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Unser Kurt: „ Ich bin dann mal weg „

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Unser Kurt: „ Ich bin dann mal weg „

Beitragvon Hübi » 03.05.2011, 08:52

„ Ich bin dann mal weg „

So sagte schon Hape, jetzt bin ich dran und das in zweierlei Hinsicht.
Zu einem habe ich still und leise meinen Wohnsitz in Berlin aufgegeben und bin wieder in meine Heimat und Geburtsstadt, Wohnort meiner Kinder gezogen (http://www.haan.de/)

Es gibt so viele Gründe warum ich diesen Schritt getan habe, will und kann nicht alle aufzählen. Die Hauptgründe sind das ich mich zunehmend nicht mehr wohl und sicher in Berlin gefühlt habe. Ich hatte zunehmend Probleme mit der viel beschriebenen „Berliner Art“. Hart und Ehrlich wie manche meinen, ich sage nur „ ungehobelt und unverschämt, dumm und dumpf „. Gilt natürlich nicht für Alle, aber was ich alles als Smart Fahrer ertragen musste würde diese Seite sprengen. Und auch der normale Umgang im alltäglichen Leben war für mich zunehmend unerträglich. Hinzu kommen diverse Beschimpfungen und ein Überfall mit Bedrohung mit einem Messer, bei dem ich durch Cooles und Umsichtiges Handeln schlimmeres für mich abwenden konnte. Für viele sind das Peanuts, aber ich als kranker Mensch schlimm und bei meinen letzten Besuchen in Haan merkte ich zunehmend wo meine Heimat ist und wo ich hingehöre.

Berlin ist eine Wunderschöne, spannende Stadt. Jeden Tag konnte, wenn man wollte, man etwas Neues entdecken, Das werde ich mit Sicherheit sehr vermissen. Es gibt auch nette, freundliche, offene und hilfsbereite Mitbürger. Aber gerade dort wo ich wohnte war es nicht so. Nur klagende und jammernde, dem alten verhaftete der alten Zeit nachtrauernde Mitbürger. Heute ist ja alles so schlecht und teuer. Wie oft hörte ich „ früher war alles besser, billiger und weiß ich nicht noch alles“. Es wurde gejammert wenn es Winter war weil es glatt draußen war und der Bürgersteig nicht gefegt wurde. Ich habe es oft für unser Haus selber gemacht und wurde dann gefragt „ warum machen sie das? Wir haben doch einen Hausmeister „ Null Eigeninitiative, nichts“ Ich bekam nur ein müdes Lächeln. Es wurde aber sehr wohl beobachtet, sieht man an wackelnde Gardinen. Gegrüßt wurde so gut wie nicht und wenn dann nur wenn Augenkontakt bestand. Vielleicht lag es daran das ich, wie gehört, ein Wessie war? Ich weiss es nicht und ist mir jetzt auch egal.

Auch diese Vermüllung bei uns im Bezirk und auch im weiteren Umkreis im meinem Laufgebiet( Malchow, Karow, Lindenberg ) störten mich immer. Ich habe mich oft gefragt was Menschen dazu bewegt Haushaltsmüll. Kühlschränke, Teppiche, Möbel……. einfach in die Natur zu werfen. Bei der BSR ist es ( im Gegensatz zu Hier ) völlig kostenlos. Einmal habe ich jemanden darauf angesprochen.“ Dann heb`s doch auf wenn`s dich stört“. Wenn ich in einem anderen Stadtteil, im Westen gewohnt hätte vielleicht würde ich das hier nicht schreiben.

Da ich ja seit 01.01.2011 eine Erwerbsunfähigkeits-Rente bekomme und nicht mehr Arbeiten ging fiel der Grund ( Arbeiten) da zu bleiben auch weg. Ich hatte keine Aufgabe mehr.

Ich war nicht allein, ich war Einsam. Das hat etwas mit meiner Krankheit (Depression) und mit meinem Misstrauen in meine Mitmenschen zu tun. Die Frau die ich hier kennen gelernt hatte, konnte ich auf Dauer nicht an mich binden und Freunde habe ich keine gesucht und gefunden.

Die einzige Ausnahme war der Lauftreff von Bernd Hübner. Bei den Samstagsläufen am Flensburger Löwen habe ich mich fast immer angenommen und wohl gefühlt. Wenn ich es denn geschafft habe dort hin zu fahren.

Allen Mitläufern herzlichen Dank, besonders an Bernd, Thorsten ( Lülli ), Ecki, Horst, Waldläufer und Frau?, Clemens, Dennis und Vater. Mir fallen nicht alle Namen ein. Die, die ich vergessen habe, bitte ich um Entschuldigung. Es fehlen aber auch nur ein bis zwei. Schade habe ich es empfunden dass ich den Kontakt zu Martin Xberg nicht vertiefen konnte. Martin war mir sehr lieb und wertvoll ;-)) . Mein ganz besonderer Dank gilt Dietmar. Er ist mein Held vom Laufen, ich habe so eine Hochachtung vor ihm, tolle Leistungen die Dietmar trotzt seiner Krankheit jeden Tag vollbringt. Freude dringt normalerweise nicht zu mir durch, aber auf unsere gemeinsamen Läufe Mittwoch habe ich mich bis auf ein zweimal immer gefreut. Ich werde es sehr vermissen. Oft sind wir 2,5 – 3 Stunden durch Wald und Flur rund um Spandau gelaufen. Haben uns immer gut unterhalten (ich vielleicht mehr wie Dietmar), ich werde es vermissen. D A N K E D I E T M A R.

So habe ich dann meine sieben Sachen gepackt, habe niemanden davon erzählt und mich still und leise davon gemacht. Ich mag keinen Abschied und keine Erklärungen warum und weswegen, darum habe ich den Weg so gewählt. Von Bernd und Monika hätte ich mich gerne noch persönlich verabschiedet, aber da kam mir euer Urlaub dazwischen und danach habe ich keine Zeit und Gelegenheit gefunden im entsprechen Rahmen zu tun. Schade.

So bin ich wieder in meiner Heimat, hätte nicht gedacht dass man die so vermissen kann.

Und zum zweiten Ich bin dann mal weg, am 18.05. habe ich einen Flug nach Bilbao gebucht und von dort geht es nach St.Jean-Pied-de-Port ( Frankreich). Das ist mein Startort für den Jakobsweg (Camino Frances) nach Santiago de Compostela. Der Weg wird ca. 800 Km lang sein und ich möchte ihn in ca. 6 Wochen Gehen / Wandern. Der Rucksack ist gepackt (ohne Rucksack ca. 4,5Kg), alles nötige angeschafft, der Hinflug gebucht.

Alles andere lass ich auf mich zukommen. Übernachten werde ich wenn nötig in Pilgerherbergen, wenn es das Wetter zu lässt im Freien. Und wenn ich dann irgendwann in SdC angekommen bin, werde ich noch weitergehen bis ans „Ende der Welt“ Kap Finisterre am Atlantik.

Ich hoffe ihr habt Verständnis und übt Nachsicht ob meines Verhaltens, ändern kann man es eh nicht mehr.

Vielen Dank für Alles, bleibt Gesund, trainiert fleißig ;-)). , nehmt Rücksicht auf die vermeintlich Schwachen.

Lebt wohl.
Kurt
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Re: Unser Kurt: „ Ich bin dann mal weg „

Beitragvon Hübi » 03.05.2011, 08:58

Lieber Kurt,

es freut uns, dass Du Dich bei uns gut aufgenommen fühltest. Deine Zeilen haben uns schon sehr betroffen gemacht.

Wir wünschen Dir, dass Du in Deiner Heimatstadt wieder ein sicheres Gefühl bekommst.

Gutes Gelingen für Deinen Jakobsweg.

Wir würden uns sehr freuen weiterhin im Forum von Dir zu lesen und wenn es Dich mal nach Berlin verschlägt bist Du uns jederzeit herzlich willkommen.

Alles erdenklich Gute wünschen wir Dir!

Dein LT Bernd Hübner
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Re: Unser Kurt: „ Ich bin dann mal weg „

Beitragvon Martin König » 03.05.2011, 19:51

Hallo Kurt!

Dein plötzlicher Abschied aus Berlin hat mich nun sehr überrascht und ich empfinde es ein großen Verlust Dich als Lauffreund in dieser nicht einfachen Stadt nicht mehr antreffen zu können.
Deine Stadtlaufberichte und die Laufgeschichten aus der Havelregion habe ich sehr gerne gelesen. Auch dein Engagement als Sportfotograf bleibt mir in guter Erinnerung und als Streckenposten beim Velothon wirst Du auch fehlen...
Ich wünsche Dir für deinen weiteren Lebens(lauf)weg von Herzen alles Gute und viel Glück!
Ciao Kurt

Dein Lauffreund Martin aus Kreuzberg :winkie:
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Re: Unser Kurt: „ Ich bin dann mal weg „

Beitragvon Karen » 03.05.2011, 21:02

Ich wünsche dir auch alles Gute auf deinen neuen Lauf-Wander-Wegen :icon_exclaim:
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Re: Unser Kurt: „ Ich bin dann mal weg „

Beitragvon Schlachtensee-Runner » 04.05.2011, 08:59

Hallo Kurt,

ich kann mich den Worten der "Vorschreiber" nur anschließen und wünsche Dir viel Glück, eine besinnliche Zeit auf dem Jakobsweg und dass du in deiner Heimat das findest, was du hier offensichtlich vermißt hast.

Mach´s gut!

LG,
Uwe
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Re: Unser Kurt: „ Ich bin dann mal weg „

Beitragvon Hübi » 14.06.2011, 09:26

SMS von Kurt:

Olá, am Sonntag in Santiago angekommen.

800 km in 22 Tagen.

Lg an Alle


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