Sodele, Marathon Nr. 28 ist Geschichte !
Samstag - 24.04.10 um 10 Uhr - das Quecksilber steht bei 12 Grad mit Tendenz nach oben. Ein "kleines Häufchen Elend" von 69 Marathonis erwartet den Startschuß. Gleich von Anfang an geht es steil und steiler bergauf, was ja wohl im Bayerischen Wald nicht anders zu erwarten war. Ich beobachte meine "Konkurrenz". Niemand gibt sich die Blöße auch nur einen Meter im Gehen zurückzulegen. Nach 1500 m haben wir den höchsten Punkt des Rundkurses - der zweimal zu durchlaufen ist - erreicht. Nun geht es unzählige Male immer wieder bergauf - bzw. -ab, wobei sich Letzteres später gewaltig in der "Oberschenkelmuskulatur" bemerkbar machen sollte.
Normalerweise wollte ich mich mit Trainingseinheiten auf dem Teufelsberg sowie drei langen Läufen so um die 30km auf diesen "Trip" vorbereiten. Der elend lange Winter gewährte mir als längsten Lauf nur einen Halbmarathon zur Vorbereitung. Eigentlich viel zu wenig.....
Doch dieses schnuckelige "Läufchen" in geradezu "intimer" Atmosphäre brachte mich schnell auf andere Gedanken.
Die anfangs asphaltierte Straße verschwindet alsbald im dichten Wald. Ständig ändert sich die Steigung, so daß sich kein Laufrhythmus bilden kann. Meine Uhr zeigt eine 5:40min für den ersten KM an.
Ich habe mir keinerlei "Durchgangszeiten" vorgenommen, da mir schon bald klar wird, das nur derjenige, der sein Tempo dem Gelände anpasst, die Belastung einigermaßen gleichmäßig halten kann, um so "ökonomisch" mit seinen Kraftreserven hauszuhalten.
In einer unterhaltsamen "Dreiergruppe" - mit Moses als Führer - ging es flott voran. Nach ca. 5 km erwartete uns ein "kleines Läuferbuffet" mitten im Wald. Der "Spaß an der Freud" war in den Gesichtern aller Helfer deutlich abzulesen.
Wechselnde Lichtverhältnisse lassen das junge Blätterkleid in allen Grüntönen leuchten. Mein Gott ist das schön ! Das Laufen scheint mich nicht im mindesten anzustrengen. Der Waldweg geht in eine weite, wellige Wiesenlandschaft über. Herrlich, fantastisch, großartig, wunderschön - immer wieder schießen mir solche Prädikate durch den Kopf.
Dann tauche ich wieder in den kühlen Wald und sehe in vor mir, den "Beißer". Es geht ca. 200m steil bergauf. Zu dritt erklimmen wir den Scheitelpunkt. Die Unterhaltung ruht für einige Zeit.....
Mittlerweile sind 10 km absolviert, keinerlei Müdigkeit scheint sich breitzumachen. Mein Blick fällt auf das Schloß Englburg, das malerisch auf einem der zahllosen Hügel thront. Kurz darauf gesellt sich das Schloß Fürstenstein dazu. Mit "Doppelburgenblick" sowie idyllischer Wiesenlandschaft sause ich einen steilen Hang hinunter. Somit nehme ich etwas Schwung in den nächsten "Aufstieg" mit. Inzwischen beginnt die "Orthopädie" etwas zu schmerzen. Füße, Knie, Oberschenkel und Achillessehne machen sich leise bemerkbar. Kurz vor km 13 treffen wir auf einige weibliche Walkerinnen, deren 14 km Strecke in unsere Runde einmündet. Hundert Meter vor ihnen quält sich ein männlicher Walker an einem Anstieg hoch. Wie kann man nur so dumm sein, und nicht die Gesellschaft der Mädels in Anspruch nehmen........
Nur ein knurriges " ich will meine Ruh haben" fliegt mir entgegen.
Ich kann mich nicht sattsehen. Ein munter dahin plätschernder Wiesenbach erfreut gerade meine Augen. Vor mir tauchen uralte, aus Holz errichtete Bauernhäuser auf, die zum "Museumsdorf Bayerischer Wald" gehören. in leichten Zickzack geht es auf eine Straßenunterführung zu. Ich registriere das "15km-Schild" und tauche in eine Röhre, deren Treppen ich zweistufig nehme, um wieder das Tageslicht zu erblicken.
Der jetzt vor mir auftauchende "Dreiburgensee" setzt das "iTüpfelchen" auf diese unbeschreiblich attraktive Strecke. Der lieblich in die Landschaft eingebettete See läßt mein Herz höher schlagen. Der aus einem Moor einmündenden Zufluss wird mittels einer kleinen Holzbrücke überwunden.
Nach weiteren 5-6 km durchlaufe ich in Thurmansbang den Start-/Zielbereich und werde auf die zweite Runde geschickt.
Ein "Boxenstopp" reißt unsere Dreiergruppe auseinander. Während einer enteilt, kann der andere das Tempo nicht mehr halten. Ich bin allein......
Und nun wird's brutal. Was vorher meine Augen glänzen ließ, wird nun zur "Makulatur". Weit hinter mir am Horizont nehme ich drei Läufer wahr. Die haben doch nicht etwa vor, mich zu überholen ???
Immer wieder blicke ich nach hinten, passe mein Tempo den "bösen Verfolgern" an. Noch 10 km. Mittlerweile ist es sommerlich warm, was ich später im Ziel an meiner erröteten Haut deutlich ablesen kann.
Endlich - Thurmansbang taucht zum zweiten Male auf. Unendliche Mengen von Endorphinen "sprudeln" aus meinem Körper. Ein warmer Applaus begleitet mich über die Ziellinie. Ich laufe gleich weiter, ein Bierzelt hat mein Auge erfaßt......
Sieht man einmal von der kalten Dusche ab, so lassen sich nur Lobeshymnen auf Organisation, Strecke, Natur und den Erlebniswert des 9. Dreiburgenland Marathon singen.
Ach ja, Platz 49 (AK-Elfter) bei einer Endzeit von 4:39:25 Std. stehen am Ende zu Buche.
Liebe Grüße
Moses
Ps.: Danke für die Glückwünsche, Micha + Hübi !
@Sigrid: Der Ludwig Schürger scheint sich wohl mittlerweile dem Laufsport zu widmen. Von einem
" gut beieinander" war jedenfalls nichts zu sehen.


Toller Bericht - man spürt förmlich die schöne Landschaft
Erhole dich gut und dann drücke ich dem "Club" noch die Daumen, dass sie in der 1. Liga bleiben! 




