Tjaa - war wunderschön.
Über die Lufttemperatur kann ich nichts sagen, bin bis etwa Meile 5 mit meinem Fleecepullover gelaufen und habe ihn dann erst weg geworfen. Aber da bin ich kein Maßstab, Gottlieb ist beispielsweise gleich in seinem Lauf-Shirt gestartet, wie viele andere auch.

Die ersten paar Meilen liegen eben noch im Schatten, da war es mir zu kalt
Aber zu dem wunderbaren Erlebnis:
Wir hatten Sonne satt. Nach den ersten etwa 4 Meilen, wenn man aus dem mit Redwoods und Eukalyptus-Bäumen bewaldeten Teil herauskommt, gibt es nur noch wenig Schatten entlang der Strecke. Aber die Luft war anfangs noch kühl und später an zwei kürzeren Streckenabschnitten sogar stürmisch. Da kam der Wind ziemlich überraschend und heftig von vorn. Es hörte nach wenigen Kilometern genauso abrupt wieder auf.
Die Strecke von Big Sur Station rauf nach Carmel ist einfach wie für einen Marathon geschaffen. Nicht irgendeinen Marathon, wobei sich ja über Geschmack streiten lässt. War bisher die Strecke in Florenz mein Favorit, so ist es ab heute wohl Big Sur. Auch wenn es die für mich bisher schwerste Strecke darstellt, noch vor Boston.
Es sind eben doch mehr als nur ein langer Anstieg kurz vor der Streckenhälfte, die einen dann noch bis kurz vor dem Ziel fordern und daran erinnern, doch besser mit seinen Reserven hauszuhalten. Hab selten gesehen, dass so viele Läufer zum Ende hin gehen.

Zuschauer sucht man entlang der Strecke beinah vergeblich. Würde man sich die Mühe machen, sie zu zählen, dann bleibt die Zahl ziemlich klein. Dafür wird man von den Renn-Oberen beinah persönlich begrüßt und als eine nette Geste empfand ich es vom Race-Director, Mr. Kastner, als er sich im Vorbeifahren im Konvoi an dem Läuferfeld aus seinem VIP-Fahrzeug hinauslehnte - wir liefen gerade an der Steilküste zwischen grünen Weiden die teilweise mit diesen kleinen gelben Blumen bestanden sind, irgendwo um Meile 6 - und fragte die Läufer in seiner Reichweite: - so, what do you feel, know?

Ja, was fühlt man bei dieser beeindruckenden Kulisse, dem herrlichen Wetter und dem Ziel in noch weiter Ferne? Ich habe mich schlicht wohl gefühlt. Die Weite um mich herum ist eine einzigartige Laufkulisse, die jetzt nur vom Getrappel der vielen Läuferfüße beschallt wurde und den beinah regelmäßig platzierten Musikern oder Bands entlang der Strecke. Und davon hat es erstaunlich viele.

Neben dem Mann am Flügel, Mr. Martinez, am Rand der 1932 errichteten Bixby Bridge, die allein schon für sich eine Reise in diese Gegend wert ist. So schön, so wild gelegen. Man hört ihn schon eine gute halbe Meile vorher, wenn man kurz hinter dem Hurricane Point nach einer Biege zum ersten Mal die Brücke weit vor sich in der Tiefe liegen sieht. Wenn man dann noch Glück hat, dann spielt er während man auf die Brücke zu läuft einen der Klassiker aus 'Rocky', aus der Szenensammlung, in der Rocky Balboa wie ein Berserker trainiert, um noch einmal zu gewinnen.
Die Situation, hier in dieser Landschaft und bei solcher Musik über die Brücke zu laufen, hat schon etwas Kitschiges, aber ist auch soo schön, dass es den ganzen Aufwand des Marathons lohnt.
- doing good! - looking great! Man läuft schließlich in Amerika.
Viele weitere Fotos vom Marathon findet Ihr hier:
Big Sur International Marathon 2010