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Laufkolumnen

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Beitragvon Hübi » 13.07.2011, 20:56

Wahnsinn frisst Alltag. Alltag frisst Wahnsinn. :zustimm:
Liebe Grüße, Hübi :lach062: Mobil: 0176 - 56 56 76 56 | Mobil beim Laufen: 0171 - 275 95 05
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Martin berichtet ....

Beitragvon Hübi » 13.07.2011, 20:59

:freude: :icon_wink: :icon_cry: :freude:
Die 5-Minuten-Schuhe
Als ich den Dauerlauf-Laden betrat, drückte mir die unwirsche Verkäuferin sofort eine Leiter und einen Eimer mit Putzzeug in die Hand. „Das nächste Mal kommen Sie bitte pünktlich.“ Sie schaute sich im leeren Laden um und ihre Miene hellte sich auf: „Na ja, halb so schlimm, ist noch keine Kundschaft da. Ab besten fangen Sie gleich mit dem Schaufenster dort rechts an.“
Ich stellte die Sachen ab und versuchte zu lächeln. „Ich bin Kundschaft und würde gerne die neuen 5-Minuten-Schuhe anprobieren.“
Ihr Blick blieb auch für andeutungsresistente Männer lange genug auf meiner in Läuferkreisen unüblichen Taillenpolsterung hängen, bevor sie eine professionelle Miene aufsetzte. „Bedaure, aber die neuen Schuhe müssen an den Träger persönlich angepasst werden. Ich stelle Ihnen gerne einen Geschenkgutschein aus.“
„Frau M.“, ich hatte das Namensschild auf ihrem himmelblauen Shirt gelesen, „vor zwei Jahren bin ich hier in Berlin 3:30 gelaufen und möchte den Erfolg in drei Monaten wiederholen.“
„Junger Mann, in Laufzeitschriften wird oft der falsche Eindruck erweckt, als könnte sich ein Minigolfer in zwölf Wochen zum Marathonläufer entwickeln. Tatsächlich richten sich diese Pläne an ganzjährig aktive Athleten, die ihr Training auf den Saisonhöhepunkt hin optimieren wollen. Wenn Sie einen Rat von mir annehmen möchten, wir habe hier ein ausgezeichnetes Paar Stabilschuhe im Angebot. Damit rennen Sie bei jedem Wetter, mindestens drei Mal pro Woche – auch im Winter. Am besten schließen Sie sich einem Verein oder einer Laufgruppe an. Ein paar Volksläufe im Herbst schaden sicher nicht.“ Sie drückte mir den Laufkalender in die Hand. „Und im nächsten Jahr kommen Sie mit einer anständigen Halbmarathonzeit wieder in den Laden und dann schauen wir weiter.“
Der Klang ihrer Stimme drückte Endgültigkeit aus. Wenn die Verkäuferin nicht so hinreißend ausgesehen hätte, hätte ich augenblicklich den Laden verlassen. „Frau M., mir ist nicht bekannt, dass man für Laufschuhe ein Rezept vom Arzt oder einen Waffenschein benötigt.“
„Besser wär's. Sie haben sicher von dem Finnen gehört, dessen Schuhe ihn während eines steilen Anstiegs in den Spagat gerissen hatten. Noch Monate später bewegte er sich auf Krücken.“
„Wahrscheinlich habe ich durch meine unendliche Geduld, den Anschein erweckt, für den Kauf von Schuhen den ganzen Vormittag verschwenden zu dürfen. Dem ist nicht so. Ich bitte Sie, mir endlich ein Paar 5-Minuten-Schuhe in 46 2/3 zu holen und das Laufband anzuwerfen.“
Resigniert drehte sie sich um. Bei einer freundlichen Verkäuferin hätte ich nach kurzer Zeit den Blick abgewendet, aber bei ihr ließ ich ihn über ihren Rücken wandern, die vollen Pobacken, die Schenkel entlang und zurück über die mittellangen, blonden Haare. Die Augen ruhten eine Weile auf den kräftigen Armen und den Brüsten, als sie sich nach einem Karton im Regal streckte.
„Ziehen Sie sich bitte aus.“
„Wie bitte!“, entfuhr es mir.
Sie schaute entnervt auf mein blaues Baumwollhemd und meine Jeans. „Sie müssen mehrere Kilometer im 5er-Schnitt laufen und wollen gewiss nicht mit klitschnassen Klamotten in der U-Bahn nach Hause fahren.“
Ein schlabberiger, dunkelblauer Baumwollslip und ein nicht dazu passendes, löchriges T-Shirt kamen zum Vorschein. Frau M. stellte ein auf den ersten Blick gewöhnliches Paar weißer Markenschuhe vor meine Füße. Einzig winzige Glasperlen, kleiner als Stecknadelköpfe, auf den Außenseiten der Absätze weisen den Fachmann auf das hoch entwickelte Innenleben hin. Amethyst kennzeichnet die 5-Minuten-Schuhe. Rubin die 4er.
„Die grauen Dinger da auch.“ Sie zeigte auf meine ausgewaschenen, ehemals blauen Baumwollsocken. Kaum hatte ich sie neben mich gelegt, versenkte sie die Verkäuferin mit spitzen Fingern im Mülleimer.
„Die Minuten-Schuhe aktivieren nach zwei Kilometern den Flow-Modus. Ich habe das Laufband so eingestellt, dass sich ihr Tempo allmählich dem 5er-Schnitt annähert. Zehn Sekunden vor dem Übergang bimmelt ein Glöckchen.“
Ziemlich flott trabte ich los. Die Verkäuferin räumte im Laden auf und rief mir zwischendurch Kommandos zu wie: Rücken gerade! Hände locker! Gleichmäßig und entspannt laufen! Ruhiger und tiefer atmen!
Ich schwitzte wie in der Sauna, bemühte mich aber, den Anweisungen zu folgen.
„Versuchen Sie, den 5er-Schnitt konstant beizubehalten. Falls Sie langsamer werden, verlängern die Schuhe ihre Schritte. Antworten Sie sofort mit einer Frequenzsteigerung. Beschleunigen Sie , leisten die Schuhe Widerstand.“
Aus dem Monitor ertönte ein glockiger Handyton. Kurze Zeit später kam es mir so vor, als ob ich über dem Laufband schwebte. Federleicht segelte ich dahin. Doch versuchte ich, das Tempo zu erhöhen, wurden die Beine wieder schwer. Rasch kehrte ich in die Leichtigkeit zurück. Am liebsten wäre ich über das Laufband getänzelt.
Eine scharfe Stimme riss mich aus den träumerischen Gedanken „Laufen Sie stetig weiter und verkneifen sich gefälligst jede Albernheit, sonst fliegen Sie ganz böse auf die Fresse!“
Eine so drastische Ausdrucksweise hätte ich der Hübschen gar nicht zugetraut. Ernüchtert trabte ich weiter. „Und wie halte ich mit diesen Schuhen an?“
Frau M. lächelte. Offenbar meine erste geistreiche Bemerkung, seit ich den Laden betreten hatte.
„Falls Sie kein Turner sind, stemmen Sie beide Beine fest auf den Boden. Hier aber erst, wenn ich Sie dazu auffordere. Ignorieren Sie das Ziehen in den Beinen und warten Sie 30 Sekunden ab. Danach können Sie sich genau zwei Kilometer lang beliebig schnell bewegen, bevor der Flow wieder einsetzt. Bedenken Sie bitte, dass im Wald keine Glocke ertönt.“
„Äh, können wir denn mal anhalten?“
„Okay, jetzt!“ Augenblicklich stoppte das Band. Ich drückte die Beine fest auf das Gummi und hielt mich am Geländer fest, während mir schwindelig wurde.
„Wagen Sie bloß nicht, ein Bein anzuheben! Auch nicht, wenn Sie kotzen müssen.“
Die Schmerzen in Waden und Oberschenkeln steigerten sich von Sekunde zu Sekunde und verdrängten das Schwindelgefühl. Plötzlich war alles wieder normal. Sofort zog ich die Schuhe aus und setzte mich.
Die Verkäuferin schnappte sich das Paar. „Ich gebe die gesammelten Daten in Ihren persönlichen Schuhspeicher ein. Bitte gedulden Sie sich ein paar Minuten.“
Diese neuartigen Schuhe waren gewöhnungsbedürftig, resümierte ich. Währenddessen bildeten sich um meine Füße und auf dem Kunstleder-Sitzkasten Pfützen. Beschämt schaute in die Richtung des Nebenraumes. Rasch zog ich die triefende Unterwäsche aus und säuberte notdürftig meine Umgebung, bevor ich die Lappen in der Umhängetasche verschwinden ließ.
Nachdem ich einen Betrag auf den Tisch geblättert hatte, von dem andere in Urlaub fahren, überreichte mir die lächelnde Verkäuferin ein Paar weiß gemusterter Laufsocken. „Ein Geschenk des Hauses und viel Vergnügen mit den neuen Schuhen.“
„Hoffentlich laufen sie mir nicht davon, wenn ich sie in die Sporttasche packen möchte.“
Das Gesicht von Frau M. wurde sofort ausdruckslos. Offenbar hatte ich mit dieser Bemerkung meinen gesamten Sympathiebonus verschleudert. „Auf Wiedersehen!“
„Ganz bestimmt“, entgegnete ich und hoffte, eine unüberhörbare Portion von Sarkasmus in die Stimme gelegt zu haben. Niemals wieder werde ich diesen Laden betreten! Bis ich das nächste Mal neue Laufschuhe brauche, gibt es die Wunderwerke in jedem Sportgeschäft.
Lachhase
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Re: Laufkolumnen

Beitragvon spiridon » 22.07.2011, 11:39

Das fiktive Magazin „Marathon-Bestzeit“ stellt euch in den nächsten Wochen Helden des Alltags vor, die euch nicht unbekannt sein dürften. Die Reihe erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ist nicht ganz ernst gemeint und wird eventuell auch nach dem Marathon noch in loser Folge fortgeführt. „Marathon-Bestzeit“ beginnt seine Reihe mit einem aufstrebenden Talent aus der Läuferschmiede LT Bernd Hübner, Uwe Schröder.

Wir scheinen Glück zu haben. Uwe Schröder ist ein begehrter Läufer und Gesprächspartner, und so war es zuerst einmal gar nicht so leicht, zwischen all seinen Verpflichtungen einen Termin für ein Interview zu ergattern. Während man es jedoch in der High Society der Laufelite oft schwer hat, an all den Beratern, Managern und Betreuern vorbeizukommen, organisiert Uwe Schröder noch alles selbst. Eine Ein-Mann-Organisation. Keine einfache Sache, die manchmal die kuriosesten Situationen hervorruft – doch dazu später mehr. Uns ist es schließlich gelungen, ihn vor dem Training mit seiner Lauftruppe Bernd Hübner vor dem Mommsenstadion anzutreffen. Während viele ihre für die Gruppe so typischen roten Jerseys tragen, wartet Uwe in einem goldfarbenen Laufshirt auf uns. Eine eigene Kreation, wie er verschmitzt zum Besten gibt. Es gelingt uns gerade noch, uns kurz vorzustellen, da geht auch schon die Post ab. Wir laufen durch ein Stückchen Wald Richtung Kronprinzessinnenweg, in Läuferkreisen Krone genannt.

Marathon Bestzeit (kurz MBZ): „Uwe, ein wenig überrascht sind wir schon. Wir hatten ein anderes äußeres Erscheinungsbild erwartet!“
Uwe: „Ich weiß, sie hatten bestimmt einen größeren Sportler vor Augen. Man nennt mich hier XS-Uwe.“
MBZ: „Nein, ehrlich gesagt, hatten wir einen etwas dunkleren Hauttyp vermutet. Sie führen doch den Spitznamen Schlachtensee-Kenianer.“
Uwe: „Ach, das ist nur so aus der Situation entstanden. Wir suchten einen Namen für unsere Laufgruppe, mit der ich immer um den Schlachtensee herum unterwegs war. Da ergab sich so etwas.“
MBZ: „Aber dieser Zusatz „Schlachtensee-Kenianer“ hat ihnen später auch noch eine Menge Ärger mit ihrem Sponsor eingebracht. Ist das richtig?“
Uwe: „Da muss ich jetzt ein bisschen aufpassen. Wird das Interview veröffentlicht?“
MBZ: „Nein, auf keinen Fall.“
Uwe: „Da bin ich aber beruhigt. Dann kann ich ja alles erzählen. Also: Anlässlich des Berliner Halbmarathons im Frühjahr sprach mich die Firma…“
Wir sind noch nicht auf der Krone angekommen, da klingelt schon Uwes Handy. Ein Griff in die Tasche seiner Laufhose während er weiterläuft.
Uwe: „Kleinen Augenblick!“
MBZ: „Kein Problem!“
Uwe (spricht während des Laufens mit einem Freund am anderen Ende der Leitung): “Natürlich komme ich nachher zum Schwimmen…Ja, auf jeden Fall – natürlich, zweimal den Schlachtensse der Länge nach… Bis dann!“
Uwe: „Tschuldigung!“
MBZ: „Macht nichts. Wir waren beim Sponsor!“
Uwe: „Ach ja, also ein großer Energieversorger, der gleichzeitig als Hauptsponsor dieses großen Laufs fungiert, sprach mich auf eine Werbekampagne an. Ich hätte so eine positive Ausstrahlung und was die einem da alles so erzählen. Ich sagte schließlich zu, nur für Nacktaufnahmen stand ich nicht zur Verfügung. So erschien ich 14 Tage beinahe täglich in einer großen Berliner Tageszeitung. Mir war das etwas unangenehm, schließlich wurde ich in unserer Lauftruppe schon damit aufgezogen. Meine Sponsorentermine würden meine Leistung beeinflussen und ähnliches. Die Hübis haben ganz schön gestichelt, aber das war mir völlig egal, ich trainierte nämlich heimlich noch mit einer anderen Spezialeinheit…“
MBZ: „Mit der Laufgruppe vom Klemmbrett-Karras –stimmt’s?“
Uwe: „Ja, das ist richtig blöd gelaufen, denn ich wollt’ das ja geheim halten. Das ging ganze 24 Stunden gut, bis dann in derselben Berliner Tageszeitung ein Foto von der Laufgruppe erschien und ich mittendrin. Da war die Katze aus dem Sack. Dabei hatte ich mir alles so schön ausgemalt: Ein paar Mal mit der anderen Gruppe heimlich trainieren, bei Hübi auftauchen, ein wenig müde wirken und wie Phönix aus der Asche zu Bestleistungen stürmen! Die hätten vielleicht geguckt.“
MBZ: „Und was hatte es nun mit dem Ärger mit Ihrem Sponsor wegen des „Kenianer-Zusatzes“ auf sich?“
Uwe: „Nun ja, ein Sponsor verlangt natürlich auch Erfolge. Viel hatte ich da noch nicht vorzuweisen. Wir machen bei unseren Sonntagsläufen zum Schluss immer eine Art Ausscheidungsrennen, so nach dem Motto „Die ersten drei bekommen ein Stück Kuchen“. Das mit dem Kuchen ist natürlich fiktiv, wir achten alle viel zu sehr auf unsere Figuren und halten auch die Diätpläne strikt ein. Aber bei einem dieser fiktiven Rennen belegte ich mal einen der vorderen Plätze.“
MBZ: „Ist das vergleichbar mit den Ausscheidungsrennen, die die Kenianer im Vorfeld von bedeutenden Wettbewerben veranstalten?“
Uwe: „Ja, so können Sie das sehen!“
Wir biegen auf die Krone ein und beginnen mit dem Tempotraining.
MBZ: „Nochmal zum Ärger…“
Uwe: „Ach ja. Nun, viele Erfolge hatte ich also bislang nicht vorzuweisen und nun ausgerechnet beim Airport-Run passiert mir dieses Missgeschick. Ich meldete mich mit „LT Bernd Hübner-Schlachtensee-Kenianer“ an und lief eine Bestzeit!“
MBZ: „Das ist ja großartig!“
Uwe: “Eben nicht. Durch diesen Zusatz „Schlachtensee-Kenianer“ gelangte ich nicht in die Wertung der LT Bernd Hübner, und die gewannen den Mannschafts-Halbmarathon. Ein gewisser Olli heimste dafür den Ruhm ein. Der erzählt heute noch jedem, der es nicht hören will, von seiner Leistung, und ich konnte mir von meinem Hauptsponsor was anhören. Das ist keine schöne Situation, dass können Sie sicherlich nachvollziehen.“
MBZ: „Ärgern sie sich eigentlich…“
Während wir gerade das Tempo forcieren, klingelt wieder das Handy.
Uwe: “Ja, hallo? Nein ich bin nicht außer Atem, wir machen nur gerade Tempotraining - Was, zum Fußball? Ja, aber ich muss nach dem Laufen erst noch zum Schwimmen im Schlachtensee - Nein, nur zweimal heute - Ist es ein Pokalspiel? - Ich frage nur, um zu wissen, ob es eine Verlängerung geben könnte - Bis später!“
Uwe: „Wie war noch einmal ihre Frage?“
MBZ: „Ärgern sie sich eigentlich?“
Uwe: „Ja, natürlich. Ich hätte schon gerne was vorzuweisen. So bleibe ich immer nur der, der nach dem Halbmarathon schnell noch zu Hertha ins Stadion muss. Diese Schlagzeile der Berliner Morgenpost verfolgt mich bis heute“
MBZ: „Aber so etwas bleibt bei den Menschen doch eher im Gedächtnis, als wenn sie sich um dreißig Sekunden verbessern!“
Uwe: „Mir geht es aber nun mal eher um meine sportlichen Leistungen und nicht um Schlagzeilen.“
Wir beschleunigen gerade auf den letzten zwei Kilometern als sich das Handy wieder meldet. Es geht um eine Anmeldung zu einem Volkslauf, große Siegprämien sind sicherlich nicht zu erwarten verrät der Veranstalter, Uwe sagt dennoch zu – im Terminkalender war noch Platz. Jetzt wird einem bewusst, wie Komplex es ist, eine Ein-Mann-Organisation zu händeln.
Zum Schluss kommen wir noch einmal auf sein goldfarbenes Laufhemd zu sprechen.
Uwe: „Das hat schon seine Tradition und als ehemaliger Fußballer pflegt man Traditionen genauso wie den Aberglauben.“
Als wir am Mommsenstadion eintreffen, wirkt Uwe entspannt. Die anstrengende Trainingseinheit ist ihm nicht anzusehen. Beim gemeinsamen Dehnen der Muskulatur zischelt einer aus der Lauftruppe: „Mit den kurzen Beinen muss er ja schnelle Schritte machen können.“
Uwe hat es zwar gehört, zuckt aber nur gelassen mit den Schultern.
Der Schlachtensee-Kenianer wird die Jagd nach Bestzeiten und Erfolgen fortsetzen, vielleicht schon beim Berlin-Marathon.

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Re: Laufkolumnen

Beitragvon Hübi » 22.07.2011, 11:47

@Olli: Großartig, super Kolumne über "Uns-Uwe!". :freu: :lacher: :clap: :ja: Weiter so! :freude: :lacher:
Liebe Grüße, Hübi :lach062: Mobil: 0176 - 56 56 76 56 | Mobil beim Laufen: 0171 - 275 95 05
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Re: Laufkolumnen

Beitragvon Schlachtensee-Runner » 22.07.2011, 12:02

Hallo Olli,

Hut ab, das ist ja ganz großer "Kolumnensport". Ich habe mich köstlich amüsiert!!!
Dass du aber in nächster Zukunft von meinen Anwälten hören wirst, hast du hoffentlich beim Schreiben dieser Zeilen bedacht :icon_wink:

Und die Vorfreude auf das Porträt des "Läufers mit den Wadenwärmern", der in Hamburg sponsorengerecht durchs Bild schlich, steigt auch schon...

Viel Spaß beim Trainung heute,
ich bin leider (wg. Empfang bei einem großen Energieversorger :lacher: ) verhindert

LG vom Kenianer
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Re: Laufkolumnen

Beitragvon Tetze » 23.07.2011, 11:59

Nee Olli, ick kann nicht mehr, ick schmeiß mir wech... :lacher:

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Wir wurden dazu geschaffen, lang und ausdauernd zu laufen. Dafür zu trainieren ist keine Strafarbeit und weder künstlich noch unnatürlich. Es ist der Kern unseres Seins!
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Re: Laufkolumnen

Beitragvon Martin König » 23.07.2011, 19:51

Endllich!

Ein witziges Laufmagazin - Es lebe die MBZ! Klasse und weiter so, Oliver!
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Re: Laufkolumnen

Beitragvon Karen » 27.07.2011, 17:54

man Olli, ich hab Tränen gelacht, wie herrlich :win:
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Liebe Grüße von Karen
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Re: Laufkolumnen

Beitragvon spiridon » 29.07.2011, 08:28

Nach dem Schlachtensee-Kenianer Uwe Schröder folgt heute Teil 2 unserer beliebten Portraitserie:

In Mannschaftssportarten gibt es den Spielertyp, dessen Wert oftmals erst erkannt wird, wenn er fehlt – sei es verletzungsbedingt oder durch eine Sperre. Im Spiel selbst fällt er nicht sonderlich auf, er verrichtet seine Aufgaben unauffällig, beinahe unscheinbar, seine Leistungen tauchen in keiner Statistik auf und er ist doch so wichtig, weil er die vielen kleinen Dinge erledigt, die den Erfolg der Mannschaft erst ermöglichen. Alex Stein gehört definitiv nicht dazu und deshalb erschien es Marathon Bestzeit (MBZ) an der Zeit, ihn näher unter die Lupe zu nehmen.

Wikipedia beschreibt ihn wie folgt: „Ein Bauelement zwischen Steuerung und Verbraucher.“ Ja, das ist unser Alex, eindeutig. Sollten noch Unklarheiten herrschen? Der beliebte Internetduden, der in zeitnaher Vergangenheit oftmals auch für Doktorarbeiten herangezogen wurde, gibt eine weitere Hilfestellung: „Bei der Treibjagd Wild aufscheuchende Personen.“ Richtig: Der „Treiber“ oder auch „Leistungstreiber“ genannt, das ist Alex. Denn auffällig ist es schon, wenn er dabei ist. Und wer ihn einmal in guter körperlicher Verfassung am Fuße des „langen Jammers“ erlebt hat und von ihm „genötigt“ wurde, diesen Part der Trainingseinheit unter keinen Umständen auszulassen, weiß, wovon der Autor schreibt. Aber da sind wir schon beim Dilemma. „In guter körperlicher Verfassung“ war Alex beinahe das gesamte Frühjahr nicht und schuld daran war eine hartnäckige Verletzung. Viele munkeln gar, dass diese Verletzung nicht nur ihn persönlich getroffen hat, sondern andere gleich mit, denn der „Treiber“ fehlte fortan im Training als Ansporn und Quälgeist. Beinahe gemächlich wurde in diesen Monaten der Anstieg zum „langen Jammer“ genommen, manchmal sogar ausgelassen, aber das vielleicht Schlimmste war: nicht einen plagte das schlechte Gewissen. Beim Halbmarathon Anfang April wurden die ehrgeizig gesetzten Ziele prompt reihenweise glatt verfehlt, so dass im Forum kurzfristig gar eine Diskussion über Sinn und Unsinn unserer Trainingsmethoden stattfand. Der eine führte den Leistungsabfall auf die warmen Temperaturen zurück, der andere hatte zu wenig getrunken. Neue Schuhe, eine unmögliche Streckenführung, allgemeines Unwohlsein - seit Alex’ Fehlen hatte eines Hochkonjunktur: die Ausreden. Es ging sogar das Gerücht um, es gäbe einen, der sich heimlich eine Datei mit dem Titel: „Ausreden für Läufer bei verfehlten Zeiten“ angelegt hat. Man konnte diese Ausreden angeblich bei ihm buchen, einzeln oder im Paket, es gab sogar Mengenrabatt und einige Interessierte wollten gar eine Einzugsermächtigung erteilen, um bei sportlichem Misserfolg sofort gewappnet zu sein. Leicht und verlockend schien das alles: Im Training etwas schludern, Ausrede buchen und alle stimmen zu: „Natürlich war es zu warm, bei mir ja auch. Und nur alle 500 Meter ein Getränkestand…“
Alex ist so etwas suspekt. Bei ihm läuft das eher so: Ein wunderbarer sonniger Sonntag, die Lauftruppe Bernd Hübner hat bereits 20 km des langen Laufs absolviert, als Alex sich und die anderen vor die Wahl stellt: „Entweder die letzten 10 km im 04:40-Schnitt oder alternativ 12 km – dafür aber im 04:20-Schnitt!“ Man wird ihn in den Wochen vor dem Berlin-Marathon noch verfluchen, genau wie einst die strengen Lehrer, bei denen man oft erst viel später erkannte, was man von ihnen alles gelernt hat.

Als der Autor einmal gefragt wurde, wie er denn Alex in einem einzigen Satz charakterisieren sollte, fiel ihm folgendes ein: „Alex ist jemand, der läuft als Vorbereitung für einen Marathon einfach einen Marathon.“ Nun gut, der zweite Marathon in Wien fiel der Verletzung geschuldet aus, aber das Vorhaben war ambitioniert. Auch eine andere Szene steht sinnbildlich für seinen Ehrgeiz: Berlin, ein Sonntag im September, Marathontag. Wir lassen gerade den Friedrich-Wilhelm-Platz hinter uns, Kilometer 25 wurde soeben passiert, als Alex merklich stiller wird. Auf eine kurze Nachfrage, eine kurze Antwort, die hier nicht wörtlich wiedergegeben werden kann. Vereinfacht: Es ging ihm Mies, das Atmen fiel ihm deutlich schwerer und meine Sorge stieg, ob wir den Lauf gemeinsam beenden würden. Aber Alex ist so eine Art altertümliche Lok. Sie schnauft in höherem Tempo unaufhörlich, hat aber den Vorteil, dass sie unverwüstlich ist und zudem noch einen Heizer mit an Bord hat. Und dieser Heizer muss nahe Breitenbachplatz unmittelbar vor dem Anstieg Lentzeallee Richtung „Wilden Eber“ ein paar Kohlen nachgeschippt haben. Jedenfalls lief Alex’ Motor wieder rund und er mir davon. Dieser Wille zeichnet ihn aus.

Für Berlin fährt er das Programm für seine Verhältnisse etwas herunter – aber da täusche sich keiner: Sein Plan zur neuen Bestzeit steht insgeheim, es scheint nur alles etwas gezielter vonstatten zu gehen. Das schützt uns aber nicht vor dem, was unweigerlich bevor steht. Der Treiber wird seinem Namen noch alle Ehre machen, wenn es wieder soweit ist. Und so hütet euch vor dem „Schwarzen Weg“, denn wenige Schritte später wird sich der „Treiber“ an die Spitze der Läuferschar setzen, unser „Mann des langen Jammers“.

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Re: Laufkolumnen

Beitragvon Tortellini » 29.07.2011, 10:05

Wiedermal eine sehr schöne Kolumne von dir, Oli. :clap:
Ich weiß jetzt zwar nicht, ob ich Alex als Treiber gesehen habe, aber eines weiß ich ganz genau:
Wenn Alex nicht beim Training dabei ist fehlt mir was. Ich bin sehr froh, ihn in unserem Team zu haben!!! :zustimm: :zustimm: :zustimm:
Gruß
Torsten

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