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Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze

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Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze

Beitragvon Hübi » 13.07.2008, 19:41

Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze
Erschienen am 13. Juli 2008 | Von Paul Winterer, dpa

Dramatisches Ende eines Extrem-Berglaufes auf die Zugspitze: Bei dem Rennen knapp unter den Gipfel des 2962 Meter hohen Berges sind am Sonntag nach einem Wettersturz zwei Menschen an Erschöpfung gestorben. Sechs Läufer kamen mit schweren Unterkühlungen und völlig erschöpft ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen.

Die Identität der Toten war zunächst nicht gesichert. Nach Polizeiangaben handelt es sich um einen Franzosen und höchstwahrscheinlich um einen Deutschen. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) sprach hingegen von einer toten Frau und einem toten Mann.

In kurzen Hosen durch den Neuschnee
An der alljährlichen Extrem-Sportveranstaltung nahmen mehrere hundert Läufer teil. Die Distanz des Berglaufes auf Deutschlands höchsten Gipfel beträgt 16,1 Kilometer bei 2100 Metern Höhenunterschied. Die Sportler waren gegen 9.00 Uhr im österreichischen Ehrwald bereits bei Regen gestartet. Bei zunehmender Höhe gingen die Niederschläge allmählich in Schnee über. Hinzukam ein eisiger Wind. Streckenweise liefen die Teilnehmer in kurzen Hosen und T-Shirts durch zehn Zentimeter Neuschnee. "Nach wenigen Minuten war alles weiß", schilderte ein Bergwacht-Mitglied den Wetterumsturz.

Helfer mussten zahlreiche Läufer reanimieren
Für viele der Extremsportler wurde die Anstrengung zu groß: Sie brachen nach Angaben des BRK erschöpft zusammen. Von mehreren Hütten wurden die Rettungskräfte alarmiert. Nahe der Knorrhütte in 2051 Metern Höhe wurde vergeblich versucht, die zwei verstorbenen Sportler zu reanimieren. Sie starben an Erschöpfung und Unterkühlung. In den Berghütten spielten sich nach Berichten von Augenzeugen dramatische Szenen ab. Zahlreiche Läufer mussten reanimiert werden. Andere waren stark unterkühlt.

Sicherheitskräfte sprechen von Leichtsinn
Der Großeinsatz der Rettungskräfte wurde von dem schlechten Wetter erschwert. Von vier angeforderten Hubschraubern konnten sich nur zwei einen Weg durch die dichten Wolken auf die Zugspitze bahnen und die Verletzten ins Tal fliegen. Insgesamt waren 80 Helfer von BRK und Bergwacht im Einsatz. Die Sicherheitskräfte nannten es leichtsinnig, bei derart schlechtem Wetter das Rennen nicht abzusagen.

"Jeder ein Sieger"
Der Streckenrekord für den Extrem-Berglauf liegt nach Veranstalterangaben bei zwei Stunden und drei Minuten. Normale Bergsteiger brauchen bis zu neun Stunden. Die Veranstalter machten am Sonntag sogar selbst auf das schlechte Wetter aufmerksam. Sie sprachen im Internet von Gewitterneigung und Schneeschauern, auch Böen wurden angekündigt. Dies hinderte aber offensichtlich die Teilnehmer nicht am Start. Vielleicht reizte sie der Hinweis des Veranstalters: "Gerade aufgrund dieser unvergleichlichen Besonderheiten des Laufes in einer traumhaften Bergwelt wird jeder, der eines der Ziele erreicht, ein Sieger sein."

http://nachrichten.t-online.de/c/15/60/ ... 01670.html
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Re: Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze

Beitragvon Schleicher » 13.07.2008, 21:25

Man kennt natürlich nicht die näheren Umstände und in welchem (Trainings)zustand die beiden waren, aber ich glaube das sich bei vielen Laufveranstaltungen, die ja jetzt meistens Event heißen, auch einige "Abenteurer" in nicht ausreichendem Gesundheits- und Trainingszustand anmelden.
Wenn ich lese, das sich also einige im T-Shirt auf den Weg machen, glaube ich das die keinerlei Bergerfahrung hatten.

Trotzdem tragisch !
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... jetzt untersucht die Staatsanwaltschaft den Fall

Beitragvon Hübi » 14.07.2008, 20:46

Tod auf der Zugspitze
Bei einem Extremberglauf sterben zwei Sportler – jetzt untersucht die Staatsanwaltschaft den Fall


Bei einem Extremberglauf auf die Zugspitze kamen am Sonntag zwei Teilnehmer ums Leben. Sie starben an Erschöpfung. Jetzt prüft die Staatsanwaltschaft, ob bei dem Unglück ein Verschulden Dritter vorliegt.

Zum 8. Internationalen Zugspitze Extremberglauf gingen am Sonntagvormittag gegen neun Uhr rund 600 Läufer in Ehrwald (Österreich) an den Start. Doch die 16,1 Kilometer bei 2100 Metern Höhenunterschied endeten für zwei von ihnen tödlich. Nach Angaben der Polizei in Weilheim handelt es sich bei den Todesopfern um den 41-jährigen Uwe M. aus Witten (Nordrhein-Westfalen) und den 45-jährigen Hans P. aus Ellwangen in Baden-Württemberg. Zudem kamen sechs Läufer mit schweren Unterkühlungen in das Klinikum Garmisch–Partenkirchen, von denen einer am Montag aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Gegen den Veranstalter des Laufes, die ’getgoing GmbH’, gebe es derzeit aber kein Ermittlungsverfahren, sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Hödl am Montag. „Im Grundsatz hat jeder Läufer aber auch eine Verantwortung für sich selbst“, sagte Hödl.

Zwar gab der Veranstalter vor Beginn des Laufes auf seiner Internetseite eine Wetterwarnung. Gleichzeitig wurden die Teilnehmer aber auch zusätzlich motiviert. „Gerade aufgrund dieser unvergleichlichen Besonderheiten des Laufes in einer traumhaften Bergwelt wird jeder, der eines der Ziele erreicht, ein Sieger sein“, hieß es auf der Internetseite. Dieses Ziel erreichte weniger als die Hälfte der Sportler. Für den Großteil wurde die Extrembelastung zu viel. An mehreren Verpflegungsstellen wurden Rettungskräfte alarmiert. Um 11.45 Uhr ging der erste Notruf ein.

Die zwei Sportler befanden sich nahe der Knorrhütte in 2051 Meter Höhe, als sie von Rettungskräften reanimiert werden mussten. Trotz stundenlanger Bemühungen der Rettungskräfte starben sie.

Am Start herrschte bei allen eine gute Stimmung. Bei 15 Grad Celsius liefen einige Teilnehmer in kurzen Hosen und T–Shirts los. An eisige Kälte und starke Schneeböen wollte zu diesem Zeitpunkt noch keiner denken. Der Wetterumschwung kam zwar überraschend, „mit Schneewinden und zunehmender Kälte musste man aber rechnen“, sagt Anton Thalhammer vom Deutschen Leichtathletik-Verband. „Kurze Hosen sind üblich. Vorschriften zur Kleidung können die Veranstalter überhaupt nicht machen.“ Anton Thalhammer sieht die Schuld nicht beim Veranstalter. Dass die getgoing GmbH den Lauf beim Leichtathletik-Verband nicht angemeldet hat, sieht er durchaus kritisch. Im vergangenem Jahr brach der Veranstalter den Lauf weiter unten ab, woraufhin es zu Regress-Ansprüchen kam. Hätte man diesmal ähnlich handeln sollen? Andrea Händel vom Deutschen Alpenverein nimmt die Sportler in Verantwortung. „Bei einem Extremberglauf ist jeder für sich selbst verantwortlich.“ Anton Thalhammer sagt: „Von einem Extremlauf muss man in diesem Fall wirklich sprechen. Schließlich bewältigen die Sportler die Strecke in gut zwei Stunden. Bergsteiger brauchen normalerweise neun Stunden dafür.“ Am Sonntag war bei der so genannten „Höchstgeschwindigkeitbesteigung“ die Bestzeit 2 Stunden und 7 Minuten.

Kritik am Veranstalter gab es von einem österreichischen Läufer. Teilnehmer Robert Ortner sagte am Montag der „Bild“-Zeitung: „Das Ganze war schlecht organisiert. Die Veranstalter hatten zu wenig Decken parat. Ab einer bestimmten Höhe blieb den Läufern gar nichts anderes mehr übrig, als weiter zu machen. Denn unsere Rucksäcke mit den warmen trockenen Sachen lagen oben auf dem Gipfel.“ Auch der Senioren-Europameister im Berglauf, Helmut Reitmeir, hat schwere Vorwürfe erhoben. „Es ist unverzeihlich, dass zwei Menschen sterben mussten.“ Der 64 Jahre alte Berglauf-Experte hatte nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche die Strecke getestet und sich die Wettervorhersagen angesehen. Anschließend habe er beschlossen, nicht selbst zu starten. Er habe bereits am Donnerstag auf seiner Homepage gewarnt, dass sich bei Nebel Teilnehmer verlaufen könnten, weil es der Veranstalter nicht für nötig halte, bei hoch gelegenen Schneefeldern die Strecke zu markieren.

Insgesamt waren während des Laufes rund 80 Helfer vom Bayerischen Roten Kreuz und der alpinischen Bergwacht im Einsatz. Laut der Polizeiinspektion Weilheim hätten alle Läufer Schutz bei den Streckenposten suchen können. „Das wäre auf der Knorrhütte oder dem Schneefernerhaus möglich gewesen“, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion. „Andere Läufer hätten das auch gemacht.“ Für die zwei Männer kam die Hilfe zu spät. Ein Extremlauf mit extrem tragischen Ende.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 15.07.2008)
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/;art1117,2572108
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Re: Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze

Beitragvon harriersand » 14.07.2008, 23:06

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Re: Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze

Beitragvon Hübi » 15.07.2008, 23:28

Extremsport
Alles nur der freie Wille


Zwei Tote sind zu beklagen. Sie hatten mit etwa 600 anderen Menschen auf die Zugspitze laufen wollen. Nicht wandern, nicht klettern, sondern im Dauerlauf, in kurzen Hosen, bei Wind und Wetter und Schneetreiben. Kurz vor dem Ziel starben sie. Niemand hatte sie aufgehalten. Warum hätte das jemand tun sollen? Um sie vor sich selbst zu schützen? Weil sie nicht Herr ihrer Sinne sind? Hat jemand noch alle Tassen beisammen, der 16,1 Kilometer lang 2100 Höhenmeter überwinden will und auch nicht Halt macht, wenn die Natur schon tobt und sich wehrt gegen diese Grenzüberschreitungen der menschlichen Möglichkeiten? „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.“ Sagt die Bibel, Buch Jesus Sirach, 3, 27. Man kann den freien Willen auch vergewaltigen.

Es gibt Menschen, die spielen Unterwassereishockey. Dazu wird ein großes Loch in das Eis eines Natursees gesägt und ein paar kleine Löcher, durch das die Spieler zum Luftholen auftauchen. Unter dem Eis stehen die Spieler kopfüber im Wasser, natürlich kopfüber, wer so etwas macht, kann den Kopf nicht an der richtigen Stelle haben. Der Puck besteht aus Styropor, das will nach oben. Von unten betrachtet ist oben das Eis. Und auf dem, unter dem, treiben die Spieler den Puck hin und her. Es gibt sogar Banden, aber keine Zuschauer. Wahrscheinlich ist den Zuschauern ein solches Treiben zu blöd. Vielleicht ist es ihnen auch einfach nur zu kalt im Wasser. Weil es aber mehrere Menschen gibt, die den Kopf nicht an der richtigen Stelle haben, gibt es Unterwassereishockeyweltmeisterschaften. Ein Winterhorrormärchen.

Andere Menschen begeben sich in den Decatriathlon. Dabei schwimmen sie erst 38 Kilometer, dann fahren sie 1800 Kilometer Rad und laufen zum Abschluss 422 Kilometer. Ab und an schlafen sie, aber nur selten. Einen Menschen gibt es, dem war ein normaler Marathonlauf zu langweilig, also lief er unter Wasser. Mit Bleiplatten um Bauch und Rücken, mit Pressluftflaschen, die alle 45 Minuten gewechselt wurden, mit einem Unterwasserdepot für die Nahrung und Unterwasserlautsprechern gegen die Einsamkeit. Nach 24 Stunden, 24 Minuten und 47 Sekunden war er am Ziel. Normalerweise werden solche Menschen abgeholt und behandelt. Der freie Wille ist mitunter seltsam. Helmut Schümann

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.07.2008)
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Tite ... 92,2572849
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Re: Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze

Beitragvon Arne » 18.07.2008, 23:18

Aus Die Zeit von gestern, auch online:

Hoch um jeden Preis

Tod am Berg: Was geschah wirklich beim Extremberglauf auf die Zugspitze am vergangenen Sonntag, den zwei Sportler nicht überlebten? Urs Willmann ist mitgelaufen

http://www.zeit.de/2008/30/Zugspitzlauf


Lauf in den Tod

Bilder vom dramatischen Bergrennen auf die Zugspitze

http://www.zeit.de/online/2008/29/bg-marathon

 
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Wahnsinn Extremsport! - Dr. Willi Heepe

Beitragvon Hübi » 19.07.2008, 20:06

MEDIZIN
Wahnsinn Extremsport! - Dr. Willi Heepe, der Berliner Marathon-Arzt, nimmt Stellung zur Läufertragödie beim Zugspitzlauf

Bei extremen Steigerungen ist im Gegensatz zu Flachlandläufen ein Ausgleich der Körpertemperatur durch höheres Tempo oder eine vermehrte Arbeit großer Muskelgruppen nicht mehr möglich.

Dr. Willi Heepe (Mitte), der Marathon-Arzt, am Informationsstand der Sportmedizin des BERLIN-MARATHON ©bytepark/FB

Recht hat er, der Veranstalter des Zugspitz-Laufes, wenn er sagt jeder Teilnehmer ist für sich selbstverantwortlich. Unverantwortlich ist es überhaupt einen solchen Lauf zu veranstalten. Bei diesem Lauf müssen 2300 Höhenmeter überwunden werden aus einer Ausgangs Höhe von 600 m über Meerespiegel.

Allein dieser Höhenunterschied ist extrem kritisch zu werten. Jeder verantwortungsbewusste Wanderer und Bergsteiger unterzieht sich bei Anstrengungen in diesen Höhen einer Anpassung. Ein schneller Aufstieg aus dem Flachland in diese Höhen- Region ist auch für gesunde trainiert oder nicht trainiert schon ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Die Ausgleichsmechanismen des Körpers in der Höhe sind komplex. Sie vollziehen sich über den Faktor Zeit; und eben sollte jeder Bergläufer ausreichend haben. Andernfalls drohen ihm ein lebensbedrohliche Lungenödem und andere gesundheitliche Risiken in der Höhe. Kommt noch wie jetzt beim Zugspitz - Lauf geschehen ein Kälteeinbruch hinzu, potenziert durch extremen Wind, wird die Situation unkontrollierbar und extrem kritisch.

Bei extremen Steigerungen ist im Gegensatz zu Flachlandläufen ein Ausgleich der Körpertemperatur durch höheres Tempo oder eine vermehrte Arbeit großer Muskelgruppen nicht mehr möglich. Die lebensbedrohliche Auskühlung ist nicht mehr vermeidbar. Hinzukommt das Reanimationsmaßnahmen in diesen Höhen viel schwieriger zu gestalten sind und die Transportwege außerordentlich erschwert sind.

Todesfälle und lebensbedrohliche Komplikationen waren bei diesem Lauf berechenbar. Der Laufbewegung hat diese Veranstaltung einen Bärendienst erwiesen.
Unseren "unsterblichen Extremsportlern“ sollte dieser Lauf eine Warnung sein und zum nachdenken über Verantwortung für uns selbst, für unsere Familien aber auch für unser Erscheinungsbild im Sport anregen.

Bei einer Gesamtanalyse ist der Schluss einfach. Dieser Lauf hat keine Berechtigung. Die Veranstalter können sich einer Verantwortung nicht entziehen.
Ich hoffe es war der letzte Zugspitz Lauf.

Dr. Willi Heepe
http://www.germanroadraces.de/24-0-6174 ... e-der.html
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Re: Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze

Beitragvon Hübi » 28.07.2008, 06:46

"Jeder Läufer ist für sich selbst verantwortlich" (Ein Nordic Runner berichtet vom Zugspitzlauf)

Auch er litt an Unterkühlungen: der Bergläufer Michael Epp aus Altshausen. Der Oberschwabe appeliert im Gespräch mit der SZ an die Vernunft seiner Läuferkollegen. ©SZ

Als relativ erfahrener Bergläufer, der seit nunmehr acht Jahren regelmäßig die Gipfel der Alpen zu erklimmen versucht, hat sich der 38-jährige Michael Epp aus Altshausen lange auf den diesjährigen Zugspitzlauf, sein immerwährender Höhepunkt im Laufjahr, vorbereitet und bereits eine Woche vor dem Startschuss das Wetter studiert. "Jeder wusste, dass das Wetter schlecht werden wird. Ich habe noch am Samstag bei unserer Anreise gesagt: Es kann morgen niemals bis ganz hoch gehen", erinnert sich Epp.

Doch am Tag des Extrem-Berglaufs sind keine Streckenverkürzungen bekannt gegeben worden - das Ziel lautete: Gipfel. Schon nach dem Start der rund 16 Kilometer langen Laufstrecke kam den Teilnehmern prasselnder Regen entgegen, der gerade in den etwas höher liegenden Passagen der Laufstrecke unterhalb 2000 Meter das Vorankommen erschwerte. Moosige Wanderpfade, Geröll und Schlamm machten ein richtiges Laufen gar unmöglich. "Es war bis dahin mehr ein Gerutsche, aber die Temperatur lag noch im angenehmen Bereich", schildert Michael Epp, der selbst eine Aqua Nordic Walking-Schule betreibt. Weiter oben dann, nach der Bergstation "Knorrhütte" schlug der anfängliche Regen in Hagel- und Schneeschauer um.

Die Hände nicht mehr gespürt

Für viele Läufer, unter ihnen auch der in kurzer Kleidung gestartete Michael Epp, fing dort der Horror an. "Ich habe ungefähr drei Kilometer vor der Station Sonnalpin meine Hände nicht mehr gespürt. In meiner Panik, ob irgendetwas kaputt gegangen ist oder ob alles wieder gut werden wird, wollte ich nur noch zum Sonnalpin", erzählt der 38-jährige, der in der Wertung Nordic Extrem Running mit Nordic Walking-Stöcken den Lauf absolvierte. "Es war eine Höllenqual mit tauben Fingern zu laufen", beschreibt Epp das Gefühl während der drei Kilometer vor der Berghütte. Andere Läufer seien in ihrer Panik auf den Boden gesessen und hätten sich eingerollt, was das Schlechteste sei, was man in solch einer Situation machen könne. Er selbst habe an der Bergstation Sonnalpin auf 2600 Meter Höhe, also knapp 300 Höhenmeter und 1,3 Kilometer Laufstrecke vor dem eigentlichen Ziel, seinen Lauf beendet. "Es herrschte das reinste Chaos. Die Läufer hatten alle die ähnlichen Unterkühlungserscheinungen wie taube Hände oder Ohren. Eines war unglaublich: Ich laufe nun seit zehn Jahren aktiv, habe aber noch nie Läufer vor Schmerzen elendig schreien gehört", schildert Epp seine Erlebnisse auf der Berghütte.

Er sei überfroh gewesen, als ihm nach einer Stunde die Hände anfingen zu schmerzen und wieder durchblutet wurden. Alle Läufer, die sich bei den Witterungsverhältnissen von Schneeschauern und einer Temperatur von minus 2 Grad Celsius - von der gefühlten Temperatur abgesehen - weiter zum Gipfel hochkämpften, "waren quasi des Selbstmords", so Epp.

"Die Leute möchten das Ultra"

Aber: "Jeder Bergläufer hat nur ein Ziel, nämlich den Gipfel zu erreichen", meint der 38-jährige Altshausener. "Die Leute möchten das Ultra. Ich will selbst seit drei Jahren den Gipfel erreichen, aber ich gehe nicht über alles", erklärt der Extrem-Bergläufer, der nun zum sechsten Mal am Zugspitzlauf teilnahm. Mit der Gondel kam er in diesem Jahr am Gipfel an, um sich ein Bild der Lage dort zu machen. Als "irre" beschreibt er die Zustände, die im regen Schneetreiben auf 2944 Meter Höhe herrschten.

"Die Läufer kamen mit starrem, leerem Blick an, haben gar nichts mehr realisiert. Viele wussten nicht einmal mehr, wie sie heißen", erzählt Michael Epp. Er, seine Freundin und ein Laufkollege erfuhren erst im Tal vom ersten Todesfall während des Laufs, worauf die Siegerehrung in diesem Jahr abgesagt wurde. Auf dem Heimweg informierte man sie dann vom zweiten Todesfall. "Es ist wirklich unvorstellbar, dass es im Juli so schrecklich kalt sein kann. Alles hätte wirklich noch viel schlimmer ausgehen können", ist sich der Altshausener sicher, der letztendlich in der Zeit von zwei Stunden und vierzehn Minuten in der Wertung Nordic Extreme Running/Walking Männer zum dritten Mal hintereinander den Sieg errang.

Viel Pech zusammengekommen

Die Schuld für den Tod der zwei Läufer im Alter von 41 und 45 Jahren während des Extremlaufs dem Veranstalter ganz in die Schuhe zu schieben, sieht Michael Epp als "billig" an. "Den Veranstalter kann man insofern ankreiden, dass er wenig Decken oder warmen Tee als Versorgung für die Läufer bereitgestellt hat - dort könnte man für das Startgeld mehr bringen", sagt der 38-Jährige. Doch es sei schwach, den Veranstalter und den Extrem-Berglauf so harsch anzugreifen. "Die Läufer sind alle groß und wissen, was auf sie zukommen wird. Jeder ist für sich selbst verantwortlich und muss für sich entscheiden, ob er weiterläuft oder aussteigt", meint Epp. Die Gefahr hierbei sei, dass viele Läufer einfach zu wenig Erfahrung in den Berglauf mitbringen.

Zudem greift der Altshausener den Medienrummel und die Sensationsgeilheit seitens Teile des Publikums an: "Es sollte nicht immer noch höher, länger, schneller und extremer sein, sonder manchmal sollte man einfach abkürzen". Weshalb der Veranstalter von vornherein die Strecke nicht verkürzte und wie im vergangenen Jahr die Sonnalpin-Hütte als Ziel festlegte, für das er sich erst nach dem Bekanntwerden des ersten Todesfalls entschied, bleibt für Epp auch fraglich. "Der Veranstalter muss wohl deshalb so lange gezögert haben, weil im vergangenen Jahr durch die Streckenverkürzung viele Negativ-Stimmen aufgekommen sind - jeder Läufer reist nun mal nur wegen einer Sache an: Den höchsten Berg Deutschlands zu erklimmen", sagt der Extrem-Bergläufer.

Es seien einfach zu viele unglückliche Umstände zusammengekommen wie der unerwartete Wettersturz, der eine eisige Kälte und zehn Zentimeter Neuschnee über die Läufer brachte. "So schön ein Berg wie die Zugspitze sein mag, so schrecklich kann er auch sein", meint Epp. Den Extrem-Berglauf nun als sinnlos anzusehen und einzig den Veranstalter zur Schuld zu ziehen, sei absurd. Epp betont: "Vieles ist sinnlos. In anderen Sportarten passieren genauso schlimme Dinge. In einer solch extremen Sportart wie dem Berglauf ist jeder für sich selbst verantwortlich."

"Süchtig bin ich irgendwie schon"

Spätestens seit dem verheerenden Extremlauf auf die Zugspitze ist der Berglauf ins öffentliche Interesse gerückt.

Der Tag von Michael Epp beginnt um Viertel vor fünf am Morgen - mit Lauftraining. Drei Mal die Woche mit einem Laufpartner, den Rest alleine, mal temporeich, mal langsamer läuft er eineinhalb Stunden. Dazu kommt eine Stunde Fahrradfahren in der Mittagspause, bei gutem Wetter mit Rennrad oder Mountainbike, bei schlechtem im Keller seines Hauses. "Radfahren ist gutes Training für die Beinmuskeln", betont Epp.

Damit nicht genug. Den Abend verbringt er bei Lauftreffs, er gibt Nordic-Walking- und von ihm mitentwickelte Aqua-Nordic-Walking-Kurse. "Süchtig bin ich schon", sagt Michael Epp, "mit allen positiven und negativen Folgen." Dass er an extremen Wettkämpfen teilnimmt, wie am Zugspitz-Extrem-Berglauf, haben viele Bekannte erst im Nachhinein erfahren.

Zum Berglaufen ist er zufällig gekommen. Die Einstiegsdroge hieß Fußball, danach kam der Laufsport. Vor acht Jahren, als er noch Marathon gelaufen ist, hat er sich eine langwierige Verletzung zugezogen. Sein Orthopäde empfahl ihm daraufhin, lieber an Bergläufen teilzunehmen. Bergauf zu laufen sei viel schonender für die Muskulatur. Schnell habe er Gefallen an der neuen Herausforderung gefunden. "Ich neige dazu, zum Extremen zu gehen", sagt Epp.

Körper braucht auch Erholung

Die vielen Trainingseinheiten seien nicht unbedingt gut, sagt er, "der Körper braucht auch Erholung." Kreativ sucht er nach Wegen, um noch mehr Training in den Tag einzubauen, das die Muskulatur nicht zu sehr in Anspruch nimmt - daher auch seine Idee zum Aqua Nordic Walking. "Ich weiß, dass der Sport nur ein Hobby ist. Mein Geld verdiene ich mit meinem Beruf," sagt der Verwaltungsfachangestellte. Gerade in riskanten Momenten geht ihm das durch den Kopf, als er etwa 2005, kurzzeitig von einer Schweißperle im Auge blind, den Abhang der Zugspitze hinunterstürzte. Oder auch, als er in diesem Jahr beim Zugspitz-Extrem-Berglauf das Gefühl in seinen Fingern verlor: "Da kriegst du Panik, ich brauche meine Finger für die Arbeit."

Die Bergläufe sind es, die ihn begeistern und antreiben. Gerade die Zugspitze sei ein absoluter Höhepunkt der Saison - sechs Mal ist er dort schon an den Start gegangen und hat in der Wertung "Nordic Extreme Running" zum dritten Mal in Folge den ersten Platz belegt.

Seit drei Jahren sei geplant, in der Sonnalpin-Hütte die Stöcke an seine Freundin zu übergeben und bis zum Gipfel normal weiterzulaufen. Die Nordic-Walking-Strecke endet hier, da der weitere Anstieg so steil ist, dass man die Hände braucht - der letzte Kilometer zum Gipfel umfasst 400 Höhenmeter. In der Sonnalpin-Hütte war für ihn Schluss. "Der Körper sagt einem, was gut für ihn ist und was zu viel. Darauf muss man hören", sagt Epp. "Die Leute, die von der Sonnalpin-Hütte weiter zum Gipfel gelaufen sind, sind irre."

Aufhören ist schwierig

Den Punkt zum Aufhören zu finden und sich angemessen zu kleiden, sei für einen Läufer manchmal einfach schwer. Auch er ging an der Zugspitze in kurzer Kleidung an den Start. "Das war grob fahrlässig", sagt er, denn die Wetteraussichten waren schlecht, die Bergwacht in Sorge. Viele Läufer hätten an dem Berg nichts verloren gehabt, sie seien zu ungeübt gewesen, so Epp. Doch kann er auch den Reiz verstehen, der im Wort "extrem" mitschwingt. Dem Veranstalter des Zugspitzlaufes will er nicht die Schuld für die Todesfälle geben. Auf mögliche Wetterumschwünge habe er hingewiesen, warme Kleidung und eine ausreichende Fitness seien Voraussetzungen, die jeder Läufer selbst zu verantworten habe, so Epp.

Ein Risiko sei nicht nur die Kälte, wie das beim Zugspitz-Extrem-Berglauf der Fall war, sondern im Sommer auch die Hitze, weiß Epp. Natürlich habe er das Chaos vom Zugspitz-Berglauf im Hinterkopf. "Ich glaube, ich wäre heute vorsichtiger, würde mich angemessener kleiden", sagt der Extremsportler.

Quelle: Schwäbische Zeitung http://www.szon.de

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Re: Zwei Tote bei Extrem-Berglauf auf die Zugspitze

Beitragvon Hübi » 15.11.2008, 22:51

Zugspitzlauf
Strafbefehl gegen Veranstalter beantragt


Helfer der Bergwacht stützen einen völlig erschöpften Läufer im Juli auf der Zugspitze

14. November 2008 Vier Monate nach dem tödlichen Drama beim Extremberglauf zur Zugspitze hat die Staatsanwaltschaft München II einen Strafbefehl gegen den Veranstalter beantragt. Der beim Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen eingereichte Antrag laute auf zweifache fahrlässige Tötung und neunfache fahrlässige Körperverletzung, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde am Freitag.

Der Veranstalter soll demnach zu einer Gesamtstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt werden. Zur Höhe des Tagessatzes wollte sich die Sprecherin nicht äußern. Sollte das Gericht den Strafbefehl in dieser Form akzeptieren, würde der Veranstalter nicht als vorbestraft gelten.

Lauf trotz schlechter Wettervorhersage gestartet

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Veranstalter vor, den Lauf gestartet zu haben, obwohl eine ganze Reihe von Teilnehmern unzureichend ausgerüstet gewesen sei. Außerdem seien die schlechten Wetterbedingungen im Vorfeld bekannt gewesen. Darüber hinaus habe der Veranstalter trotz Hinweisen auf die gefährliche Situation den Lauf nicht abgebrochen oder wenigstens das Ziel weiter nach unten verlegt. Bei dem Lauf waren Mitte Juli ein 41-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen und ein 45-Jähriger aus Baden-Württemberg an den Folgen von Erschöpfung und Unterkühlung gestorben, sechs weitere mussten im Krankenhaus behandelt werden.

An dem Rennen hatten etwa 600 Läufer teilgenommen. Der Lauf führte über eine 16,1 Kilometer lange Strecke zum Ziel in 2944 Metern Höhe kurz unterhalb des Gipfels der 2962 Meter hohen Zugspitze. Im Anschluss an das Drama war eine heftige Debatte über solche Arten von Extremläufen ausgebrochen.

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