Joggen kann Vorhofflimmern begünstigen
New York City – Jüngere Ärzte, die täglich joggen, hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie im American Journal of Cardiology (2009; 103: 1572-1577) ein erhöhtes Risiko auf ein Vorhofflimmern.
Sport ist gesund und insbesondere dem Ausdauersport wird eine präventive Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugeschrieben. Dies schließt jedoch nicht aus, dass regelmäßiges Joggen nicht auch mit Risiken verbunden sein kann. Sie betreffen nicht nur Gelenke und Bewegungsapparat, sondern möglicherweise auch das Herz, vermutet Anthony Aizer vom New York University Medical Center.
Joggen erhöhe, mehr noch als andere Ausdauersportarten den parasympathischen Tonus, berichtet der Kardiologe, der hierin einen möglichen Risikofaktor für das Vorhofflimmern sieht, einem seiner Forschungsschwerpunkte.
Um diese Frage zu klären, wertete Aizer die Daten der Physicians' Health Study aus. Es handelt sich dabei eigentlich um eine randomisierte Studie, die in den 80er-Jahren die kardiopräventive Wirkung von ASS und Betacaroten untersucht hatte. Die 22.071 Teilnehmer, männliche Ärzte im Alter von 40 bis 84 Jahren, wurden in der Folge regelmäßig nach ihrem Lebensstil und ihren Krankheiten befragt. Diese Daten macht die Studie zu einer wichtigen Fundgrube für Epidemiologen.
Aizer stellte jetzt fest, dass Ärzte, die regelmäßig (fünf bis sieben Mal in der Woche) joggten, zu 53 Prozent häufiger an einem Vorhofflimmern erkrankten. Das Risiko stieg mit der Laufstrecke: Wer regelmäßig 4 Meilen (ca. 6,4 km) lief, erkrankte zu 38 Prozent häufiger an Vorhofflimmern. Betroffen waren übrigens nur Ärzte unter 50 Jahren, was Aizer auf die nachlassende parasympathische Aktivität im Alter zurückführt.
Aizer hat sich bemüht, in einer Multivariatanalyse mögliche andere Erklärungen für die signifikante Assoziation auszuschließen. Die Liste der Risikofaktoren des Vorhofflimmerns ist lang und Beobachtungsstudien sind niemals frei von sogenannten Confounders, welche die wirklichen Risiken verdecken.
Laut Aizer wiesen jedoch viele joggende Ärzte andere Risikofaktoren auf – für sie war Joggen möglicherweise die Kompensation für ungesunde Lebensweisen auf anderen Gebieten – und es ist nicht ausgeschlossen, dass das Risiko in Wirklichkeit noch höher ist, als die Zahlen Aizers vermuten lassen. Die Ergebnisse dürften auch andere Berufsgruppen übertragbar sein. Ob Frauen ebenfalls gefährdet sind, müssten weitere Studien zeigen. © rme/aerzteblatt.de
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