstr., vorbei an der Heinrich-von-Kleist-Gedenkstätte, hochgetrabt sind, ist nicht von Belang. Am Griebnitzsee wird rechtsseitig gelaufen, die linke Seite gehört zu Potsdam, die wohl leider, wahrscheinlich auf Ewigkeiten für das Fußvolk gesperrt bleibt - ein umfangreiches, längeres Brandenburger Thema, bei dem sich die Haare sträuben. Beim Weiterlaufen eine freudige Überraschung: Volker Schlöndorff (82), nicht nur weltbekannter Filmregisseur und -produzent, auch Autor und Oscar-Preisträger, kam uns auf seiner Hausrunde „Rund um den Griebnitzsee“ entgegen. Allen bekannt, na klar, doch ich hatte ihn schon zwei-, dreimal beim Havellauf als Teilnehmer am Flensburger Löwen interviewen dürfen. Insofern eine besondere Freude, diesen ausgesprochen sympathischen Menschen ausgerechnet hier beim Laufen zu treffen.

Die Sonne schien, trotzdem leichte Kühle, im Schatten feuchte Erde. Ein paar Auf- und Abstiege beim Hirsch- und Tannenberg, ehe wir an der Stülerkirche, erbaut 1859 in Stolpe ehem. Ortsteil von Wannsee, vorbeikamen. Von nun an konnten wir uns vor lauter, lauter Gucken (Grundstücke, Parks) gar nicht mehr richtig zum Laufen aufraffen. Schließlich landeten wir auf dem Grundstück der Immanuel-Stiftung, zugehörig zur Evangelischen Kirche. Fantastisch, gleich dem Dr. Fraenkel-Garten in Kladow. In dem Zusammenhang muss auch das Max-Liebermann-Grundstück Am Großen Wannsee genannt werden. Alles Perlen. Zugänglich in heller Tageszeit. Immanuel: Ansonsten ausschließlich für Patienten und Rehabilitanden. Wir waren nur Durchgangsgäste, hatten keinen Bedarf an Behandlungszuwendungen, setzten unsere nur noch kurze Laufstrecke bis zum S-Bhf-Wannsee fort, um beim abgestellten Auto einen Kaffee samt Knabber-Keks (Spender: Marion/Rainer/Kristina) als Belohnung für die abgeleistete „Strapaze“ (immerhin 13 km, mit etlichen Spaziereinlagen) aufzufuttern.

So wurde der Donnerstag fast wie ein Sonntag begangen (gefühlsmäßig sowieso).

Horst

P.S. Ja, und nun ist er endlich weg, der Quacksalber. Für 14 Tage, denn wie immer darf ich meine Frau auf ihren Reisen begleiten, die von mir, oft genug, geplant wurden. Wohin? Na, aber, nach der nunmehr dritten Impfung rennen wir in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen offene Türen ein. Zu unseren eigenen in Leipzig haben wir stets die Schlüssel dabei. Corona kann uns mal.
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 14.10.2021, 21:34

Veränderungen

Läufer wie ich oder eben auch andere, bleiben nicht immer dieselben. Wie das, wird sich mancher fragen, so wie ich das bei mir selbst nachfrage. Ich müsste das selbstverständlich gendergerecht schreiben, doch diese ausschweifende Begrifflichkeit klammere ich einfach damit aus, indem vorausgesetzt ist, dass hinter der maskulinen Bezeichnung stets die feminine Spezie mit einbezogen ist. Diese „: oder *-Schreibweise nervt mit der Zeit. Punkt.

Weiter in meinen Weltzweifeln: Ich stelle seit einiger Zeit beim sporadischen Messen meines Körpergewichts fest, wie Pfunde gepurzelt sind, dabei war und ist bei mir gar nicht so viel dran, dass ich daran interessiert sein müsste, das vermeintliche Hüftgold endlich loszuwerden. Weder Spargel-Tarzan noch Pfannkuchen-Pummelchen, alles schlicht normal. Trotzdem, Kilo und Kraft fehlen, Ausdauer, geht so, Lauf-Lust bestens, Regenerationszeiten dauern länger, Trainingsintensität mittelprächtig (3 x wöchentlich), Langläufe > 20 km, kaum, Wettkämpfe 0 – 2/Jahr, Marathon 2020: 0, 2021: 2, 2022: 2 (?).

Nun werden etliche sagen: „Alles im grünen Bereich – hör` auf zu jammern!“ Was aber, wenn statt der üblichen 68/69 kg nur noch 64/65 kg, also statt Weltergewicht nur noch Halbweltergewicht auf die Waage kommt? Mehr essen, ordentlich Kraftfutter oder was? Geht nicht, sage ich. Es hat andere Ursachen. Die Ärzte, so unterschiedlich sie auch sein mögen, in einem sind sie sich einig: Kein Mensch wird jünger, noch schlimmer, sie sagen es dir geradewegs auf den Kopf zu! Donnerwetter, hätte ich nicht gedacht und bestimmt nicht gewusst. Wo ist meine ganze Bildung hin, verschwunden wie die fehlenden Speckschwarten? Und wie war das mit dem Zahn der Zeit, der ständig an einem nagen soll?

Die fast schon verstaubten, kaum getragenen, noch nicht zum Wegwerfen geeigneten Kleidungsstücke, längst unmodern geworden, passen urplötzlich wieder. Begrenzte Freude. „Wie siehst du denn aus? Du – von gestern?“ Ich höre und sehe bereits, wie Häme, Spott und Lustigmacher über mich herfallen und mir im Selbstmitleid noch einen draufgeben. Dabei war und bin ich seit Urzeiten Sportler, vor allem, bin ich noch immer (glaube ich).

Pause – 65 kg, na bitte, schon etwas besser, aber die dünnen Arme, die Beinmuskulatur und das Kraftpotenzial schwächeln weiterhin. Eine sehr schlüssige Begründung fällt mir ein: Früher, nein, ganz früher, hatte ich Halbgardemaß (180). Heute gehöre ich zu den Jung-Gnomen (177). Na klar, da sehen wir es. Das Alter, der Mann schrumpft, so wie Schorschi (1976 im Diogenes-Verlag). Es ist die Geschichte eines Jungen, der immer kleiner wurde, bis er nicht mehr zu sehen war. Wird mir wohl ebenso ergehen. Dagegen wehre ich mich nicht, es ist so wie es ist. Nur eines bitte nicht: Da oben in der Birne, da soll`s nicht schrumpfen, sonst kann ich nicht mehr, wie bisher, diese Vielzeiler und Unterhaltungsviertelstunden an dieser Stelle zelebrieren. Ich meine, das wäre ziemlich ungut, beiderseitig.

Höre ich auf zu schreiben, dann esse und laufe ich mehr. Mehr Gewicht, mehr Kraft und Leistung, Marathon retrospektiv „sub 3“? Nein, nein, bloß nicht, das zu ertragen, ist niemand zuzumuten. Selbst mir nicht.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 29.10.2021, 18:17

Schonzeit oder was?

Das große sportliche Jahresfest „Marathon in Berlin“ ist längst wieder Geschichte und selbst der aus der Versenkung im Vorjahr wieder auferstandene 25 km-Lauf tauschte einmalig vom Frühling in den Herbst. Auch der ist schon abgehakt. Was jetzt noch abläuft, sind - so sagte man früher - Kirmesrennen für jedermann/frau. Also ist die verordnete Zwangswettkampfmüdigkeit aufgehoben und (fast) normale Verhältnisse kehren zurück. Ein Segen.

Jedoch: Zwei erfolgreich durchgeführte Großveranstaltungen versprechen noch keinen Frühling, schon gar nicht, weil der Winter demnächst zugeschaltet wird und mit der Zeitumstellung alsbald nordskandinavische Dunkelzeiten eher hereinbrechen. Trotzdem gilt eine alte Prophezeiung: Im Winter werden Weltmeister gemacht. Ab 20. Dezember, noch besser ab Weihnachten mit den neuen (geschenkten) Laufschuhen. Ich weiß, Schuhe darf man niemals verschenken, denn – wieder so eine Art Omen - der/die Beschenkte könnte damit weglaufen. Falsch, falsch, unsereins läuft nur weg, um spätestens nach Stunden wieder glücklich und entspannt zuhause zu landen.

Zurück zu den Weltmeistern*innen. Freilich, sie werden gemacht, und zwar in den kühleren Jahreszeiten. Ach, was waren das für Zeiten: herrlicher, zentimeterhoher Schnee und ein Frost, ich sag` euch, minus 15 °C. Die, die Bärte hatten, trugen Raureif. Und heute? Das Anstreben, höhere Weihen im sportlichen Bereich zu erreichen, setzt eben immer ein bisschen vom Medikament „Quäldix“, gut dosiert, voraus. Wer diesen Würden eher abhold ist, kann sich auf kleinere Herausforderungen besinnen und durchaus mit „ich-hab`s-geschafft-Parolen“ abfinden. Es ist bekanntermaßen alles relativ, denn was gut oder weniger gut ist, entscheidet doch jede(r) für sich selbst. Ich, für meinen Teil, habe kürzlich eine ganz neue Erfahrung gemacht. Schonzeit 1 – 2 Wochen, richtig gehört. Eine Woche Wellness - göttlich, ich kannte das nicht. Massagen (aaah), Sauna, Schwimmbad, Natur, Gymnastik. Dazu, aber ungenutzt, Fitness-Raum und Beauty-meeting. Laufen, Wandern auf Sparflamme und siehe da, nichts ging verloren, nicht einmal weitere Körperpfunde, wie zuvor beklagt.

Inzwischen bin ich davon überzeugt, dass ein ZUVIEL tatsächlich ein solches bedeutet, zumindest, dass weniger manchmal mehr bedeutet. Rede ich in Rätseln? Die Konjunktion w e n i g e r kann bezogen auf den Ausdauersport jede Menge Substanzzuwachs bedeuten, denn Leistungen werden bekanntlich nicht allein durch Kondition und Muskelkraft erzielt, vielmehr unter zu Hilfenahme des mentalen Gedankengutes. Ich meine, ohne Kopf geht gar nichts. Und wer will schon sagen, er oder sie besitzt einen solchen nicht? Lassen wir es bei der Aussage, dass im Hobbybereich Training gleichbedeutend ist mit Laufvergnügen, hingegen der selbst gewählte Wettkampf auferlegte Pflicht bedeutet (ja, da muss man durch). Wächst irgendwann die Erkenntnis, dass Teilnahme und lockeres, gesundes Ankommen wichtiger als unbedingte persönliche Bestzeiten sind, dann müssen mit Sicherheit bereits einige Jahresringe in der Lebensvita vorbeigekommen sein. Gewiss, diese Einsicht dauert, jede Wette (!), sie kommt.

Fazit: Mit Schonzeiten nicht knauserig umgehen, doch Laufen, unser gemeinsamer Sport, nicht ausblenden, schon gar nicht bei diesem traumhaft schönen Herbstblätterrascheln.

Uns allen nur Bestes.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Lauffreak » 30.10.2021, 21:59

Hallo Horst,
ich freue mich immer sehr über deine ausführlichen Betrachtungen :freu:
Zu dem "Zuviel": es nennt sich
Relativer Energiemangel im Sport (RED-S)
eine Kombination aus Übertraining und (auch) daraus bedingter negativer Kalorienbilanz.
Gerade wir als Freizeitsportler sind gefährdet.
Erholungsphasen sind ein muss für hohe Leistungsfähigkeit auf Dauer.
:run: Grüße
Klaus
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 04.11.2021, 18:44

Schöne Blätter - miese Wetter - Miesewetterblätter

Obwohl wir es nicht glauben wollen, die Jahreszeiten wechseln. Dass die Wetterwärmung bereits drastisch um 1,5°C gestiegen ist und ungebremst noch weiter ansteigen wird, ist nun längst in Hintertupfingen wie auch im Oderbruch oder in der Eifel angekommen. Leugner? Die gibt es allerorten, nicht nur seit Trump. Beim Klima, drastisch sichtbar und vor allem fühlbar für jedermann/frau, scheint wohl endlich, endlich, dank Greta Thunberg voran, der berühmte nicht mehr vorhandene Groschen in den Köpfen der Oberen gefallen zu sein. Klimagipfeltreffen dieser Tage lassen hoffen.

Meine Klein-Mäxchen-Gedanken machen ja noch keinen Wandel. Nachdenken, Anstöße reichen für´s Erste. Für das Weiterdenken gebe ich die Zuständigkeit nicht ab, weiß ich doch, dass Leser*innen dieser Zeilen sehr genau selbst wissen, was im jeweiligen Kleinbereich getan werden kann. Heute – ja, es ist wieder wie in jeder Woche Donnerstag, und zwar der 44. in diesem Jahr, ist kein abgesagter Lauftag. Ist überhaupt jemals einer ausgefallen? Nein, nein, ich glaube nicht. Diese Vormittags-Spezie können sich nicht alle leisten, darum darf man sie auch nicht schleifen lassen. Es ist jedoch immer nur ein kleiner, „harter“ Kern, dem jeder Wetterwechsel nicht gerade schnurz, so doch zumindest so annehmbar erscheint, trotz allem in die Laufschuhe zu schlüpfen.

Die Wetter-App meldete den ganzen Tag Regen. Der Wald, alles was in der Natur wächst, braucht Flüssigkeit. Wozu also aufregen, soll es kommen, das Nass von oben. 9.30 Uhr ist eine gute Zeit, schon immer. Womöglich gut ausgeschlafen, wenig gefrühstückt, regenpräpariert, so gemach auf den Parcours. Ach, es regnet, nicht zu knapp. Zweifel kommen auf. Wäre es nicht besser, beim Kaffee, Tee oder Müsli trocken und gemütlich warm beim Plausch zusammenzusitzen? Bestimmt - zum anderen Zeitpunkt.

Heute, wunderbar, Kompromissvorschlag nur 8, höchstens 10 km. Angenommen. Die ursprünglich ausgeguckte Strecke hätte Kurzweil und manche Blickrunde erbracht, weil so gut wie kaum gelaufen. Im Dreh Krumme Lanke – Kleinmachnow – Wannsee – Schlachtensee. Kurzum, Hardliner wären ausgeladen. Diese Tour wurde kurzerhand gestrichen. Wir „Softies“ brauchten derartiges heute nicht, nur den festen Willen, jawohl, ein paar tausend Schritte tun gut. Und in der Tat. Du läufst bei Regen, brauchst 15-20 Minuten Aufwärmung beim Traben und merkwürdig, es regnet eigentlich nur dann, wenn man stehenbleibt oder kurz in die Büsche muss. Da wird es unangenehm für Warmduscher.

Die beste Kleidung schützt meist nur begrenzt. Naturnotwendigkeiten gleich welcher Art (Regen, Schnee, Hitze, Kälte, Sturm, Gewitter), sind in unserem Vorstellungsbereich. Aber Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis, extreme Trockenheit und jetzt die Erwärmung, brauchen wir die? Ja, nein, es lässt mich nicht los. Wir also in der Matschepampe around Rodelbahn an der Onkel-Tom-Straße, oberhalb Riemeisterfenn, Fortsetzung Krumme Lanke und weiter Schlachtensee, für mich die Hausrunde, für Begleiter*innen immer wieder neu. Oh ja, es ist wirklich schön, im Herbst beim Blätterrascheln zu laufen. Auch sieht die Strecke nicht mehr so ausgefranst aus, wie sonst. Das Laub verändert ähnlich dem frisch gefallenen Schnee. Einzig, die Farbenwelt wird durch Nässe vermiest. Was jedoch mit Begeisterung trotz der inzwischen längst nassen Schuhe (Wohl dem, die/der Allwettertreter hat) die Runde machte, war die nur selten erlebte Einsamkeit rund um die Seen. Dort, wo sich sonst bei Sonnenschein Sechserreihen an den Uferstreifen aus dem Weg gehen müssen, war kein Zentimeter besetzt. Die blanke Freude. Nicht mal Wanderer oder mit Regenschirm bewaffnete Spaziergänger kreuzten unsere Wege. Alles für uns.

Nur, so langsam wurde uns kalt, die Nässe von innen und außen war mit zunehmender Dauer doch nicht förderlich und angemessen für das Wohlbefinden. Ein Glück, nur noch 3 km, dann warteten frischer Kaffee, ein dem Bäcker-Schwein abgeschnittenes, schokoladenüberzogenes Ohr und (horcht) ein Gugelhupf auf die Miesewetterläufer*innen. Ja, hätte alles sein können. Aber jede(r) wollte sofort unter die häusliche Dusche. Ratz, fatz und tschüss. Fazit: Selber essen macht fett. Ich kann es gebrauchen, oder wie war das mit den Kohlenhydraten?

Horst

P.S. 10,9 km Miesewetterblätter, wer hat die schon?
Hotti
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Re: Hotti

Beitragvon Lauffreak » 04.11.2021, 23:29

Hallo Horst,
als Ex-Hamburger hat mir das Wetter sehr gut gefallen. So hat das anschliessende Duschen noch mehr Spaß
gemacht :icon_lol:
Im nachhinein hätte ich die Kaffeeeinladung annehmen können. Die BSR hatte in der Albertinenstrasse
bereits das gesamte Laub entfernt. Wer zu spät kommt ...............
Die von dir geplante Route ist ja nur aufgeschoben, ich freue mich schon darauf.
Vielen Dank für die heutige "sonnige" Tour.
:run: Grüße
Klaus
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 09.11.2021, 22:45

Die 10. Sinfonie von Ludwig van Beethoven

Wenn ein Mensch im normalen Sprachgebrauch als betagt gilt, dann ist das die ungalante Art auszudrücken: Viel kann da nicht mehr kommen, keine Weichenstellung mehr, eher Abstellgleis. Fragt sich nur, wann beginnt diese Phase der Sackgasse? Das frage ich mich so manches Mal. Heute jedoch, ja, ihr wisst schon, heute war Lauftag. Der eigentlich nichtssagende Dienstag, weder Wochenanfang, eher lang hin bis zum Wochenende. Einschränkend, es ist der Vormittag, an dem nicht mehr im Berufsgetriebe stehende, sofern sie Bewegung, frische Luft und vor allem Waldflure lieben, sich vergnügen können, indem sie das läuferisch in sich reinziehen. Gemacht, getan, fast Gewohnheit, keine Pflicht, kein Zwang, nur Freude, weil alle(s) mitspiel(t)en.

Mein übliches Vorspiel, denn gleich mit der Tür ins Haus fallen, ist ja so etwas von profan, das ich glatt abdanken müsste. Und ein bisschen Spannung selbst im nichtssagenden Alltagsleben kann nur guttun und - hört, hört – bringt ein bisschen das Kribbeln, das sonst woanders vorkommen könnte, einfach nach dem Motto “Mal sehen was jetzt noch kommt“. Ja, da wollte ich hin. Also, sind wir gelaufen. Leider nicht alle zusammen, denn inzwischen gibt es Separierungen in „Schnell und Lang“, „Normalläufer*innen“, die „7-7.30er“ und – auch die – Walker (Achtung: vermehrt). Keine(r) läuft allein! Aus Prinzip, und was würde Herr Beethoven dazu sagen, wenn nur seine Endsinfonie, die Neunte, Thema während der 12,3 km langen Rundstrecke gewesen wäre? Welche das ist, verrate ich hier nicht, denn sie ist immer (jedenfalls bei mir) nie gleich der vorigen oder gar ein Lauftrampelpfad. Stolperstellen inklusive, aber bei spannenden oder erquickenden Redebeiträgen passiert meist weniger, als sonst, wo gern und ausgiebig über die in 50 Jahren erlittenen Verletzungen oder Krankheiten geredet wird. Wollen wir künftig etwas zurückstellen.

Zum Ludwig v. B. Er kam zu Ehren, weil die Gesprächsszenerie von der Arena di Verona mit den grandiosen Verdi-Opern (Riegelotto, äh, Rigoletto, Aida, Nabucco, La Traviata, Falstaf, Die Macht des Schicksals und, und, und…der Mann hat unzählige Opern geschrieben) über Bregenz (die großartige Wasserbühne) und schließlich bis Bayreuth mit Wagner reichte. Ein toller Bogen. Nun aber, ein plötzlicher Blitz-Einfall unserer äußerst munteren Kristina, die da mitten im Lauf einschmiss: „Kennt ihr Beethovens Zehnte?“ ÄÄÄh? Wie angewurzelt blieben alle stehen. Kann wohl nicht sein. Mit leicht zweifelnder Empörung: „Die gibt`s doch gar nicht.“ Stimmt schon, aber ein paar Genies haben Notenfetzen gefunden, die zu einer solchen gehören könnten und so wurde ein konzertantes Experiment versucht, indem Fragmente zusammengefügt und spielfähig gemacht wurden. Zum 250. Geburtsjahr (2020) gab es eine mit Künstlicher Intelligenz erstellte Fassung. Unglaublich, man kann sie hören. Kristina, wir danken dir für diesen Beitrag. Müssen wir doch unsere musikhistorische Unbildung eingestehen.

Ihr glaubt es nicht, es wurde weitergelaufen. Warum auch nicht, kein Regen, nicht einmal den ersten Schnee, wie bereits in Bayern und im Schwarzwald. Doch jetzt, wo war sie nur, die verschwundene Zeit und wo blieben die gelaufenen km? Keiner hat es so richtig mitbekommen, weil anderes viel, viel wichtiger war. So schön kann gemeinsames Laufen sein.

Horst
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Re: Hotti

Beitragvon Hotti » 16.11.2021, 23:07

Bald nun ist Weihnachtszeit

Wer es nicht glaubt, muss sich nur den täglichen Nebensächlichkeiten wie dem Lebensmitteleinkauf widmen, da werden profanen Leuten, die noch an den Weihnachtsmann glauben, die Augen geöffnet. Egal wo du hingehst, ob zu Al, Li, Re, Ka oder wie all die großen Fressregalbetreiber heißen, kaum bist du über die Einkaufswagenschwelle, öffnen sich die Geisterschiebetüren. Zum AHA-Gefühl fehlt eigentlich jetzt nur noch der automatische Ansagespruch: „Herzlich willkommen im weihnachtlichen Schlemmerparadies.“ Wohlgemerkt, bereits ab Anfang Oktober, also kurz nach dem Sommer-Adieu, prasselt die Werbung und das überbordende Lebkuchen-, Marzipan- und Schokoladenherzchen-Angebot über die bereitwillig Geldausgebenden.

Merke: Wer jetzt keine Dominosteine, Printen oder derlei kauft, steht spätestens eine Woche vor dem Fest vor leeren Regalen oder muss zur Kenntnis nehmen, dass sich der Osterhase schon eingenistet hat.

Warum erwähne ich diese bereits allgemein bekannte Tatsache gerade hier an diesem Ort? Der zwar dem Süßkram nicht unbedingt abgeneigten Laufgemeinde (und mir selbst) muss gelegentlich die orangefarbene Erinnerungskarte (steht für HALT – DENK NACH!) gezeigt werden. Soll sagen: Futtere nur die Hälfte, und aus Hüftgold wird in der Abstufung Silber, Bronze, bei viel Glück Idealgewicht. Es ist nun einmal so, überflüssige Pfunde müssen getragen werden. Bei den Grammen sind wir großzügiger, die brauchen wir schon, sonst sind die dringend notwendigen Zusatzstoffe (u.a. Kohlenhydrate) noch schneller als nötig verbraucht. Naja, als Gesundheitsapostel will ich gewiss hier nicht auftreten, denn Sündigen ist bekanntlich ebenso reizvoll wie nachträgliches Bekennen der Schuld. Das billigt dann mildernde Umstände.

Lassen wir die Futterkrippe einmal beiseite und denken erneut an die sich jetzt auftuende (brutale) 4.Welle dieser verhassten Corona-Pandemie. Hatten wir doch alle Hoffnung geschöpft, wieder ein normales, einst geliebtes vorheriges Leben erneut aufnehmen zu können. Zu früh gefreut. 2G/3G, Test`s, Impfungen, Booster, Verweigerer, hohe Inzidenzwerte, Statistiken und weiter Schlimmes mit Blickrichtung Intensivstationen. Womit haben wir das verdient? Zu flott und unbedenklich gelebt? Quatsch. Aber von nun an unbedingt noch bewusster leben unter Einbeziehung aller Maßnahmen, die uns Sportler*innen schützen vor dem Virus, damit das Laufvergnügen nimmer aufhört.

Dienstag, donnerstags, sonntags. Manche mögen`s mehr. Ein, zwei Wettkämpfe auf der langen Strecke pro Jahr reichen mir. Für andere: Dran bleiben, auch an den kleineren Läufen, denn finden die nicht mehr statt, geht die ganze Szene bald in die Knie. Auf keinen Fall. Das darf nicht sein. Allein der Blick nach vorne 2022 ist nicht ermunternd. Dennoch, aufgeben, hinschmeißen, mir egal, gibt es nicht. Es kommen - garantiert - wieder bessere Tage. Meine BITTE: Nicht erst in 10 Jahren!!!

Das alles waren wieder Gedanken, die mir heute beim erquickenden 12,2 km-Lauf bei unvergleichlicher Grunewaldluft und sympathischer Gruppenbegleitung gekommen sind.
Ohne Lauf wäre nichts passiert. So kann es gehen, wenn nicht alles Schokolade is(s)t.

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