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Berlin-Triathlon XL am 21.08.2011

Berlin-Triathlon XL am 21.08.2011

Beitragvon uliraffel » 31.08.2011, 00:07

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uliraffel
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Re: Berlin-Triathlon XL am 21.08.2011

Beitragvon uliraffel » 31.08.2011, 00:07

Mit mehr als einer Woche Verspätung bin ich jetzt doch noch dazu gekommen, meine Erfahrungen vom Berlin-Triathlon XL von letzter Woche am Müggelsee niederzuschreiben. Laut Ausschreibung handelte es sich um eine Mitteldistanz mit 1,9 km schwimmen, 90 km radfahren und 21 km laufen. Nach meiner Einschätzung meiner Trainingsform hielt ich dafür eine Zeit von 6:20 h für realistisch. Da ich letztes Jahr beim Berlin-Man bei meiner ersten Mitteldistanz aufgeben musste, war das wichtigste Ziel aber, diesmal ins Ziel zu kommen.

Die Schwimmstrecke bestand aus 2 Runden mit Landgang zwischendurch, während die Kurzdistanz-Triathleten, die 750 Meter schwammen, 10 Minuten nach uns starteten und eine Runde absolvierten. Das führte dazu, dass sowohl die schnellen Kurzdistanzler auf die langsamen Mitteldistanzler aufschwammen als auch die schnellen Mitteldistanzler in ihrer 2. Runde auf die langsamen Kurzdistanzler. Laut Wettkampfinfos und Wettkampfbesprechung sollte die 2. Runde bei der Mitteldistanz vergrößert werden, um auf 2 km (oder 1,9 km laut Ausschreibung, wie viel wir nun wirklich geschwommen sind, werden wir wohl nie erfahren) zu kommen. Im Wettkampf war aber tatsächlich die erste Runde vergrößert. So hatte ich beim Landgang einen Riesenrespekt vor der restlichen Schwimmstrecke, da ich davon ausgegangen bin, erst 750 Meter absolviert zu haben. Tatsächlich hatte ich aber schon mehr als die Hälfte hinter mir. Am Start gab es beim schwimmen ein einziges Hauen und Stechen um gute Positionen und man bekam den einen oder anderen Fuß ab. Als sich das Feld ein bisschen besser verteilt hatte, lief es aber besser. Mein Vorhaben, möglichst wenig Körner schon beim schwimmen zu lassen, sondern noch relativ entspannt aus dem Wasser zu steigen, ist gut gelungen. Mit meiner Zeit von 45:01 bin ich sehr zufrieden. 19 Konkurrenten im Feld der knapp 300 Mitteldistanzler hatte ich sogar noch hinter mir gelassen.

Der Weg zur Wechselzone war ewig. Da Ein- und Ausgang der Wechselzone auf der gleichen Seite waren, musste man aus Gründen der Chancengleichheit noch durch die komplette Wechselzone durchlaufen, um ein Hütchen rum und dann zu seinem Platz. Mein Platz war aber ganz am rechten Rand der Wechselzone, so dass ich doch ein paar Meter mehr laufen musste als diejenigen, deren Wechselzone in der Mitte lag. Beim Wechsel dauert es bei mir immer ein wenig. Stoppuhr starten, Badehose aus, abtrocken, Unterhose an, Brustwarzen mit Gleitcreme einschmieren, Radshirt an, gepolsterte Radhose und Sporthose anziehen, Verpflegung hinten ins Radshirt stecken, Sportsocken und Radschuhe an, Startnummernband umschnallen, Helm auf, das Rad geschnappt uns los geht’s. Der Aufenthalt am Wechselplatz hat 4 Minuten gedauert. Zur neuen Triathlonsaison 2012 mache ich mir vielleicht mal ein paar Gedanken, was man da noch optimieren kann. Bei einer erwarteten Wettkampfzeit über sechs Stunden war mir das aber dieses Mal noch nicht so wichtig, zumal der spontane Versuch, doch noch was zu optimieren, ziemlich in die Hose ging. Ich wollte mir meine Radhandschuhe nämlich beim Fahren anziehen, was dann so in etwa 1-2 Minuten gedauert hat und mich auf dem Rad mit Sicherheit mehr Zeit gekostet hat als wenn ich sie mir noch im Stehen angezogen hätte.

Die Radstrecke sollte ursprünglich drei Runden um den Müggelsee gehen. Vor etwa zwei Monaten bin ich sie im Training abgefahren, damit ich eine Vorstellung bekomme, was mich beim Wettkampf so erwarten wird. Mein Fazit war, dass es eine sehr flache und schnelle Strecke ist, die aber aufgrund der Ampeln und des vielen Verkehrs als Trainingsstrecke für weitere Trainingseinheiten ungeeignet ist. Drei Tage vor dem Wettkampf haben die Veranstalter dann bekanntgegeben, dass die Radstrecke aus Sicherheitsgründen geändert werden muss. Es sollte nun nicht mehr um den Müggelsee herum gehen, sondern 4 Runden auf einer Pendelstrecke südlich und östlich des Müggelsees verlaufen. Ich errechnete, dass diese Strecke nur 81 km lang wäre und ärgerte mich, dass das ja dann keine richtige Mitteldistanz mehr ist. Bei der Startnummernausgabe und Wettkampfbesprechung zauberten die Veranstalter nun noch mal eine veränderte Radstrecke aus dem Hut: eine etwas längere Pendelstrecke, die nun aber nur noch 3x zu durchfahren war. Auf meine Frage bei der Wettkampfbesprechung, wie lang die Radstrecke denn nun genau ist war die Antwort: „Leider haben wir das mit den exakt 90 km nicht ganz hinbekommen, es sind in etwa 89 km“. Ich freute mich also, nun doch eine vollwertige Mitteldistanz absolvieren zu dürfen. Wie sich herausstellte, war die Radstrecke nicht einen, sondern elf Kilometer zu kurz, denn am Ende hatte ich exakt 79 Kilometer auf meinem Tacho zu stehen. Doch das war nicht das schlimmste, was es an der Radstrecke zu bemängeln gab. In der Ausschreibung stand etwas von gesicherten Radstrecken und so bin ich eigentlich wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass die Radstrecke für den Autoverkehr gesperrt ist. Leider war dem nicht so, es wurden lediglich Tempo-30-Schilder mit dem Hinweis „Achtung Triathlon“ aufgestellt. Ansonsten fuhren in beide Richtungen Autos und in beide Richtungen Triathleten, was alleine schon bei mir als eher langsamem Radfahrer zu einigen brenzligen Situationen führte, insbesondere an einer Baustelle, bei der nur eine Spur zur Verfügung stand, sich in beide Richtungen sich lange Autoschlangen bildeten und die Polizei vereinzelt Autos durchlies.

Für die Radstrecke hatte ich mir einen Durchschnitt von 27,5 km/h vorgenommen. Das entsprach in etwa meinen Trainingsleistungen, wobei ich dort immer auf starken Wind, viele Berge (die das südliche Berliner Umland so hergeben, „Hügel“ trifft es wohl besser) und/oder starke Hitze von über 30° traf, so dass ich keinen richtigen Referenzwert hatte, was für eine Durchschnittsgeschwindigkeit ich bei Idealbedingungen überhaupt drauf hatte. Nach der ersten von drei Runden hatte ich mich noch sehr locker gefühlt und einen Schnitt von 29,8 km/h auf dem Tacho und war überrascht, was ich doch drauf habe, wenn es flach und windstill ist. Zurückblickend denke ich, dass diese erste Radrunde doch etwas zu schnell war und ich mich da trotz des noch guten Gefühls noch etwas hätte bremsen müssen. Aber vermutlich musste ich mich zu sehr auf den Verkehr konzentrieren und hatte wegen der nicht gesperrten und zu kurzen Radstrecke zu viel Wut im Bauch. Zuerst hat mich das auch ein wenig demotiviert, dass es nun doch keine echte Mitteldistanz ist. Ich rechnete mir dann aber aus, dass ich bei nur 80 km radfahren etwa 20 Minuten weniger brauchen werde und habe mir dann spontan als neues Ziel eine Zeit unter 6 Stunden gesetzt. In der zweiten Runde begann die Sonne dann richtig zu knallen bei Temperaturen um die 26°. Trotz Fahrtwind tropfte mir jetzt richtig der Schweiß. Nach zwei Runden hatte ich noch einen Schnitt von 29,3 km/h. Auf der dritten Runde verschwand die Sonne dann zum Glück hinter ein paar Wolken. Meine Kräfte ließen aber trotzdem schon spürbar nach – ein Gefühl, dass ich eigentlich frühestens auf der Laufstrecke erleben wollte. Nach der letzten Wende zählte ich, wie viele Fahrer mir noch entgegen kamen. Es waren acht, von denen der letzte schon etwa 20 Minuten hinter mir lag. Überholt hat mich auf der Radstrecke keiner mehr, aber mein Radschnitt sank auf 28,8 km/h. Da die Zwischenzeitmessung vor dem ersten und nach dem zweiten Wechsel erfolgte, waren in der gemessenen Radzeit beide Wechsel mit drin. Trotz meiner langsamen Wechsel hatte ich bei der Radzeit noch fünf Konkurrenten hinter mir gelassen.

Der zweite Wechsel ging schneller als der erste. Ich habe mir fürs Laufen nochmal ein frisches Shirt angezogen, Brustwarzen nochmal mit Gleitcreme eingeschmiert, Sporthose ausgezogen, gepolsterte Radhose ausgezogen, Sporthose wieder angezogen, Getränkegurt umgeschnallt, Radschuhe ausgezogen, Laufschuhe angezogen, Startnummernband wieder umgeschnallt und weiter geht’s. Aufenthalt am Platz waren knappe drei Minuten. Zusammen mit dem Erneuten Herumlaufen um den Kegel am Ende der Wechselzone war die Wechselzeit so etwa fünf Minuten.

Die ersten Minuten lief es beim Laufen noch ganz gut, doch schon nach 2 Kilometern war dieses gute Gefühl verflogen und ich musste eine Gehpause einlegen. Nach fünf Minuten machte ich mich dann wieder auf den Weg. Als ich dann immer noch auf der ersten der vier 5,2-km-Runden eine weitere Gehpause machen musste, war mir klar, dass es mit einer Zeit unter 6 Stunden nicht klappen wird. Nun ging es darum, die verbleibenden drei Runden mich achtbar aus der Affäre zu ziehen. Am Ende der ersten Laufrunde hatte ich letztes Jahr beim Berlin-Man aufgegeben, weil ich so ausgepowert war, dass ich die verbleibenden 15 Kilometer fast ausschließlich hätte gehen müssen. Auch wenn die abweichenden Distanzen und Streckenprofile eigentlich keinen Vergleich zulassen, so rechnete ich mir aus, dass ich an dieser Stelle schon über eine Stunde (4:19h) schneller war als zum Zeitpunkt der Aufgabe beim Berlin-Man (5:23h). Somit war für mich klar, dass ich den Wettkampf diesmal zur Not auch gehend zu Ende bringen werde. Ganz so schlimm wurde es dann nicht. Aber nachdem ich die erste Runde noch mit 34:56 hinter mich gebracht habe, war es auf der zweiten Runde schon 37:47. Immer, wenn ich mal 2 Kilometer am Stück gelaufen bin, musste ich eine Gehpause machen. Vielleicht war das auch ein Kopfproblem. Nachdem ich gleich in der erste Runde nach zwei Kilometern eine Gehpause gemacht habe, dachte ich wohl, ich könne/müsse jetzt nicht mehr länger am Stück laufen. Zwischendurch rechnete ich mir aus, dass ich deutlich schneller wäre, wenn ich mit 6:30 min/km durchlaufen würde statt mit 6:00 min/km zu laufen und dann Gehpausen zu machen (die ich mit 10:00 min/km veranschlagte). Zwischendurch hatte ich auch eine Läuferin vor mir, die nach meiner Schätzung etwa 6:30 min/km lief. Aber irgendwie habe ich es nicht geschafft, hinter ihr zu bleiben, sondern bin vorbei, weil es mir zu langsam war, um fünf Minuten später wieder gehen zu müssen. Bekloppt. Dabei habe ich genau dieses Problem vorher geahnt und bin einmal im Training 22,5 km in langsamen 6:30 min/km durchgelaufen, um ein Gefühl für dieses Tempo zu bekommen. Die dritte Runde war mit 39:11 dann noch langsamer als die zweite. Hier traf ich auf einen Läufer, dem es von der Anzahl der Gehpausen ähnlich wie mir ging, wobei er fast immer dann ging als ich lief und umgekehrt. So wechselten wir ein ums andere Mal die Positionen. Vor der letzten Runde habe ich dann eine Dose Cola getrunken, um meinem Körper noch einmal einen Energieschub zu geben. Als ich dann sah, dass der andere Läufer mit den Gehpausen ebenfalls noch eine Runde vor sich hat, wollte ich dann so lange durchlaufen, bis er mich nicht mehr sehen kann. Das ist dann für zwei Kilometer gelungen, was im Vergleich zu den Runden zuvor schon eine Steigerung war. Als ich mich am Ende der darauffolgenden Gehpause umdrehte und den anderen Läufer nicht mehr sah, wusste ich, dass ich zumindest diesen einen Konkurrenten hinter mir habe und zumindest nicht Letzter werde. Tatsächlich kamen dann am Ende noch drei weitere hinter mir ins Ziel. Von der reinen Laufzeit waren sogar sechs Triathleten hinter mir. In der Mitte der letzten Runde rechnete ich mir aus, dass noch eine Zeit unter 6:15 h erreichen kann, wenn ich noch einmal die Zähne zusammen beiße und alles heruashole, was in meinem Körper noch drinsteckt. Mit der Aussicht auf den baldigen Zieleinlauf gelang mir mit 36:23 in der vierten Runde dann noch meine zweitschnellste Runde und so lief ich jubelnd mit einer Gesamtzeit von 6:13:01 ins Ziel. Die Zeit von 2:28:17 für den abschließenden Halbmarathon lässt noch sehr viel Potential nach oben.

Nach wie vor stolz auf meine erste gefinishte Mitteldistanz schmiede ich jetzt schon Pläne fürs nächste Jahr. Mit dem Berlin-Man, der ja nur alle zwei Jahre stattfindet, habe ich noch eine Rechnung offen. Im Moment denke ich deshalb, dass ich den Berlin-Man 2012 erneut in Angriff nehmen werde.
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Re: Berlin-Triathlon XL am 21.08.2011

Beitragvon Martin König » 31.08.2011, 21:52

:clap: Glückwunsch Uli
Respekt und Anerkennung! :ersterplatz
Hast Dich echt wacker geschlagen!
LG martin
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Re: Berlin-Triathlon XL am 21.08.2011

Beitragvon Biba » 31.08.2011, 22:38

Danke für Deinen Bericht, Uli,
und Respekt fürs Durchkämpfen. Scheint ja nicht so leicht für Dich gewesen zu sein.
Streckenlängen variieren im Triathlon immer, sind daher gar nicht zu vergleichen. Nicht mal bei ein und demselben Wettkampf von einem zum anderen Jahr.
Das war als Mitteldistanz ausgeschrieben und Du hast es ins Ziel geschafft, also Glückwunsch ! :ersterplatz Super gemacht ! :clap:

Aber sagt mal....warum nur ziehst Du Dich im Wettkampf mehrmals um ?? :gruebel:

Gruß Biba
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