Re: 12.07.2009 Schlaubetal-Triathlon
von uliraffel » 12.07.2009, 21:19
Hier nun mein Bericht:
ich hatte ja bereits im letzten Jahr schon zwei Triathlons
auf der olympischen Distanz (1,5 km schwimmen,
40 km radfahren, 10 km laufen) erfolgreich absolviert
und dabei beim Berlin-Triathlon mit 3:21:06 h und
beim Kallinchen-Triathlon mit 3:18:50 h für den
Einstieg ganz zufriedenstellende Zeiten erzielt. Nun
sollte heute beim Schlaubetal-Triathlon in Müllrose
bei Frankfurt/Oder zumindest die 3:15h-Marke, die
ich mir eigentlich schon fürs letzte Jahr vorgenommen
hatte fallen.
Bei der Abholung der Startnummer konnte ich die
Streckenpläne fürs schwimmen, radfahren und laufen
studieren. Erfreulich war, dass es jeweils immer nur
eine grosse Runde war und da ausserdem alle in einer
Welle gestartet sind, wusste man, dass jeder, den man
überholt oder von dem man überholt wird, der direkte
Konkurrent um einen Platz ist und kein überrundeter
oder zu überrundender. Das Höhenprofil der Radrunde
liess mich hingegen erschrecken, denn es war alles andere
als topfeben. Gleich am Anfang warten mehrere Anstiege,
die ausgehend von 40 m hoch bis auf eine Höhe von
110 m gingen.
Am Start ist mir aufgefallen, dass ich einer der wenigen
ohne Neoprenanzug war. Bei 20,5°C Wassertemparatur
ist das als Kälteschutz auch nicht wirklich nötig (abgesehen
davon, dass ich gar keinen besitze), aber es soll halt schneller
sein. Ich habe zunächst versucht, mich aus dem Gedränge
rauszuhalten. Ganz vermeiden lassen sich aber ein paar
Berührungen mit anderen Schwimmern wohl nicht. Da
der Große Müllroser See noch relativ klares Wasser
hat, konnte ich meinen aus dem Schwimmbad gewohnten
Stil mit Kopf unter Wasser durchziehen und musste nur
hin und wieder schauen, wo die nächste der insgesamt
drei zu umschwimmenden Bojen ist. Dabei hatte ich das
Gefühl, mich ganz gut orientieren zu können, denn einige
Schwimmer, denen ich vom Tempo nicht mehr folgen
konnte, habe ich an der nächsten Boje dann wiedergetroffen.
Als ich aus dem Wasser kam, rief mir ein Zeritnehmer zu,
dass ich 33 Minuten gebraucht habe. Dafür, dass die Strecke
lt. Wettkampfbesprechung mit 1530 Metern wohl sogar noch
einen Hauch zu lang sein sollte, eine Superzeit.
Als ich in der Wechselzone ankam, habe ich erst einmal meine
Uhr angemacht und die Zeit gestoppt. Ein Ziel von mir war,
diesmal die Zeit bei den Wechseln zu verkürzen. Nach etwa
3 1/2 Minuten bin ich komplett umgezogen und beginne, mein
Rad bis zum Ende der Wechselzone zu schieben.
Die Radstrecke lässt einen nicht erst sich gemütlich einrollen,
sondern es warten gleich ein langgezogener Anstieg, bei dem
mein Tempo bis auf 16 km/h runter ging. Aber ich habe
konstant weitergetreten und so meine 102 kg über den
Berg gebracht. Dabei habe ich eine ältere Frau um die 60
überholt und bin selbst von 3 Radlern überholt worden, die
in einem solchen Tempo an mir vorbeigezogen sind, dass ich
mich gefragt habe, wieso man so langsam schwimmen, aber
so schnell radfahren kann. Auf dem ersten steilen Bergabstück
habe ich es in einer möglichst aerodynamischen Position einfach
rollen lassen und als ich so bei 40 km/h war und dachte, dass
ich jetzt endlich mal von meinem Gewicht profitiere, hat mich
dann noch ein junger Mann überholt, der bei den Anstiegen
sichtlich seine Probleme hatte, so dass ich mich immer wieder
in seinen moralischen Windschatten reinkämpfen konnte
(echtes Windschattenfahren war bei diesem Triathlon nicht
erlaubt). Als aber das erste Renndrittel mit den vielen Anstiegen
überstaden war und es überwiegend flach bzw. bergab ging,
habe ich ihn dann aus den Augen verloren und auch bis zum
Ende der Radstrecke keinen anderen Radfahrer mehr zu Gesicht
bekommen. Gegen Ende verlief die Radstrecke (auf der Strasse)
parallel zur Laufstrecke (auf dem Bürgersteig) und ich konnte so
einen Läufer nach dem anderen überholen. Nachdem ich nach
einem kanppen Drittel gerade mal ein Durchschnittstempo von
24,0 km/h hatte, kam ich am Ende noch auf 26,6 km/h, womit
ich auf dieser anspruchsvollen Strecke super zufrieden bin.
Die über 29 km/h vom 120-km-Velothon vor drei Wochen habe
ich ja schliesslich nur durch Profitieren vom Windschatten erreicht.
Der zweite Wechsel war mit etwas über einer Minute ebenfalls
sehr schnell. Als ich mich gerade auf den Weg auf die 10-km-
Laufrunde einmal um den See gemacht habe, kam der 11.-Platzierte
ins Ziel. Irgendwann will ich es mal schaffen, bei einem Triathlon
bereits zumindest mit dem Laufen angefangen zu haben, wenn der
Sieger ins Ziel kommt. Da ich bei meinen ersten beiden Triathlons
die Laufstrecke jeweils nicht ohne Gehpausen absolvieren konnte,
war nun mein erstes Ziel, diesmal durchzulaufen. Die Zwischenzeit
sagte mir, dass ich um die 2:05 bisher gebraucht habe und mit einem
6-Minuten-Schnitt eine im Vergleich zu den bisherigen Zeiten
sensationelle 3:05 erzielen kann. Da ich den Mann mit dem
Hammer erst in der zweiten Hälfte der Laufstrecke erwartet
habe, bin ich erst einmal gemütlich losgelaufen, in der Hoffnung,
dass ich so sicher ins Ziel komme. Mit Kilometern knapp
unter 6 Minuten schien ich dann auch ein gutes Tempo
gefunden zu haben, das ich langsam immer weiter angezogen
habe. Ich hatte die Hoffnung, noch den Konkurrenten, den ich
beim radfahren irgendwann aus den Augen verloren habe, wieder
einzuholen. Aber ich habe während der gesamten Laufstrecke
weder vor mir noch hinter mir auch nur einen anderen Läufer
zu Gesicht bekommen. Nur die Wasserstände, die
Streckenmarkierungen und die km-Schilder sagten mir, dass ich noch
auf dem richtigen Weg bin. Später habe ich in der Ergebnisliste
gesehen, dass ich meinen Konkurrenten doch noch überholt habe
und er erst 15 Minuten nach mir ins Ziel kam. Vermutlich hat er sich
verlaufen oder gerade im Gebüsch verschwunden, als ich ihn überholt
habe und ist danach eingebrochen. Nach km 7 war ich mir sicher, die
Distanz diesmal im Griff zu haben und da ich bei der Zwischenzeit
eine gewisse Unsicherheit hatte, da sie ja nur auf dem "33 Minuten",
die mir nach dem schwimmen zugerufen wurden und den geschätzten
2 Minuten, die ich bis zur Wechselzone gelaufen bin basiert hat,
habe ich noch einmal Gas gegeben und bin auf den letzten 3 km
so um die 5:30 pro km gelaufen, womit ich insgesamt die
abschliessenden 10 km in 56:14 absolviert habe. Die deutliche
Verbesserung der Laufzeit gegenüber den bisherigen Triathlons
(65:52 und 61:50) schreibe ich aber nicht nur dem Laufen zu,
sondern der Tatsache, dass ich noch wesentlich erholter (bzw.
wesentlich weniger völlig fertig) mich auf den Weg auf die
Laufstrecke gemacht habe.
Meine offizielle Zeit war dann 3:01:15, womit ich mich um
17:35 Minuten verbessert habe. Da die Radstrecke mit
offziell angegebenen 37,4 km leider etwas zu kurz war,
müsste man eigentlich noch etwa 5 Minuten raufrechnen,
aber angesichts der anspruchsvollen Profils rechne ich da
gar nichts rauf. Wermutstropfen ist, dass ich auch mit dieser
Zeit nur den 109. Platz von 112 Finishern gemacht habe.
Der Schlaubetal-Triathlon scheint zwar zahlenmäßig nicht
sehr stark besetzt zu sein, aber dafür leistungsmäßig sehr
stark zu sein. Auch mit 20 Minuten mehr war ich bei den
beiden Triathlons im letzten Jahr nicht so weit hinten.
In 4 Wochen werde ich beim Berlin-Triathlon versuchen
zu beweisen, dass die Zeit von heute keine Eintagsfliege
war. Wenn da alles gut läuft, wackelt vielleicht ja sogar die
3-Stunden-Marke.
Liebe Grüße
Uli