Lauftreff Berlin | Hübis-Laufforum | LT Bernd Hübner | Seit 1999!

Laufsport Berlin | BERLIN läuft | Läufer-Hauptstadt Deutschlands | Sport soll Spaß machen | Einfach hinkommen und mitmachen

Marathon-Rekordhalter - Horst Preisler: 1621 Marathons

Täglich die neuesten News von "German Road Races (GRR)" auf unserem PORTAL!

Marathon-Rekordhalter - Horst Preisler: 1621 Marathons

Beitragvon Hübi » 06.06.2009, 20:44

Marathon-Rekordhalter
Laufend in der Welt unterwegs

Von Til Huber

06. Juni 2009 Bei Kilometer 39 erkennt man den Unterschied zwischen Horst Preisler und all den anderen Läufern. Noch fast vier Kilometer lang müssen sie sich quälen, bis sie das Ziel des Hamburg-Marathons erreichen.

Es ist zwei Uhr nachmittags, die Sonne brennt. Die Rücken sind gekrümmt, die Köpfe scheinen vornüberzufallen. Ein großer Mann leckt sich über die Handfläche und streift sie über die Glatze. Die meisten Läufer haben die Augen starr nach vorne gerichtet. Man hört nur noch das Tappen der Sportschuhe auf dem Asphalt und das Keuchen. Schweißgeruch steigt in die Nase. Da kommt Preisler.

Kaum eine Schweißperle, kein schwerer Atem, kein gebeugter Gang. Er sieht aus wie der Mann, den man am Start getroffen hat. Nur seine grauen Locken sind noch etwas wuscheliger, die stahlblauen Augen strahlen noch etwas mehr. Das ist er, der Mann mit dieser aberwitzigen Zahl an Läufen, die auf der ganzen Welt niemand übertrifft: Horst Preisler, 73 Jahre alt, der Wohlfühlläufer, absolviert ziemlich locker seinen 1621. Marathon.

Für die Rangliste zählt nur ein Marathon

Am Morgen wird er vom Norddeutschen Rundfunk interviewt. Neben dem Start des Rennens am Millerntorplatz hat der Sender ein Podest aufgebaut. Immer mehr Läufer kommen an, aus Lautsprechern dröhnt Popmusik. Begrüßung, Anmoderation, Preisler: „Ja, und wir haben hier auch einen Mann, der jeden der 23 Hamburg-Marathons mitgelaufen ist“, sagt der Moderator.

Preisler nickt, grüßt, erzählt von seinen Läufen, von denen viele sogar länger waren als die 42,195 Kilometer Marathon - für die Rangliste zählt trotzdem nur ein Marathon.

Er erzählt von seiner Jugend nach dem Krieg in Hamburg. Noch heute lebt er in einer Wohnung im Norden der Stadt, verheiratet, drei Kinder, sieben Enkel - und laufend auf fünf Kontinenten unterwegs.

Zu Hause wuchsen die Regale mit Ordnern, in denen er die Läufe akribisch dokumentierte. Frau und Kinder waren nicht immer begeistert. Ein Sohn und eine Tochter leben mit Familien in der Nachbarschaft. In diesen Tagen feiern die Preislers goldene Hochzeit.

Mit der Lesebrille im Brustbeutel

Nach dem Interview reiht sich Preisler in die Hunderte Meter lange Schlange am Start ein. 20.185 Menschen haben sich angemeldet. Er trägt eine kurze blaue Hose und ein blaues Trikot, darunter einen Brustbeutel mit Lesebrille und Haustürschlüssel.

Aus der Ferne winkt ein Mann mit einem Blumenstrauß, rudert mit den Armen, springt in die Luft. Auf dem Kopf trägt er eine goldene Krone, im Gesicht eine rote Clownsnase. „Ah, da vorne ist Michel“, sagt Preisler. Ein Franzose, den er schon seit Jahrzehnten kennt.

Michel ist nicht der einzige Verkleidete. Man sieht Hüte in Form von Bierkrügen oder Mützen mit Hasenohren. Hinter Absperrungen halten Zuschauer Transparente hoch: „Hurra, Diana ist da!“, „Marek is back“, „Rolf, du schaffst es!“ Die Schiffsglocke läutet, der Tross läuft los.

Er lebt lieber sparsam


Preisler braucht niemanden, der ihn am Start aufbaut: „Ich gehe ja hier nicht zu meiner Hinrichtung.“ Jeder Lauf sei für ihn eine Freude, ein Erlebnis, ein Treffen mit Freunden. Auch weil er nie bis an seine Grenzen geht, immer die Kontrolle behalten möchte.

Nicht nur beim Laufen. Alkohol lehnt er strikt ab, Zigaretten sowieso. Und es gibt da diese Geschichte von den Plänen für ein eigenes Haus. Zwei Jahre bevor Preisler mit dem Laufen anfing, wollten seine Frau und er raus aus der kleinen Wohnung, hatten schon ein Grundstück gekauft, eine Hypothek über 80.000 Mark aufgenommen.

Dann verlor er seinen Job bei einem Chemieunternehmen. Die beiden hatten auf einmal das Gefühl, sich übernommen zu haben. Obwohl Preisler schnell eine neue Stelle fand, blies er alles ab. 37 Jahre lang war er Personalleiter eines Unfallkrankenhauses. Aber die Pläne für das Haus - begraben. Er sei halt sparsam. „Jede Reise fängt für mich bei Aldi an.“

Preisler behält immer eine Reserve

Vor fast vier Jahrzehnten begann sein Lebenslauf. 7. September 1972, Unna: „Meine Frau hatte mir vorgeworfen, ich hätte zu viel faules Fleisch um die Hüften. Nach viel Training wollte ich bei dem 100-Kilometer-Volkslauf beweisen, dass ich fit bin. Im Zug dorthin lernte ich Max kennen, einen älteren Herrn. Den habe ich im Rennen schnell abgehängt. Aber nach 35 Kilometern ging nicht mehr viel. Kurz vor dem Ziel ist Max freundlich grüßend an mir vorbeigelaufen. Max ist dann mein Laufvater geworden, hat mich in die Szene eingeführt.“

3. Juli 1994, Nanisivik, Kanada: „Bei einer Temperatur um den Gefrierpunkt ging das Rennen zu einem Eskimo-Dorf, 43 Kilometer entfernt. Als wir ankamen, haben die Schlittenhunde gebellt, der Renndirektor hat mir zum 500. Marathon gratuliert, und es ging wieder zurück.“

10. September 2000, Berlin: „Eigentlich wollte ich den Tausendsten in New York laufen, aber ich bekam keine Startnummer mehr. Der Berliner Lauf war auch schön.“ An seinem 60. Geburtstag akklimatisierte er sich für einen Marathon von Hiroshima nach Nagasaki.

Seinen 1.500. Marathon lief er am 17. Juni 2007 auf dem dampfenden Asphalt von Phuket. In 51 Ländern ist er an den Start gegangen. Aber er gibt nie alles, behält immer eine Reserve. Er kann nicht anders.

Man will ihn nicht nur einmal schaffen

Bei Kilometer elf vibriert die Fußgängerbrücke an den Landungsbrücken. Mit Transparenten haben sich die Zuschauer über der Straße aufgestellt. Unter ihnen fließt in sanften Kurven der bunte Strom an Läufern, die sportlichen Typen, die kräftigen, die schwerfälligen und die Spaßvögel. Einige strecken den Zeigefinger ins Publikum oder reißen die Arme nach oben.

Marathonläufe sind Volkssport. In einer Gesellschaft, in der alles abgesichert scheint, sucht man neue Herausforderungen. Massenhaft hebt man sich aus der Masse heraus. Je mehr Menschen den Marathon geschafft haben, desto mehr möchten ihn einmal in der Woche schaffen.

Keine Startnummer bei den großen Läufen

An der Strecke sind Reisebusse geparkt - aus Oldenburg, Kassel, Dresden, Paderborn. In einem hängt ein Schild mit der Aufschrift „Marathon-Reise-Service“. Seit 15 Jahren kann man bei dem Veranstalter Fahrten zu den Rennen in Hamburg, Berlin und New York buchen. Jeder Mitfahrer stelle sich im Bus mit Bestzeit vor, sagt der Fahrer. „Das steigert das Gemeinschaftsgefühl.“

Zu den großen Marathons in London oder New York bekommt man ohne Reiseveranstalter kaum noch eine Startnummer. Für die Städte ist der Marathon-Tourismus zu einem Geschäft geworden. Und viele Läufer sind mittlerweile Sammler: Kürzlich feierte der 100-Marathon-Club Deutschland sein zehnjähriges Bestehen - die Mitglieder sind allesamt mehr als 100 Rennen gelaufen.

Die Welt-Liste führt Horst Preisler an, er ist Ehrenmitglied im Club, aber er will kein Sammler sein. Vielleicht wird er bald überholt - bis zu 170 Rennen pro Jahr laufen manche. Und da läuft Preisler unter der Fußgängerbrücke hindurch! Er lächelt ins Publikum und winkt.

Als einziger noch im Marathon

Der Sieger des Hamburg-Marathons, ein 22 Jahre alter Äthiopier, ist nach zwei Stunden und zwölf Minuten im Ziel. Preisler läuft da noch irgendwo durch den Norden der Stadt. Ihm ging es noch nie darum zu gewinnen. Wenn er lief, konnte er draußen sein, sich die Welt ansehen. Es tat ihm gut, er fühlte sich auch in der lauffreien Zeit viel besser als vorher.

Auch Sportmediziner halten es nicht für schädlich, 50 oder 60 Marathons im Jahr zu laufen, solange man gut trainiert ist und sich der Körper nicht wehrt. Ausdauersport schult angeblich Disziplin und Durchhaltevermögen.

Einmal hat Horst Preisler dann sogar doch ein Rennen gewonnen: am 23. Oktober 1988 in Basel. Es ging in mehreren Runden um einen Stadtpark. Man konnte einen Halbmarathon oder einen Marathon laufen. Nach der halben Strecke stiegen auf einmal alle aus, nur Preisler nicht. Ganz allein drehte er seine Runden. Er musste als Erster durchs Ziel laufen, ob er wollte oder nicht.

Nicht nur Laufen im Kopf

Kilometer 39: Preisler hat sich mit drei Filmemachern verabredet. Er soll sich auf dem letzten Stück selbst filmen, bekommt dafür eine Kamera umgeschnallt, die auf sein Gesicht gerichtet ist. Ein Kunstprojekt, das später mit einem Interview vertont werden soll.

Leider ist er aber hier beim Marathon nicht ganz unbekannt, ständig grüßen ihn Läufer, wollen mit ihm reden. Er gestikuliert abwehrend, legt den Zeigefinger auf die Lippen. Wie wird das wohl aussehen, später im Film?

Nach etwas mehr als fünf Stunden läuft Horst Preisler durchs Ziel am Heiligengeistfeld. Der Moderator hat ihn wohl übersehen - trotz Kameragestell. Preisler stört das nicht. Er sagt, einmal habe ein Moderator gerufen: „Und jetzt kommt Horst Preisler, der nichts außer Laufen im Kopf hat.“ Das hat ihn gestört. Denn das stimme nicht. Er sei ein politischer Mensch, setze sich für andere ein. Noch immer arbeitet er ehrenamtlich in einer Berufsgenossenschaft.

Im Ziel ein Meer benutzter Plastikbecher auf dem Boden. Erschöpfte liegen sich in den Armen. Jedem wird eine Medaille umgehängt. Preisler will die Medaille nicht. „Meine Frau nennt mich dann nur wieder ,Messi'.“ Er begrüßt noch schnell einen grauhaarigen Mann mit rotem Kopf, der am Straßenrand im Schatten sitzt. Ein kurzer Händedruck, ein Schulterklopfen, dann macht er sich auf den Weg zur U-Bahn.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Jesco Denzel

http://www.faz.net/s/Rub501F42F1AA064C4 ... ntent.html
Liebe Grüße, Hübi :lach062: Mobil: 0176 - 56 56 76 56 | Mobil beim Laufen: 0171 - 275 95 05
Hab die Menschen gern, so wie sie sind.
Andere gibt es nämlich nicht...
Phil Bosmans

[23. RUNNERS POINT Havellauf 2012]
[Lauftreff Berlin] [Hübis-Fotokiste]
Benutzeravatar
Hübi
Admin
Admin
 
Beiträge: 13014
Registriert: 21.12.2004, 00:41
Wohnort: Berlin-Zehlendorf
Skype-Name: bernd.huebner201

Re: Marathon-Rekordhalter - Horst Preisler: 1621 Marathons

Beitragvon Hübi » 06.06.2009, 21:01

Auszug des FAZ-Artikels:

Die Welt-Liste führt Horst Preisler an, er ist Ehrenmitglied im Club, aber er will kein Sammler sein. Vielleicht wird er bald überholt - bis zu 170 Rennen pro Jahr laufen manche. Und da läuft Preisler unter der Fußgängerbrücke hindurch! Er lächelt ins Publikum und winkt.

:icon_arrow: 170 Rennen pro Jahr :icon_exclaim: :icon_eek: :icon_eek: :icon_eek: :gruebel: Wahnsinn :icon_exclaim:
Liebe Grüße, Hübi :lach062: Mobil: 0176 - 56 56 76 56 | Mobil beim Laufen: 0171 - 275 95 05
Hab die Menschen gern, so wie sie sind.
Andere gibt es nämlich nicht...
Phil Bosmans

[23. RUNNERS POINT Havellauf 2012]
[Lauftreff Berlin] [Hübis-Fotokiste]
Benutzeravatar
Hübi
Admin
Admin
 
Beiträge: 13014
Registriert: 21.12.2004, 00:41
Wohnort: Berlin-Zehlendorf
Skype-Name: bernd.huebner201

Re: Marathon-Rekordhalter - Horst Preisler: 1621 Marathons

Beitragvon MOSES » 06.06.2009, 21:55

Ist mir schon mehrmals "über den Weg gelaufen (Bremerhaven-,Fichtelgebirgs- sowie zweimal beim Regensburg-Marathon).
Hat sich dieses Jahr beim Regensburg-Marathon per "Selbstinterview" im Veranstaltungsheft "präsentiert".

Moses
Ps.: Den seine "Lauferitis" muß ja ganz schön viel kosten........
Jeder sieht nur, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie Du bist.
Benutzeravatar
MOSES
Foren Freak
Foren Freak
 
Beiträge: 1053
Registriert: 30.07.2005, 11:28
Wohnort: 12045 Berlin



Ähnliche Beiträge


Zurück zu Leichtathletik-Meldungen aus aller Welt von German Road Races

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron