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Abschied von der Atemspende

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Abschied von der Atemspende

Beitragvon Hübi » 23.06.2009, 08:47

Abschied von der Atemspende
Wiederbelebung, einfacher und besser: Meist reicht die Herzmassage durch Laienhelfer völlig aus
Von Hartmut Wewetzer


Ein Mann, ungefähr Mitte 50, bricht bewusstlos an der Bushaltestelle zusammen. Die Umstehenden sind ratlos. Was tun? Herzmassage? Mund-zu-Mund-Beatmung? Wie ging das nochmal? Und ist das nicht gefährlich? Schließlich ruft jemand die Feuerwehr. Als sie endlich nach mehr als zehn Minuten eintrifft, kommt für den Mann jede Hilfe zu spät.

Das Beispiel ist erfunden, und trotzdem alltägliche Realität. Etwa 400 000 Menschen sterben in Europa jedes Jahr am plötzlichen Herztod. Viele, die kurz nach dem Kreislaufstillstand zwischen Leben und Tod schweben, könnten mit Erster Hilfe durch Laienhelfer gerettet werden. Meist aber werden sie in diesen entscheidenden Minuten alleingelassen.

Die Europäische Fachgesellschaft für Herzrhythmusstörungen möchte das ändern. Mit einer Kampagne namens „Beat it“ will sie die Aufmerksamkeit auf den plötzlichen Herztod und seine Bekämpfung lenken. Bei der Eröffnung des „Europace“-Kongresses im Berliner ICC, dem Fachtreffen der Herzrhythmus-Spezialisten, stellte Dietrich Andresen, Herzspezialist am Berliner Vivantes-Klinikum Am Urban, die „Beat it!“-Kampagne vor. Geplant sind vor allem Schulungen, etwa gemeinsam mit Apothekern.

Bislang überlebt dank Erster Hilfe nur jeder Zehnte bis 20. ein akutes Herzversagen. „Jede Minute, in der nicht wiederbelebt wird, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent“, sagte Andresen. Ein Hoffnungsschimmer ist die Tatsache, dass zwei von drei Fälle von akutem Herzversagen durch Zeugen beobachtet werden. Aber nur in 30 Prozent der Fälle ergreifen diese Zeugen Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Warum helfen die meisten Menschen nicht? Andresen nannte vier Hauptursachen: Die Gefahr wird verkannt („der schläft bloß“); man hat Angst, etwas falsch zu machen; Ekel; Vertrauen auf die herbeitelefonierten „Profis“ („die werden das schon machen“).

Ein wesentlicher Grund für das Zögern der Ersthelfer dürfte die immer noch in Kursen gelehrte Mund-zu-Mund-Beatmung sein. Auch die „Beat it!“-Kampagne propagiert, jeweils nach 30 Mal Herzmassage zwei Mal eine Atemspende zu geben. Dabei hat in Fachkreisen längst das Umdenken begonnen. Immer mehr Studien belegen, dass die Herzmassage in den meisten Fällen völlig ausreichend, wenn nicht sogar nützlicher als eine Kombination mit der Atemspende ist.

Vorreiter der Entwicklung sind die USA. Bereits im März 2008 veröffentliche die „American Heart Association“ (AHA) eine Stellungnahme, in der sie ausdrücklich betonte, dass „ausschließliche Herzmassage Leben retten kann und bei Erwachsenen, die plötzlich zusammenbrechen, angewandt werden kann“. Die Empfehlungen der AHA gelten für Laien, nicht für medizinisches Personal, das weiter die Atemspende einsetzen soll.

Aber selbst Medizinprofis wie Rettungssanitäter könnten eines Tages auf die Atemmaske verzichten. Darauf deutet eine 2008 im Fachblatt „Jama“ veröffentlichte Studie hin, bei der Rettungssanitäter in Arizona entweder nach der herkömmlichen „30-zu-zwei“-Regel wiederbelebten oder statt dessen 100 Mal pro Minute die Herzmassage einsetzten. Ergebnis: Wenn die Sanitäter sich auf die Herzmassage konzentrierten, stiegen die Überlebenschancen um fast das Dreifache an. Denn es ist nicht nur die für Laien abstoßende Vorstellung der Mund-zu-Mund-Beatmung, die die komplizierte und zeitraubende Atemspende in ein schlechtes Licht rückt. Auch medizinisch spricht wenig für sie.

Das akute Herzversagen geschieht in der Regel schlagartig. Der im Blut gelöste Sauerstoff reicht dann meist aus, um den Körper noch etliche Minuten zu versorgen. Entscheidend für Herz und Hirn ist nicht der Sauerstoffgehalt des Blutes, sondern die Tatsache, dass der Kreislauf stillsteht. Nur die Herzmassage stellt einen „Ersatzkreislauf“ wieder her, bringt Sauerstoff zu den Organen und transportiert schädliche Stoffwechselprodukte ab. Es ist der Stillstand, der tötet.

Von dieser Regel gibt es eine seltene Ausnahme. Dann nämlich, wenn der Kreislaufstillstand seine Ursache nicht im Herzen, sondern in der Lunge hat – etwa bei Atemstillstand durch Drogen, bei Ersticken oder Ertrinken. Hier ist der Sauerstoffmangel zentrales Problem. Auch Kinder sollen eine Atemspende bekommen, rät die AHA. In all diesen Fällen gilt weiter „30 zu zwei“. Es ist also nach wie vor nützlich, die Atemspende zu erlernen, auch wenn man sie in den meisten Fällen nicht anwenden muss.

Ob auch in Europa die Richtlinien für die Wiederbelebung geändert werden, ist Sache des regelmäßig tagenden „European Resuscitation Council“. Ihn zu überzeugen sei aber „harte Arbeit“, versichern Herzspezialisten.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 22.06.2009)

http://www.tagesspiegel.de/magazin/wiss ... 04,2829260
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Re: Abschied von der Atemspende

Beitragvon Hübi » 23.06.2009, 08:52

ERSTE HILFE
Druck machen


1. Wer beobachtet, wie jemand bewusstlos zusammenbricht – sofort die Feuerwehr rufen (112).

2. Keine Zeit mit Puls fühlen verschwenden. Bewusstlosen auf den Rücken legen und die Beine senkrecht nach oben halten, um zu prüfen, ob es nur ein harmloser Kreislaufkollaps ist. Wacht die Person nach 30 Sekunden und durch Rütteln nicht auf, liegt vermutlich ein bedrohlicher Kreislaufstillstand vor. Gibt es zudem keine Zeichen für normales Atmen: Herzmassage beginnen.

3. Bei der Herzdruckmassage beide Hände übereinander in der Mitte des Brustbeins auflegen und dieses 100 Mal pro Minute etwa fünf Zentimeter tief eindrücken. Fortfahren, bis der Notarzt eintritt. Helfer wechseln sich ab.

4. Auf Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten, wenn man sie nicht sicher beherrscht. (Quelle: Hermann Klein, Klinikum Idar-Oberstein) (wez)

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 22.06.2009)

http://www.tagesspiegel.de/magazin/wiss ... 04,2829268
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Re: Abschied von der Atemspende

Beitragvon BK » 23.06.2009, 14:10

Dazu paßt die folgende Mitteilung der Frankfurter Rundschau. Um den Rhythmus bei der Herzmassage zu haben, an Stayin Alive von den Bee Gees denken.

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/ ... Leben.html
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Re: Abschied von der Atemspende

Beitragvon Hübi » 23.06.2009, 14:25

Danke, Björn :zustimm:

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Re: Abschied von der Atemspende

Beitragvon Roadrunner » 23.06.2009, 16:50

Vor ein paar Wochen haben wir beim Auffrischungskurs auf Arbeit noch 30mal Drücken und zweimal Beatmen gelernt.Aber das ändert sich ja laufend, inzwischen kenne ich schon etliche Varianten. Praktisch ist die neue stabile Seitenlage.
http://www.johanniter-dortmund.de/compo ... Itemid,46/

Gut, wenn man so einen Tragbaren Defi ib der Nähe hat, den auch der laie bedienen kann.
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Re: Abschied von der Atemspende

Beitragvon Anne22 » 23.06.2009, 20:34

Im Notfall vergisst man eh die 1000 Variationen, die man mal gelernt hat. Ich habe vor 2 Jahren einem Mann am Schlachtensee das Leben gerettet. Er lag leblos auf der Fahrbahn, hatte kein Puls und keine Atmung. Ich habe nicht einen Moment gezögert und mit der Variante 15/ 2 (alt) begonnen. Dies musste ich bis zum Eintreffen des NAWs ca. 20min durchhalten. Schon traurig wenn man in Berlin so lange warten muss. Die vielen Passanten haben nichts viel gemacht. Es kamen ein paar kluge Ratschläge, 2-3 haben die Feuerwehr alarmiert und andere sind mit ihrem Auto vorbei gefahren und haben gehupt. War ja auch ne Frechheit, dass dies alles auf der Fahrbahn geschah :icon_evil:
Heute geht es dem lieben Mann (Peter heißt er) sehr sehr gut und er ist froh am Leben zu sein. Im Mai haben wir seinen "2.Geburtstag" gefeiert.
Was ich eigentlich sagen wollte: Man kann keine Fehler machen, ob nun 15/2 oder 30/2 oder keine Mund zu Mund Beatmung- egal. Man sollte einfach nur helfen....Es gibt Menschen, die einem unheimlich dankbar sind, für Dinge die selbstverständlich sind!

:schaf:
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Re: Abschied von der Atemspende

Beitragvon Tortellini » 24.06.2009, 12:38

Toll gemacht, Anne!!! :zustimm: :zustimm: :zustimm: :clap: :clap: :clap: :respekt:
Gruß
Torsten

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Re: Abschied von der Atemspende

Beitragvon Roadrunner » 24.06.2009, 16:55

Tortellini hat geschrieben:Toll gemacht, Anne!!! :zustimm: :zustimm: :zustimm: :clap: :clap: :clap: :respekt:

:zustimm:
Ich bin selbst noch nicht in eine Situation gekommen, in der ich Erste Hilfe leisten musste aber das mit den Schaulustigen ist schon der Hammer.Bei uns in der Straße ist vor kurzen ein Mann zusammen gebrochen , Sanitäter waren schon vor Ort aber was da drumherum los war spottet jeder Beschreibung :gruebel:
Aber gegen diese Leute ist wohl kein Kraut gewachsen.Abgesehen davon ist man gesetzlich dazu verpflichtet Hilfe zu leisten :icon_exclaim: Ausnahmen nur ,wenn man sich selbst in Gefahr begeben müsste oder eine Behinderung hat ,die es unmöglich macht zu helfen.
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