Anne hab ich gestern auch noch getroffen. Sie läuft heute dort den Morgen-Marathon. Bin gespannt, was sie erzählt. Hier mein Bericht und Bilder:
Senftenberg Hallen-Ultralauf und Marathon
So – der Auftakt in das Wettkampfjahr 2010 hat nun stattgefunden.
Ich weiß noch sehr gut, dass ich 2007 nach dem Marathon in der Laufhalle gesagt habe, das muss man nicht noch einmal machen. Nun – genau genommen habe ich es ja auch eingehalten denn diesmal lief ich nicht Marathon sondern 50 km. Der positive Aspekt dabei war – in der Halle würde es schnee- und eisfrei sein. Darauf freute ich mich auch, endlich mal nicht Rutschen beim Laufen, einfach nur laufen. Aber es gibt natürlich nicht nur diese positive Seite. Wer schon einmal in einer Laufhalle war, der weiß dass es dort in den Kurven Überhöhungen gibt, die für Sprints und Mittelstrecken den Fliehkräften entgegen wirken sollen. Jeder Überholvorgang, bei dem man hoch rausgehen musste kostete viel Kraft. Und wenn man dann sehr erschöpft ist könnte man ja bei einem Landschaftslauf notfalls mal ein paar Schritte gehen, das geht hier natürlich nicht. Denn da steht man ja im Weg! Also immer weiter, notfalls halt mit gedrosseltem Tempo. Die orthopädische Belastung ist ebenfalls enorm, vor allem eben durch die vielen Kurven und die größere Belastung der linken Körperhälfte. Herr Affenzahn vom 100 MC raunte mir hin und wieder zu: „Ich will ne Rechtskurve.“ Er nahm sich dann ab und an eine Auszeit auf einer Bank und träumte vermutlich von schönen langgezogenen Rechtskurven.
Für mich hätte es gern auch nach 100 Runden beendet sein können. Das war ungefähr der Zeitpunkt wo alles Negative zusammen kam. Jörg stieg aus dem Rennen aus, erhebliche Magenprobleme machten ihm zu schaffen und er hatte keine Lust weiter zwischen dem WC und der Laufbahn zu pendeln. Ich bekam das mit und dachte kurz darüber nach, dass wir dann ja jetzt auch nach Hause fahren könnten, sind wir nicht so spät zu Hause. Dann war auch bei mir der Punkt erreicht wo die Beine sehr schwer wurden und so richtig wohl war mir aber auch nicht. Hinzu kamen Kopfschmerzen durch den geringen Sauerstoffgehalt der Luft und Schluckbeschwerden durch die trockene Luft. Irgendwie dachte ich aber dann, heute könnte doch auch mal der Tag sein, wo ich mich aus dem Tief wieder herausarbeite. Denn ich weiß, dass das geht. Man muss nur Geduld haben. Ich trabte etwa eine Stunde sehr langsam vor mich hin, dachte an das was ich noch so machen wollte in diesem Jahr, warf immer mal wieder einen Blick in die Mitte, wo die schönen Pokale aufgebaut waren und bekam natürlich auch mit, dass irgendwie niemand von Sorgen verschont blieb. Der männliche Favorit über 50 km, er hieß mit Nachnamen Allerheiligen, kämpfte auch um jeden Meter und genauso so gute Läufer wie Felix Kainz oder Michael Hopp. Die liefen zwar immer noch recht schnell aber man sah auch ihnen an, wie schwer es fiel. Die männliche Siegerzeit von mehr als 4 Stunden zeigt, wie schwer dieses Rennen in der Halle ist, das gibt es wohl selten als Gesamtergebnis und der Sieger ist kein langsamer Läufer, im Gegenteil – er hat bereits eine flotte 100 km Zeit zu Buche stehen.
Die Bahn wurde nun leerer, viele Aussteiger wie gesagt - aber die ersten waren auch im Ziel beim Marathon. Und mir ging es besser. Ich freute mich sehr darüber und konnte nun mein Tempo wieder steigern. Sigrid Eichner ging es zu diesem Zeitpunkt bei ihrem Marathon gerade gar nicht gut, Krämpfe machten ihr zu schaffen und sie litt sehr. Ihre Schmerzensschreie waren in der ganzen Halle zu hören, ich strich ihr behutsam über den Rücken, es tat mir sehr leid für sie. Ein Grund zum Aufhören ist das für sie aber nicht.
Als noch etwa 10 km zu laufen waren (ich rechnete am Anfang immer in Runden aber später in Kilometer, weil das dann nicht mehr so viel klang), fragte ich ob mir jemand ein Gel besorgen könne. Ich hatte nämlich wieder gemerkt, dass ich sonst nichts essen wollte und konnte, aber die Cola gab nicht die nötige Energie. Bernd fand einen Läufer, der mir ein Sqeezy abtrat und das war prima. Das ist ja wirklich gut verträglich und ich konnte immer besser laufen danach. Vielleicht war es auch ein wenig Kopfsache aber es machte jetzt sogar wieder Spaß, lief richtig flüssig. Um noch unter 5 Stunden zu bleiben kam die Zündung zu spät. Obwohl ich wieder recht schnelle Kilometer lief war in der Mitte des Rennens zu viel vertrödelt worden. So kam ich nach 5:04h ins Ziel, hatte gewonnen, bekam einen großen Pokal, eine schicke Medaille in Form einer Laufbahn und dazu konnte man sich bei wertvollen Preisen etwas aussuchen. So habe ich auch noch eine neue Laufhose mitnehmen dürfen.
Damit ist der Jahresauftakt gelungen, wie ich finde auch wenn ich eigentlich schneller hätte laufen wollen. Die Siegerin im Marathon ist eine wirklich gute Läuferin aber auch Antje war die Anstrengung anzumerken. So hat mein Streckenrekord von der ersten Auflage nach wie vor Bestand, über den ich mich heut noch selbst wundere.
Als man ins Ziel kam, wurde einem Sekt angeboten, das wäre zwar der Leistung meiner Meinung nach gerecht geworden hätte mir persönlich aber wahrscheinlich den Rest gegeben. Die Frage ist nun, was ist schöner, rumrutschen auf Schnee und Eis oder das hier? Ich tendiere irgendwie doch zur frischen Luft.
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